»Schlimmer, als ich gedacht habe«

Gutachter äußert Zweifel an Aussagen von Polizei und Landesregierung zur Kölner Silvesternacht

04.11.16
Kulisse für schwere Straftaten: Silvesternacht auf der Kölner Domplatte Bild: pa

Die Kölner Silvesternacht beschäftigt seit einigen Monaten einen Untersuchungsausschuss des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Der hatte den renommierten Kriminologen Rudolf Egg damit beauftragt, ein Gutachten über den Ablauf der Geschehnisse auf der Domplatte zu erstellen. Die Resultate, die er in der vergangenen Woche präsentierte, sind ernüchternd.

Offenkundig waren über mehrere Stunden immer wieder Frauen schutzlos sexuellen Übergriffen von Arabern ausgesetzt. Selbst eine Polizistin, die im Rahmen des Silvestereinsatzes dienstlich in zivil unterwegs war, wurde dort sexuell belästigt. Dennoch hat die Polizei teilweise zu spät, teilweise gar nicht reagiert. Noch am Tag nach den Übergriffen war von „einer weitgehend normalen Lage“ die Rede. Wie sich jetzt herausstellt, war dies eine glatte Lüge. Denn rund ein Viertel der am Ende mehr als 1500 Strafanzeigen wurde schon am Neujahrstag aufgegeben.
Rechtspsychologe Egg hat für den Düsseldorfer Landtag über 1000 Fälle ausgewertet und dabei erschreckende Fälle öffentlich gemacht, die auch ein düsteres Bild der örtlichen Polizei zeichnen. „Leider waren die Polizisten vor Ort nicht sehr hilfreich. Eine Beamtin sagte zu mir: ,Du kommst doch aus Köln, dann weißt du doch, dass du hier nicht feiern gehen darfst‘“, zitierte Egg eine der betroffenen Frauen. Die Täter hätten den Bereich um den Kölner Dom „stundenlang als rechtsfreien Raum“ erlebt, heißt es in dem Gutachten. Ein möglichst rasches Eingreifen wäre nach Eggs Meinung erforderlich gewesen, um die „Flut“ von Taten einzudämmen. Denn die massenhaften Übergriffe seien durch das späte Eingreifen der Polizei begünstigt worden. Dass kleinere Tätergruppen stundenlang Frauen drangsalieren und bestehlen konnten, habe die übrige Menge wohl entfesselt. Die mehreren Hundert Männer mutmaßlich nordafrikanisch-arabischer Herkunft seien wahrscheinlich durch Mundpropaganda oder soziale Netzwerke lose verabredet oder eingeladen gewesen. Eine geplante Verabredung zu Straftaten habe „es wohl nicht gegeben“, schreibt Egg.
Der Rechtspsychologe ist von Amts wegen her mit den Abgründen der menschlichen Seele vertraut. Dennoch stellte die Aufarbeitung von Köln auch für ihn eine Herausforderung dar. „Es war viel schlimmer, als ich gedacht habe. Ich konnte immer nur ein paar Anzeigen hintereinander lesen und musste Pausen einlegen. Es war eine sehr belastende Arbeit. Es hat mich tief beeindruckt und berührt“, sagte Egg dem „Focus“.
In diesem Fall habe ihn der schiere Umfang der Taten, die Massivität, mit der die Frauen belästigt wurden, bestürzt. Dass dies im Herzen einer Großstadt, „vor dem Augen aller“, geschehen sei, mache ihn fassungslos. Egg berichtet in eindrucksvollen Worten von den überwiegend jungen Frauen, die in ihren Anzeigen von „aggressiven, nicht enden wollenden Übergriffen zahlloser Hände“ aus einer Menge heraus sprechen: „Ich habe mich in dem Moment hilflos gefühlt! Ich habe die ganze Zeit nichts gesehen, nur gespürt, weil meine Augen voller Tränen waren“, heißt es.
Als nicht haltbar bewertet Egg die offizielle Darstellung der Polizei, das Ausmaß der Übergriffe sei in der Silvesternacht nicht wahrnehmbar gewesen. Er berichtet in seinem Gutachten von mehreren Aussagen, wonach belästigten Frauen geraten worden sei, den Notruf zu wählen.
Die CDU-Landtagsabgeordnete Ina Scharrenbach zeigte sich gegenüber dem „Bayernkurier“ fassungslos. „Bis 23.30 Uhr ist niemand eingeschritten, obwohl es genug Notrufe gegeben hat. Das ist nicht zu erklären.“ Die Polizei hatte gegen 8.30 Uhr am 1. Januar mitgeteilt, dass „die meisten Silvesterfeierlichkeiten wie im Vorjahr friedlich verlaufen“ seien. Die Polizei habe „sich an neuralgischen Orten gut aufgestellt und präsent gezeigt“. Der Untersuchungsausschuss soll unter anderem klären, ab wann Kommunal- und Landespolitiker von den Übergriffen erfahren haben. Und ob es Versuche gegeben hat, die Tatsache zu verschweigen, dass zahlreiche Immigranten für die Übergriffe verantwortlich waren. Egg geht nicht davon aus, dass sich in der Silvesternacht hunderte gewaltbereiter, rücksichtsloser Männer gezielt verabredet hätten, um Frauen sexuell zu demütigen und Feiernde zu bestehlen. Er spricht von einer Sog-Wirkung: „Die Übergriffe geschehen, weil sie geschehen können. Von harten Griffen zwischen die Beine über Eindringen mit den Fingern bis hin zu ekligen Sex-Spielen mit den hilflos eingekesselten Opfern.“
Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Innenminister Ralf Jäger haben den Vorwurf zurück­gewiesen, sie hätten die Eskalation vertuschen wollen. Offiziell sagen beide, sie seien erst am 4. Januar informiert worden. Egg hält dies „für wenig glaubhaft“. Kraft verweigert dem Untersuchungsausschuss bis heute die Herausgabe interner Dokumente. Dazu zählen nach Informationen des „Express“ Dokumente, die Kontakte innerhalb der Landesregierung aufzeigen. Unter anderem soll es um Besprechungsprotokolle, Akten der Silvesternacht-Nachbereitung in den ersten Wochen sowie die Verbindungsdaten von Telefongesprächen, die zu dem Thema geführt wurden, gehen.    Peter Entinger


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Kommentare

Thomas Raz:
6.11.2016, 15:34 Uhr

Was meiner Meinung nach bislang noch viel zu wenig....eigentlich gar nicht...beleuchtet wurde: Waren die Frauen eigentlich alle alleine unterwegs? Wo waren ihre Männer/männlichen Freunde? Haben die dem Treiben ebenfalls zugesehen, waren sie zu feige einzugreifen?
Der kölner Domplatz war ja wohl nicht nur mit deutschen Frauen und arabischen Männern gefüllt. Oder?


Christian R.:
4.11.2016, 03:45 Uhr

Die Kölner Polizei handelte wohl nach dem Motto: "Wenn ich nichts sehe, dann ist es auch nicht geschehen und es kann nicht in die Statistik eingehen".

Und dann tun sich viele Staatsdiener noch entrüstet wenn sich nach solch geistiger und personeller Abwesenheit, Unterfinanzierung, unzureichender Ausstattung der Polizei mehr und mehr Bürger in Bürgerwehren organisieren ? Tja, wo der Staat fehlt, gilt halt das Gesetz der Strasse und des Stärkeren. Frauen, egal auf welcher Seite sie stehen, sind da leider fast immer die ersten Opfer.

Ich halte mich hier zurück auszudrücken was ich mir als gerechte Strafe für diese Sexualtäter wünsche. Deutsche Kuschelgefängnisse sind keine Abschreckung für Menschen aus rauhesten Verhältnissen mit abscheulichen Vorstellungen über Fraün. Lange Haftstrafen kosten den Steuerzahler Millionen. Prügelstrafe ala Singapur, wahlweise verabreicht vom Opfer, mit anschliessendem Flug in Militärtransport in den Sudan, wäre da schonmal ein angemessener Anfang. Aber nein, das wäre ja unmenschlich ! Sollen diese frauengrapschenden Feiglinge das doch bitte mal in Russland versuchen !

Die grossen, mit ehrenwertem Idealismus betriebenen, sozialen Experimente von mildem Strafvollzug und Re-integration mögen in relativ homogenen Gesellschaften funktionieren. Aber dort wo Kulturen aufeinanderprallen, ernten sie uns Spott und Hohn. Und horrende Kosten samt insgeheimer Verhöhnung der Opfer.

Uns Deutschem Volke wird doch immer so gerne gepredigt "Wehret den Anfängen !". Ach ja, sollte das hier bitte nicht ebenso gelten ? Lässt man Gewalt, organisierte Kriminalität nur lange genug wuchern, dann verhält sie sich wie ein unheilbarer Krebs der den Patienten quälend langsam töten wird.

In der dritten Welt wimmelt es nur von Beispielen, und das bittere Ende ist ja auch dort noch nicht erreicht. Warten wir erst mal bis wir uns die dritte-Welt-Durchfütterung aufgrund von Klimawandel und überbevölkerung nicht mehr leisten können oder nicht mehr leisten wollen !

Ach ja, wie wär's mal mit Arbeitsdienst für alle Flüchtlinge die sich hier legal oder auch illegal aufhalten ? Park saubermachen, Strassen fegen bzw Müll aufsammeln, Herbstlaub fegen, bei der Ernte mithelfen ? Die Bauern haben schon genug zu schuften für wenig Knete. Oder selbst mit Anpacken beim Bauen von preiswerten Wohncontainern für Flüchtlinge ? Oder Rentnern bei der Gartenarbeit helfen, Graffiti entfernen, etc ?

Leute die schuften kommen auf weniger dumme Gedanken und wissen den Gegenwert dessen zu schätzen was ihnen der Staat hier bietet. Aber nein - bloss nicht "Arbeitsdienst", das könnte ja unserem Ruf schaden ! Denkverbote und Nazikeulen führen zu keiner würdevollen Gedenkkultur an vergangene Greueltaten, im Gegenteil: Sie nähren eine Verachtung darauf.


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