Reisen in Zeiten des Terrors

Tourismusbörse Berlin zeigt Gewinner und Verlierer: Hellas lacht, die Türkei sackt immer tiefer

19.03.17
Deutschland zählte 2016 erneut zu den Gewinnern unter den Reisezielen: Junge Frauen am Infostand der Hauptstadtregion auf der ITB Berlin 2017 Bild: Messe Berlin

Auf der weltgrößten Reisemesse, der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin, spielten in diesen Jahr die Sicherheit von Reisezielen und die Politik eine überragende Rolle. Manche Ziele profitieren von der Unsicherheit, andere brechen dramatisch ein.

Zu leiden hat insbesondere die Türkei, die auf der Berliner Tourismusmesse mit einem Großaufgebot präsent war. Mit 50 Austellern und einer eigenen Halle war die Türkei sogar das größte ausstellende Gastland auf der ITB.  Mehrere Terroranschläge und der Putschversuch des letzten Jahres haben bereits 2016 die Zahl der Türkei-Besucher um ein Drittel einbrechen lassen.
Dieses Jahr könnte sogar noch schlechter verlaufen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Analyse des Marktforschungsinstituts GfK haben bislang nicht einmal halb so viele Deutsche einen Türkei-Urlaub für die kommende  Sommersaison gebucht wie zum Vorjahreszeitpunkt.
Die türkische Regierung versucht inzwischen, der schwer angeschlagenen Tourismusindustrie mit Finanzspritzen wieder auf die Beine zu helfen. Unter anderem will Ankara Reiseveranstaltern Prämien zahlen, wenn sie Reisende ins Land holen. Subventionen sollen zudem gewährleisten, dass in den türkischen Hotels trotz mauer Besucherzahlen Personal und damit ein gewisser Qualitätsstandard gehalten werden kann.
Staatspräsident Erdogan rief inzwischen sogar die Auslands-Türken auf, ihren Urlaub in der alten Heimat zu verbringen. Zudem pries Erdogan die Türkei als das Land  „mit den besten Meeren, den besten Bergen, den besten Flüssen, den besten Böden, den besten Bäumen, der besten Sonne, dem besten Essen und Früchten, dem wärmsten und herzlichsten Lächeln und der besten Zeit, die man auf Erden haben kann“ an.
Ausgerechnet Erdogan selbst und sein Außenminister Mevlüt Cavusoglu aber könnten der türkischen Tourismusindustrie den nächsten schweren Hieb versetzt haben: Nur kurz vor seinem Besuch auf der ITB  hatte Cavusoglu etwa bei einem Auftritt in Hamburg gefordert, Deutschland müsse „sich zu benehmen lernen“. Erdogan wiederum hatte als Reaktion auf das Auftrittsverbot von türkischen Ministern in Deutschland von „Nazi-Praktiken“ gesprochen und erklärt, der Nationalsozialismus in Deutschland „geht noch immer weiter“.  
Ähnliche Vorwürfe in Richtung der Niederlande dürften der türkischen Tourismusindustrie vermutlich weiteren Schaden zugefügt haben. In der Reisebranche hofft man dennoch, dass die Türkei mit attraktiven Angeboten kurzfristig entschlossene Urlauber anzieht. Große deutsche Veranstalter bieten inzwischen  zwei Wochen Hotel-Urlaub in Antalya inklusive Hin- und Rückflug ab Berlin-Tegel für wenig mehr als 300 Euro pro Person an. Zumindest in nächster Zeit scheint damit der Weg der Türkei hin zu einem Billig-Reiseziel für Schnäppchenjäger vorgezeichnet zu sein.  
Auch von Ägypten und Tunesien haben sich im vergangenen Jahr  wegen der Terrorgefahr  Reiseströme wegverlagert. Laut GfK-Marktforschern haben schwere Terroranschläge wie in Berlin, Paris, Nizza und Istanbul zudem die Attraktivität von Städtereisen insgesamt sinken lassen. Als Gewinner der Entwicklung zeichnen sich Spanien und Portugal, vor allem aber Griechenland ab: Allein für Hellas liegen die Buchungszahlen derzeit 70 Prozent über denen des Vorjahrszeitraums. Griechenland ist damit auf dem Weg, im Jahr 2017 zum zweitstärksten ausländischen Urlaubsziel im deutschen Markt aufzusteigen.  
Klarer Favorit ist für die Deutschen allerdings nach wie vor der  Urlaub im eigenen Land − vor allem an Nord- und Ostsee und in den deutschen Gebirgen. Das Statistische Bundesamt zählte für das vergangene Jahr rund 447 Millionen Übernachtungen von in- und ausländischen Gästen in Deutschland und damit den siebten Übernachtungsrekord in Folge. Mit einem Zuwachs von drei Prozent hatten die inländischen Touristen einen starken Anteil an dem neuen Rekord. Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) erklärte auf der ITB, er sehe  für sein Bundesland gute Chancen für neue Spitzenwerte im Tourismus.
Das  Lutherjahr 2017 könnte hier tatsächlich für einen neuen Besucherrekord sorgen. Für das Reformationsjubiläum hat Brandenburg ein umfangreiches Programm vorbereitet. Jüterbog etwa will sich als „Stadt des Anstoßes der Reformation“ präsentieren. In der Flämingstadt soll der Mönch Johann Tetzel seine Ablassbriefe zum Erlass von Sünden verkauft haben, die Luther zum Abfassen seiner 95 Thesen veranlassten.
Frankfurt an der Oder, das eine Zeitlang sogar als ein „Anti-Wittenberg“ galt, wird im Lutherjahr die Reformationsgeschichte  in einer Ausstellung namens „Bürger – Pfarrer – Professoren“ thematisieren. Weitere Ausstellungen zum Reformationsjahr sind im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam und im Museum im Dom zu Brandenburg an der Havel geplant.     Norman Hanert


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Kommentare

H. Schinkel:
19.03.2017, 00:20 Uhr

Schon tragisch. Die Deutschen buchen nun wieder Griechenland als bevorzugtes Reiseziel, obwohl die Griechen öffentlich GEGEN deutsche Touristen demonstrieren. Die sind nicht erwünscht.

Mein bevorzugtes Reiseziel wird Deutschland bleiben. Die z.B. Mecklenburgische Seenplatte ist auch sehr schön.


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