Neuer Rekord

1,19 Millionen offene Stellen in der Bundesrepublik

12.05.18

Im ersten Quartal 2018 gab es bundesweit rund 1,19 Millionen offene Stellen, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der vergangenen Woche mitteilte. Dies seien gut 7000 mehr als der bisherige Höchstwert im Vorquartal. Im Westen gab es zum Jahresbeginn rund 930000 offene Stellen, in Mitteldeutschland rund 260000. „Die Personalnachfrage ist anhaltend hoch. Derzeit ist da auch keine Trendwende in Sicht“, sagte IAB-Arbeitsmarktforscher Alexander Kubis dem „Handelsblatt“.
Seitens des IAB hieß es weiter, dass es für Unternehmen immer problematischer werde, die passenden Mitarbeiter zu finden. So sei im Jahr 2017 bei knapp 43 Prozent der neu besetzten Stellen die Mitarbeitersuche mit Schwierigkeiten verbunden gewesen. Allerdings verkürzte sich die durchschnittliche Dauer bei der Neubesetzung einer Stelle im vergangenen Jahr auf 55 Tage. 2016 hatte dieser Wert noch bei 59 gelegen.
Gründe für die vielen offenen Stellen gibt es mehrere. Viele junge Menschen bewerben sich nur auf Wunschstellen und verharren bei einer Ablehnung lieber in der Arbeitslosigkeit als sich anderweitig zu orientieren. Oder sie sind nicht bereit, räumliche Veränderungen auf sich zu nehmen. Hinzu kommt der demografische Wandel. In Mitteldeutschland hat sich die Zahl der Schulabgänger binnen weniger Jahre halbiert. Viele Betriebe finden keine geeigneten Berufsanfänger.
Geklagt wird von Arbeitgeberseite allerdings nicht nur über zu wenige Bewerber, sondern auch auch über die offensichtliche Verschlechterung der Schulausbildung. Ulrich Oesingmann, Präsident des Bundesverbands der Freien Berufe, erklärte gegenüber der „Bild“-Zeitung: „Viele Jugendliche können nicht gut genug rechnen, schreiben und lesen.“
Jedes Vierteljahr ermittelt das IAB per Betriebsbefragung das Stellenangebot. Aufgrund dieser Methode sind in den Zahlen auch Arbeitsplätze enthalten, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im vergangenen Quartal sank die Zahl der Arbeitslosen im April auf 2,38 Millionen, den zweitniedrigsten Wert seit der deutschen Vereinigung. Viele von ihnen haben keine Chance, in nächster Zeit die von ihnen gewünschte Beschäftigung zu finden. „Die hohe Zahl offener Stellen zeigt, dass der Arbeitsmarkt Kapazitäten hat. Langzeitarbeitslose haben bislang von der guten Arbeitsmarktlage viel zu wenig profitieren können“, klagt Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“.
Laut dem IAB seien wie für die vielen offenen Stellen auch die Gründe für die Arbeitslosigkeit vielfältig. „Manchmal sind bei den Bewerbern nicht die richtigen Qualifikationen vorhanden, manchmal mögen die Bewerber ihre Stadt oder ihre Region nicht verlassen. Doch zuweilen sind auch die Vorstellungen der Unternehmen zu rigide.“ Früher sei es gang und gäbe gewesen, einen neuen Mitarbeiter über Monate anzulernen. Heute müsse er sofort funktionieren, anderenfalls drohe die Entlassung nach der Probezeit. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, müssten sich beide Seiten bewegen. Arbeitssuchende und Unternehmen.    P.E.


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