Polen plant Mega-Flughafen

18.06.18

Die polnische Regierung um Premierministerin Beata Szydlo will zwischen Warschau und Lodz einen neuen Großflughafen bauen. Polnischen Medienberichten zufolge soll der neue Flughafen bis zum Jahr 2027 fertig sein und am Anfang für 45 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt sein. In der Endstufe soll Polens neuer Zentralflughafen sogar eine Kapazität zur Abfertigung von jährlich 100 Millionen Passagieren bekommen. Damit wäre er einer der größten Flughäfen Mitteleuropas.
Der Centralny Port Komunikacyjny (CPK), so der Name für das Projekt, ist in Polen allerdings politisch umstritten. Kritiker sehen in dem Projekt ein unnötiges Prestigeprojekt der Regierung. Tatsächlich wird sich der neue Großflughafen in einem schwierigen Wettbewerb behaupten müssen und den bereits bestehenden polnischen Flughäfen Konkurrenz machen. Polen verfügt aktuell über mehr als ein Dutzend Verkehrsflughäfen, in die nach dem EU-Beitritt des Landes erhebliche Gelder aus Brüssel geflossen sind. Das Land hat im Zeitraum von 2007 bis 2013 sogar mehr EU-Mittel für Flughäfen erhalten als Spanien. Speziell bei den Flughäfen Lodz, Lublin und Rzeszow haben sich die anfänglichen Passagierprognosen allerdings nicht bestätigt, so dass Überkapazitäten entstanden. Auch der Stadtflughafen Warschau Chopin ist mit EU-Geldern modernisiert worden. Allerdings stößt dieser Flughafen langsam an seine Kapazitätsgrenzen und er kann nicht weiter ausgebaut werden.
Insgesamt hat Polens Luftfahrt in den letzten Jahren zwar ein starkes Wachstum erlebt, die Gesamtzahl der abgefertigten Passagiere aller 14 polnischen Verkehrsflughäfen lag mit etwa 34 Millionen Passagieren im Jahr 2016 allerdings nur auf einem Niveau, dass allein die beiden Berliner Flughäfen mit 32 Millionen Passagieren im Jahr 2016 erreichten. Laut polnischen Medienberichten ist der geplante Zentralflughafen zwischen Warschau und Lodz als eine internationale Drehscheibe im Luftverkehr in Ost- und Zentraleuropa gedacht. Damit wird er in direkte Konkurrenz zum Berliner Luftverkehr und dem künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) treten. Selbst wenn der neue deutsche Hauptstadtflughafen erst 2020 mit langer Verzögerung an den Start gehen sollte, wird er gegenüber dem polnischen Projekt Jahre Vorsprung haben, um Terrain auf dem Luftverkehrsmarkt abzustecken. Schon die bestehenden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld werden von vielen Polen, etwa aus dem Raum Stettin, für Flugreisen genutzt.
Speziell die Ausweitung des Flugangebots nach Asien über Warschau wird auf starke Konkurrenz treffen. So hat sich der Flughafen Helsinki in den letzten Jahren sehr erfolgreich als eine Drehscheibe im Luftverkehr zwischen China und Europa etablieren können. Mit Zubringerflügen sammelt Finnair in Europa Passagiere ein, um sie dann von Helsinki nach Fernost zu bringen. Zugute kommt den Finnen dabei ein Zeitvorteil für Reisende durch die geografische Lage: Der Flughafen Helsinki liegt Asien näher als die Luftfahrtdrehkreuze Frankfurt oder London-Heathrow. Ob ein neuer polnischer Großflughafen dem eingespielten Geschäftsmodell von Finnair künftig in großem Umfang Marktanteile abnehmen kann, bleibt abzuwarten. Polens Führung erhofft sich nicht nur, dass Investoren aus Fernost bei der Finanzierung des neuen Flughafens eine Rolle spielen, der Flughafenneubau soll offenbar generell die Handelsbeziehungen Polens zu China stärken.    Norman Hanert


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