Österreichs Eiserne Lady

Geliebt und gefürchtet – Zum 300. Geburtstag von Maria Theresia laufen Museen in Wien und Niederösterreich heiß

31.05.17
Lady in Black: Maria Theresia als Witwe, Gemälde nach 1769 (links). Rechts: Ein Edelsteinstrauß als Ge­schenk Maria Theresias an ihren Gemahl Bild: Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste, Wien

Den 300. Geburtstag einer legendären Landesherrin darf sich kein Museum entgehen lassen. Das Maria-Theresia-Jubiläum lässt au­tomatisch die Kassen klingeln, ganz egal, was geboten wird.

Die Habsburgerin Maria Theresia ist als gewichtige Regentin in einer ansonsten von Männern dominierten Welt und als Gegenspielerin Friedrichs des Großen unvergessen. Gern wird sie hochachtungsvoll, aber missverständlich als „Kaiserin“ bezeichnet. Genau genommen aber verhält es sich so: Ihr Gatte war als Kaiser Franz I. Oberhaupt des Heiligen Römischen Reiches und sie nur „Frau Kaiserin“ – wie eben der Titel des Ehemanns auf die Gattin übertragen wird. Gleichwohl war sie als Königin von Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von Österreich und Fürstin 37 weiterer Herrschaftsgebiete die mächtigste Frau ihrer Zeit.
Dass Maria Theresia es so weit bringen würde, war bei ihrer Geburt am 13. Mai 1717 nicht ab­sehbar. In Erinnerung geblieben ist sie als erzkonservative Reformerin und mit 16 eigenen Kindern gesegnete Landesmutter. Die Begründerin der Dynastie Habsburg-Lothringen war lebenslustig, aber sittenstreng. Zu Casanovas Leidwesen rief sie die Keuschheitskommission ins Le­ben. Sie setzte auf Zensur und war eine in Religionsfragen intolerante Ka­tholikin. Sie führte Kriege, aber war auf die Wohlfahrt ihrer Untertanen bedacht. Unter ihrer Herrschaft standen Kunst und Kultur in schönster Blüte. Das alles veranschaulichen die zu Maria Theresias 300. Ge­burtstag in Wien und Niederösterreich veranstalteten Ausstellungen.
Die Österreichische National­bibliothek präsentiert Leben, Re­gentschaft und Nachruhm der 1780 verstorbenen Maria Theresia mittels eigenhändiger Briefe, Staatsurkunden, öffentlicher Be­kanntmachungen, Büchern und bildlichen Darstellungen. Zu se­hen sind sie im Prunksaal, in dessen Mitte die Statue Kaiser Karls VI. steht. Er war Maria Theresias Vater – und Urheber der berühmten „Pragmatischen Sanktion“ von 1714. Mit ihr verfügte der damals noch kinderlose Karl VI. die Un­teilbarkeit der österreichischen Erb­lande. Falls er ohne Stammhalter sterbe, aber Töchter ha­be, solle die Erstgeborene die Herrschaft übernehmen. Davon profitierte Maria Theresia, die 1740 die Nachfolge ihres Vaters antrat.
Die Erbfolge Maria Theresias zog eine Reihe von Kriegen nach sich, wie die Schau „Bün­dnisse und Feindschaften“ im Schloss Hof zeigt. Waffen und Historiengemälde erinnern an viele Schlachten. Bildnisse und Porträtbüsten heben maria-theresianische Kriegshelden wie Graf Hadik hervor, der 1757 mit seinen Husaren Berlin besetzte. Allerdings nur für einen Tag.
Obwohl Friedrich der Große der ärgste Widersacher Maria Theresias war, wird er erstaunlicherweise nicht für würdig befunden, in der Schau mit einem Porträtgemälde oder einer Bildnisbüste vertreten zu sein. Urkunden dokumentieren Friedensschlüsse wie den von Hubertusburg 1763, der den Siebenjährigen Krieg beendete, und den von Teschen 1779 zur Beilegung des Bayerischen Erbfolgekrieges.
Um „Modernisierung und Re­formen“ geht es in der Ausstellung im Schloss Niederweiden. Schulbücher weisen auf die von Maria Theresia eingeführte allgemeine Unterrichtspflicht für Jungen und Mädchen hin. Für die Neuorganisation des Bildungswesens engagierte sie mit Erlaubnis Friedrichs II. einen Spezialisten aus Preußen: den Geistlichen Jo­hann Ignaz von Felbiger. Er, Staatskanzler Fürst Kaunitz,
Ge­neralartilleriedirektor Fürst Liechtenstein sowie andere Reformer und Ratgeber sind auf Bildern dargestellt, die eine Statue Maria Theresias umringen. Sie äußerte: „Die wichtigste Obsorg eines Regenten ist die Auswahl seiner Ratgeber.“
An einen der wichtigsten erinnert eine vergoldete Büste: Gerard van Swieten. Der Leibarzt Maria Theresias war geistiger Vater der Universitätsreform und Vorsitzender der Bücherzensur. Die als bedenklich eingestuften Schriften wurden zur endgültigen Entscheidung der Herrscherin vorgelegt. Sie befahl: „Schmutzige Bücher und Geschichtchen müssen zuerst vernichtet werden. Die Bü­cher, die von Gelehrten benötigt werden könnten, können sie zurückhalten.“
Den öffentlichen Auftritten des Herrscherhauses ist die Schau in der Kaiserlichen Wagenburg ge­widmet. Wie ein Thron auf Rä­dern wirkt der von Maria Theresia genutzte Einzugswagen, den sie nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 neu bemalen ließ. Das Hauptbild zeigt Maria Theresia als Göttermutter Hera, die mit den Symbolen der Hoffnung und des Friedens ausgestattet über den angriffslustigen Meeresgott Poseidon triumphiert, mit dem Preußenkönig Friedrich II. gemeint ist. Maria Theresias Galatragsessel weist schließlich darauf hin, dass ihre zahlreichen Schwangerschaften eine ganz spezielle Form der Repräsentation erforderten.
Fast alljährlich begab sich die kaiserliche Familie zu Ehren des österreichischen Landesheiligen Leopold auf Wallfahrt ins Stift Klosterneuburg. Dort läuft in den Kaiserzimmern und der Schatzkammer die Schau „Kirche, Kloster, Kaiserin“. Den Schwerpunkt bilden prachtvoll gestickte sakrale Gewänder. Viele sind Stiftungen Maria Theresias an Klöster und Kirchen. Sie weisen üppige Blumenmuster auf. Kein Wunder, handelt es sich doch um umgearbeitete Damenkleider in sakraler Zweitverwendung. Eine Leihgabe aus dem Wiener Stephansdom ist eine mit Blütenranken ge­schmück­te Kasel, die ehemals ein Gewand Maria Theresias für die Liturgie war. Die Kasel hat sie eigenhändig mit ihrer Signatur bestickt: „MT 1776“. Sie behauptete: „Wer stickt, sündigt nicht.“
Im Hofmobiliendepot stehen Maria Theresias „Familie und Vermächtnis“ im Blickpunkt. Erlesene Beispiele des höfischen Kunsthandwerks sind zu sehen. Der „Blumenstrauß“ aus 2102 Diamanten sowie 761 Rubinen, Smaragden und anderen farbigen Edelsteinen war ein Geschenk Maria Theresias an ihren Gemahl.
Den neun Jahre älteren Franz Stephan von Lothringen kannte sie von Kindesbeinen an. Sie gestand: „Seit meinem 5. Lebensjahr waren mein Herz und mein Geist erfüllt von diesem Menschen.“ Das Paar heiratete im Jahr 1736. Die Kinder, Franz Stephan und vor allem Maria Theresia selbst sind in allen Lebensaltern auf zahlreichen Gemälden verewigt. Der unerwartete Tod ihres Gatten 1765 war für Maria Theresia ein schwerer Schlag. Auf ihren Porträts präsentierte sie sich fortan stets nur noch in schwarzer Trauertracht.     Veit-Mario Thiede
Maria Theresia. Habsburgs mächtigste Frau: bis 5. Juni in der Österreichischen Nationalbibliothek, Josefsplatz 1, Wien, www. onb.ac.at. Bündnisse und Feindschaften: bis 29. November im Schloss Hof, Schlosshof 1, Schlosshof, www. schlosshof.at. Modernisierung und Reformen: bis 29. November im Schloss Niederweiden, Nie­derweiden, Engelhartstetten, www.schlosshof.at. Frauenpower und Lebensfreude: bis 29. November in der Kaiserlichen Wagenburg, Schönbrunner Schlossstraße, Wien,  www.khm.at. Kloster, Kirche Kaiserin. Maria Theresia und das sakrale Österreich: bis 15. No­vember im Stift Klosterneuburg, Stiftsplatz 1, Klosterneuburg, www.stift-klosterneuburg.at. Familie und Vermächtnis: bis
29. November im Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien, Andreasgasse 7, www.hofmobiliendepot.at.


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