Moschee in die Garnisonkirche?

Ein Vorschlag von Brandenburgs Kulturministerin Münch (SPD) löst heftige Debatte aus

16.04.17
Irritierende Vorschläge kurz vor Baubeginn: Standort der Potsdamer Garnisonkirche Bild: Imago

Auf die Bürger Potsdams wirken derzeit nur wenige Themen so polarisierend wie der Umgang mit dem örtlichen Moscheeverein und der Wiederaufbau der Garnisonkirche. Mit einem gewagten Vorschlag hat Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) nun beide „heiße Eisen“ gleichzeitig in die Hand genommen und damit eine hitzige Debatte ausgelöst.

Bei einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Wo ist Platz für die Potsdamer Moschee“ sprach sich Ministerin Münch nicht nur ganz allgemein für eine neue Moschee in Potsdam aus, sie überraschte auch mit der Aussage, „dass es ein Zeichen von brüderlichem Miteinander wäre, wenn wir zum Beispiel darüber nachdenken, was wird denn mit dem Kirchenschiff der Garnisonkirche, könnte man dort nicht eine Moschee denken?“.
Die SPD-Politikerin verwies auf den ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber, der sich sowohl für den Aufbau der Garnisonkirche einsetze, aber auch vorgeschlagen habe, in Potsdam eine Moschee zu bauen. Für den anwesenden Oberbürgermeister der Stadt kam der Vorstoß Martina Münchs ganz offensichtlich überraschend. Als die Ministerin den Vorschlag im Laufe der Podiumsdiskussion in der „Reithalle“ des Potsdamer Hans-Otto-Theaters präsentierte, wirkte Jann Jakobs (SPD) im ersten Moment regelrecht konsterniert. Auch der Kommentar, den der Rathauschef am folgenden Tag abgab, erweckte den Eindruck einer gewissen Distanz: „Das ist ein interessanter Vorschlag. Er ist aber wohl eher auf die Zukunft ausgerichtet.“
Auch bei der Stiftung Garnisonkirche verweist man auf die Zukunft. Gedanken zum Schiff der Kirche mache man sich erst dann, wenn dafür „erkennbare Grundlagen vorhanden sind“, gleichwohl könne man natürlich über Ideen reden, so der Vorstandssprecher der Stiftung, Wieland Eschenburg, gegen­über den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ („PNN“).
Der Kreischef der Linkspartei,       Sascha Krämer, signalisiert dagegen sehr deutlich Sympathie für den Vorschlag: „Wenn man den Gedanken der Ministerin aufgreift und weiterdenkt, dann könnten wir über die Errichtung eines interreligiösen Zentrums in einem noch zu errichtenden Turm nachdenken“, so der Linke gegenüber dem RBB. Scharfe Kritik äußerte dagegen der CDU-Landtagsabgeordnete Steeven Bretz. Laut den „PNN“ sprach er im Zusammenhang mit der Idee der SPD-Ministerin von einem „inhaltlichen und konzeptionellen Totalausfall“ und einen „respektlosen Umgang mit den vielen Ehrenamtlichen, die sich für den Wiederaufbau der Kirche einsetzen“.
Die Kritik des stellvertretenden  Kreischefs der AfD-Potsdam, Rene Springer, ist ähnlich scharf: „Es ist ein alarmierendes Zeichnen politischer Unterwerfung, radikalen Muslimen, die Integration als Sünde betrachten, ausgerechnet Potsdams Wahrzeichen, die Garnisonkirche, als zukünftigen Gebetsraum überlassen zu wollen“, so Springer gegenüber der PAZ. Tatsächlich bleibt abzuwarten, wie sich das Spendenaufkommen für den Wiederaufbau weiterentwickelt, wenn die Diskussion um eine Nutzung des Kirchenschiffs als muslimischer Gebetsraum weiter Fahrt aufnimmt. Mit dem Bau des 90 Meter hohen Kirchturms soll noch in diesem Herbst begonnen werden. Das Kalkül der Wiederaufbaustiftung war es bislang, dass weitere Spenden eingehen, „wenn sich erst mal die Kräne drehen“.
Jakobs hat auf der Veranstaltung erkennen lassen, dass er nicht auf einen Moschee-Neubau setzt, sondern auf einen großen Gebetsraum in einem bestehenden Gebäude. Deutlich machte der SPD-Politiker in diesem Zusammenhang: „Die Gemeinde muss bezahlen.“ Die Fragen nach der Finanzierung könnte sich allerdings noch als ein Knackpunkt erweisen. Seit vergangenem Herbst ist es nämlich die Stadt, die zulasten der Steuerzahler Kosten von 1500 Euro pro Woche übernimmt, damit der Moscheeverein für seine  Freitagsgebete die Orangerie der kommunalen Biosphärenhalle nutzen kann.
Auch der Hinweis des Potsdamer Imams Kamal Abdallah, wonach die Gemeindearbeit vornehmlich auf ehrenamtlicher Tätigkeit beruht, könnte darauf hindeuten, dass die Anmietung größerer Räume oder gar der Bau einer neuen Moschee die finanziellen Möglichkeiten des Potsdamer Moscheevereins übersteigt. Recherchen des ARD-Journalisten Constantin Schreiber haben vor Kurzem eine hitzige Diskussion um die Inhalte der Predigten in der Potsdamer Al-Farouk-Moschee in Gang gebracht (siehe PAZ 14/2017). Der Ton in der Debatte hat sich mittlerweile sogar noch verschärft. Imam Abdallah kritisierte den Schreiber mit einer drastischen Wortwahl: „Wir verlangen von dem Lügen-Reporter, dass er uns Beweise vorstellt, entweder mit einem Video oder einer Tonaufnahme. Dann wissen wir, wer wo was gesagt hat“, so der Imam im RBB-Interview.    Norman Hanert


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Kommentare

Jan Kerzel:
18.04.2017, 22:11 Uhr

Die meisten evangelischen Kirchen sind unbesuchte und öde Orte. Warum sollte man dort auch hingehen? Die zeitgeistige Propaganda kommt mit dem ÖRR eh täglich kostenpflichtig ins Haus. Eine Moschee ist ein Ort des lebendigen Glaubens und der Begegnung.Die Garnisonskirche als Moschee, ich freu mich drauf. Diesbezüglich hätte ich noch einige weitere Vorschläge.


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