Sorgenkind Afrika

Sorgenkind AfrikaGeografisch ein Riese, wirtschaftlich ein Zwerg – Der Schwarze Kontinent kommt nicht auf die Beine

31.01.17
Ein florierender Handel ist in Afrika die Seltenheit: Marktszene in Madagaskar mit üppigem Angebot Bild: action press

Angesichts des rapiden Bevölkerungswachstums auf dem afrikanischen Kontinent wäre eigentlich ein extrem hohes Wirtschaftswachstum notwendig. Nach gut einem halben Jahrhundert Entwick­lungshilfe ist Afrika in wirtschaftlicher Hinsicht allerdings immer noch ein Zwerg.

Auch wenn immer wieder vom „Zukunftsmarkt Afrika“ geredet wird, ist die wirtschaftliche Lage des Kontinents ernüchternd. Derzeit leben in Afrika gut 16 Prozent der Weltbevölkerung, aufsummiert tragen alle 54 afrikanischen Länder lediglich drei Prozent zum Gesamt-Bruttoinlandsprodukt der Welt bei. Zum Vergleich: Frankreich erwirtschaftete im Jahr 2014 ein Bruttoinlandsprodukt von 2,849 Billionen Dollar – ganz Afrika nur 2,427 Billionen.
Ein relativ hoher Anteil an der afrikanischen Wirtschaftskraft entfällt auf die beiden Schwergewichte Nigeria und Südafrika. Unbestritten ist das wirtschaftliche Potenzial des Kontinents: So sind im Subsahara-Afrika in den letzten Jahren durchschnittliche Wachstumsraten von über fünf Prozent erreicht worden. Die Industrieländerorganisation OECD geht auch für das Jahr 2017 von einem Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent aus. Angesichts der absehbaren demografischen Entwicklung sind allerdings Wachstumswerte in völlig anderen Dimension nötig. Während im weltweiten Durchschnitt die sogenannte Fruchtbarkeitsziffer mittlerweile auf 2,5 Kinder abgesunken ist, liegt der Wert für afrikanische Frauen im Schnitt bei 4,7 Kindern.
Bleibt es bei den hohen Geburtenzahlen, dann wird sich die Bevölkerung Afrikas von derzeit 1,3 Milliarden bis zum Jahr 2050 auf bis zu 2,6 Milliarden verdoppeln und bis zum Ende dieses Jahrhunderts möglicherweise sogar auf mehr als sechs Milliarden Menschen ansteigen. Der Ökonom und Soziologe Gunnar Heinsohn hat inzwischen mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass mit einem derartigen Bevölkerungswachstum massive, auch gewaltsam ausgetragene Verteilungskämpfe in den betroffenen Gesellschaften, aber auch für die übrige Welt drohen. So beträgt das Durchschnittsalter in Afrika derzeit 18 Jahre. Entsprechend stark sind in den ohnehin wirtschaftlich nur schwach entwickelten Ländern Afrikas der Kampf um Arbeitsplätze und der Wunsch nach Auswanderung.
Welche Dimensionen dieses Problem schon in einigen Jahren annehmen wird, machen Berechnungen für Subsahara-Afrika deutlich. Für diesen Teil Afrikas wird prognostiziert, dass schon in den nächsten 15 Jahren 370 Millionen Heranwachsende zusätzlich auf den Arbeitsmarkt drängen werden. Bis zum Jahr 2050 könnte die Zahl sogar auf mehr als 800 Millionen zusätzliche Jobsuchende anwachsen.
Erste Vorboten dieser Bevölkerungsexplosion treffen inzwischen immer stärker auch Europa. Erst vor Kurzem sorgte eine Analyse des österreichischen Militärgeheimdienstes für Schlagzeilen, in der vor einer neuen Zuwanderungswelle vor allem aus Nigeria, dem Kongo, dem Sudan und Äthiopien gewarnt wurde. Als Grund angeführt wurde von den Geheimdienstlern, dass der Arbeitskräfteüberhang in den wichtigsten Migrations-Herkunftsländern Afrikas schon bis 2020 auf weitere 15 Millionen Personen anwachsen könnte.
Ob die Folgen dieser Entwick­lung überhaupt noch durch eine herkömmliche Forcierung der wirtschaftlichen Entwicklung spürbar abgemildert werden können, bleibt abzuwarten. Nach dem Vorbild des Marshall-Plans für Nachkriegseuropa hat Entwick-lungshilfeminister Gerd Müller (CSU) unlängst ein Konzept für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas vorgelegt. Müller will dabei kein zusätzliches Geld nach Afrika überweisen, wohl aber die vorhandenen Mittel umschichten. Entstehen soll so eine „Reformtranche“ im Umfang von 300 Millionen Euro. Diese soll jenen afrikanischen Staaten zugutekommen, die sich um Reformen bemühen und Korruption bekämpfen. Diese gehört neben der schlecht ausgebauten Infrastruktur, fehlenden Fachkräften, Vetternwirtschaft und Kleptokratie sowie dem häufig anzutreffenden Mangel an Rechtsstaatlichkeit zu den Hauptproblemen bei der Wirtschaftsentwicklung Afrikas.
Angekündigt hat Müller auch, die Steuervermeidungsstrategien großer Konzerne bekämpfen zu wollen, durch die Afrika jährlich hohe Milliardenbeträge verloren gehen. Absehbar ist ebenso ein Vorstoß, in der EU den Posten eines Afrika-Kommissars zu schaffen, der sich um Vorhaben wie einen Freihandelsvertrag zwischen der EU und den afrikanischen Mittelmeer-Anrainern kümmern soll. Dem Afrika-Konzept des Entwick­lungshilfeministers werden in den kommenden Monaten mit Sicherheit weitere Initiativen folgen.
Deutschland, dass in diesem Jahr den Vorsitz der Industrie- und Schwellenländer-Gruppe G 20 übernommen hat, will Afrika zu einem Schwerpunktthema machen. Bereits im vergangenen Jahr hatte auch EU-Kommissar Jean-Claude Juncker einen Marshall-Plan für Afrika angekündigt und in Aussicht gestellt, dass ab 2017 insgesamt
88 Milliarden Euro an Investitionshilfen für Afrika mobilisiert werden sollen.
    Norman Hanert


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Kommentare

Dietmar Fürste:
31.01.2017, 08:35 Uhr

Danke für diese notwendige Aufklärung darüber, was das Abendland von der Bevölkerungsexplosion in Afrika zu erwarten hat!

Dem Artikel sollte hinzugefügt werden, dass "christliche Missionare" seit Jahrzehnten gegen (!) Geburtenkontrolle in Afrika ankämpfen und dass andererseits in der Mentalität der Afrikaner ihr Kinderreichtum eine Tradition hat, die vor allem in ihren islamisch geprägten Ländern durch den Glauben bestärkt wird.

Die Entwicklung zu heute führenden Industrienationen hat für die jeweiligen Völker des Okzidents Hunderte von Jahren gedauert, hat Opfer gekostet und eine Einstellung zur Arbeit mit Fleiß, Lernbereitschaft und Hingabe hervorgebracht, die der Lebensart in großen Teilen des "Schwarzen Kontinents" bisher noch fehlt. Dort herrschen vielfach noch Prägungen alter Stammes-Kämpfe und Rivalitäten von Großfamilien-Clans anstelle von Gemeinsinn und Solidarität.

Die 54 Länder Afrikas stehen erst an der Schwelle zur Emanzipation von ihrer alten Lebensart. Der Beitrag westlicher humanitärer Hilfen dazu ist eher marginal, weil diesen Einsätzen nicht die Kriegskassen der Global Player zur Verfügung stehen. Und deren Ziel ist weniger die Autarkie afrikanischer Länder, als vielmehr deren Potential als Rohstofflieferanten und Billiglohnländer.

Dazu kommen geopolitische sowie militärstrategische Interessen der Großmächte, die bis heute großen Einfluss auf die Länder Afrikas haben und deren Souveränität auch kaum befördern werden.

All diese Fluchtursachen bekämpfen zu wollen, würde eine Weltgemeinschaft voraussetzen, von der wir wahrscheinlich noch Jahrhunderte entfernt sind.


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