»Sie haben Waffen. Zum Beispiel ein Gewehr«

Seit Anfang des Jahres müssen Behördeninhalte in Leichte Sprache übersetzt werden – Ob es dafür Bedarf gibt, weiß niemand

12.07.17
Übersetzer fürs simple Deutsch haben viel zu tun. Es muss ständig aktualisiert werden Bild: PA

Der Aufwand ist riesig, die Kosten enorm, der Nutzen zweifelhaft: Das Übersetzen von staatlich-offiziellen Informationen in die behindertengerechte Leichte Sprache kommt wohl vor allem Lobbyorganisationen zugute.

Wer im Internet die Seiten staatlicher Stellen besucht, dem wird aufgefallen sein, dass dort seit einiger Zeit bestimmte Informationsangebote auch in sogenannter Leichter Sprache abzurufen sind. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich um eine knapp und einfach gehaltene Form des Deutschen, die weitgehend ohne Fremdworte auskommt. Lesern mit geringer Sprachkompetenz soll das Verstehen erleichtert werden.
Zwar hatte bereits der römische Philosoph Cicero angemahnt, sich in Wort und Schrift verständlich auszudrücken, doch die breit angelegte Bereitstellung, insbesondere von amtlichen Veröffentlichungen, in Leichter Sprache ist eine gänzlich neue Entwicklung. Während heute an deutschen Universitäten ganze Seminare ausschließlich in englischer Sprache abgehalten werden – angeblich um den Anschluss an den internationalen Forschungsdis-kurs nicht zu verlieren – scheint der Anteil der hiesigen Bevölkerung, der keine akademische Ausbildung anstrebt, schon mit dem gewöhnlichen Alltagsdeutsch überfordert zu sein. Tatsächlich hat eine Studie der Universität Hamburg aus den Jahren 2010/2011 zutage gefördert, dass 14,5 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen funktionale Analphabeten sind und weitere 25,9 Prozent der erwachsenen Bevölkerung die Schriftsprache nur fehlerhaft beherrschen.
Die erschreckenden Ergebnisse werden auch nur teilweise durch den stetig steigenden Anteil von hier lebenden Ausländern erklärt, denn für immerhin 58 Prozent der von den im Rahmen der Studie festgestellten Defiziten betroffenen Personen war Deutsch die Muttersprache. Wer nun allerdings glaubt, dass die verstärkte Bereitstellung von Informationsangeboten in „leichter Sprache“ eine Art von Folgenbeseitigung für die Resultate einer seit Jahrzehnten verfehlten Schulpolitik darstellt, der irrt. Anknüpfungspunkt für dieses Vorgehen ist vielmehr die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen aus dem Jahre 2008 und deren Umsetzung durch den deutschen Gesetzgeber. Hierbei handelt es sich um ein internationales Abkommen, welches die Rechte von behinderten Menschen sichern soll. In dem Vertragstext finden sich im Wesentlichen nur solche Rechtsgarantien, die in der Bundesrepublik schon weit vor dessen Inkraftreten selbstverständlich waren.
Ein viel bedeutsamerer Aspekt ist jedoch der Behinderungsbegriff, von dem die Konvention ausgeht. Eine solche ergibt sich demnach nicht mehr primär aus dem Vorhandensein körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen einer Person, sondern aus den „einstellungs- und umweltbedingten Barrieren“ der Gesellschaft, in der ein Behinderter lebt. Dieses doch recht bemerkenswerte Begriffsverständnis geht auf die Anfänge der Behindertenrechtsbewegung in Großbritannien in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts zurück und wurde erstmals von den beiden Aktivisten Paul Hunt und Vic Finkelstein proklamiert. In dem Gründungsmanifest der von ihnen ins Leben gerufenen „Vereinigung der körperlich Beeinträchtigten gegen Segregation“ heißt es denn auch: „Aus unserer Sicht ist es die Gesellschaft, die körperlich beeinträchtigte Menschen behindert.“
Diese Projektion einer vorhandenen oder zum Teil auch nur so empfundenen Unzulänglichkeit der eigenen Person lässt sich interessanterweise ebenso in Zitaten prominenter Vertreter anderer zeitgleich aufkommender Minderheitenströmungen, wie etwa dem Feminismus feststellen. So schrieb etwa Simone de Beauvoir: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird dazu gemacht“. Diese Schuldzuschreibung an eine vermeintlich repressive bürgerliche Gesellschaft war es denn auch, die schließlich die Vertreter der Neuen Linken auf den Plan rief. Hatte man spätestens nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges alle Hoffnungen auf eine baldige Revolution durch eine zunehmend saturierte Arbeiterklasse aufgeben müssen, so sah man in den sich neu formierenden sozialen Minderheiten nunmehr das „eigentliche Proletariat“, mit dessen Hilfe man die bestehende kapitalistische Ordnung umzustürzen gedachte. Die sich in der Bundesrepublik und anderen westlichen Staaten herausbildende Neue Linke hatte endlich ihr „revolutionäres Subjekt“ gefunden und so war es nur folgerichtig, dass ihre Vertreter vornehmlich gegen echte oder auch angebliche Unterdrückung von Frauen, Migranten, Homosexuellen und eben auch von Behinderten agitierten. Andererseits nahmen einige besonders lautstarke Gruppen von Minderheiten diese Unterstützung gerne an. Es kam dort zu einer starken Rezeption linker Theoreme sowie zu zahlreichen personellen Verquickungen mit linksextremen Organisationen. Besonders exemplarisch zeigt sich dies etwa am Beispiel von Theresia Degener (56). Sie gilt als die wohl einflussreichste Behindertenaktivistin in Deutschland. Degener, selbst contergangeschädigt, begann ihre Karriere in der sogenannten „Krüppelbewegung“ der späten Siebziger und Achtziger Jahre. Die überzeugte Feministin engagierte sich schon früh in Gremien der Partei „Die Grünen“ und war eng mit der radikalen Linken verbandelt. Neben der Behandlung von spezifischen Frauen- und Behindertenthemen befasste sie sich intensiv mit marxistischer Theoriearbeit.
Nach der Arbeit für verschiedene Lobbyorganisationen, Universitäten und parlamentarische Gremien wurde sie 2001 von der rot-grünen Bundesregierung als deutsche Vertreterin für die Ausarbeitung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ausgewählt, die sie maßgeblich mitgestaltet hat. Noch heute sitzt sie in dem UN-Ausschuss, der über die Einhaltung der Konvention durch die Mitgliedsstaaten wacht. Das dort verankerte Recht auf gleiche Teilhabe hat in Deutschland zum Beispiel dazu geführt, dass nunmehr auch schwer geistig behinderte Menschen an Parlamentswahlen teilnehmen dürfen. Damit sie von ihrem Wahlrecht verantwortungsvoll Gebrauch machen können, aber auch damit sie ganz allgemein leicht verständlichen Zugang zu offiziellen Informationen erhalten, sollen nun Behörden nach dem neu gefassten Behindertengleichstellungsgesetz auf ihren Netzseiten, in Broschüren oder anderen amtlichen Dokumenten vermehrt Angebote in Leichter Sprache bereitstellen.
Dem von Kritikern vorgebrachten Hinweis auf den hohen finanziellen Aufwand und auf das Fehlen jedweder Bedarfsanalysen wird seitens der Behindertenlobby in der Regel nicht mit Argumenten begegnet, sondern mit einem umso entschiedeneren moralischen Rigorismus. Dies nimmt auch nicht weiter Wunder, denn im Gegensatz zu den mantraartig vorgebrachten Bekundungen nach einem Mehr an Selbstbestimmung für behinderte Menschen, geht es der Sozialindustrie und ihren politischen Stichwortgebern doch vor allem um einen Ausbau ihrer Machtstrukturen und um den Erhalt staatlicher Subventionen. Dies zeigt sich auch beim Thema Leichte Sprache. Die Standardtexte auf Formularen und Netzseiten von Behörden müssen erst einmal vereinfacht und dann laufend aktualisiert werden. Bereits hier halten   Lobbyverbände zumeist das erste Mal die Hand auf.
In einem zweiten Schritt werden die umformulierten Inhalte auf Verständlichkeit hin geprüft. Dies geschieht meist durch geistig behinderte Personen, an die sich die Texte ja letztlich auch richten. Aus nachvollziehbaren Gründen bieten nur wenige entsprechend beeinträchtigte Menschen eine solche Leistung als Angestellte oder Freiberufler auf dem freien Markt an. Um also einen Text überprüfen lassen zu können, kommt man an den die behinderten Menschen betreuenden Verbänden, wie AWO, Diakonie oder Lebenshilfe, kaum vorbei. Ähnlich, wie beim Gender-Mainstreaming, geht es also nicht wirklich um Gleichbehandlung, sondern vor allem um Ideologie und Geld.     Dirk Pelster

 

Die Bundeswehr
... in Leichter Sprache erklärt

Die Bundes-wehr ist eine sehr große Gruppe von Menschen
in Deutschland.

So wie die Polizei. Oder die Feuer-wehr.

Es gibt Frauen und Männer in der Bundes-wehr.
 
Und sie arbeiten in vielen verschiedenen Berufen.

Zum Beispiel im Büro. Oder als Mechaniker.

Die meisten in der Bundeswehr sind Soldaten oder Soldatinnen.

Die Soldaten und Soldatinnen verteidigen unser Land.

Das bedeutet: Sie wehren sich, wenn ein anderes Land unser
Land angreift.

Soldatinnen und Soldaten tragen Uniformen.

Das bedeutet: Sie müssen bestimmte Kleidung tragen.

Und sie haben Waffen. Zum Beispiel ein Gewehr.
 
So können sie uns und unser Land besser verteidigen.

Von der Internetseite des Bundesamtes für Ausrüstung,
Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr


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