Licht ins Chaos

Kunstgenuss im Hochsicherheitsbereich – Köln rüstet sich mit Lichtinstallation für das kommende Silvester

21.12.16
Wortsalat vorm Dom: Philipp Geists geplante Multimedia-Projektion „Time Drifts Cologne“

Die Silvesternacht 2015 dürfte als einer der schwärzesten Tage in Köln nach dem Krieg in Erinnerung bleiben. Sexuelle Übergriffe auf Frauen und chaotische Verhältnisse rund um Dom und Hauptbahnhof machten weltweit Schlagzeilen. Die Verantwortli­chen wollen jetzt mit allen Mitteln verhindern, dass sich dieses Chaos in der kommenden Silvesternacht wiederholt.

Dazu haben Vertreter von Stadt und Polizei ein Konzept erarbeitet, das jetzt offiziell vorgestellt wurde. Demnach wird die Polizei ihre Einsatzkräfte auf rund 1500 Polizisten aufstocken. Zehnmal so viele wie im vergangenen Jahr. Schon im Juni, so erklärte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Ma­thies, habe er die „größtmögliche Verfügbarkeit“ zum Jahresende angeordnet. Er versicherte, dass die Beamten „konsequent einschreiten, wenn jemand sich rück­sichtslos oder aggressiv verhält“.
Die Feuerwehr wird mit mehr als 400 Rettungskräften präsent sein. Die Stadt Köln will zusätzlich etwa 550 Mitarbeiter des Ordnungsamtes und privater Sicherheitsfirmen auf Streife schicken. Und speziell für Frauen soll es, wie schon zu Karnevalszeiten, Ansprechpartner geben, die auf den Straßen unterwegs sind. Auch eine Telefonhotline wird eingerichtet. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist zuversichtlich: „Jeder, der Hilfe benötigt, wird Hilfe bekommen. Dafür werden wir sorgen“.
Damit nicht genug Sicherheit. Eine Schutzzone um den Dom soll eingerichtet werden. In diesem Bereich sind Böller und Feuerwerk verboten. Durch Absperrgitter soll nur noch ein kontrollierter Zugang an und in die Kathedrale möglich sein.
Gesperrt für Fußgänger wird auch die Hohenzollernbrücke, die den Hauptbahnhof mit der rechten Rheinseite in Deutz verbindet. Von dieser Brücke – ein beliebter Aussichtspunkt für das Silvester-Feuerwerk – zog im vergangenen Jahr eine große Menschenmenge direkt in den Hauptbahnhof und maximierte das dort bereits vorherrschende Chaos.
Am Hauptbahnhof und um den Dom wird es in diesem Jahr mehr Videoüberwachung geben. Technik für über eine Million Euro wurde angeschafft. Auch die Bundespolizei, zuständig für die Sicherheit im Hauptbahnhof, setzt stärker auf Videotechnik. Zum Jahreswechsel sollen Beamte mit Bodycams (Körperkameras) zum Einsatz kommen. Wolfgang Wurm von der Bundespolizei: „Wir werden in unserem Aufgabenbereich auf jeden Fall die Kontrolle behalten und die Bürger schützen.“
Seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember hängen zudem in vielen Zügen, die Köln anfahren, Zuversicht und Optimismus verbreitende Plakate: „Kommt gut ins Neue Jahr! Fröhlich und sicher Silvester feiern in Köln.“ Wohl denn.
Fröhlich und sicher in Köln feiern? Hört sich gut an. Zweifel daran sind angebracht. Denn fast 3000 uniformierte und zivile Sicherheitskräfte, Absperrgitter, Videoüberwachung, Sperrzonen, Verbote und und und – das klingt eher nach Festung oder Gefängnis als nach Feiern. Eher nach Friedhofsruhe als nach Fröhlichkeit.
Die Verantwortlichen der Stadt Köln hatten dann auch Sorge um das Ansehen Kölns als „weltoffene“ Kunst- und Kulturstadt. Ein künstlerisches Angebot musste her. Für die Buchung markanter Konzerte war es bereits zu spät. Das ungewöhnliche Angebot des Berliner Lichtkünstlers Philipp Geist kam wie gerufen.
Sein Projekt „Time Drift Cologne“ bringt Licht in den dunklen Abend und die Nacht zu Silvester. 15 Großprojektoren sollen nach Einbruch der Dunkelheit ab 17 Uhr sogenannte „Schlüsselworte“ sowie Zeichen, Formen und Farben auf die Freiflächen vor und neben dem Dom einblenden.
Bis zum 28. Dezember können alle Interessierten ihre Ideen beisteuern. Begriffe, Worte, Slogans erbittet der Künstler an: deinwortfuerkoeln@videogeist.de.
Einige der bisher genannten Begriffe: Maternus, Miteinander, Heimatgefühl, Toleranz, Nippes (ein Kölner Stadtteil), Hoffnung, Zuversicht und so weiter.
Gleichzeitig zu den Projektionen werden Videos auf den Fassaden des angrenzenden Römisch-Germanischen Museums und des Domforums gezeigt. Die Domumgebung ist somit hell erleuchtet, was Delikte im Schutz der Dunkelheit erschweren soll.
Die musikalische Untermalung besorgt der Elektronik-Musiker Martin Gretschmann. Auch die Domglocken und einige Kölner Chöre kommen zum Einsatz.
Die Vision des Künstlers heißt „Licht-Traum-Raum“. Geist: „Die beste Antwort auf Schrecken wie im letzten Jahr ist, mit einem positiven Kunstereignis andere Bilder zu entwickeln.“ Ähnlich sieht es Oberbürgermeisterin Reker. Sie nannte die geplante Lichtinstallation einen „besonderen Kunstgenuss“.
Das Lichtspektakel soll rund 225000 Euro kosten und das ramponierte Image der Stadt Köln re­parieren. Die Oberbürgermeisterin ist überzeugt, „dass es uns gelingen wird, Köln wieder zu dem zu machen, was es ist: Köln ist mehr als der Silvesterabend im vergangenen Jahr.“ Hoffentlich nicht mehr Chaos. Sonst wäre der geplante „Traum“ ein Albtraum.
Siegfried Schmidtke


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Kommentare

Tom Orden:
21.12.2016, 13:38 Uhr

Und alles was den Gutmenschen dazu einfiel war "Eine Armlänge Abstand".
Wir werden von unfähigen Verrätern regiert, die ihr eigenes Volk hassen.


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