London war vorbereitet

Kriegserklärung an Deutschland schon vor Angriff auf Polen fertig

07.01.14
Hielt eine bedeutende Kriegsrede mit Schönheitsfehler: Der britische König Georg VI. Bild: Archiv

Die Rundfunkansprache des britischen Königs, in der er 1939 die Kriegserklärung an Deutschland bekannt gab, wurde bereits über eine Woche vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges entworfen. Das belegt ein bislang unbekanntes Redemanuskript.

„Nach langen, vergeblichen Friedensbemühungen befinden wir uns im Krieg“, ließ König George VI. seine Untertanen am 3. September 1939 wissen. Zwei Tage zuvor hatte mit dem deutschen Angriff auf Polen der Zweite Weltkrieg begonnen und Großbritannien löste nun seine Warschau gegebene Zusage ein, die Souveränität und die territoriale Integrität Polens unter allen Umständen zu garantieren. Alle, die die Rede des Königs hörten, glaubten ihm, man habe ehrlich um den Frieden gerungen und bis zum unvermeidlichen Kriegseintritt an der Seite Polens auch tatsächlich an ihn geglaubt.
Dass dem nicht so war, sondern dass man in London spätestens am 25. August nicht nur mit einem baldigen Kriegsausbruch, sondern sogar mit einer Kriegsbeteiligung des Empire rechnete, geht aus einem Schriftstück hervor, das am 10. Dezember beim Londoner Auktionshaus Sotheby’s für umgerechnet 12600 Euro versteigert wurde.
Das dreiseitige Maschinenmanuskript stammt aus dem Nachlass des 1970 verstorbenen Harold Vale Rhodes und war bis zur Einlieferung bei Sotheby’s unentdeckt geblieben. Rhodes war ein hoher Regierungsbeamter, der im weiteren Verlauf des Krieges eine wichtige Rolle beim Aufbau des britischen Informationsministeriums spielte. Das Dokument ist betitelt „Draft King’s Speech 25/8/39“ (Entwurf der Rede des Königs 25.8.39) und ist damit eindeutig datiert. Seine Provenienz und Echtheit sind ebenfalls eindeutig nachgewiesen. „In dieser schweren Stunde, vielleicht der schwersten in unserer Geschichte“ wendet sich der König an sein Volk und informiert es über die britische Kriegserklärung an das Deutsche Reich. Deutschland und seine Nazi-Partei seien aggressiv und tyrannisch und strebten danach, die schwächeren Nationen zu unterdrücken und bald die Welt mit brutaler Gewalt zu beherrschen, heißt es weiter. Man kämpfe jedoch nicht nur für das Überleben Großbritanniens, sondern auch für etwas Größeres und Edleres, nämlich für die Prinzipien von Freiheit und Gerechtigkeit.
Das Manuskript geht offensichtlich auf einen sogar noch früheren Redeentwurf aus der Feder von Rhodes zurück, denn dieser hat am Rand handschriftlich vermerkt, die Rede leide im Vergleich zu seiner, der ersten, Fassung an zu komplexen Formulierungen und zu langen Sätzen. Gesprochenes müsse sofort auf den Punkt kommen. Tatsächlich ist die Rede, die
George VI. am 3. September live über das Radio gehalten hat, deutlich kürzer und prägnanter als der Entwurf. Auch wenn der Grundtenor gleich geblieben ist, erwähnt George weder Deutschland noch Hitler, sondern spricht allgemein von „denen, die uns in einen Konflikt gezwungen“ hätten und „die jetzt unsere Feinde sind“. Außerdem schwört er seine Landsleute auf „dunkle Tage“ ein und bereitet sie darauf vor, dass der Krieg nicht auf das Schlachtfeld beschränkt bleiben werde.
Die Kriegsrede Georgs VI. gilt wegen ihrer großen moralischen Wirkung auf seine Landsleute als eine der wichtigsten und bewegendsten öffentlichen Ansprachen des 20. Jahrhunderts. Zugleich war sie ein großer persönlicher Erfolg für den Monarchen, für den jede öffentliche Äußerung wegen seiner Neigung zum Stottern eine besondere Herausforderung war. Die spontane Deklaration eines unvermeidlichen Waffenganges war sie jedoch nicht, wie nach 74 Jahren durch einen Zufallsfund ans Licht gekommen ist. Jan Heitmann


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Kommentare

Hans-Jachim Nehring:
27.01.2014, 11:58 Uhr

Sowohl Preußen als auch Deutschland haben recht selten das Wohlwollen des Vereinigten Königreiches genossen, welches angesichts der verwandtschaftlichen Bindungen der Königshäuser doch etwas verwunderte. Leider ging es stets um eine gewisse Rivalität und einen Führungsanspruch in Europa.
Die Briten haben sowohl 1914 als auch 1939 dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Daran lässt sich nun wirklich nicht vorbeireden.


Hans-Jachim Nehring:
20.01.2014, 11:57 Uhr

@Hildesvin der Kampf-Eber

Die Wunden, welche die Sowjets Polen u.a. bei Katyn geschlagen haben, sind auch heute nicht vernarbt. Die Ostgrenze Polens liegt noch heute da, wie von Hitler und Stalin vereinbart wurde. Der Einmarsch der Roten Armee 1939 in Ostpolen war nun gewiss eine Aktion, welche der polnischen Armee den Genickschlag gab, was von den Briten toleriert worden ist. Zwei Komplizen hatten Polen das vierte Mal geteilt und ihre Interessensphären abgesteckt.


Hildesvin der Kampf-Eber:
16.01.2014, 23:28 Uhr

@ H.-J.Nehring:
Mit Verlaub, "Angriff" kann man es ja nennen, es "Überfall" zu nennen, ist sehr daneben.


Hauke Haien:
7.01.2014, 21:57 Uhr

Großbritannien löste nun seine Warschau gegebene Zusage ein, die Souveränität und die territoriale Integrität Polens unter allen Umständen zu garantieren.
Sooo, haben Sie das? Dann hätte Großbritanien doch auch der Sowjetunion den Krieg nach dem 17. September erklären müssen.


Hans-Jachim Nehring:
7.01.2014, 15:20 Uhr

London war offensichtlich nicht nur auf den 2. Weltkrieg vorbereitet, sondern hat ihn mit vorbereitet. Der Beistandspakt mit Polen garantierte eine territoriale Integrität Polens, aber offensichtlich nicht gegenüber der Sowjetunion, welche mit zwei Fronten am 17. September 1939 Polen angriff. Hier blieb die Kriegserklärung aus, welche nur von der polnischen Exilregierung allein nach dem Überfall dann im Dezember 1939 erfolgte.
Die Bemühungen des Deutschen Reiches um einen Friedensschluss mit England wurden wie im 1. Weltkrieg stets abgelehnt, da die Zerstörung und Ausschaltung des Wirtschaftskonkurrenten Deutschland oberste Priorität hatte. Der Bombenkrieg auf deutsche Städte belegt dieses Argument.


Alfred Schneider:
7.01.2014, 14:48 Uhr

Georg VI. aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha (ab 1917 Haus Windsor, weil man schämte sich der deutschen Abstammung)stimmt das britische Volk mit Lügen auf den Krieg ein.
Wissen die Briten, daß diese seit Hunderten von Jahren von deutschen Adligen regiert werden ?


Andreas Müller:
7.01.2014, 13:28 Uhr

Das England, genauer gesagt die City of London, Krieg unbedingt wollte, ist KEIN Geheimnis mehr.

Im Umfeld von Churchill sind je Menge Reden, Manuskripte, Vorlagen aus den 30 u. 40 zigern Jahren veröffentlich worden und VERBÜRGT ORIGINAL, dass ein angestrebter Krieg Englands, Deutschland wirtschaftlich zerstören sollte, um die britische Vorherrschaft zu sichern.Ganz traditionell, da seit dem Untergang der spanischen Armada, britische Standartpolitik ist, immer die größste Kontinetalmacht Europas zu schwächen.... und zwar bis heute.


Rainer Sebald:
7.01.2014, 11:53 Uhr

Auch ohne da "wiedergefundene" Manuskript bin ich überzeugt das der Erste und Zweite Weltkrieg auf das Konto der Briten geht.Denn dar Kronprinz hat sich nicht selbst erschossen.Großbritanien und Frankreich unterstützten um die Jahrundertwende seperatistische Freiheitsbestrebungen der Slawen die ja in Österreich-Ungarn einen nicht unbeträchtlichen Anteil der Gesamtbevölkerung darstellten.So gesehen darf man das Attentat als gezielte Provokation gegen Österreich-Ungarn & den Deutschen Reich sehen.Die Briten waren schon seit bestehen des Deutschen Reiches 1871 von Gier geblendete Deutschhasser,denn sie sehen ihr Handelsmonopol in Gefahr.Sie haben an Deutschland bis heute kein gutes Haar gelassen.Nur sind sie dem Ziel die totale Vernichtung Deutschlands heute näher als je zuvor.Die Mirgationszuwanderung wird von den Alliierten (USA und GB) gesteuert.Es werden durch verordnete vorsätzliche Falschaussagen wie "Deutschland die Wirtschaftlokomotive Europas" ec.Wirtschaftsflüchtligsströme nach Deutschland gelenkt um uns zu schwächen und Deutschland zu schaden.Die Deutsche Bevölkerung wird per Genozid ausgelöscht.Wer den Tatsachen nicht ins Auge sehen will stellt sich blind.Lügen werden nicht durch ständiges wiederholen zur Wahrheit.


Matthias B. Klein:
7.01.2014, 09:53 Uhr

Ich kann (als nebenberuflicher 'Redenschreiber') nicht erkennen wo das Problem liegt; die Situation war absehbar und Rhodes hat Entwürfe vorbereitet...
Mit HOHER Wahrscheinlichkeit auch Reden, die das Gegenteil darlegten- also einen NICHTEINTRITT in den Krieg...


Uwe Winter:
7.01.2014, 09:50 Uhr

Warum wird eigentlich immer wieder behauptet, dass mit dem deutschen Angriff auf Polem der 2. Weltkrieg begonnen hat? Grundsätzlich war dies nur ein Krieg zwischen Deutschland und Polen. Erst durch den Eintritt weiterer Staaten und ihrer Kolonien wurde ein Weltkrieg daraus. Deutschland hatte nur Polen den Krieg erklärt, und nicht der Welt. Weiterhin sollte man in diesem Zusammenhang immer daran erinnern, dass die damalige Sowjetunion in Ostpolen eingefallen ist, und Teile Ostpolens heute zur Ukraine gehören. Eine Kriegserklärung durch England und Frankreich an die Sowjetunion gab es jedoch nicht. Insofern steht zu vermuten, dass sämtliche polnische Provokationen gegen Deutschland durch die Westalliierten gesteuert waren. Polen war ledigliche der Köder, um schließlich Deutschland den Krieg zu erklären, und im Endergebnis zu besetzen.


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