Sunniten ziehen die Fäden

24.01.15

Im Kampf gegen Pegida steht das Management des Dresdner Halbleiterherstellers Globalfoundries mit an vorderster Stelle. So trug die ganzseitige Anzeige, die am 12. Dezember in der „Sächsischen Zeitung“ erschien und in der gegen die „Fremdenfeindlichkeit“ und „Intoleranz“ der Montagsdemonstranten polemisiert wurde, auch die Unterschriften des Geschäftsführers des Globalfoundries-Werkes sowie der Direktoren für Finanzen und „Government Relations“, sprich Lobbyismus. Darüber hinaus gehörte der Betriebsratsvorsitzende des Unternehmens zu den Hauptrednern der großen, staatlich organisierten Anti-Pegida-Demonstration vom 10. Januar. Das wirft die Frage auf, wieso sich gerade Globalfoundries derart intensiv gegen die systemkritische und angeblich islamfeindliche Bürgerbewegung engagiert. Die Antwort hierauf ergibt sich aus den Eigentumsverhältnissen.
Zunächst gehörten die Reinst­raum-Produktionsstätten am nördlichen Rand von Dresden, in denen sogenannte Silizium-Wafer, also Grundplatten für elektronische Bauelemente, hergestellt werden, dem US-Konzern Advanced Micro Devices (AMD). Der fusionierte dann 2008 mit der Advanced Technology Investment Company (ATIC), wodurch die Globalfoundries Inc. entstand, die nunmehr die Auftragsfertigung für Mikrochipfirmen in aller Welt übernahm. Anschließend kam es zu einem deutlichen Ausbau der Anlage in der Elbestadt, so dass hier das größte Halbleiterwerk Europas entstand. In ihm sind heute 3700 Menschen beschäftigt. Allerdings zog sich AMD im März 2012 als Miteigentümer zurück, wodurch Globalfoundries nun zu 100 Prozent der ATIC gehört. Und dies ist der springende Punkt, denn die ATIC gehört über die Mubadala Development Company (MDC) der Regierung des Emirates Abu Dhabi, das seinerseits zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gehört. Die Bedeutung der MDC als Staatsfonds wird schon daraus ersichtlich, dass an ihrer Spitze kein Geringerer als die derzeitige Nummer Eins in der Thronfolge von Abu Dhabi, Prinz Muhammad bin Zayid Al Nahyan, steht. Damit befindet sich Globalfoundries ganz offenkundig in einem Abhängigkeitsverhältnis zum sunnitischen Führungsclan des Emirates, das dann naheliegenderweise bestimmte Verhaltensweisen bedingt, wenn es um den Islam beziehungsweise um Kritik an diesem geht.
Aber damit nicht genug: Parallel hierzu existiert auch noch eine Querverbindung zwischen Globalfoundries und der Technischen Universität in Dresden, deren Leitung ebenfalls besonders intensiv gegen die islamkritischen Demonstranten agitiert – man denke da nur an die rund 60 Unterschriften von führenden TU-Mitarbeitern unter der erwähnten Zeitungsanzeige sowie die permanenten Aufrufe des Rektors Hans Müller-Steinhagen an seine Unterstellten, keinesfalls an den „Spaziergängen“ von Pegida teilzunehmen. Wie aus Pressemeldungen hervorgeht, hat Globalfoundries der Hochschule kürzlich ein „hochspezialisiertes“ und damit sehr teures Elektronen- und Ionenmikroskop geschenkt; darüber hinaus laufen diverse Kooperationsvorhaben, die sich für die Universität bestimmt ebenfalls auszahlen.     
   

Wolfgang Kaufmann


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Kommentare

Jens Heider:
24.01.2015, 19:18 Uhr

Danke, das Sie uns aufgeklärt haben! Vieleicht wissen Sie auch warum sich VW in Dresden so energisch gegen Pegida stellt. Bei einer Veranstaltung wurde das Licht der VW Manufaktur aus Protest ausgeschaltet!
Die Unternehmen sollten sich aus der Politik raushalten.


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