Spiegel der Wirtschaftsentwicklung

Seit 30 Jahren berechnet die Deutsche Börse den deutschen Aktienindex DAX

10.07.18
Mittlerweile ein fester Bestandteil der Frankfurter Börse: Die Anzeige mit der DAX-Kurve Bild: Imago

Der deutsche Aktienindex DAX wurde zum Monatswechsel 30 Jahre alt. Experten sprechen von einer Erfolgsgeschichte, doch einem großen Teil der Bevölkerung ist der Handel an der Frankfurter Börse stets fremd geblieben.

Als bekanntester Index wird der DAX oft als Leitindex für den deutschen Aktienmarkt betrachtet. Er beinhaltet die 30 hinsichtlich Börsenumsatz und Marktkapitalisierung größten Unternehmen der Frankfurter Wertpapierbörse und gilt damit als Indikator für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft sowie Basiswert für derivative Finanzinstrumente und strukturierte Produkte. Die 30 im DAX enthaltenen Titel repräsentieren rund 75 Prozent des gesamten Grundkapitals inländischer börsennotierter Aktiengesellschaften und etwa 85 Prozent der in deutschen Beteiligungspapieren getätigten Börsenumsätze.
Seit dem ersten Handelstag, dem 1. Juli 1988, mit 1163 Punkten hat der Deutsche Aktienindex kräftig zugelegt. Der Höchstwert lag zwischenzeitlich bei mehr als 13000 Punkten. Anleger, die Geduld haben und nicht das schnelle Geld suchen, konnten in der Vergangenheit gut verdienen. Getreu der Weisheit André Kostolanys „Wer gut essen will, kauft Aktien; wer gut schlafen will, kauft Anleihen“, gehören Rückschläge jedoch dazu. Ende August 1988 fiel der DAX auf 1152 Punkte. In den Keller ging es auch um die Jahrtausendwende nach dem Platzen der New-Economy-Blase am Neuen Markt. Bis auf 2202 Zähler am 12. März 2003 sackte der Leitindex. Doch davon hat er sich immer relativ zügig erholt.
Es gibt Experten, die sagen, dass der DAX stark an Bedeutung verloren habe. Andere widersprechen vehement. „Tatsache ist, dass der Schwerpunkt und die wesentliche Stärke der deutschen Wirtschaft in dem Bereich liegen, der als Old Economy bezeichnet wird. Dabei wird unterschätzt, wie groß und mächtig diese Wirtschaftszweige sind – und wie konsequent sich die meisten der Schwergewichte mit Erfolg auf den traditionellen Geschäftsfeldern behaupten, ohne die künftigen Herausforderungen aus dem Blick zu verlieren“, erklärte Benjardin Gärtner, Aktien-Chef bei Union Investment, in einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin „Focus“. Übersehen werde zudem, wie sehr sich der DAX in den vergangenen 30 Jahren gewandelt habe. Einstmals eminent wichtige Sektoren wie etwa Banken und Versorger hätten in der Struktur des Index stark an Bedeutung verloren.
An der Besetzung des DAX ist der Wandel der deutschen Wirtschaft ablesbar. In der Anfangsphase waren zum Beispiel noch die Warenhausketten Karstadt und Kaufhof vertreten. Auch der Mischkonzern VIAG und das Energieunternehmen VEBA gehörten zu den ersten Werten im DAX – später fusionierten sie zum Energiekonzern Eon. Auch aufgelöste Unternehmen wie Mannesmann oder der Papier- und Chemiekonzern Feldmühle Nobel standen lange Jahre auf dem Zettel der Börsenhändler.
Dieser Wandel der Wirtschaft erfolgt manchen Experten noch nicht schnell genug. So schreibt Gärtner im „Focus“: „Die Schwächen des Index und damit der hiesigen Wirtschaft liegen unter anderem in der vergleichsweise schwachen Stellung der deutschen IT-Konzerne. Ein zweites Silicon Valley wird hierzulande nicht entstehen.“ Dies liege vor allem daran, dass in den USA ein anderer Gründergeist herrsche, der dadurch unterstützt werde, dass unternehmerisches Scheitern nicht als persönliche Niederlage gelte.
Im Lauf der Zeit hat auch die Globalisierung vor dem Aktienindex nicht halt gemacht. „Vor 30 Jahren war der DAX noch sehr viel nationaler“, erklärte Allianz- Analyst Christoph Berger der Berliner Zeitung „Tagesspiegel“. Heute kämen dagegen viele Aktionäre aus dem Ausland. Bei vier DAX-Konzernen halten sie einer Auswertung der Beratungsfirma Ernst & Young (EY) zufolge sogar mehr als 70 Prozent der Anteile. Insgesamt sind von den 30 DAX-Konzernen heute 18 mindestens zur Hälfte im Besitz ausländischer Anleger. „Viele DAX-Konzerne sind inzwischen Weltunternehmen mit Hauptsitz in Deutschland – da sind eine steigende Bedeutung und ein zunehmender Einfluss ausländischer Investoren nur logisch“, erläutert Mathieu Meyer, Mitglied der EY-Geschäftsführung, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Der Großteil der DAX-Aktien ist nach Aussage Meyers in der Hand von professionellen Händlern. Privatleute hielten lediglich elf Prozent der Papiere. Der Absturz der als Volksaktie vermarkteten Telekom-Papiere und das Platzen der New-Economy-Blase hätten viele Anleger in Deutschland nachhaltig verschreckt.
Dabei, so Experten, sei diese Angst eigentlich unbegründet. Selbst wer zum ungünstigen Zeitpunkt vor zehn Jahren und damit kurz vor Ausbruch der Finanzkrise eingestiegen sei, habe bis heute ein Plus von durchschnittlich fünf Prozent im Jahr erzielen können, sagen die EY-Analysten. Eine solide Aktienanlage könne eine sinnvolle Ergänzung zur Altersvorsorge sein. „Im Vergleich zu anderen Anlageklassen sind deutsche Aktien nach wie vor attraktiv“, sagte Berger dem „Tagesspiegel“. Das Umfeld für deutsche Aktien werde im kommenden Jahr vor dem Hintergrund der anhaltend lockeren Geldpolitik der Zentralbanken und der robusten Konjunktur der Weltwirtschaft günstig bleiben. Dies sei eine gute Voraussetzung zum Aktienkauf.    Peter Entinger


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Kommentare

James Ostenmoordorf:
11.07.2018, 04:49 Uhr

Bis 1989 gab es die Deutschland-AG

Nach dem Fall der Mauer wurde Deutsche-Bank-Chef und Kohl-Berater Alfred Herrhausen ermordet. Wir müssen vermuten, von denselben, die anschließend die Deutschland-AG zerschlagen und feindlich übernommen haben. Und dann die Lohnabsenkungen in Deutschland erzwangen. Allein die New Yorker/Londoner Hochfinanz hatte ein Motiv. Und die empfehlen jetzt Aktien zu kaufen? Ein Grund mehr, die Flucht zu ergreifen.


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