Kauderwelsch zur Wahl

Studie: Wahlprogramme der Parteien in weiten Teilen unverständlich

14.09.17

Die Programme der Parteien zur Bundestagswahl sind für viele Laien unverständlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Hohenheim in Stuttgart. „Mit ihren teilweise schwer verdaulichen Wahlprogrammen schließen die Parteien einen erheblichen Teil der Wähler aus und verpassen damit eine kommunikative Chance“, resümiert  Frank Brettschneider, der Leiter der Studie.
Die Wissenschaftler suchten mit Hilfe einer Software unter anderem nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen, Fremdwörtern und zusammengesetzten Wörtern. Anhand dieser Merkmale bilden sie den „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“, der von 0 (völlig unverständlich) bis 20 (sehr verständlich) reicht. Das Ergebnis: Im Durchschnitt liegt die Verständlichkeit der Bundestagswahlprogramme bei 9,1. Insgesamt schneidet das Programm von CDU/CSU mit einem Wert von 10,8 noch am besten ab. Die Grünen liegen mit 10,0 auf Rang 2. Auf den dritten Platz kommt die Linkspartei mit 9,3, gefolgt von FDP (9,1), SPD (8,4) und AfD (7,3).
Die Programme aller Parteien enthalten zahlreiche Fremd- und Fachwörter. Als Beispiele nennt die Studie: „Race to the Top“ (Die Grünen), „Braindrain“ (Die Grünen), „Failed States“ (AfD), „Economic Partnership Agreements“ (SPD), „Genome-Editing“ (FDP), „Small Banking Box“ (FDP), „Share Deals“ (Die Linke) oder „one-in, one-out-Regel“ (CDU/CSU). Eine ähnlich abschreckende Wirkung haben Wortzusammensetzungen oder Nominalisierungen, durch die einfache Begriffe zu Wort-Ungetümen wie beispielsweise „ErwerbsminderungsrentnerInnen“ (Linkspartei, SPD), „Statusfeststellungsverfahren“ (FDP) oder Mindestlohndokumentationspflichtenverordnung“ (FDP) werden.
Auch zu lange Sätze erschweren das Verständnis. Der längste findet sich bei der FDP mit 90 Wörtern. Aber auch bei allen anderen Parteien tauchen überlange Sätze mit mehr als 50 Wörtern auf.    J.H.


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Kommentare

Arnold Schacht:
15.09.2017, 19:20 Uhr

1. Wir leben in einem Land, in dem "Finis Germania" Bestseller war, ein wirklich schwer verständliches Buch.

2. Ich habe im Internet ein Interview eines schleswig-holsteinischen Ministers zum Grundeinkommen gelesen. Dieses hatte das sprachliche Niveau eines 5jährigen.

Man kann sicher übertreiben, aber allzu leicht sollte man es den Leuten auch nicht machen. Wer z.B. "Interview" oder "Niveau" nicht versteht, sollte vielleicht auch nicht wählen. Schließlich braucht es ein Mindestniveau, um überhaupt zu verstehen, worum es geht.

Es geht schließlich nicht um einen Schönheitswettbewerb ("Der Macron sieht gut aus", habe ich schon gehört).


Jürgen Umfahr:
14.09.2017, 19:12 Uhr

Aber Hauptsache, die AfD wurde auf den niedrigsten Platz gereiht - obwohl sicher gerade SIE sich AM ALLERKLARSTEN ausdrückt!!!
Wie kann man so eine zusammengebastelte "Studie" nur ernst nehmen?!


Thorsten Schmidt:
14.09.2017, 07:35 Uhr

"„ErwerbsminderungsrentnerInnen“ (Linkspartei, SPD),
„Statusfeststellungsverfahren“ (FDP) oder Mindestlohndokumentationspflichtenverordnung“ (FDP)"

Das ist doch auch nur wieder typisch akademischer Unsinn:
Leute, die derartige "sprechende Begriffe" nicht zu deuten wissen, lesen auch nicht in Wahlprogrammen. Alle anderen haben dagegen damit kein Problem.

Neulich befuhr ich die A2 und hörte MDR-Sachen-Anhalt. Als die Nachrichten kamen, mußte ich mir die Augen reiben - ich hatte den Eindruck, als würde "leichte Sprache" verwendet. Schauderhaft!

Solche Pitti-Platsch-Formulierungen führen nur zur weiteren Verdummung der ohnehin schon Minderbemittelten. Die anderen wenden sich ab ...


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