Los von Washington

Die Bewegung »Yes California« erstrebt Abstimmung über den Austritt des Golden State aus den USA

12.12.16
An einem Infostand der „Yes California Independence Campaign“: Vizepräsident Marcus Ruiz Evans Bild: pa

Die Bewegung „Yes California“ hat dem Generalstaatsanwalt eine Referendums-Initiative vorgelegt, bei der es um eine Abstimmung über den Verbleib oder Austritt des sogenannten Golden State (Goldener Staat) aus den USA geht, die schon im Jahr 2018 stattfinden soll. Das berichtet die „Los Angeles Times“.

Der Name „Yes California“ ist von „Yes Scotland“ entlehnt, der Parole der schottischen Separatisten bei deren gescheitertem Referendum im Jahr 2014. Für ihre zumindest angestrebte Weltläufigkeit spricht auch ein weiteres Vorhaben der Separatisten. Sobald Kalifornien seine Unabhängigkeit erlangt hat, soll, so die Planung von „Yes California“, in Russland eine erste Botschaft eröffnet werden. Der Leiter der Gruppe, Louis Marinelli, war vor zwei Monaten nach Russland gereist, um dort Gleichgesinnte zu finden, allerdings keine russischen Separatisten, sondern Menschen, die der zunehmenden Globalisierung mit Misstrauen, wenn nicht ablehnend gegenüberstehen.
Mit dieser Haltung weist die Gruppe „Yes California“ über die Ablehnung des designierten US-Präsidenten Donald Trump hinaus noch ein zweites tragendes Element auf. In Russland scheint es Marinelli gefallen zu haben, jedenfalls – so heißt es – habe man ihm das Recht Kaliforniens auf Selbstbestimmung bestätigt, wenn natürlich auch ohne unmittelbare Folgen. Was nun die geplante Botschaft betrifft, so soll sie weniger mit den üblichen Zuständigkeiten solcher Institute betraut werden, sondern sich vielmehr der Aufgabe widmen, in Russland nicht nur für bessere Kenntnisse über Kalifornien zu sorgen, vor allem auch auf kulturellem und geschichtlichen Gebiet, als auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zu festigen.
Damit stößt man auf das dritte tragende Element, das hinter der Idee einer Loslösung von den USA steckt. Wäre es mit der Selbstständigkeit schon so weit, wie „Yes California“ es gerne hätte, und der Bundestaat souverän, so bildete er als Einzelstaat weltweit die achtgrößte Wirtschaftsmacht nach China, den Rest-USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien, wäre von daher also alleine überlebensfähig. Kalifornien ist nach der Fläche der drittgrößte Staat der USA und steht, was die Bevölkerung angeht, mit Abstand auf Platz eins. In absoluten Zahlen liest sich das sehr beeindruckend: Auf einer Fläche von rund 424000 Quadratkilometern leben fast 38 Millionen Einwohner. Diese erwirtschafteten 2010 1,9 Billionen US-Dollar.
Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen der Kalifornier betrug – wiederum im Jahr 2010 – 46488 Dollar, der Durchschnittswert aller Bundesstaaten lag bei 42429. In der Tatsache, dass das Pro-Kopf-Einkommen derart merklich über dem US-Durchschnitt liegt, kann ein weiteres tragendes Element des Separationsgedankens gesehen werden. Denn auch in den USA, deren Einzelstaaten erhebliche Unterschiede bei den Wirtschaftszahlen aufweisen, gibt es so etwas wie in Deutschland den Länderfinanzausgleich.
Und ebenso wie in Deutschland haben die Geberländer wenig Freude an der ihnen zugewiesenen Rolle. Um es kurz und den Vergleich anschaulich zu machen: Die Rolle, die in Deutschland Bayern spielt, ist in den USA Kalifornien zu eigen.
Schließlich spielt ein weiteres Element eine zusätzliche Rolle, jedenfalls in den Ballungsgebieten. Dort, vor allem in San Franzisco, hat sich in ziemlich großem Umfang eine Denk- und Lebensweise entwickelt, die deutliche Neigungen erkennen lässt, vom Skurrilen zum Absurden und vom Originellen zum Abartigen zu reichen. Eine extreme Auffassung von Liberalität hat vielfach zum moralischen Kollaps geführt. Nichtsdestoweniger wollen die, die eine solche Entwicklung tragen, sie auch weiterführen.
Das erklärt, warum die Wahl Donald Trumps zum Anlass dient, den Gedanken an eine Separation, der sich aus mehreren Quellen speist, gerade jetzt hervorzuholen. Trump ist nicht derjenige, der als Hüter eines regellosen Laissez-faire gelten kann. Jedenfalls bei den Betroffenen steht er im Verdacht, dass er mit seinem „Macht Amerika wieder stark“ auch an einen moralischen Aspekt denkt.
Wie auch immer die Aussichten der Kalifornier stehen, Teil der USA zu bleiben oder nicht – auf Russland allein wären sie im Fall des Falles nicht angewiesen. Ein Witzbold hat darauf aufmerksam gemacht, dass durch den Brexit in der EU ein Platz freigeworden sei, den Kalifornien dann einnehmen könne.        
    Florian Stumfall


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Kommentare

Ulrich Jäger:
13.12.2016, 19:33 Uhr

Hallo Herr Müllenberger,
ganz so abwegig ist die Idee nun auch wieder nicht. Die Republik Kalifornien als Abspaltung von Mexiko existierte, bevor sie von den USA annektiert wurde. Die Republiksfahne weht ja heute noch über dem Bundesstaat.


Karl Müllenberger:
12.12.2016, 20:17 Uhr

Etwas seltsame Meldung. Diese Leute haben doch keine Chance. Und falls doch, wäre es besser, sie hätten keine, denn es ist ja bekannt, wie die USA reagieren, wenn US-Staaten sich davonmachen wollen.


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