Paradebeispiel für die US-Strategie

Bilanz der durch den Westen betriebenen gewaltsamen Demokratieverbreitung in Libyen verheerend

13.04.15
Spielt eine besonders unrühmliche Rolle: Der republikanische US-Senator John McCain Bild: imago

„Libyen im Chaos“, „Libyen, ein Sprungbrett für Flüchtlinge nach Europa“, „Libyen als Hochburg des IS“ – solche und ähnliche Schlagzeilen lassen den toten Staatschef Muammar Ghaddafi manchem im Nachhinein in einem günstigeren Licht erscheinen. Die Bilanz der gewaltsamen Demokratieverbreitung durch das US-Militär ist dürftig.
Libyen bleibt das Paradebeispiel für die US-Strategie im arabischen Raum und in Mittelasien, auch in der Hinsicht, dass es Washington weitestgehend gelingt, die wahren Vorgänge zu verschleiern. Dabei muss man nur die handelnden Personen betrachten, um zu mehr Klarheit zu kommen. In Libyen war wieder einmal Senator John McCain ein Hauptakteur. Für den
4. Februar 2011 hatte die Nato in Kairo ein Treffen anberaumt, das McCain leitete. Mit ihm war der Franzose Bernard Levy gekommen, der zwar kein öffentliches Amt innehatte, aber in seiner Heimat einen gewissen Ruf als Philosoph genoss. Dazu kamen Unterhändler aus der Golf-Region und syrische Exilanten. Das Thema war die Frage, wie man sowohl in Libyen als auch in Syrien Aufstände entfachen könne, damit die Nato dann, im Namen von Freiheit und Menschenrechten, eingreifen könnte.
In Libyen machte man sich neben dem stets vorhandenen sozialen Gefälle vor allem ethnische Spannungen zunutze. Im Westen des Landes ist der Prozentsatz der Araber höher, im Osten derjenige der Berber. Speziell in der Gegend von Derna lebt der Stamm der Harabi, traditionell mit dem Clan Gaddafis, der berberischer Abstammung war, verfeindet.
Diese Gegebenheiten reichten indes nicht aus, um einen Flächenbrand anzufachen. Daher hatte schon lange zuvor die CIA einen Emissär nach Afghanistan gesandt, der dort, im Taliban-Lager Chost nahe Ghanzi im äußersten Nordosten des Landes, einen Libyer namens Abdel Hakim al-Hasidi anwarb. Nahe seiner Heimatstadt Derna stellte er später eine 300 Mann starke Miliz zusammen, den Kern der nachmaligen „Libyan Islamic Fighting Group“ (LIFG). Diese LIFG wurde durch 460 Mann verstärkt, die die CIA aus ihrem Gefängnis in Guantanamo rekrutierte. Ihr Ausbilder wurde der ehemalige Mudschaheddin Abu Sufian Ibrahim Ahmed Hamuda bin Qumu, der zuvor für Osama bin Laden im Sudan tätig gewesen war. Kommandeur wurde Salah al Barrani, ebenfalls ein früherer Mudschaheddin. Diese Truppe wurde durch eine Einheit des privaten Sicherheitsunternehmens Blackwater aus den USA verstärkt, und so konnte das libysche Kapitel des „arabischen Frühlings“ eröffnet werden.
Vielfältig war auch das Interesse der Nato an Ghaddafis Beseitigung. Seine Regierungsweise indes konnte es nicht gewesen sein. Ungeachtet seiner bizarren Art führte Ghaddafi sein Land mustergültig. Die Menschen hatten Anteil am Ölreichtum, Bildung, medizinische Versorgung und Existenzgründungen waren kostenlos und mit dem Tiefenwasser aus der Sahara revolutionierte er die libysche Landwirtschaft. Das Land und einige seiner Nachbarn waren auf dem Weg, sich selbst zu ernähren.
Dies aber war schon ein Stein des Anstoßes. Es erregte den Widerstand der US-amerikanischen Agrar-Multis. Deswegen wurden auch schon zu Beginn des Krieges die Wasserpipelines zerbombt. Ganz entscheidend für den Krieg aber war Ghaddafis Plan, ganz Afrika unabhängig vom weltweiten Dollar-Regime zu machen und dafür eine afrikanische Investitionsbank einzurichten, ein Vorhaben, das schon Saddam Hussein den Kopf gekostet hatte. Die Begehrlichkeiten, die das Öl hervorrief, rundeten die Motivation ab. Für Frankreich gab es noch einen speziellen Aspekt. Präsident Nicolas Sarkozy war Ghaddafi 40 Millionen Euro schuldig, mit denen dieser seinen Wahlkampf finanziert hatte. Die wollte er lieber mit Bomben als mit Bargeld begleichen. Das Ergebnis ist bekannt: Libyen ist ruiniert, ein großzügiges Sozialsystem hat bitterster Not weichen müssen, Gewalt beherrscht das Land, das in mehrere Teile zerfallen ist. Der IS triumphiert.
Eingedenk der Gespräche in Kairo überquerte im Mai 2013 Senator McCain die türkisch-syrische Grenze, um in der Nähe von Idlib die Führer der „bewaffneten Opposition“ zu treffen, jene „guten Revolutionäre“, die man heute nicht mehr von den anderen unterscheidet. Zwei Jahre zuvor waren nach dem Umsturz in Libyen vom Hafen Tobruk aus umgehend Söldner und Waffen nach Syrien verschifft worden, denn auch der syrische Bürgerkrieg war bereits in vollem Gange und der Nachschub wurde dringend gebraucht.
Um sich ein Bild zu machen, traf also McCain den „Generalstab“ der „Freien Syrischen Armee“, die angeblich ein Gegner des IS ist. Nur existieren Bilder, auf denen McCain im Gespräch mit dessen Funktionsträgern zu sehen ist, darunter der ehemalige syrische Brigadegeneral Selim Idriss, aber eben auch Ibrahim al-Badri, auf den die USA als einen der fünf meistgesuchten Terroristen ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar ausgesetzt haben. Besser bekannt ist der Mann unter seinem Kriegsnamen al-Baghdadi. Darunter kennt ihn die Welt als den Befehlshaber des IS, den die USA angeblich angestrengt bekämpfen.        
    Florian Stumfall


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Kommentare

Max Winter:
30.07.2015, 08:28 Uhr

In Ordnung, ich habe es gelesen.
Den Verantwortlichen gehört der Prozess gemacht. Wir reden hier von bewusst herbeigeführtem Massenmord. Auch die Politiker der BRD können sich nicht raus reden. Unser Botschaften sind bestens informiert.
Neue Gesetze für solche Prozesse müssen ran damit andere Urteile gesprochen werden können.
Die Verantwortlichen führen den ganzen Planeten in ein gewaltiges Chaos. Was ein Fascho Pack!
Auch das mit der Zuwanderung also dem Asylmissbrauch wird in einer Katastrophe enden. Man muss megadämlich sein das nicht zu verstehen.


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