Sind Polizisten feige?

Wie es um die Einsatzbereitschaft der deutschen Ordnungshüter bestellt ist

27.07.17
Polizisten im umkämpften Schanzenviertel beim G 20-Gipfel: Am Ende gab es eine Wurst und ein Getränk Foto: Imago

Es ist ein schlimmes Wort: Feigheit. Vor allem, wenn man es auf Polizisten münzt. Aber manchmal lässt die Realität einfach keine Alternative zu.


So war es zumindest im Falle der zwölf Berliner Ordnungshüter, die sich Schafen gleich vor der Tür der Kiezkneipe „Zum Droschkenkutscher“ drängelten, während drinnen zwei Verbrecher die Wirtin ins Koma prügelten. Begründung: „Wir wussten ja nicht, wie die Täter bewaffnet sind.“ Auch wenn manche ausländische Medien den über 20000 Si­cherheits­kräften, die den G 20-Gipfel in Hamburg absichern sollten, nun gleichfalls pauschal mangelnden Mut unterstellen, so stellen solche Versager in Uniform wie in Berlin doch eher die Ausnahme und nicht die Regel dar. Denn das teilweise zögerliche Handeln der Polizei während der Krawalle in der Hansestadt hatte wohl andere Ursachen.
Zum Ersten dürften inzwischen viele Polizisten die hanebüchene Innen- und Asylpolitik der Regierung Merkel aufgrund ihrer tagtäglichen Erfahrungen an der Front ablehnen und sich fragen, inwieweit die beratungsresistenten Entscheidungsträger „da oben“ überhaupt noch ein Recht darauf haben, den Beamten Aufopferungsbereitschaft abzuverlangen.
Zum Zweiten wäre da die fatale Doktrin von der heilsamen Wirkung der „Deeskalation“. Polizisten werden heutzutage darauf getrimmt, Probleme mit einem oftmals respektlosen und hochkriminellen Gegenüber auszudiskutieren, statt sie kraft ihrer vom Staat verliehenen Autorität zu lösen. Deshalb verbringen unsere Gesetzeshüter inzwischen auch deutlich mehr Zeit mit Psycho- und Kommunikationstrainern als auf dem Schießstand. Hierzu ein typisches Beispiel: In Berlin absolvieren Polizisten oft nur noch zehn bis zwölf Minuten Schießtraining pro Jahr, weil von den hierfür nötigen Anlagen 68 geschlossen werden mussten.
Außerdem kommt bei den Übungen bis zu 50 Jahre alte Munition zum Einsatz. Deshalb die verbreitete Hilflosigkeit, wenn Täter sich nicht auf Reden einlassen, sondern schnell und brutal zuschlagen, was außer bei randalierenden Linksextremisten neuerdings besonders unter den auftrumpfenden „Schutzsuchenden“ aus Nordafrika und dem Nahen Osten der Fall ist.
Und zum Dritten sorgt der Staat auch sonst recht wenig für seine Diener in Uniform. Beispielsweise fehlt es in manchen Bundesländern an zeitgemäßen Besoldungsregelungen und echten beruflichen Aufstiegschancen. Ein heikles Thema ist zudem der Schutz der Familien und der Privatsphäre von Polizisten. Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert schon seit Längerem eine Auskunftssperre bei den Einwohnermeldeämtern für die Wohnadressen von Angehörigen der Sicherheitsorgane – bisher jedoch vergeblich. Das erleichtert hinterhältige Sabotageaktionen an den Privatfahrzeugen der Beamten und andere Angriffe außerhalb des Dienstes.
Wie wenig der einzelne Polizist inzwischen zählt, war auch während des G 20-Gipfels zu beobachten, wo die fehlende Erfüllung selbst banalster Grundbedürfnisse von Einsatzkräften trotz monatelanger Vorausplanungen ein nachgerade skandalöses Ausmaß erreichte. Manche von den im Dauerdienst Befindlichen erhielten weder Essen noch Getränke und mussten schließlich in voller Montur auf dem nackten Fußboden schlafen. Dass es unter solchen Umständen irgendwann zu Befehlsverweigerungen oder spontanen „Krankmeldungen“ kommt, liegt natürlich auf der Hand.
Letzteres scheint jetzt sogar den nach Parteibuch ausgewählten Polizeiführern und Innenpolitikern zu dämmern, deren berufliches und sonstiges Wohlergehen ja ebenfalls von einer motivierten und nicht streikenden oder gar meuternden Polizei abhängt. Deshalb überschlugen sie sich nach den Hamburger Vorfällen in der Gewährung von „Kompensationen“ für das Ungemach an der Elbe, welches auf Seiten der Uniformierten mit immerhin knapp 500 Verletzten einherging. So erhielt jeder abdelegierte sächsische Polizist umgehend einen Tag Sonderurlaub sowie 500 Euro „Einsatzprämie“. Und der Hamburger Innensenator gewährte seinen gebeutelten Gipfel-Helden großzügig sogar drei zusätzliche freie Tage plus einer Wurst und einem Getränk bei der obligatorischen Nachbesprechung.
Da bleibt nur zu hoffen, dass auch die Vegetarier unter den Staatsdienern diese hochherzige Geste zu würdigen wissen und weiterhin brav den Kopf hinhalten, wenn die angeblich aufgebauschten Probleme Linksextremismus und Ausländerkriminalität das nächste Mal hochkochen.
    Wolfgang Kaufmann


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