Trier sieht rot

Moselstadt huldigt dem Sozialismus – Landesausstellung zu Karl Marx zeichnet ein recht einfarbiges Bild

25.05.18
Wie ein Gespenst des Kommunismus scheint Marx in der Ausstellung im Stadtmuseum Trier umzugehen Bild: Karl Marx Landesausstellung Trier

Den 200. Geburtstag von Karl Marx konnte sich Trier nicht entgehen lassen. Der Geburtsort des Kapitalismuskritikers feiert diesen mit einer umfangreichen Landesausstellung. Von den Sünden, die in seinem Namen später un­ternommen wurden, wird er wohlweislich reingewaschen.

Die historische Person Karl Marx hat unter ideologischer Vereinnahmung und politischer Verdammung schwer zu leiden. Das soll nun anders werden, wie Beatrix Bouvier verspricht. Sie ist die wissenschaftliche Leiterin der Landesausstellung, die zum 200. Geburtstag von Marx am 5. Mai in seiner Heimatstadt Trier eröffnet wurde. Die Schau und der sie begleitende Katalog wollen ein neues Bild von Karl Marx zeichnen, das in das Zeitpanorama des 19. Jahrhunderts eingebettet ist.
Die erste kulturhistorische Ausstellung über Marx bietet rund 400 Gemälde, Grafiken und Objekte sowie persönliche Dokumente und Manuskripte des Philosophen und Universalgelehrten, Journalisten und politischen Aktivisten auf. Das Rheinische Landesmuseum zeichnet dessen intellektuellen und politischen Werdegang nach. Den setzt die Schau in Beziehung zu Industrialisierung, Demokratiebestrebungen, der Revolution von 1848/49, sozialen Missständen und der sich organisierenden Arbeiterbewegung. Das Stadtmuseum Simeonstift stellt hingegen den Menschen Marx, seine Familie, Lebensstationen und Weggefährten vor. Vertiefende Einblicke bietet auf fast 400 Seiten der reich bebilderte Katalog mit Beiträgen von 23 Wissenschaftlern.
Karl Marx wuchs mit seinen acht Geschwistern im damals preußischen Trier auf. Sein Vater Heinrich war Anwalt am Landgericht. Auf dessen Wunsch studierte er in Bonn und Berlin Jura sowie aus eigenem Interesse Philosophie. Präsentiert wird sein Doktordiplom. Überraschend bot ihm der preußische Staat eine Beamtenstelle an. Vermutlich auf Betreiben Ferdinand von Westphalens, damals Regierungspräsident im niederschlesischen Liegnitz und später preußischer Innenminister. Er war der Halbbruder von Jenny, mit der Marx von 1843 an verheiratet war.
Marx lehnte die Beamtenstelle ab und ging als Chefredakteur der „Rheinischen Zeitung“ nach Köln. Seine sozialkritischen Artikel er­regten den Unwillen der preußischen Regierung. Sie verbot die Zeitung.
Das Ehepaar zog nach Paris, dann nach Brüssel, wo Marx seine preußische Staatsbürgerschaft aufgab und trotz späterer Anträge auf Wiedereinbürgerung nicht zurückerhielt. Mit Ausbruch der revolutionären Unruhen in Deutschland begab er sich 1848 nach Köln. Als führender Kopf der „Neuen Rheinischen Zeitung“  betrieb er eine Steuerverweigerungskampagne. Nach dem Zu­sammenbruch der Revolution wurde er 1849 aus Preußen ausgewiesen. Marx ließ sich in London nieder, wo er 1883 starb.
Da Marx mit seiner Gattin und den sieben Kindern, von denen nur drei Töchter das Erwachsenenalter erreichten, ein gutbürgerliches Leben führen wollte, plagten ihn ständig Geldsorgen. Über Wasser hielt ihn der wohlhabende Sohn eines Textilunternehmers: Friedrich Engels. Marx und Engels verband eine enge Freundschaft und Arbeitsgemeinschaft. Ausgestellt ist ein Entwurf zum Kommunistischen Manifest in der für Außenstehende unleserlichen Kritzelschrift von Marx. Er und Engels verfassten das 1848 veröffentlichte Manifest im Auftrag des Bundes der Kommunisten. Dessen Zweck war laut Statuten der „Sturz der Bourgeoisie, die Herrschaft des Proletariats, die Aufhebung der alten, auf Klassengegensätzen beruhenden bürgerlichen Gesellschaft und die Gründung einer neuen Gesellschaft ohne Privateigentum“.
Engels machte Marx auf das Wissenschaftsgebiet der politischen Ökonomie aufmerksam. In der Ausstellung legt der Trierer Historiker Lutz Raphael dar, warum sich Marx damit beschäftigte: Er wollte den Gang der Geschichte, insbesondere die Entwicklung und den Wandel von Gesellschaftsordnungen und Wirtschaftsformen nachvollziehen und deren Fortschreiten bis hin zur klassenlosen Gesellschaft prognostizieren. Sein Hauptwerk ist „Das Kapital“.
Nachfolgend zeichnet der Berliner Marx-Forscher Rolf Hecker den unvollendeten Weg des „Kapitals“ nach. Am Anfang der Bestrebungen von Marx stand das Studium der Fachliteratur. Diesbezüglich schrieb er 1851 an Engels: „Ich bin so weit, daß ich in
5 Wochen mit der ganzen ökonomischen Scheiße fertig bin.“ Da hatte er sich aber gründlich verkalkuliert. Die Studien und die eigenen Ausführungen zogen sich bis zum Lebensende hin – und blieben doch nur Fragment. Marx schrieb 1865 an Engels, „daß alles geschieht, um möglichst bald zu Ende zu kommen, denn das Zeug lastet auf mir wie ein Alp“.
Den ersten Band des „Kapitals“ legte er 1867 vor. Ausgestellt ist eine Erstausgabe mit handschriftlichen Korrekturen von Marx. Erst nach seinem Tod erschienen der zweite und dritte Band, die Engels auf der Grundlage der hinterlassenen Manuskripte er­stellte.
Im Katalog schreibt der Düsseldorfer Ökonom Malte Faber über Marx: „Man fragt sich beim Lesen seiner Schriften: Sind sie das Werk eines Philosophen, eines Wissenschaftlers oder eines politischen Agitators? So wirkt das Werk an vielen Stellen überkomplex und dadurch schwer verständlich.“ Aber: „Nichtsdestotrotz ist seine Gesamtsicht von Wirtschaft, Gesellschaft, Ge­schichte und Philosophie unübertroffen.“
Faber wertet Marx als Kritiker des Kapitalismus, nicht aber als Theoretiker des Sozialismus. So habe Marx im Nachwort der zweiten Auflage des „Kapitals“ betont, keine Rezepte für die Garküche der Zukunft verschreiben zu wollen.    Veit-Mario Thiede


Die Landesausstellung läuft vom 5. Mai bis 21. Oktober im Rheinischen Landesmuseum sowie im Stadtmuseum Simeonstift, jeweils geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Kombiticket: 16 Euro. Der Katalog aus dem Theiss Verlag ist im Buchhandel für 39,95 Euro erhältlich. Internet: www.karl-marx-ausstellung.de


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Kommentare

w. scholz:
28.05.2018, 19:14 Uhr

Karl Marx, der typische linkssozialist. Gerissen genug mit Intellektuellen Geschwurbel die Menschen zu beieindrucken von deren Geld er leben will. Wenn er Geld bekahm, machte er einen auf 'Dicken Marx' äh Max, seine Frau konnte sehen wo sie Geld zum Leben auftrieb und er schwängerte das Dienstmädchen. Das Vorbild dem es nachzueifern gilt für das ganze Links-grüne ..... .


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