Stabwechsel in Südafrika

Als ANC-Vorsitzenden hat Cyril Ramaphosa Staatspräsident Jacob Zuma bereits abgelöst

22.01.18
Vorgänger und Nachfolger: Der ANC-Vorsitzende von 2007 bis 2017 und Präsident Südafrikas seit 2009 Jacob Zuma sowie der Vizepräsident Südafrikas von 1999 bis 2005, ANC-Vorsitzende seit 2017 und voraussichtlich nächste Präsident Südafrikas Cyril Ramaphosa (von links) Bild: pa

Nachdem Cyril Ramaphosa Jacob Zuma am 18. Dezember vergangenen Jahres bereits als Vorsitzender des seit 1994 Südafrika regierenden African National Congress (ANC, Afrikanischer Nationalkongress) abgelöst hat, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er ihn auch als Präsident der Republik Südafrika ablöst.

Südafrika geht einer neuen Ära entgegen, und der seit 1994 regierende African National Congress (ANC, Afrikanischer Nationalkongress) tut das paradoxerweise, indem er einen alten Kämpen aus den 80er Jahren zurück in die Arena holt. Es handelt sich um den 65-jährigen Ramaphosa, der im Dezember zum Vorsitzenden des ANC gewählt wurde und damit den Anspruch in Händen hält, Jacob Zuma wie im Amt des Parteichefs, so auch in dessen Funktion als Staatspräsident zu beerben. Nach dem Zulu Zuma ist der Venda Ramaphosa der zweite ANC-Chef in Folge, der nicht den Xhosa angehört, dem zweitgrößten Volk Südafrikas, das den ANC maßgeblich trägt.
Ramaphosa verbrachte die Jugend und die Jahre als junger Volljähriger abwechselnd als politischer Aktivist im Gefängnis und mit dem Studium der Rechtswissenschaften. Er hat die Befähigung zum Rechtsanwalt erworben. Im Jahre 1981, als er sein Studium abgeschlossen hatte, wurde er Rechtsberater des Gewerkschaftsdachverbandes Council of Unions of South Africa (Cusa), dem in großem Umfang Kommunisten angehörten. Zugleich war er Generalsekretär des ANC. Als im Jahre 1994 der große Umbruch kam und Nelson Mandela Staatspräsident wurde, stand Ramaphosa hinter ihm in der zweiten Reihe, bereit, in Mandelas Fußstapfen zu treten. Zwar war er dafür wahrscheinlich bestens befähigt, aber er stand in dieser zweiten Reihe nicht allein.
Geraume Zeit vor Mandelas Demission war die Entscheidung über dessen Nachfolge schon gefallen, und zwar zugunsten des Xhosa Thabo Mbeki, der in den Augen der Entscheidungsträger drei Vorteile gegenüber Ramaphosa besaß: Er stammte aus einer bewährten, radikalen ANC-Familie, er gehörte dem richtigen Volk an, und – ein Vorteil für die Männer seiner Umgebung – er hatte eine unübersehbare Neigung zu Rausch­mitteln verschiedener Art, was ihn für seine Entourage leicht lenkbar machte.
Ramaphosa musste Mbeki den Vortritt lassen, wurde aber fürstlich abgefunden. Man machte ihn zum Geschäftsführer von Anglo American Südafrika, einem internationalen Großkonzern, der recht diversifiziert aufgestellt ist, vom Bergbau bis zur Lebensmittelproduktion. So hat beispielsweise, wer immer in Südafrika ein Bier trinken möchte, die Wahl zwischen einer großen Anzahl von Marken, die indes bis auf zwei Ausnahmen – das Windhoeker aus Namibia und das Bier des bayerischen königlichen Prinzen Luitpold von Wittelsbach – zu Anglo American gehören.
Allerdings setzte die internationale Hochfinanz, die Südafrikas Wende zum schwarz-regierten Land aus dem Hintergrund gelenkt und geleitet hatte, in Ramaphosas unternehmerische Fähigkeiten offenbar nicht allzu viel Vertrauen. Kaum war er nämlich Geschäftsführer von Anglo American in Südafrika, flaggte das Unternehmen bei der Börse Johannesburg aus und begab sich nach London, jedenfalls schwerpunktmäßig und mit der letztentscheidenden Zuständigkeit. In Johannesburg blieb der Fuß in der Tür, mehr nicht.
Doch während Ramaphosa bei Mandelas Nachfolge hinter Mbeki hatte zurückstehen müssen, weil die Genossen vom ANC seine Führungseigenschaften allzu gut kannten und befürchteten, er könnte zu viel Macht an sich reißen, wurde er von Anglo American und den anderen Großinvestoren, den heimlichen Herrn in Südafrika, unterschätzt. Neben seiner Funktion als Anglo-American-Frühstücksdirektor zog er nämlich ein eigenes Großunternehmen auf, wobei ihm nicht nur der Geldfluss von Anglo American, sondern auch seine politischen Verbindungen zugutekamen. Diese nutzte er aus bis auf den letzten Cent. Er wirkte als Aufsichtsrat in verschiedenen Unternehmen sowie als Manager in der Minenindustrie und bei zwei Großbanken. Heute gehört Ramaphosa zu den zehn reichsten Schwarzen in Südafrika. Das will etwas heißen, denn im Zuge des Umbruchs 1994 wurde die ganze Führungsgilde des ANC mit Millionen überschüttet, Mandela eingeschlossen, hauptsächlich vom Council on Foreign Relations in New York und anderen finanziellen Schwergewichten, soweit diese nicht ohnehin zum Council gehören.
Neben den Millionen wird Cyril Ramaphosa nun auch die Macht zufallen, und die ist in Südafrika entgegen allen westlichen Jubelchören von Freiheit und Demokratie ungeteilt und absolut. So wenig wie der ANC je von seinem Anspruch auf die Führung abstehen wird, so wenig wird sich ein Mann wie Ramaphosa geneigt zeigen, anders zu regieren als es in Afrika üblich ist: autoritär und paternalistisch.
Das muss nicht unbedingt zum Schaden eines Landes sein, in Südafrika jedoch waren die Jahre seit 1994 Jahre des Niedergangs. Das Land, das einst die Spitze unter den afrikanischen Ländern südlich des Äquators eingenommen hatte, wurde in entscheidenden wirtschaftlichen Kennzahlen von anderen, wie beispielsweise Nigeria, überholt. Und wie immer, wenn es abwärts geht, bekommen das die Armen als Erste zu spüren. Südafrika hat 20 Jahre in erheblichem Umfang von seiner früheren Substanz gelebt, die riesengroß war, aber auch sie ist irgendwann aufgebraucht.
Was das Land unter anderem ausbluten lässt, ist der Umstand, dass junge, gut ausgebildete Weiße in Scharen ihre Heimat verlassen, denn dort gibt es ein Gesetz, den Affirmative Action Act, gemäß dem eine berufliche Position, unabhängig von Ausbildung, Eignung und Erfahrung, einem schwarzen Bewerber gegeben werden muss, bevor ein weißer zum Zuge kommt.
Ramaphosa kennt selbstverständlich die Schwierigkeiten in seinem Land, für manche trägt er eine Mitverantwortung. Jetzt kommt es darauf an, ob er weiterhin ihr Nutznießer sein will, ein Kriegsgewinnler in Friedenszeiten, oder ob er die Dinge wandelt; das Zeug dazu hätte er.    
    Florian Stumfall


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Arnold Schacht:
22.01.2018, 14:10 Uhr

Zuma behandelt die Weißen so, wie die größten Horrorgemälde Trump es gegenüber den Schwarzen unterstellt haben, bevor er gewählt wurde - nur dass das die hiesigen Medien nicht interessiert. Die "Affirmative Action", also rassistische Bevorzugung der Schwarzen, wurde schon im Text genannt. Aber das ist das kleinste Problem. Morde an Weißen (vorzugsweise an weißen Farmern) sind an der Tagesordnung. Zuma singt dazu in der Öffentlichkeit " Kill the Boer". Was haben unsere Medien für einen Aufstand bzgl. der Apartheid gemacht - und jetzt? Heuchler!


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.