Steuergeld für radikale Parolen

Potsdam: Spektakuläre Recherche löst Kontroverse um staatlich geförderten Moschee-Verein aus

09.04.17
„Sehr traditionelle Predigt“: Freitagsgebet in der „Biosphäre Potsdam“ Bild: pa

Der Fernsehjournalist Constantin Schreiber hat Moscheen in ganz Deutschland besucht. Ausgerechnet das muslimische Freitagsgebet in Brandenburgs Landeshauptstadt hat dabei einen ganz besonderen Eindruck hinterlassen.

In Erinnerung geblieben ist Schreiber von seinem Potsdam-Besuch ein bizarrer Kontrast. Die Predigt hielt ein Imam in traditioneller Kleidung, auch der Inhalt des Gesagten entsprach offenbar einem sehr traditionellen Islamverständnis. Gehalten wurde die Predigt allerdings in der modernen Atmosphäre eines Tropen-Erlebnis­parks samt Palmen und einer großen Glasfront.
Tatsächlich nutzt der örtliche Islam-Verein für seine Freitagsgebete seit vergangenem Herbst die Orangeriehalle der „Biosphäre Potsdam“. Eine Kleine Anfrage der AfD in der Stadt-verordnetenversammlung hat unlängst an die Öffentlichkeit gebracht, dass die Stadt Potsdam im Vorjahr die Kosten von 1500 Euro pro Woche für die Gebete in der Biosphären-Halle übernommen hat (siehe PAZ 11/2017).
Infolge von Schreibers Recherchen wird inzwischen nicht nur die Frage diskutiert, ob sich die Kostenübernahme durch das Potsdamer Rathaus mit dem Neutralitätsgebot vereinbaren lässt. Im Fokus steht nun überdies die Frage, welche Botschaften bei den Gebeten auf Steuerzahlerkosten verbreitet werden. In der Vergangenheit ist über die Berichterstattung lokaler Medien oftmals der Eindruck entstanden, in der Al-Farouk-Gemeinde würde eine eher moderate Form des Islam praktiziert. Nach Schreibers Beobachtungen herrscht in der Potsdamer Gemeinde aber eine fundamentalistische Strömung vor. Syrische Flüchtlinge hätten sich von den Predigten irritiert gezeigt. Sie seien deutlich fundamentalistischer, als das, was sie aus ihrer Heimat kannten. Schreiber hat seit seiner Jugend längere Zeit in Syrien und anderen orientalischen Ländern gelebt und gearbeitet, er spricht Arabisch und ist für deutsche wie arabische Medien (ntv, NDR sowie ein ägyptischer Sender) tätig.
Bei der Predigt, der er lauschte, soll auch ein starker Missionierungscha-rakter erkennbar gewesen sein. Gleichzeitig kann die Forderung, nur mit „rechtschaffenen Glaubensbrüdern“ Freundschaften zu schließen, als ein Aufruf zur Abgrenzung von der deutschen Gesellschaft gesehen werden.
Bestätigt fühlen kann sich damit Brandenburgs CDU. Bereits im Januar hatte der Landesverband der Union in einem Sicherheitspapier zum Umgang mit radikalen Moslems die Forderung erhoben, dass in den Moscheen Brandenburgs nur noch auf Deutsch gepredigt werden solle. Ebenso bestätigt fühlen kann sich die AfD, die Probleme mit radikalen Moslems in Brandenburg oder den Umgang der Stadtverwaltung mit der Al-Farouk-Gemeinde schon länger thematisiert.
Potsdams Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) hat inzwischen angekündigt, dass die auf Arabisch gehaltenen Predigten künftig „nach einer gewissen Vorbereitungszeit“ ins Deutsche übersetzt und im Internet veröffentlicht werden sollen. Schubert hat sich nach eigenen Worten darauf mit dem Vorstand der Gemeinde bei einem Gespräch geeinigt.
Der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag, Thomas Jung, sieht dieses Ergebnis allerdings skeptisch: „Wir haben mit unserer Forderung, dass auf Deutsch gepredigt werden muss, einen kleinen Teilerfolg erzielt. Die SPD hat jedoch nur wachsweiche Zusagen erhalten, denn es ist in keiner Weise mit einer klaren Frist vereinbart worden, bis wann die Übersetzungen erfolgt sein müssen. Außerdem finde ich es unglaublich, wie der eher radikale Imam der Moschee, Kamal Mohamad Abdallah, die Stadt unter Druck setzt. Wir reden hier von einem Imam, der Frauen immer noch nicht die Hand gibt. Seine Drohung, auf dem Gehweg zu beten, wenn er kein Geld mehr bekommt, ist mehr als dreist.“
Laut der „Märkischen Allgmeinen Zeitung“ hält Potsdams Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) an der Zusage fest, dass die Stadt dem Islam-Verein bei der Suche nach neuen Moscheeräumen behilflich sein will.
Bei seinen Recherchen hat Schreiber insgesamt 13 Freitagsgebete besucht. Neben Moscheen in Hamburg, Leipzig, Magdeburg, Karlsruhe und Potsdam hat sich der Grimme-Preisträger auch in Berlin mehrere Predigten von Imamen angehört. Auch die dabei gesammelten Eindrücke sind bemerkenswert: Anlass für das Projekt zu dem eben erschienenen Buch „Inside Islam“ war offenbar ein Erlebnis in  Deutschlands ältester Moschee.
Bei seinem Besuch in der Lahore-Ahmadiyya-Moschee in Berlin-Wilmersdorf stieß Schreiber auf eine englischsprachige Broschüre mit dem Titel „Verheißung Islam“. Beim Blättern fielen ihm Aussagen auf, wie „Der Koran schließt das parlamentarische demokratische System aus“ oder „Die Gemeinschaft gründet nicht auf eine Erklärung der Menschenrechte“.
In Berlins Vorzeigemoschee, der Sehitlik-Moschee in Neukölln, war laut Schreiber wiederum der Einfluss des türkischen Behördenablegers Ditib unüberhörbar. In der Predigt, die er dort gehört hat, sei es nicht nur um die „Feinde der Religion“, sondern überdies um die angeblichen „Feinde des (türkischen) Staates“ gegangen.
    Norman Hanert


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