Mangel an Ladestationen kritisiert

Experten schlagen vor, statt den Kauf von E-Autos lieber den Ausbau der Infrastruktur zu subventionieren

05.06.18
Bislang gibt es von ihresgleichen erst rund 5000 in Deutschland: Frei verfügbare Zapfsäule für E-Autos am Potsdamer Platz in Berlin Bild: pa

Es galt als Lieblingskind der Bundeskanzlerin: das mit Strom betriebene sogenannte Elektroauto. Doch die Entwicklung zögert sich hinaus und die Kosten für die erforderliche Infrastruktur könnten immens werden.

Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in der vergangenen Woche berichtete, werden die Betreiber von Ladesäulen noch lange kein Geld verdienen. Das Blatt beruft sich auf eine Studie des Münchener Professors Horst Wildemann und dessen Unternehmensberatung TCW. Für die Ausrüster der Stromnetze locke hingegen ein Milliardenmarkt. Bis zu elf Milliarden Euro an Investitionen seien bis 2030 nötig, damit das Stromnetz auf die Anforderungen vorbereitet sei. Bliebe das Netz so, wie es ist, dann wäre es bei der Zunahme der Zahl von Elektroautos nicht leistungsfähig genug.
Derzeit gibt es in der Bundesrepublik nur rund 5000 frei verfügbare Ladestationen. Wie aus der Studie hervorgeht, ist aber „eine umfassende Verfügbarkeit von Ladestationen der entscheidende Faktor, um die Zahl der derzeit 130000 in Deutschland zugelassenen Elektro- und Hybridfahrzeuge zu erhöhen“. Wildemann und seine Mitarbeiter schätzen das Marktpotenzial für Ladesäulen bis 2030 als überaus hoch ein. „Allein 2,2 Millionen könnten es an öffentlich zugänglichen Stellen wie Autobahnraststätten, Einkaufszentren oder Parkplätzen sein“, heißt es. Noch mehr, nämlich 2,5 Millionen, seien an privaten Aufstellorten wie Eigenheimen, Wohnanlagen und Unternehmen zu erwarten. „Erst wenn Skaleneffekte (Abhängigkeiten der Produktionsmenge von der Menge der eingesetzten Produktionsfaktoren) wirksam werden und die Investitionskosten zurückgehen, können für Ladesäulenbetreiber rentable Geschäftsmodelle entstehen“, erklärt Wildemann. Die Betreiber würden Ladesäulen bislang eher als Mittel zur Kundenbindung oder Marketingmaßnahme nutzen. Als Beispiel nennt die Studie Einzelhändler, die ihren Kunden für die Dauer des Einkaufs einen kostenlosen Stromladeparkplatz zur Verfügung stellen.
Der Umstieg auf die E-Autos gelinge nur dann, wenn Bund und Länder als Subventionsgeber einsprängen. Bis März 2018 habe der Staat rund 8000 Normalladepunkte und 1500 Schnellladepunkte gefördert, heißt es in dem Papier.
Die Entwicklung der Infrastruktur beobachten offenbar auch die Autobauer mit Sorge. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge fasst BMW eine Massenfertigung von Elektroautos nicht vor 2020 ins Auge. Das Geschäft sei derzeit nicht rentabel genug, um die Serienproduktion zu steigern und in die Massenproduktion einzusteigen, erklärte der Vorstandsvorsitzende Harald Krüger. Wo die Grenze zahlenmäßig verläuft, ließ das Unternehmen offen. Seit 2013 verkauft BMW das Elektroauto BMW i3. Über genaue Erlöszahlen schweigt sich das Unternehmen aus.
Wenig bekannt ist in der Öffentlichkeit, dass der Staat den Kauf von E-Autos subventioniert. Seit zwei Jahren erhalten Autokäufer eine Prämie von bis zu 4000 Euro auf ihren Elektro-Neuwagen.
Experten kritisieren diesen Zustand. Man solle die Mittel lieber in Richtung Ladestationen umlenken, schlägt das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) vor: „Die Unterstützung könnte von Handwerkern, Hotels oder in Wohnanlagen genutzt werden“, erklärt Bafa-Präsident Andreas Obersteller. Im ersten Quartal des Jahres wurden in Deutschland insgesamt 60412 Anträge auf den Zuschuss gestellt. Das waren nach Bafa-Angaben nur 2863 Anträge mehr als einen Monat zuvor. Die bereitgestellten Fördermittel reichen Schätzungen zufolge für mehr als 300000 Fahrzeuge. Das Programm läuft Ende Juni nächsten Jahres aus.
Um die Entwicklung der E-Mobilität gibt es in Deutschland seit Jahren Diskussionen. Die Bundesregierung hat sich von dem Ziel, bis 2020 die Anzahl der Elektroautos auf deutschen Straßen auf eine Million Fahrzeuge zu steigern, bereits vor einiger Zeit verabschiedet.
Als Grund für die schleppend angelaufene Nachfrage nach Elektroautos gilt vor allem das noch dünne Netz an Ladestationen. Da die Fahrzeuge zudem relativ geringe Reichweiten haben, seien viele Autokäufer noch skeptisch, heißt es beispielsweise bei BMW.
Neben der Kaufprämie gibt es bisher ein Förderprogramm für Ladeinfrastruktur, das etwa 300 Millionen Euro umfasst. Minimalziel ist es nun, dass bis 2020 15000 öffentlich zugängliche Ladestationen vorhanden sind. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass der Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Nicht nur Unternehmen beliebiger Größen können von der Förderung profitieren, auch Privatpersonen können Anträge stellen, allerdings darf die Fördersumme nur 40 Prozent der Gesamtkosten betragen.
Profiteur der Subventionsverteilung könnte vor allem die Deutsche Telekom werden, die Medienberichten zufolge zu einem der größten Anbieter von Ladesäulen werden will, indem sie einen Teil ihrer Schaltverteiler zu Stromtankstellen umbaut. Als Platzhirsch gilt derzeit der Stromkonzern EnBW, der bis 2020 1000 Schnellladestationen bauen will. Dies, so Studienautor Wildemann, sei aber immer noch lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Zwar müsse man berücksichtigen, dass jede Ladestation mehrere Säulen habe, aber damit E-Autos in Deutschland eine echte Marktchance hätten, sei eine flächendeckende Infrastruktur die Grundvoraussetzung.    
    Peter Entinger


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Kommentare

Karl Schnarr:
5.06.2018, 15:12 Uhr

Gott schütze uns vor Sturm und Wind - und "Experten" die aus Deutschland sind.
Ideologie überwuchert dieses Land wie Schimmel den Käse.


Christoph Friedrich:
5.06.2018, 08:16 Uhr

Einmal mehr zeigt sich die Unfähigkeit Merkels. Elektroautos mit Akkus sind doch derzeit überhaupt nicht alltagstauglich und werden es auch wahrscheinlich nicht werden - zu kurz die Reichweite, und vor allem zu lange die Ladezeiten unterwegs. Nach derzeitigem Stand der Dinge ist doch etwa pro 250 km 1 Stunde Ladezeit nötig (im Sommer wohlgemerkt, im Winter ist das noch viel schlechter). Das ist doch völlig unsinnig, und es sieht auch nicht danach aus, daß sich daran viel ändern wird. Bei schnellerem Stromfluß würde sich das Problem der Wärmeentwicklung einstellen, das sehr schnell gravierend werden könnte (Brandgefahr).


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