Kinder als Manövriermasse

Deutsche Schüler sollen zum Zweck der Ausländer-Integration gleichmäßiger verteilt werden

02.09.12
1400 Berliner Schüler sprechen kein Deutsch, vor einem Jahr waren es „nur“ 1000: Einschulung im Stadtteil Neukölln. Bild: Ullstein

An Berlins Lenau-Grundschule ist ein von Eltern begonnener Streit um die ethnische Verteilung der Kinder auf die Klassen oberflächlich beigelegt. Die Debatte zeigt indes den Trend zu regelrechten Fluchtbewegungen deutscher Eltern aus Kiezschulen. Die Schulpolitik des Senats kommt inzwischen selbst an Grundschulen mit der Wirklichkeit nicht mehr mit.

Berlins Immigrantenanteil steigt. Vor allem aus Südeuropa kommen zurzeit viele der neuen Zuwanderer. Berlins Schulsystem steht mit der Einbindung der Zuwandererkinder aber vor kaum zu bewältigenden Problemen. Das zeigen jüngste Proteste von Eltern an der Lenau-Schule in Kreuzberg. Dabei geht es vordergründig um Spracherwerb, Chancengleichheit und eine ausgewogene Schülermischung, doch die Kategorie Herkunft spielt offenbar eine immer größere Rolle.
Einigen Eltern mit Immigrationshintergrund missfiel die Schülerverteilung der Erstklässler in zwei Klassen. Sie warfen der Schule Diskriminierung wegen angeblicher herkunftsmäßiger Trennung der Kinder vor. Deutsche Eltern drohten wiederum, ihre Kinder von der Schule zu nehmen. Nun scheint der Streit beigelegt, zehn deutsche Kinder wechseln die Klasse. Die Eltern reichen sich die Hand und üben Schadensbegrenzung.
Die grundlegenden Probleme bei der Integration sind damit aber nicht bewältigt. Der Ton ist schärfer geworden. Medien hatten berichtet, an der Schule sei eine Klasse zu 85 Prozent aus deutschen Kindern geformt worden, während eine andere Klasse nur Kinder türkischer oder arabischer Muttersprache zusammenfasse. Tatsächlich durften Eltern ihre Kinder eigenständig und zusammen anmelden. Wer schon in der Kindertagesstätte zusammen war, durfte zusammenbleiben.
Die meist türkischen Eltern, die sich nun beschweren, kümmerten sich zumeist erst spät darum, mit wem ihre Kinder die Schulbank drücken. Vor allem die deutschen Eltern hingegen nutzten die Gruppenanmeldung. Die sollte aber gerade eine Durchmischung der Klassen erleichtern. Nun hat die Schule nachgegeben, nachdem ihr manche Eltern sogar Rassismus vorgeworfen hatten.
Bildungseinrichtungen stehen so gleich mehrfach unter Druck: Sie müssen die politisch-ideologischen Schulvorgaben Berlins wie das kurz nach Einführung nun wieder abgeschaffte gemeinsame Lernen erfüllen. Sie haben sich dabei auf Gruppenanmeldungen eingelassen, auch um deutsche Eltern in den durch Zuwanderung geprägten Schulen zu halten. Hamburger Schulen fragen Eltern wegen derart komplexer Ansprüche bereits, ob sie Kinder mit Immigrationshintergrund überhaupt statistisch verzeichnen dürfen, ohne als rassistisch zu gelten.
Gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz werden Kinder in Kategorien eingeteilt. Es gibt Muttersprachler mit Immigrationshintergrund, fremdsprachige Kinder mit und ohne deutschen Pass und alle müssen chancengerecht und nach Elternwille verteilt und gefördert werden. Offiziell sprechen 1400 Schüler Berlins kein Deutsch, 2011 waren es 1000. Einige Grundschulen hoffen, mit viel Eigeninitiative und speziellen Lerngruppen diese Kinder auf den Unterricht vorzubereiten, doch ein politisches Konzept fehlt.
Vor allem der Zuzug von Romakindern lässt die Zahl derer hochschnellen, denen die deutsche Sprache fremd ist. Dass Kinder, die keine Freunde mitbringen können, als Außenseiter starten, ist zum Politikum geworden. Kinder, die Deutsch nicht ihre Herkunftssprache nennen, machen 75 Prozent der Schüler an der Lenau-Schule aus. Die Hans-Fallada-Grundschule steht sogar vor der Aufgabe, 100 Romakinder in den deutschen Schulalltag einzugewöhnen.
Das ist faktisch kaum möglich. Die Verantwortung dafür will die Politik auf die Schulen abwälzen, denn 300000 Euro für die geplanten, schlecht bezahlten sogenannten Sprachmittler können den registrierten weiteren Zuzug umfangreich zu betreuender Kinder kaum bewältigen helfen.
Politiker der Grünen stellen nun die sogenannten Deutsch-Garantie-Klassen der Gustav-Falke-Schule in Wedding der kritisierten Lenau-Schule lobend gegenüber. Doch dortige Deutsch-Tests verlagern das Problem nur: Für manche der nun protestierenden Eltern war die Lenau-Schule bereits die letzte Wahlmöglichkeit.
Neueste Umfragen wie die der Berliner Meinungsforscher der Info GmbH zeigen zudem, dass die Bedeutung des Spracherwerbs bei Türken in Deutschland eher an Gewicht zu verlieren scheint: Zwar stimmen 84 Prozent der befragten Türken zu, dass nur über Spracherwerb Integration gelingt, 2010 teilten mit 89 Prozent aber noch mehr diese Ansicht. Laut der Umfrage sagten zudem 62 Prozent der 1000 Teilnehmer, dass sie am liebsten mit Türken zusammen sind.
Diese selbst gewählte Isolation führt offenbar zu Realitätsverlust. Tatsächlich sind die jüngsten Elternvorwürfe bei näherer Betrachtung kaum haltbar. In der kritisierten Klasse sind zwar viele Schüler mit ausländischen Eltern, doch sind es solche, bei denen zu Hause Deutsch gesprochen wird. Dass die Klasse nun aufgelöst wird, hilft der Schule also nicht. Sverre Gutschmidt


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Kommentare

Bi Mi:
26.09.2012, 15:57 Uhr

Interessanter Weise, beim Überfliegen der Kommentare, konnte ich feststellen, dass einige Leute anscheinend den Artikel nicht genau gelesen haben. Es geht hier um Kinder mit Migrationshintergrund, sicherlich auch türkisch und arabisch, aber auch, wie im Artikel erwähnt, auch Südeuropa und Romakinder. Wie um alles in der Welt, wird jetzt das Thema wieder auf "Islamisierung des Westens" gebracht? Ich meine, mit ein wenig Bildung, weiß man, dass Romakinder(welche, soweit ich weiß der christlichen Religion angehören)und auch Italiener, Spanier und auch Griechen keine Muslime sind(die Mehrheit der Bevölkerung). Somit frage ich mich, wie kann es den Untergang des christlichen ABnedlandes bedeuten, wenn christliche Südeuropäer nach Deutschland kommen? Kann das hier ernsthaft niemand auseinander halten?


Simona Liebschwager:
6.09.2012, 20:19 Uhr

Ich bin, als ich schwanger war, aus dem Problemkiez Neukölln weggezogen. Ich wollte nicht, dass mein Kind ähnliches mitmachen muss, wie ich (ja, es war in den 80ern schon schlimm). Jetzt geht er aufs Gymnasium (ääätsch, ihr Grünen!). Warum sollten unsere Kinder die verfehlte Zuwanderungspolitik ausbaden??? Und vor allem...wenn es in 20 Jahren NUR noch Klassen mit 80% Migrationshintergrund gibt, was dann? Im Übrigen sind viele Multi-Kulti-Beführworter hier in Berlin die ersten, die umziehen, wenn die Einschulung der Kinder bevorsteht. Ich nenne das Scheinheilig!


Horst Hamacher:
6.09.2012, 19:19 Uhr

Deutschen Eltern kann man nur noch Privatschulen empfehlen, wenn sie einigermaßen sicher sein wollen, dass ihre Kinder auch ein Abiturzeugnis erhalten, wo Abitur drin ist. In öffentlichen Schulen fallen viel zu viele Stunden aus, und die Probleme, die durch Moslemkinder innerhalb und außerhalb von Schulen verursacht werden, möchte ich keinem lernwilligen Kind zumuten.


Caro Henning:
6.09.2012, 18:28 Uhr

Haben unsere Politiker und Medien vor lauter Multi-Kulti-Träumereien den Verstand verloren?
Anstatt dass sich die Muslime bei und integrieren und u.a.auch die deutsche Sprache erlernen, integrieren wir immer schön weiter diese faschistische islamische Ideologie.
Wir wollen ja keineswegs die Moslems beleidigen und geben daher allen Forderungen der Islamverbände nach.
Und das sind nicht wenige.
Und unsere Kultur geben wir stückweise auf.


Clarissa Sandmeier:
6.09.2012, 16:14 Uhr

Deutsche, integriert euch doch endlich! Es bleibt gar nichts anderes mehr übrig!


Dr. Jürgen W. Schmidt:
6.09.2012, 06:15 Uhr

Mitte der 90-iger Jahre hatten die ersten Berliner Schulen einen Ausländeranteil von über 50 % unter ihren Schülern. Vor wenigen Jahren konnten dann die ersten Berliner Schulen die 100 %-Marke reissen. Die Berliner Ausländerbeauftragten Barbara John (1981-2003) und Günter Piening (2003-2012) schwiegen zu dieser Entwicklung bzw. redeten sie pflichtgemäß schön. Überschüttet mit Auszeichnungen und Anerkennungspreisen schieden beide aus ihren Ämtern. Die Berliner müssen nun mit dieser verfahrenen Situation zurechtkommen. Die einflußreiche Lehrer-Gewerkschaft GEW baut keinerlei politischen Druck auf, um diese unhaltbaren Verhältnisse anzuprangern und zu ändern. Kein Wunder, ist sie doch eine der rötesten deutschen Gewerkschaften überhaupt. Und Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigte sich schon beim S-Bahn-Problem und derzeit beim neuen Berliner Flughafen völlig überfordert. Es wird also in den nächsten Jahren nur noch schlimmer werden. Die Berliner Kinder können einem leid tun.


Jörg Holzer:
5.09.2012, 08:27 Uhr

Rot Grüner Multikulti Wahnsinn!Auf dem Rücken der Bevölkerung,hier der kleinsten ausgetragen!Mein Kind würde definitiv nicht in eine solche Klasse gehen!Da muß man halt umziehen,wenn es anders nicht geht!Die Verursacher des "Dilemmas" schicken ihre Kids auf Privatschulen,alle die sich das nicht leisten können müssen halt sehen wo Sie bleiben!


Harry Husen:
3.09.2012, 12:15 Uhr

Der Staat hat versagt. Dies begann bereits unter unserem fragwürdigen Bundeskanzler "der Einigung" Helmut Kohl. Die türkischen Ansprüche werden zunehmen und Parteien wie die Grünen werden unser Land verschachern. Entschuldigen sie meinen Ausdruck, aber es kotzt mich an wenn ich diese "europäische" und islamische Politik verfolge.


Hans Katze:
3.09.2012, 10:32 Uhr

Was die Beschwichtiger nicht verstehen: Hinter dem ständigen Fordern, Jammern und Drohen steckt System. Wenn unsere Gesellschaft nicht bald lernt, Grenzen zu setzen und den Vormarsch der muslimischen Lebensweise in unserer westl. Gesellschaft zu stoppen, wird Europa genauso islamisiert werden, wie der Orient. Es fängt klein und scheinbar vernachlässigbar an und wächst sich schließlich zur Spaltung der Gesellschaft aus.
Der Islam ist schlichtweg ein Apartheitssystem.


Marcus^ ^Lüke:
2.09.2012, 15:50 Uhr

Alle Zuwander und auch alle Politiker dürfen eines nicht vergessen. All diese Menschen sind Gästegewesen bevor sie sich entschieden haben hier zu bleiben. Doch eine Grundvoraussetzung ist das sie sich in der Landessprache äußern können. Wer das nicht für nötig hält oder nich will (dickkopf) soll bleiben wo seine wurzeln sind. wir haben auch so genug Probleme!


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