Kritik an Klimapolitik in der Union

Berliner Kreis fordert einen »Abschied von deutschen Sonderzielen« bei der CO2-Bekämpfung

16.06.17
Philipp Lengsfeld, einer der Verfasser der Erklärung des Berliner Kreises: „Wir haben tatsächlich Zweifel, ob der Treibhauseffekt und die Rolle der Treibhausgase tatsächlich als Erklärungsmuster für sämtliche Klimaveränderungen in der Welt trägt.“ Bild: MRK

Die Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen, hat weltweit für Aufruhr gesorgt. Nun gerät die Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer eigenen Partei in leichte Bedrängnis.

Denn auch in der CDU gibt es Menschen, welche die Thesen von Trump zum Klimawandel nicht so abwegig finden, wie es der bundesdeutsche Mainstream glauben machen will. Am 3. Juni hat der Berliner Kreis in der Union e.V., dem zahlreiche Bundes- und Kommunalpolitiker der Union angehören, in einer Erklärung ein Ende der „moralischen Erpressung“ durch die Klimaforschung und den „Abschied von deutschen Sonderzielen“ bei der Bekämpfung des Kohlendioxids gefordert.
Die etablierten Medien reagierten erwartungsgemäß aufgeregt, der vermeintliche PR-Coup im Zuge der Trump-Erklärung schien gelungen. Philipp Lengsfeld, Bundestagsabgeordneter und einer der Autoren des Papiers, streitet einen zeitlichen Zusammenhang dagegen ab. Gegenüber dem „Tagesspiegel“ erklärte er, das infrage stehende Papier zur Klima- und Energiepolitik sei seit Monaten in Vorbereitung gewesen. Die Positionierung sei keine Reaktion und erst recht keine Unterstützung der Politik von US-Präsident Trump. Dennoch ist die Aufregung groß.
Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz zeigte sich beispielsweise äußerst empört über den Vorstoß der CDU-Konservativen: „Teile der Union sind offensichtlich auf Trump-Kurs“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat der „Süddeutschen Zeitung“. „Frau Merkel als CDU-Vorsitzende muss jetzt in ihrer Partei für Klarheit sorgen, sonst wird ihr Kurs als Regierungschefin schnell unglaubwürdig.“ Es komme jetzt darauf an, „dass Europa seiner Führungsrolle gerecht wird“, sagte der SPD-Chef.
Der Klimaschutz ist weltweit längst zu einer Ideologie geworden. Im Kern geht es darum, dass alle herrschenden Meinungen davon ausgehen, dass der Mensch für die globale Erwärmung und das Abschmelzen der Pole direkt verantwortlich sei. „Die Menschheit beeinflusst durch Nutzung fossiler Brennstoffe, Abholzen von Regenwäldern und Viehzucht zunehmend das Klima und die Temperatur auf der Erde. So erhöht sich die Menge der in der Atmosphäre natürlich vorkommenden Treibhausgase enorm, und dies verstärkt den Treibhauseffekt und die Klimaerwärmung“, heißt es beispielsweise in einer Stellungnahme der EU-Kommission.
In den vergangenen Jahren sind mehrere Untersuchungen dazu erschienen, was Menschen zum Klimawandel denken und warum. Eine Metastudie, die in der britischen Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ veröffentlicht wurde, hat beispielsweise herausgefunden, dass die Weltanschauung beim Thema Klimawandel wichtiger sei als zum Beispiel der Bildungsgrad. Alle erdenklichen Faktoren hätten weniger Einfluss auf die Ansicht einer Person zum Klimawandel als Parteipräferenzen oder die ideologische Grundhaltung der betreffenden Person. „Wenn beispielswiese jemand Parteien rechts der Mitte wählt, konservativ eingestellt ist und das Individuum betont, wenn er die freie Marktwirtschaft hochhält, staatliche Interventionen kritisch sieht und Unternehmen grundsätzlich vertraut – dann steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass diese Person den Klimawandel für wenig bedeutsam oder gar für inexistent hält“, heißt es in der Studie. Im Gegenzug wurde klargestellt: „Je linker und fortschrittlicher sich die Menschen selbst sehen, desto größer ist ihr Interesse am Klimawandel.“
Verantwortlich hierfür ist unter anderem der ehemalige US-Präsident Barack Obama gewesen. Als der im Wahlkampf 2008 vor der Siegessäule in Berlin sprach, hörten mehr als 200000 Menschen seine Botschaft: „Wir müssen dafür sorgen, dass alle Nationen – meine eingeschlossen – mit der gleichen Ernsthaftigkeit vorgehen wie eure Nation und das CO2 reduzieren, das wir in die Atmosphäre ausstoßen.“ Später sollte Obama häufiger von einer „grünen Revolution“ sprechen. Es ist daher wenig überraschend, dass sein Nachfolger Trump auch dieses Thema komplett umkrempeln will.
In der Bundesrepublik hatte
Obama stets viele Anhänger. Als vor sechs Jahren in Fukushima ein Kernkraftwerk brannte, stellte sich Kanzlerin Merkel an die Spitze der Klima-Bewegten. Die milliardenschwere, aber unausgegorene und bis heute höchst ineffiziente Energiewende wurde in Windeseile durchgepeitscht und gehört seitdem zum politischen Selbstverständnis Deutschlands.
Als sich die Alternative für Deutschland vor vier Jahren gründete und beim Thema Klimawandel abweichende Thesen veröffentlichte, verstieg sich der selbsternannte linke Vordenker Jakob Augstein zur These, „dass Klimaleugnung und Ausländerhass die Kehrseite der selben rechtspopulistischen Medaille“ seien. Dieses Totschlagargument zieht sich wie ein roter Faden durch Politik und Gesellschaft in Deutschland. Als der mecklenburgische AfD-Abgeordnete Ralf Borschke vor einigen Wochen während einer Landtagssitzung den Klimawandel als Fiktion bezeichnete und davon sprach, dass „Kohlendioxid positiv, gut für die Natur sei und die Produktion steigere“, wurde er ausgelacht und verhöhnt. „Auch eine Wissenschaft kann zur Religion oder zur Ideologie werden. Wenn sie dann auch noch eine transnationale Demokratie fordern, wird es eine Diktatur“, sagte der Totalitarismusforscher Wolfgang Wippermann zum Thema Klimwandel im Jahr 2011. Das war übrigens noch vor der Energiewende.    Peter Entinger


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Kommentare

Akira Ozawa:
19.06.2017, 10:55 Uhr

""Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hat vor einer großen Fluchtbewegung von bis zu 100 Millionen Menschen aus Afrika Richtung Norden gewarnt, falls eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad nicht gelingt.
"Vor allem in Afrika entscheide sich demnach die Zukunft der Welt", sagte der CSU-Politiker.
Jede Woche wachse die Bevölkerungszahl dort um eine Million.""

Müllers Argumentation suggeriert, dass Deutschland mit seiner Klimapolitik entscheidend für die Dürreperioden in Afrika, somit für die Fluchtursachen der besonders " zornigen jungen Männer" verantwortlich ist.

Über die unbotmäßige Fertilität der Afrikaner wird kein Wort verloren.
Darin liegt mehr als offensichtlich die eigentlichen Ursache für die immer weiter anschwellende Bevölkerungsexplosion.

Die Atmosphäre der Erde ist ein OFFENES System.
Jedes Land leistet mit seinem CO2-Ausstoß einen (immer noch einen wissenschaftlich diskussionswürdigen) Beitrag zum Gesamtergebnis.

Deutschland nimmt in diesem offenen Atmosphären-System einen mehr als nahezu zu vernachlässigbaren Wert an CO2- Ausstoß im Weltmaßstab im Jahre 2015 ein:

- 2,36 % (IN WORTEN: ZWEI - Komma - sechsunddreißig)

am Gesamtweltausstoß.

"Deutschlands Ziel, den CO2-Ausstoß bis zur Mitte des Jahrhunderts um 80 bis 95 Prozent zu senken, steht zwar bereits fest."
Wozu der Hype?
Um welchen gesellschaftlichen und ökonomisch-finanziellen Preis eigentlich?
Gibt es nichts Dringenderes (Wie etwa Flüchtlingskrise, Innere staatliche Sicherheit bzgl. Parallelgesellschaften [Nein: Neusprech: Gegengesellschaften], Einbruchsdelikte, illegale Grenzübertritte, etc.) für die "Eliten der Repräsentativen Demokratie" zu tun?
Oder will man wie zu Honeckers Regime nur vom ominösen "Klassenkampf" ablenken?

Wenn Indien, China, Russland und/oder die USA nur geringfügig an einer fossilen Schraube drehen, kann Deutschland noch so viele Kosten und Ressourcen einsetzen, der geringfügige CO2-Beitrag gemessen am finanziellen Einsatz ist nahezu eine Inkarnation des Unvermögens eines prosperierenden Handeln eines deutschen Klimaschutz-Beitrages, es ist einfach nicht mehr logisch erklärbar.

Schlussendlich gilt nur:
Der Bevölkerungsexplosion in Afrika ist rigoros und mit allen Nachdruck (Hier ist die UN gefragt!) endlich WIRKSAM entgegenzuwirken.


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