Ostpreußen ist mehr als nur Heimat

Mit über 10000 Besuchern war das Deutschlandtreffen der Ostpreußen ein voller Erfolg

21.05.14
Zog 5000 Besucher an: Die Großkundgebung, hier der BJO-Vorsitzende Stefan Hein beim „Wort der Jugend“. Bild: tws

Ein abwechslungsreiches Kulturprogramm, viel Unterhaltung, ein breites Verkaufsangebot, Erinnerung, Ansprachen und vor allem viele Begegnungen prägten das diesjährige Deutschlandtreffen. Am Ende hieß es: Kassel war ein voller Erfolg. Daran konnte auch der armselige Protest einiger „Antifa-Aktivisten“ vor den Messetoren nichts ändern.

Das Grüppchen von rund 30 „Antifa“-Aktivisten, das sich vor dem Kasseler Messezentrum aufgebaut hatte, muss sich eigentlich ziemlich dumm vorgekommen sein. Statt gefährlicher Nazis und Revanchisten, die ihnen die Organisatoren der Protestveranstaltung vom „Kasseler Bündnis gegen Rechts“, allen voran der Deutsche Gewerkschaftsbund, offenbar angekündigt hatten, strömten friedliche, zumeist schon in die Jahre gekommene, seriöse Herrschaften dem Eingang zu. Dennoch hielten sie unverdrossen ihre Banner hoch, auf denen sie gegen NS-Verherrlichung, Revanchismus und allgemein gegen Ostpreußen protestierten. Was dieses Ostpreußen eigentlich ist, vermochten sie allerdings auf Nachfrage nicht genau zu sagen. Auch über das, was sich in den Messehallen abspielte, wussten sie nichts. Dafür wussten sie aber genau, dass das irgendetwas mit Geschichtsverdrehung, Heimattümelei und Verbindungen zur Neonaziszene zu tun hätte und dass man dagegen unbedingt ein Zeichen setzen müsse. Schnell wurde deutlich: Mehr als Phrasen, die ihnen zuvor vorgebetet worden waren, hatten die Demonstranten nicht zu bieten. Kein Wunder, dass sie sogar die Jugendlichen einer polnischen Theatergruppe mit „Nazis raus!“-Rufen empfingen.
Die Besucher des Deutschlandtreffens, die in der Kasseler Jugendherberge Unterkunft gefunden hatten, bekamen noch eine besondere Form des „antifaschistischen Protests“ zu spüren. Darüber, dass sie bereits mit Wandschmierereien empfangen wurden, die sie in Fäkalsprache zur Abreise aufforderten, konnten sie noch hinwegsehen. Doch in der Nacht zum Sonntag wurden
sie durch Detonationen aufgeschreckt. Vor dem Gebäude hatte sich eine in lange Gewänder gekleidete Gruppe Jugendlicher versammelt, die Sprengkörper zündete und obszöne anti-ostpreußische Parolen skandierte. Dass sie damit eine Gruppe älterer Heimatverbliebener der Erlebnisgeneration, die den weiten Weg aus Ostpreußen auf sich genommen hatten, in Angst und Schrecken versetzten, dürfte sie wohl noch gefreut haben.
Die Tageszeitung „Hessische/ Niedersächsische Allgemeine“ schreibt über diese besondere Form von Offenheit und Toleranz, derer sich das von Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und Initiativen getragene „Kasseler Bündnis“ rühmt: „Die Aktion vor den Messehallen hat vor allem Menschen tief getroffen, deren Leben ohnehin von einer großen Verletzung geprägt ist. Richtig ist, dass wir alle uns gegen rechtes Gedankengut wehren sollten. Aber es ist armselig, Menschen, die unter dem Krieg gelitten haben, pauschal als rechtsradikal darzustellen.“
Nach all dem mussten die Besucher des Deutschlandtreffens den Eindruck haben, in Kassel nicht wirklich willkommen zu sein. Dafür spricht auch, dass Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) der Großveranstaltung trotz Einladung fern geblieben ist und die Stadt auch keinen anderen Vertreter geschickt hat. Für die Teilnahme an der Einweihung einer Moschee am gleichen Tag hat das Stadtoberhaupt dagegen die Zeit gefunden.
Umso willkommener waren die Besucher in der Messehalle, in der gewerbliche wie ideelle Anbieter und Kunstschaffende ihre Arbeiten, Literatur und ostpreußische Spezialitäten präsentierten. Kaum, dass die Türen geöffnet waren, herrschte ein emsiges Treiben. Der feierlichen Eröffnung des Deutschlandtreffens durch den Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat, folgte die Verleihung des Ostpreußischen Kulturpreises für Wissenschaft an Prof. Dr. Ingo von Münch sowie des Gierschke-Dornburg-Preises an Dr. Christian Tilitzki. Zu den kulturellen Darbietungen gehörten eine Lesung des Schauspielers Herbert Tennigkeit mit dem Thema „Meine Heimat Ostpreußen – Erinnerungen an ein geliebtes Land“, eine konzertante Reise nach Ostpreußen in Musik und Bildern mit dem Sänger „BernStein“ sowie das Theaterstück „Rotkäppchen sucht einen Prinzen“, aufgeführt von Jugendlichen der deutschen Volksgruppe aus Ostpreußen.
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Großkundgebung mit 5000 Besuchern. Eingeleitet wurde die Kundgebung mit dem Glockengeläut des Königsberger Doms. Nach dem traditionellen Einmarsch der Fahnenstaffel nahm das LO-Bundesvorstandsmitglied Wolfgang Thüne mit bewegenden Worten die Totenehrung vor. Anschließend begrüßte Stephan Grigat neben zahlreichen Vertretern aus Politik und Verbänden den hessischen Staatssekretär Mark Weinmeister, der die Grüße seiner Landesregierung überbrachte, den Ostpreußen für ihre Leistungen beim Wiederaufbau nach 1945 dankte und es als ein Grundrecht in einer demokratischen Gesellschaft bezeichnete, der Heimat zu gedenken. Im Anschluss hielt Grigat eine programmatische Rede, in der er betonte, dass es nicht genüge, an die Vergangenheit zu erinnern, sondern dass sich die Ostpreußen aktiv in die Entwicklung und die Zukunft ihrer Heimat einbringen würden. Viel Beachtung fand die Festansprache des Politologen, Juristen und
Zeithistorikers Prof. Dr. Arnulf Baring, in der er sich hauptsächlich mit der gegenwärtigen russischen Politik und Wladimir Putin auseinandersetzte.
Nach diesem erlebnisreichen Wochenende hatten Besucher, Aussteller und Veranstalter allen Grund festzustellen: Kassel war ein voller Erfolg.     Jan Heitmann


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Kommentare

Hans Audehm:
28.05.2014, 20:37 Uhr

Berlin sollte von Russland Schadensersatz für Ostpreußen und für den in Kaliningrad (Königsberg) militärisch genutzten Hafen fordern.
Raubhäuser und Raubland sollten zurückgegeben oder ggf. entschädigt werden. Die Lücke zwischen den Baltischen Staaten und Europa sollte geschlossen werden, indem Ostpreußen zu Europa kommt, den Euro bekommt und Reisen ohne Visa und Grenzkontrollen möglich werden. Das würde auch für die jetzigen Bewohner einen Aufschwung bedeuten.
Warum sollte Freizügigkeit, Ansiedlungsfreiheit und freie berufliche Betätigung nicht auch für das “europäische Ostpreußen” gelten.
Deutschland-West sucht doch händeringend Fachkräfte. Warum sollten denn nicht aus Ostpreußen junge talentierte Kräfte in den Westen Europas kommen und umgekehrt.
Wer sich gegen die Abspaltung der Krim von der Ukraine engagiert und sich nicht um Ostpreußen kümmert, ist auf beiden Augen blind, misst mit zweierlei Maß und wird von der Geschichte bestraft.
Auch Ostpreußenvereine und Ostpreußen-Zeitungen jeglicher Art werden auf Dauer nur bestehen, wenn man auf eine Rückgängigmachung der Vertreibung besteht ohne Rücksicht auf Verträge und Verlautbarungen der heutigen und vergangenen Politiker.
Auch Juden kehrten rund 2.000 Jahre nach ihrer Vertreibung in ihre Heimat zurück. Mit den Ostpreußen dauert es hoffentlich nicht so lange.

Sicherlich könnte man meine obenstehenden Zeilen politisch korrekter und diplomatischer formulieren, aber das ist nicht meine Aufgabe - dass sollen die hochbezahlten Politiker aushandeln.


Roman Ticker:
22.05.2014, 13:56 Uhr

Nachtrag:
Wenn deutsch zumindest 2. offizielle Sprache überall dort werden würde, wo es mehrere Jahrhunderte eine deutschsprechende Bevölkerung gegeben hat, dann würden sich auch wieder Deutsche dort ansiedeln wollen.

Der erste Schritt ist, die Vertreter dieser Staaten (PL, RU, LT, CZ, F, DK) davon zu überzeugen, dass es nicht nur ein Gebot der Fairness ist, sondern sogar in ihrem eigenen Interesse, wenn sich gut ausgebildete Deutsche ansiedeln.

Das eigentliche Gesamtdeutschland sieht man, wenn man sich z.B. eine Karte basierend auf Sprachatlanten des 19. Jahrhunderts anschaut, z.B. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:01Europe_blank_map_with_Germany_Region_(detail).png


Hans-Joachim Nehring:
21.05.2014, 19:06 Uhr

"Ostpreußen ist mehr als nur Heimat"
Soweit, so gut. Allerdings ist das Land dreigeteilt. Russland, Litauen und Polen haben sich des preußische Landes bemächtigt und regieren es mit gewohnt brutaler Gewalt. Wann wird es den rechtmäßigen Eigentümern zurück gegeben? Ostpreußen gehört zu Deutschland. Man möge endlich dieser Tatsache in Europa Rechnung tragen. Wenn die Russen sich die Krim wieder heimholen, dann wollen wir Ostpreußen wieder haben. Das ist doch eine Option, welche durchaus gerechtfertigt ist. Ostpreußen ist Deutschland, alles andere ist Müll der Sowjetdiktatoren.


Roman Ticker:
21.05.2014, 16:34 Uhr

Im Grunde genommen ist das Problem der abgetrennten Ostgebiete mit gutem Willen lösbar, denn Gesamtdeutschland war schon immer aufgeteilt auf mehrere Staaten.

Diese Staaten (PL, RU, LT, CZ, aber auch F, DK) müssten lediglich in den Gebieten, die früher eine deutschsprechende Mehrheitsbevölkerung hatten, deutsch als 2. offizielle Sprache einführen. Dann wäre der Status ähnlich dem Südtirols, welches gleichzeitig zur Republik Italien (dem Staat) und zu Gesamtdeutschland (der historischen europäischen Region) gehört.


Hauke Haien:
21.05.2014, 13:23 Uhr

Wie armseelig muss unser Bildungssystem sein, wenn junge Menschen nichts mehr von und über Ostpreußen wissen?
Wie armseelig sind diese sogenannten Atifaleute wenn sie sogar polnische Jugendlich als Nazis beschimpfen?
Sie sollten sich mal nach Ostpreußen fahren und sich das Land ansehen.
Oder wie wäre es wenn diese sogenannte Antifa mal eine Initiative zur Erhaltung der Burg Barten startet, mit eigener Hände Arbeit, als Jugendbegegnungsstätte


Jens Brening:
21.05.2014, 12:56 Uhr

Verantwortlich für die Aktion in Kassel war der Organisationssekretär des DGB Nordhessen. Nachdem was ich an den Messehallen in Kassel an verbalen Auseinandersetzungen festgestellt habe bin ich der Meinung, dass die Banner einen beleidigenden und ehrabschneidenden Inhalt zu Tage befördert haben. Ob nicht hierbei die Grenzen zur Volksverhetzung erreicht sind, müsste ein Jurist prüfen. Gleichwohl unterstelle ich für die Stadt Kassel und deren Bevölkerung, dass die Teilnehmer herzlichst willkommen waren und hoffe, dass die "jungen Wilden" beim nächsten mal in Erdkunde etwas genauer aufpassen.


Andreas Müller:
21.05.2014, 12:56 Uhr

Rolf-Axel Günther:21.05.2014, 10:27 Uhr
Diese linken Antifanten müssen einem eigentlich leid tun, denn ihre Wahrnehmung ist so gestört, dass man sie eigentlich in die Psychatrie einweisen müsste...

Und bitte der ganze rot-grüne-Gutmenschen-Vordenker und geistigen Brandstifter-Überbau dazu!!!

Ich würde sicher eine Wette um Kasten Brinkhof gewinnen, wenn ich behaupte, diese Schnellversteher kennen nicht eine einzige Stadt aus Ostpreußen, geschweige die Geschichte oder wer ein gewissener Herr v. Stein war und welche geistigen linke Ururgroßväter auf seinem Fundament gebaut haben.


Rolf-Axel Günther:
21.05.2014, 10:27 Uhr

Diese linken Antifanten müssen einem eigentlich leid tun, denn ihre Wahrnehmung ist so gestört, dass man sie eigentlich in die Psychatrie einweisen müsste. Diese Generation ist von den 68ern so erfolgreich instrumentalisiert worden, dass sie auf Dauer zu einer Gefahr für die innere Sicherheit einer Demokratie werden. Vielleicht kommt die Zeit, wo solche Geisteskrankheiten gesetzlich wieder behandelt werden!


Joern Gebert:
21.05.2014, 08:17 Uhr

Man sieht die Idee von Preussen lebt und sie wird stärker. Die absehbare totale moralische und ökonomische Pleite der BRD wird die Widererrichtung Preussens möglich und notwendig machen.


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