Preis für Inklusion und Immigration

Deutsche Viertklässler fallen bei den Leseleistungen im internationalen Vergleich zurück

15.12.17
Stellten vorletzten Dienstag in Berlin die IGLU-Ergebnisse von 2016 vor: Susanne Eisenmann und Wilfried Bos Bild: pa

Die Leseleistungen deutscher Viertklässler sind im internationalen Vergleich nur mittelmäßig. Beinahe jeder fünfte Grundschüler hat massive Probleme. Es gibt zwar mittlerweile mehr leistungsstarke, aber auch mehr leistungsschwache Schüler. Das geht aus der vierten Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) hervor, die in der vergangenen Woche vorgestellt wurde.

Seit 2001 werden mit der Erhebung alle fünf Jahre die Leseleistungen von Viertklässlern gemessen: „Die Leistungen der Kinder hängen stark von ihrem Elternhaus ab, diese Zusammenhänge sind ja schon seit Längerem bekannt. Aber ich finde es bemerkenswert und auch tragisch, dass sich seit 2002 nichts daran geändert hat. Hier besteht doch dringend Handlungsbedarf“, erklärte die Studienautorin Heike Wendt vom Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund gegenüber „Spiegel Online“.
Mit der IGLU werden im Fünfjahresabstand das Leseverständnis der Schüler, ihre Einstellung zum Lesen und ihre Lesegewohnheiten un­tersucht. Im vergangenen Jahr nahmen insgesamt 47 Staaten und zehn Regionen teil. In Deutschland wurden knapp 4300 Schüler einbezogen.
„Wir haben immer noch eine zu starke Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Darauf haben wir noch keine Antwort gefunden“, sagte Co-Autor Wilfried Bos gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ und fügte hinzu: „Es ist eine einzige Schande, dass wir unsere Kinder nicht zu dem Erfolg führen, der ihnen eigentlich angeboren ist.“
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte mit Blick auf die Ergebnisse, deutlich mehr Geld in die Grundschulen und in gezielte Leseförderprogramme zu investieren. Zudem seien die Ganztagsangebote auszubauen. „Es ist alarmierend, wenn die Grundschule ihrem Anspruch, eine Schule für alle Kinder zu sein und Bildungsungerechtigkeiten abzubauen, immer weniger gerecht werden kann“, sagte das zuständige Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann. Im EU-Durchschnitt investiere Deutschland besonders wenig Mittel in die Leseförderung, so moniert die GEW.
Kritik kam auch vom VBE-Verband Bildung und Erziehung, einem weiteren Lehrerverband. „Die Politik lenkt von ihrer Verantwortung ab, wenn sie sich nach internationalen Untersuchungen in pauschale Forderungen flüchtet, Deutschland müsse sich mehr anstrengen. Es ist unehrlich, wenn Politik sich hinstellt und die Ergebnisse beklagt, für die sie letztlich selbst verantwortlich ist. Solange wir in Deutschland nicht bereit sind, die Investitionen in den Bildungsbereich und insbesondere in den Primarbereich zu tätigen, die erforderlich sind, wird sich an den Ergebnissen nichts ändern“, erklärte der VBE-Vorsitzende Udo Beck-mann.
Die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärte gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „Deutschland befindet sich noch immer auf dem Standstreifen, und wir müssen noch einen Gang zulegen, um auf die Überholspur zu gelangen.“ Die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer mahnte eine bessere Sprachförderung vor der Einschulung an. Kai Gehring, Bildungsexperte der Bundestagsfraktion der Grünen, schlug eine gemeinsame Bildungsoffensive von Bund, Ländern und Kommunen mit außerschulischen Partnern vor. „Die Leseförderung gehört im Land der Dichter und Denker endlich in den Mittelpunkt.“ Die Bundesvorsitzende der Linkspartei Katja Kipping führte die Ergebnisse auf eine vermeintliche soziale Ungleichheit zurück: „Statt alle Kinder so zu fördern, wie sie es brauchen, verschärft das Bildungssystem weiter die soziale Auslese“, sagte sie der Deutschen Presse Agentur.
„In 2001 waren nur vier andere Länder besser als wir, mittlerweile sind es 20 Länder, die besser geworden sind als wir. Obwohl unsere Leistungen die gleichen sind. Wir müssen deswegen nicht in Sack und Asche tragen, 20 Länder sind aber an uns vorbeigezogen, das ist eine Menge und schwierig zu akzeptieren“, sagte Studienautor Bos.
Bei den Leseleistungen erreichten die deutschen Viertklässler 2016 einen Mittelwert von 537 Punkten gegenüber 539 im Jahre 2001. Der internationale Mittelwert beträgt mit 521 Punkten 16 weniger. Die Studienautoren warnen daher auch vor Schwarzmalerei. „Vergleichbarkeit ist immer schwierig, das gilt ja schon für die einzelnen Bundesländer. Aber grundsätzlich sind unsere Standards hoch und sehr streng“, sagte Heike Wendt: „Die 20 Länder, die jetzt signifikant besser abgeschnitten haben als Deutschland, stehen einfach besser da, das kann man ohne schlechtes Gewissen sagen.“
Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Baden-Württembergs Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Susanne Eisenmann, zeigte sich gegen­über dem Bayerischen Rundfunk „nicht vollkommen überrascht“. Andere Studien wie der IQB-Bildungstrend, bei dem die Leistungen der Bundesländer verglichen werden, kamen zuletzt zu ähnlichen Ergebnissen. „Insgesamt sind die Ergebnisse für Deutschland nicht wirklich positiv zu bewerten“, räumt Eisenmann ein. Angesichts dessen, dass andere Länder an Deutschland vorbeigezogen seien, sei Stagnation Rückschritt. Sowohl die fortschreitende Inklusion als auch die höhere Zahl von Kindern mit Immigrationshintergrund spiele bei den Ergebnissen eine Rolle.    Peter Entinger


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Kommentare

Hein ten Hof:
20.12.2017, 13:52 Uhr

Das ist erst der Anfang, das bittere Ende kommt irgendwann hinterher. Das ist unumkehrbar.
Die letzte Bastion sind bis dato die Privatschulen oder Internate.

Denn: Wer die Dritte Welt importiert, wird dazu.


Jan Kerzel:
17.12.2017, 11:16 Uhr

Die erste Pädagogenpflicht ist es, die Bespaßung der Kinder durchzuführen. Fühlen sich die Kinder nicht bespaßt oder gar gefordert, dann gibt es Probleme, und zwar für die Lehrkräfte. Alles muss ein WohlFühl-Spiel sein, jeder soll freudig dabei sein. Leistung ist eine Randerscheinung, es geht eher um das Verstehen, warum eigentlich nichts geleistet wird. Da in anderen Ländern diese Unfugspädagogik nicht zelebriert wird,kann man eigentlich optimistisch in die Zukunft blicken. Die Zeiten ändern sich eben und die Gewichte verschieben sich.
Deutschland kann auf einem insgesamt niedrigeren Niveau sogar freier werden. Aus der Perspektive gesehen, ist dies gar nicht so schlecht.


Marcus Junge:
15.12.2017, 15:52 Uhr

Gestern jammerte es bei der GEZ wegen so einer Problemschule im Westen, lauter Fachkräfte, die sich Fachkräfte benehmen.

GROß rausgestellt wurde, daß es nicht wegen Inklusion und Invasion so schlimm ist, sondern weil die inkludierten und invadierten Bereicherungskräfte so wenig Geld im Elternhaus hätten und daher die soziale Teilhabe nicht funktioniert.

Sie sehen, die Lösung ist ganz einfach, BRD-Politikersport, Geldsackweitwurf.


Klaus Schricker:
15.12.2017, 13:24 Uhr

Nicht umsonst feiert"Fuck you Göthe" Erfolge. Bumsunterricht im Kindergarten ist ja weitaus wichtiger!


Dietmar Fürste:
15.12.2017, 09:27 Uhr

Was für ein scheinheiliges Wehklagen quer durch Parteien, Schulbehörden und sogar ein 'Institut für Schulentwicklungsfoschung', angesiedelt ausgerechnet in der NoGo-Area Dortmund! Wie konnten wir nur früher ohne solche Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen auskommen und bessere Bildungsergebnisse vorweisen?

Wie wäre es denn mal mit einem Forschungsauftrag über den Zusammenhang zwischen Parallelgesellschaften und erodierendem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt infolge einer unregulierten Massenzuwanderung einerseits, und der diese Entwicklung - politisch korrekt - begrüßenden, linksgerichteten Ausbildung unserer Lehrer andererseits, sowie der Zunahme von Gewalt und Terror einerseits, und den Folgen für Eltern und Familien andererseits, die ihren Kindern das zunehmende Chaos schon längst nicht mehr erklären können?

Dass viele Eltern inzwischen Angst davor haben müssen, ihre Kinder, wie früher, unbegleitet auf den Weg zur Schule zu schicken und sie stattdessen lieber mit dem Auto hinbringen und wieder abholen, dass eine zunehmende, unangemessene Abstraktion in den Schulaufgaben-Texten, vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern, die Kinder wie die Eltern überfordert, dass die früher selbstverständliche, natürliche Autorität der Lehrer von den Alt-Achtundsechzigern als Vorstufe zum Faschismus verteufelt wurde und Lehrer heute nur noch reichlich unpersönliche 'Lernbegleiter' sind, über die Auswirkungen dieser Entwicklung könnte auch mal geforscht werden!

Interessanterweise sind die Leistungen der Schüler ausgerechnet in solchen Schulen besser, in denen es z.B. eine einheitliche Schul-Kleidung gibt, wo Disziplin, Gehorsam und die Wege zum erfolgreichen Lernen gelehrt werden, alles ohne damit den behaupteten 'Kadavergehorsam' durchzusetzen. (Bernhard Bueb: "Lob der Disziplin" längst totgeschwiegen und vergessen!)

Hat man sich in besagtem Institut eigentlich schon einmal mit den Mahnungen von Christa Meves auseinandergesetzt, mit denen sie in ihrem Buch "Verführt, Manipuliert, Pervertiert" anklagt? Zur wissenschaftlichen Arbeit gehört es doch, unhaltbare Thesen zu widerlegen. Also - was ist verkehrt bei Bueb und Meves?

Die hier vorgelegte armselige Bilanz ist doch vor allem ein Vorwurf gegen all diejenigen, die diese Probleme mit ihrer angeblich doch so fortschrittlichen Haltung in ihren Ämtern, Pöstchen und Lehrstühlen erst geschaffen, oder billigend in Kauf genommen haben!


Dietmar Fürste:
15.12.2017, 08:43 Uhr

Dass es hierzulande ein 'Institut für Schulentwicklungsforschung' gibt, verblüfft mich schon.
Wie konnten wir in früheren Zeiten mit viel erfolgreicheren Bildungseinrichtungen nur ohne solche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen auskommen?

Und ausgerechnet in Dortmund als fast schon flächendeckenden NoGo-Area ist man tätig, einfach toll!

Wie wäre es denn mal mit einem Forschungsauftrag zum Zusammenhang zwischen dem durch eine unregulierte Massenzuwanderung erodierenden sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft, der in dieser Hinsicht völlig unkritischen, aber politisch korrekten Ausbildung der Lehrer und der um sich greifenden Ohnmacht von immer mehr Eltern, die ihren Kindern dieses Chaos auch nicht mehr erklären können?


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