Rendite und ein gutes Gewissen
Über ein Prozent der Geldanlagen sind bereits in sogenannte Öko-Investments geflossen
Finanzkrise und Fukushima haben herkömmliche Geldanlagen schlecht aussehen lassen. Verluste und Umweltsünden verstimmen immer mehr Anleger. Doch Investments in die sogenannte Nachhaltigkeitsbranche zeigen, das auch hier mit Wasser gekocht wird.
Bereits im November 2011 hatte die deutsche Niederlassung der Schweizer Bank Sarasin – die sich, wenn es um Investitionen in die sogenannte Nachhaltigkeitsbranche geht, einen Namen gemacht hat – eine Pleitewelle deutscher Solarunternehmen angekündigt. Wenige Wochen später überschlugen sich dann auch die Meldungen: Solon meldete Insolvenz an, Solar Millenium vermeldete zum Jahreswechsel seine Pleite, schon im neuen Jahr wurde bekannt, dass die deutsche Sunways AG von der chinesischen LDK Solar übernommen werden soll. Ein Grund für den Niedergang der noch bis vor kurzem gefeierten Branche sei der Umstand, dass einem Absatz von 21 Gigawatt Solarmodulen 2011 eine weltweite Produktionskapazität von 50 Gigawatt gegenübergestanden habe, so die Bank Sarasin. Hinzu kommt die unfaire Konkurrenz aus China. So klagte der Chef des angeschlagenen Branchenprimus Solarworld, Frank Asbeck, dass „subventionierte chinesische Hersteller mit unanständigen Preisen“ agierten, so dass deutsche Wettbewerber kaum mithalten könnten.
Aber nicht nur die Unternehmen und ihre Mitarbeiter sehen schwierigen Zeiten entgegen, auch diejenigen, die auf der Suche nach einer lukrativen Investition gepaart mit einem guten Gewissen in die Solarbranche Geld investierten, stehen zum Teil sogar vor dem Nichts. Ob Solon und Solar Millenium ihre in zweistelligen Millionenhöhen ausgegebenen Anleihen jemals zurückzahlen können, ist ungewiss. Auch dürfte es die Aktionäre von Solon wenig trösten, dass sie sich seelisch schon auf den Verlust ihres Geldes einstellen konnten: Während eine Solon-Aktie 2007 87 Euro kostete, war sie kurz vor Einreichung der Insolvenz nur noch 39 Cent wert. Selbst Solarworld-Aktionäre mussten 2011 mit ansehen, wie ihr Investment 56,5 Prozent an Wert verlor. Nachhaltigkeit zumindest finanzieller Art sieht anders aus.
Aber egal ob man in einen Solaranlagenhersteller, Solaranlagenpark, eine Windkraftanlage oder eine Biogasanlage investiert, für alle Anlagen in die sogenannte Ökobranche gilt, dass ihre Energiegewinnung zwar umweltfreundlicher und nachhaltiger ist, doch es handelt sich hier stets darum, dass der Anleger sein Geld nur „auf ein Pferd“ setzt und das kann nun einmal auf der Strecke genauso krepieren wie Investitionen in klassische Unternehmen, da niemand vor der Pleite gefeit ist.
Wer also sein Risiko streuen will, dem bieten die Banken inzwischen auch zahlreiche sogenannte Öko-Fonds an. Im September 2011 hat die Verbraucherzentrale Nord-rhein-Westfalen 307 Kreditinstitute nach ihren Angeboten in diesem Bereich gefragt. Die Verbraucherzentrale ging davon aus, dass im Zuge der Finanzkrise und der Reaktorkatastrophe in Japan sich die Nachfrage der Anleger nach Investitionen in Unternehmen, die neben einer guten Rendite auch einen ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert bieten, stark erhöht hat. Dies verneinten die meisten Kreditinstitute, gaben aber an, dass sie entsprechende Angebote im Sortiment hätten. Allerdings verweist die Verbraucherzentrale hier auf den Umstand, dass es keine allgemein gültigen Güte- und Qualitätssiegel gibt, so dass der Anleger immer genau schauen muss, in was er da investiert. Und das ist nicht immer dunkelgrün, wie „Öko-Test“ im vergangenen April belegte. So fanden sich Ölkonzerne, Waffenproduzenten und Unternehmen, die für Menschenrechtsverletzungen bekannt waren, in den Portfolios. Nur fünf der untersuchten 73 Fonds boten den Anlegern wirklich, was sie versprachen.
Auch wurde bekannt, dass der Ölkonzern BP in mehreren Ökofonds vertreten war. Kurz nach der riesigen Umweltkatastrophe um die BP-Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ erwies sich dieses Engagement nicht als ausgesprochen ökologisch. Und so lenkten im Laufe des Jahres 2011 einige im Bereich der Nachhaltigkeitsbranche aktiven Anbieter um. Der
Indexanbieter Stoxx entschied sich, nicht mehr auf die Einschätzungen der SAM Group zu hören. Die SAM Group setzt auf das Best-in-Class-Prinzip, sprich, das umweltfreundlichste Unternehmen einer Branche gilt als nachhaltig. Und da das in der Ölbranche lange Zeit BP war, arbeitete BP für die SAM Group nachhaltig.
Angesichts der Prüfung, ob Unternehmen nachhaltig arbeiten, stellt sich beim Thema Öko-Investments auch die Frage, ob es nachhaltig arbeitende Banken gibt. Hier ist die seit 1974 am Markt tätige GLS die wohl bekannteste. Aber auch die Umweltbank und die Ethikbank können sich über Kundenzuwächse freuen. Zumindest bei der GLS, die zum Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken zählt, kann sich der Kunde sicher sein, dass sie nicht wie Solar Millenium oder die Noa Bank 2010 in der Insolvenz endet. Allerdings mussten die Gesellschafter der GLS, deren Name ausgeschrieben Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken heißt, im Dezember akzeptieren, dass auch in ihrem Unternehmen, anders als in der Satzung festgeschrieben, die Gewinnerzielung zählt und nun Dividende gezahlt wird, wie auf der letzten Mitgliederversammlung beschlossen. Der Vorstand begründet dies mit den verschärften Eigenkapitalregeln für Banken durch die Finanzkrise. Um ihr Eigenkapital zu erhöhen, benötigt auch die GLS mehr Genossen. Und auch diese finden sich einfacher, wenn man mit einer Dividende lockt. Aber wer Gewinne als Unart des kapitalistischen Systems ansieht, kann bei der Ethikbank einen Teil seiner Zinsen zur Unterstützung von Kinderheimen in Bulgarien, zur Förderung von Frauen in Afghanistan oder zum Schutz der Baikalrobbe spenden. Auch kann der Anleger und Kunde der GLS, der Ethikbank und der Umweltbank genau sehen, an wen sein Geld als Kredit vergeben wird. So bei der GLS unter anderem an die Waldorfschule Frankfurt, den Kinderladen Kindertraum Prenzlauer Berg, die Behinderteneinrichtungen Camphill Alt-Schönow. Was die GLS aber als menschenfreundlich hervorhebt, sei wiederum für die Sparkassen Alltagsgeschäft, so Stefan Marotzke vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband gegenüber der PAZ. Da Kindergärten, Schulen und Behindertenheime oft in Trägerschaft der Kommunen liefen, würden die Sparkassen diese als Kommunalfinanzierer Nummer 1 auch finanzieren. Rebecca Bellano
Kommentare
Keine Kommentare

EU finanziert Ausbeutung
Mit Kopfschütteln haben Experten auf die Entscheidung der Euro-Finanzminister reagiert,...
Hundeverbot
Den Haag – Mit Hinweis auf den Tierschutz hat der türkischstämmige Fraktionsvorsitzende...
Selbstgewählte Deindustrialisierung
EU-Energiekommissar Gün-ther Oettinger warnte vor Wirtschaftsvertretern davor, dass...

Komplette Idioten
Sarrazin ist wieder da, mit seinem Buch unterm Arm, angereichert mit einer ellenlangen...
Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.


Kommentar hinzufügen