Methusalix spricht

Albert Uderzo, der Schöpfer von »Asterix und Obelix«, hat ein biblisches Alter erreicht – Im Oktober ist Asterix »in Italien«

17.05.17
Albert Uderzo freut sich schon auf Italien Bild: Egmont Ehapa Verlag

Freunde der beiden unbezwingbaren Gallier Asterix und Obelix warten gespannt auf den Oktober. Dann soll der 37. Asterix-Band erscheinen, der – jenseits des antiken Rom – in Italien spielen wird. Dort hat auch Albert Uderzo seine elterlichen Wurzeln. Kürzlich, am 25. April, feierte der französische Comic-Zeichner, der mit dem schon vor 40 Jahren verstorbenen Texter René Goscinny der geistige Vater von Asterix und Obelix ist, seinen 90. Ge­burtstag. Im Interview erzählt er, wie es zu dem Comic-Welterfolg kam.

PAZ: Herr Uderzo, Sie haben mal gesagt, dass das Arbeiten in der Comic-Branche jung hält. Fühlen Sie sich im Moment jünger als 90 Jahre?
Uderzo: Bis vor einem Jahr habe ich mich jünger gefühlt. Seit 2017 fühle ich mich nicht mehr so jung. Ich bin gesundheitlich angeschlagen. Bis dahin hatte ich das Glück, immer gesund zu sein. Dann hat der liebe Gott mir vielleicht sagen wollen, dass es keinen Grund gibt, warum ich immer gesund sein sollte. Jetzt geht es aber schon etwas besser.

PAZ: Vor Kurzem haben Sie „Asterix erobert Rom“, das Al­bum zum Film, überarbeitet und neu herausgegeben. Darin erweisen Sie dem verstorbenen Freund und Texter Goscinny eine Hommage mit einer Zeichnung, die ihn in der Pariser Metro zeigt.
Uderzo: Es war immer mein Wunsch, Goscinny zu würdigen, weil er es verdient. Dieses Jahr jährt sich sein Todestag zum 40. Mal. Er fehlt uns, er fehlt mir, mein Leben als Künstler ist seit seinem Tod nicht mehr dasselbe. Diese Tragödie, mit der niemand gerechnet hatte, hat mich tief getroffen. Ich habe die Figuren, mit denen ich eigentlich nicht mehr arbeiten wollte, zwei Jahre später wieder zum Leben er­weckt, nachdem mir die Leser Briefe geschrieben hatten, in denen stand: „Herr Uderzo, Sie mögen ja einer der Schöpfer von Asterix sein, aber diese Figuren gibt es auch dank uns. Hätten wir nicht Asterix zu diesem Erfolg verholfen, dann wären Sie nicht da, wo Sie heute sind. Wir haben ein Recht darauf, dass Sie weitermachen und uns weiter so viel Freude bereiten.“ Da hab ich gedacht: „Wenn man mich so darum bittet, dann versuche ich weiterzumachen.“ Und ich habe zehn weitere Alben gemacht.

PAZ: Die Asterix-Reihe wird inzwischen von zwei neuen Autoren fortgesetzt. Fehlt Ihnen das Zeichnen von Comics?
Uderzo: Nein, jetzt nicht mehr. Irgendwann musste ich ja mal in den Ruhestand gehen. Vor neun Jahren habe ich beschlossen aufzuhören. Wir hatten das Glück, dass wir zwei großartige Autoren gefunden haben, einen für das Szenario und einen für die Zeichnungen. Am Anfang merkte man ihnen an, dass sie sich erst auf die Reihe einstellen mussten. Jetzt geht es ihnen leicht von der Hand. Darüber bin ich sehr froh und dankbar.

PAZ: Sie haben einmal gesagt, die Asterix-Reihe fremden Autoren zu überlassen, sei ein biss­chen so, als würden Sie einen Sohn zur Adoption freigeben. Wie geht es Ihnen jetzt mit dem Er­folg, den Ferri und Conrad haben?
Uderzo: Ich finde das toll. Wenn sie keinen Erfolg hätten, hätte Asterix keine Leser mehr, und den Lesern haben wir wie gesagt alles zu verdanken. Ich kann diesen Erfolg nur anerkennen und mich darüber freuen. Hätten wir keinen Erfolg gehabt, hätten wir nicht weitergemacht, das ist klar. Aber der Erfolg ist ungebrochen, gerade in Deutschland. Das ist ein großes Glück für uns.

PAZ: Der 37. Band erscheint im Oktober. Kontrollieren Sie die Arbeit Ihrer Nachfolger, geben Sie Ihnen Tipps und Ideen?
Uderzo: Nein, nein. Zu Beginn habe ich ein paar Anmerkungen gemacht, zu den Zeichnungen, nicht zum Text. Einige Zeichnungen mussten noch mal angefasst werden. Aber das ist jetzt nicht mehr notwendig, sie haben die Figuren gut im Griff. Ich kenne das Album und habe seine Entstehung mitverfolgt. Das Ergebnis ist tadellos. Die Leser können ganz beruhigt sein: Sie werden nicht enttäuscht werden.

PAZ: Inzwischen ist bekannt, dass das neue Album in Italien spielen wird. Warum sind Asterix und Obelix in all den Jahren nur in Rom und niemals in anderen Städten Italiens gewesen?
Uderzo: Das Gleiche habe ich mich auch gefragt, als ich von dem neuen Album erfuhr. Ich sagte mir: „Wie dumm von mir! Da war ich immer auf der Suche nach neuen Ideen und habe nie an ein Wagenrennen in Italien gedacht!“ Dabei liebe ich Autos und Autorennen und kenne mich sehr gut damit aus, da hätte ich doch eigentlich darauf kommen können. Aber nichts da! (lacht) Zum Glück haben die beiden mir das abgenommen.

PAZ: Macht es Sie glücklich, dass Ihre beiden Helden in diesem Band endlich das Heimatland Ihrer Eltern bereisen?
Uderzo: Ja, das freut mich. In Italien ist Asterix nicht so be­kannt wie in Deutschland oder Frankreich. Ich denke, die Italiener sind keine großen Fans von „fumetti“, wie Comics dort ge­nannt werden. Aber auf eines freue ich mich ganz besonders: In der Region, aus der mein Vater stammt, in Venetien, soll eine Mauer errichtet werden mit einem Bild von Asterix darauf. Das berührt mich wirklich sehr, denn ich hätte nie gedacht, dass der Geburtsort meines Vaters jemals dafür berühmt sein würde.

PAZ: Mit 14 haben Sie begonnen, kleine Geschichten zu zeichnen. Hat Ihnen das Zeichnen zu dieser Zeit geholfen, die Situation während des Krieges zu ertragen?
Uderzo: Nein. Mein älterer Bruder kam auf die Idee während der Schulferien. Ich wollte eigentlich Automechaniker werden wie er. Aber in den Ferien sagte mein Bruder: „Bevor Du die ganze Zeit mit Deinen Freunden auf der Straße rumhängst, suche ich Dir lieber einen Job bei einem Verlag.“ Er hatte mich öfter kleine Zeichnungen machen sehen. Also stellte er mich 1941 bei einem großen Verlag vor. Ich wurde genommen und durfte nicht nur die zwei Monate in den Ferien bleiben, sondern ein ganzes Jahr. Die Mechanikerschule ließ ich sein. Im Krieg, während der Besatzung, gab es in Paris wenig zu essen. Ich war 14 und in einem Alter, in dem man viel essen muss. Mein Bruder hatte eine Anstellung als Fahrer und Mechaniker in der Bretagne gefunden. Er holte mich zu sich, weil ich dort wenigstens Kartoffeln zu essen bekam. Immerhin Kartoffeln gab es! Es gab natürlich noch andere Sachen, aber auch dort war es schwierig. Aber in Paris war es noch viel schlimmer. Und so bin ich drei Jahre in der Bretagne geblieben. In der Zeit war an Zeichnen nicht zu denken.

PAZ: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Planen Sie einen neuen Asterix-Film?
Uderzo: Ja, es wird zwei neue Filme geben, die aktuell produziert werden. Das eine wird eine Realverfilmung, also mit Schauspielern, und das andere ein Zeichentrickfilm.

PAZ: Um welches Asterix-Abenteuer wird es dabei gehen?
Uderzo: Ein ganz neues Asterix-Abenteuer, das speziell für diesen Film geschrieben wurde. So, jetzt habe ich Ihnen alles erzählt. Herzliche Grüße an alle Leser in Deutschland!
    H. Tews/Egmont Ehapa Verlag


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