Mit der Faust im Nacken

Schon knirscht es: Weshalb »Jamaika« kommen, aber nicht lange halten dürfte

01.11.17
Druck von der Basis: „Klima-Aktivisten“ demonstrieren in Berlin gegen mögliche Kompromisse für „Jamaika“ Bild: Imago

Jeder sitzt auf seine Weise in der Klemme. Die Erwartungen ihrer Wähler lassen Schwarz, Gelb und Grün kaum Spielräume.

Bereits eine Woche nach Beginn der offiziellen Koalitionsverhandlungen zwischen Union, FDP und Grünen hat es vernehmlich zu knirschen begonnen. Beim Thema Energie und „Klima“, vor allem aber auf dem Feld der Asyl- und Einwanderungspolitik stehen die Partner unter der genauen Observation ihrer Wähler. Die Verhandlungsführer wissen das, daher ihre Nervosität.
Beobachter sehen insbesondere die CSU in der Klemme. Nach dem Desaster der Bundestagswahl mit nur 38,8 Prozent in Bayern stehen die Christsozialen mit dem Rücken zur Wand und von rechts massiv unter Druck. Deshalb sendete München nach dem 24. September Signale aus, die sich bewusst vom „Weiter so“ der Kanzlerin unterscheiden sollen. Wenn die Bayern-Union jetzt jedoch nicht liefert, kann es für sie brandgefährlich werden.
Die Liberalen fühlen sich möglicherweise sicherer, als sie tatsächlich dastehen. Parteichef Lindners Botschaft, endlich zu rechtsstaatlicher Asyl- und Zuwanderungspolitik zurückzukehren, verstanden viele Wähler ganz ähnlich wie die „Obergrenze“ der CSU − und machten ihr Kreuz bei der FDP, weil ihnen die AfD nicht ganz geheuer war.
Werden diese Anhänger enttäuscht, könnte sich für die             Freidemokraten ein ähnlicher Albtraum abzeichnen, wie sie ihn 2013 erlebten, als sie der Wähler aus dem Parlament warf, weil die FDP in seinen Augen ihre Wahlversprechen nicht umgesetzt hat.
Die Grünen haben bei den Wahlen des Jahres 2017 die Erfahrung gemacht, dass sie nur in jenen Bundesländern Erfolg hatten, wo ihr gemäßigter Flügel vorherrscht wie in Baden-Württemberg und in Schleswig-Holstein.
In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, wo Linke die Partei dominieren, wurde sie abgestraft, bei der Bundes- wie bei den jüngsten Landtagswahlen. Für die Ökopartei ist ein Gelingen von „Jamaika“ so wichtig, weil es den zur Mitte gewanderten Wählern signalisiert, dass die Grünen zu einem bürgerlichen Bündnis imstande sind, zumal sich Rot-Rot-Grün erledigt hat.
Die CDU erschien zunächst wie ein grauer Block, der blind den Anweisungen der Chefin folgt. Nach und nach verdichten sich jedoch einzelne Merkel-kritische Stimmen zu einer Front innerhalb der Partei. Die lange wie tot daliegende CDU erwacht zu neuem Leben, eingehaucht vom immer selbstbewusster hervortretenden konservativen Flügel.
So verhandeln alle vier Partner mit der Faust im Nacken. Die klassische Einigung gelänge in solchen Situationen über unkonkrete Kompromisse, die möglichst niemanden allzu sehr in Bedrängnis bringen. So dürfte es auch diesmal kommen. Die harte Realität wird einen solchen Kompromiss indes schon bald zerreißen, weshalb „Jamaika“ kommen, aber nicht lange halten dürfte.     Hans Heckel


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Kommentare

Hans-Joachim Nehring:
1.11.2017, 17:45 Uhr

Grüne in einer Bundesregierung sind ein schwerer Alptraum für jeden aufrechten und konservativ denkenden Menschen. Sie sind ja nicht nur grün, sondern scharf rot lackiert. Merkel muss endlich abtreten und den Weg frei machen für ein Bündnis CSU-FDP-AFD, also blau-weiß, gelb und Königs-Blau. Solche Leute wie Trittin und Claudia Roth haben doch nun wahrlich nichts in einer deutschen Regierung zu suchen. Das Gedränge um hochdotierte Posten wird bald beginnen und da werden einige Masken fallen.


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