Ratlos, kopflos, gespalten

In Essen gab die CDU einen Vorgeschmack auf ihre kommende Existenzkrise

14.12.16
Zu zweit allein: Die Entfremdung Merkels von großen Teilen der CDU wurde in Essen offenkundig Bild: action press

Merkel wurde von ihrer Partei abgestraft. Sie rächte sich mit demonstrativer Nichtachtung, ohne auf Protest zu stoßen.

Der Essener Bundesparteitag habe das Ende der Ära Merkel als CDU-Vorsitzende eingeleitet, verkünden namhafte Kommentatoren. Wieder einmal, möchte man einwenden, denn von „Merkel-Dämmerung“ war schon öfters die Rede, doch die Chefin blieb.
Dennoch waren diesmal drei bemerkenswerte Beobachtungen zu machen, die neu waren. Nicht nur, dass die Vorsitzende mit einem denkbar schlechten Wiederwahlergebnis abgestraft wurde. Auch inhaltlich tat sich ein Riss auf: Die Mehrheit der Delegierten hat sich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft als Dauerlösung für in Deutschland geborene Ausländerkinder ausgesprochen. Stattdessen sollen sie wieder zwischen dem 18. und dem 23. Lebensjahr wählen müssen, welche Staatsangehörigkeit sie wünschen, genannt das „Optionsmodell“.
Was dann geschah, ist spektakulär: Unbeeindruckt von dem Beschluss gab Merkel zu Protokoll, dass dieser Beschluss keine Chance in der Koalition habe und dass sie ihn selber auch nicht unterstütze. Eine solche Einlassung der Parteichefin hätte eine Welle der Empörung an der Basis auslösen müssen. Der Vorsitzende einer demokratischen Partei hat für die Beschlüsse seiner Basis zu kämpfen, selbst wenn er in der Abstimmung unterlegen war. Merkels Äußerung war in ihrer Arroganz ein Skandal.
Nun geschah etwas noch Verblüffenderes: Die Empörung blieb aus. Nicht nur sind Angela Merkel die Beschlüsse ihrer Partei egal; die Partei scheint es gar nicht zu kratzen, dass sie der Chefin egal ist − wie in einer eingefrorenen Ehe, in der die Partner nur noch aus Angst vor der Einsamkeit beisammen bleiben. Merkels Signal an die Basis lautet: Wenn ich meine Politik nicht mit euch durchbekomme, dann eben mit der SPD und später vielleicht mit den Grünen.
Ansonsten hat sich die Kanzlerin abermals herausgeredet. Mit Hinblick auf die unkontrollierte Asylflut sagte sie, sie habe der Partei einiges zugemutet, weil „wir tun müssen, was die Zeiten von uns fordern“. Eine perfide Irreführung: Die „Zeiten“ waren in England, Polen oder Dänemark die gleichen im Herbst 2015. Nur die Regierungspolitik gestaltete sich dort anders. Es war Merkel, welche mit ihrer Politik die „Zumutungen“ über Deutschland brachte, die sie nun zum unabwendbaren Schicksalsschlag umdeuten will, samt „alternativloser“ Reaktion.
Dass ihr das nicht mehr nahezu alle Delegierten (wie noch auf dem Karlsruher Parteitag vor einem Jahr) abkaufen, setzt ein Zeichen der Hoffnung. Indes: Auch in Essen hat sich niemand gefunden, der Merkel offen Paroli bieten wollte. Eine solche Persönlichkeit aber muss sich herausschälen, will die Partei nicht in eine noch tiefere, existenzielle Krise stürzen. Findet sich nicht rechtzeitig jemand für diese Rolle, dürfte die Zeit für die CDU als große Volkspartei ablaufen.     Hans Heckel


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Tom Orden:
21.12.2016, 13:13 Uhr

Seit Jahren schon wird von Zeitungen wie der Preußischen Allgemeinen Zeitung vor Merkel gewarnt. Und trotzdem wird diese Person immer wieder gewählt! In etlichen Büchern wurde vor ihr gewarnt; z.B. in Sachbüchern wie "Angela Merkel-Ein Irrtum" von C. Stephens oder im Amateurwerken wie "Kaiser Wilhelm I" von C. Schwochert.
Merkel verliert international immer mehr an Ansehen, sie baut nur Mist, als es darum ging Deutschland zu schaden, wurde sie zur Wetterfahne in Dingen wie Atomkraft usw.
Und jetzt wurde sie zur eisernen Kanzlerin, auch wieder um Deutschland zu schaden. Inzwischen hat sie sogar die Linksextremisten auf ihrer Seite, weil die nach vielen Jahren erkannt haben das Merkel eine von ihnen ist. Deshalb ist "Merkel muss weg" jetzt auch Rechtsextrem; weil die Linken es so wollen.
Verrückt.
Die Deutschen müssen endlich aufhören Merkel zu wählen; eine Alternative gibt es ja schließlich nun schon seit ein paar Jahren!


Karl Brenner:
18.12.2016, 09:47 Uhr

Man wird sie (die CDU) für die Ergebnisse verantwortlich machen.


Jan Kerzel:
18.12.2016, 01:19 Uhr

Das Potential der CDU liegt etwa bei sicheren 30%, das der SPD bei sicheren 20%. Mehr brauchen sie nicht, und das wissen sie. Alles andere ist Wunschdenken. Vielleicht sieht die Sache 2021 oder 2025 anders aus. Vielleicht. Wahrscheinlich ist es nicht, denn sie haben aufgrund ihrer gemeinsamen Machtstellung die Medien relativ geschlossen hinter sich gebracht. Die 50 plus x werden beackert, alles andere ist ihnen lästig und eigentlich egal. Die Bundeskanzlerin ist der Garant dieser Machtkonstellation, das macht sie stark. Nicht umsonst schließt sie Kretschmann in sein Abendgebet ein.


Lutz Schmidt:
15.12.2016, 02:16 Uhr

Man kann nicht oft genug vor dieser Person warnen. Mit ihrer konfusen Politik, indem sie allen und jeden ihren Willen aufzwingt,bringt sie ganz Europa an die Grenze zur Katastrophe.Hoffenlich wacht das deutsche Volk noch rechtzeitig auf.


Hans-Joachim Nehring:
14.12.2016, 18:08 Uhr

Hier fragt sich doch der geneigte Leser der PAZ, was alles noch passieren muss, bis Kanzlerin Merkel ihren Sessel im Kanzleramt räumt. Wie ein hartnäckiger Diktator setzt sie sich über demokratische Mehrheitsbeschlüsse der CDU zu Fragen der doppelten Staatsbürgerschaft hinweg. Unter den Eunuchen in ihrer Partei findet sich Niemand, der dagegen protestiert. Die Reputation, die Deutschland heute noch im Ausland genießt, gründet sich ausschließlich auf eine noch vorhandene wirtschaftliche Stärke und die Bereitschaft der Politik deutsche Steuergelder an Schuldnerstaaten zu verschwenden.


Bernd Liebermann:
14.12.2016, 13:45 Uhr

"die Zeiten von uns fordern"(Merkel):
Man könnte das übersetzen in: "Was die Göttlichkeit fordert" oder uns determiniert, ein unfreier gegebener Geschichtssinn fordert oder "die himmlische Vernunft" einfordert.
Alles entspricht alter französisch- deutscher Geschichtsphilosphie des 19. Jahrhunderts, die "das Objektive" zur Basis der Kultur machen möchte - und nicht das intersubjektive oder gesellschaftlich vermittelte Leben (und deren Kulturausdruck) selbst! Merkel bewegt sich geistig in Hegels Weltgeist- also in der progressiven Variante des schwäbischen Pietismus. Zum Zeit-Begriff online: Marcus Sandle Uni Konstanz Geschichtsphilosophie um 1800 in D.: Zeit und Sinn.


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.