Übernahme mit üblem Beigeschmack

Der Verkauf Opels an den Peugeot-Citroën-Konzern zeigt auch das Versagen deutscher Wirtschaftspolitik

28.02.17
Pkw mit Peugeot-Löwe: Demnächst rollen die Bosse des Peugeot-Citroën-Konzerns bei Opel vor Bild: Reuters

Die Kanzlerin erfuhr aus den Medien davon: General Motors verkauft seinen deutschen Autobauer Opel an den französischen Peugeot-Citroën-Konzern. Mitten im Bundestagswahlkampf wird damit nicht nur der drohende Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen zum Thema, sondern auch die Naivität hiesiger Politiker.

So etwas nennt man auf Französisch einen Hautgout, einen unangenehmen Beigeschmack: Die Übernahme des Autobauers Opel durch die „Group PSA“, den Pariser Peugeot-Citroën-Konzern, zeigt auf, wie ungeschickt Deutschlands Wirtschaftspolitiker in der Vergangenheit agierten. Dazu ein Blick zurück: Als General Motors vor einigen Jahren in eine akute Krise geriet, stellte die US-Regierung im Jahr 2009 unter Barack Obama rund 60 Milliarden Dollar an Steuergeldern bereit, um den Detroiter Konzern vor dem wirtschaftlichen Aus zu bewahren. Für einige Zeit stieg die US-Regierung sogar zum Mehrheitsaktionär bei dem Autobauer auf. Ohne das Eingreifen Washingtons wäre der Fall von General Motors mit hoher Wahrscheinlichkeit als eine der größten Unternehmenspleiten in die Geschichte der USA eingegangen. Peugeot-Citroën steht sogar bis heute unter direktem Einfluss des französischen Staates. Der Autobauer hat vor einigen Jahren Staatsgarantien in Höhe von sieben Milliarden Euro für seinen Ableger PSA-Finance erhalten. Neben dem chinesischen Autohersteller Dongfeng und der Peugeot-Familie ist der französische Staat sogar einer der wichtigsten Eigentümer bei PSA.
Im Kontrast dazu inszenierten sich Politiker wie Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Rainer Brüderle (FDP) vor einigen Jahren als ordnungspolitische Gralshüter und lehnte Staatshilfen oder gar einen Einstieg des Staates bei Opel ab. Wirtschaftspolitisch lassen sich für eine solche Haltung gute Gründe anführen. Wenn allerdings wichtige Akteure in Paris und Washington mit Blick auf Staatshilfen nach völlig anderen Spielregeln vorgehen, kann von einem freien Wettbewerb unter marktwirtschaftlichen Bedingungen kaum die Rede sein. Inzwischen sehen sich deutsche Politiker mit der Tatsache konfrontiert, dass es die mit Steuermilliarden aufgepäppelten Konzerne General Motors und Peugeot-Citroën sind, die über die Zukunft des  deutschen Autobauers Opel entscheiden.
Sie reagieren, so ist zumindest der Eindruck, mit bloßem Aktionismus: Die neue Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Standorten – Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen – wollen auf eine Standortsicherung für alle deutschen Werke und Beschäftigungsgarantien bis mindestens 2020 dringen. Auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will sich dafür einsetzen, dass die drei Opel-Standorte Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach erhalten bleiben. Auch solle der Hauptfirmensitz von Opel in Rüsselsheim bleiben und keinesfalls zu einer Unterabteilung eines französischen Konzerns werden.
Tatsächlich aber sind starke Zweifel hinsichtlich der Einflussmöglichkeiten deutscher Politiker angebracht: Selbst  Bundeskanzlerin Merkel muss sich im Fall der Opel-Verhandlungen überrumpelt fühlen. Frankreichs Premierminister Bernard Cazeneuve weilte kurz vor Bekanntwerden des Firmenverkaufs zum Staatsbesuch in Berlin, verlor aber offenbar kein Wort über den aufsehenerregenden Deal. Stattdessen soll die Bundesregierung wenige Stunden nach der Abreise Cazeneuves erst durch Medienberichte von den Verhandlungen über Opel erfahren haben.
Zu denken geben sollten auch die bislang gemachten Erfahrungen in der Zusammenarbeit deutscher und französischer Firmen: Die Machtverschiebung zugunsten Frankreichs beim europäischen Luftfahrtkonzern Airbus sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Inzwischen fast vergessen ist die Fusion von Hoechst mit dem französischen Konkurrenten Rhône-Poulenc kurz vor der Jahrtausendwende. Das Zusammengehen hat das ehemals zweitgrößte  Chemieunternehmen Deutschlands letztendlich zu einer Zweigstelle eines französischen Pharmariesen degradiert.
Auch viele Branchenexperten sehen die Zukunft von Opel unter dem Dach von Peugeot-Citroën skeptisch: Der Schwerpunkt beider Hersteller ist das renditeschwache und hartumkämpfte Massengeschäft mit Klein- und Mittelklassewagen. Beide Hersteller bedienen zudem auch noch vorrangig dieselbe Marktregion, nämlich Europa. Den Staat als Miteigentümer im Rücken, könnte der Kauf von Opel aus Sicht von PSA dennoch Sinn haben. Mit den Marktanteilen von Opel und der Ähnlichkeit der Modellpalette bietet sich den Franzosen die Möglichkeit, langfristig eigene Werke besser auszulasten. Dazu kommt eine gesteigerte Einkaufsmacht gegenüber Zulieferern. Früher oder später werden dabei allerdings auch Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben. Nach Berechnungen des  Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen müsste PSA zur Sanierung von Opel jährlich Kosten in Höhe einer halben Milliarde Euro einsparen. Dies würde dem Abbau von 6250 Arbeitsplätzen entsprechen.     Norman Hanert


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Kommentare

Axel G.:
11.03.2017, 09:26 Uhr

Ich habe große Bedenken hinsichtlich des endgültigen Schicksals von Opel. Neben den bereits aufgeführten Beispielen gehört auch die Übernahme von SABA (Schwarzwälder Apparate Bau Anstalt), einem ehemals führenden HiFi Geräte Hersteller im Jahre 1980 durch den französischen Thomson-Konzern zu den wenig ermutigenden Ereignissen dieser Art. Nach jahrelangem schleichendem Niedergang existiert nichts mehr davon. Allerdings muss man auch sehen, wie es dazu kam. So wie die deutsche Industrie für Unterhaltungselektronik den Anschluss an die Digitalisierung verpasste, ist die deutsche Luftfahrtindustrie nur noch ein Bleche biegendes Anhängsel des französisch dominierten Airbus Konzerns. Dazu kam es, weil der deutsche Staat es zuliess, dass der größenwahnsinnige Daimler-Konzern unter Reuter und Schrempp sich zum Global Technology Player aufschwingen wollte, auf diesem Wege in Deutschland Dornier und in den Niederlanden Fokker ruinierte, sich dann, als die Schuhe sich als zu groß erwiesen, leise pfeifend davonmachte und das, was übrig blieb, nach mehreren kosmetischen Fusionen bei Airbus landete. Dass dort zur Zeit ein Deutscher den CEO gibt, ist reine Symbolik!


Jürgen Kunz:
28.02.2017, 19:46 Uhr

Auf die eigentliche naheliegende Idee, Opel rechtlich selbständig werden zu lassen und eben nicht zu verkaufen, sind die Amis nicht gekommen. Zudem ist GM der Hauptschuldige am Desaster: Opel durfte kein einziges Fahrzeug in die USA liefern.


Karl Brenner:
28.02.2017, 15:02 Uhr

Gewinner bleibt der US Konzern

Denn die Patente bleiben wie üblich in den USA.


Karl Brenner:
28.02.2017, 15:00 Uhr

Deutsche Politiker haben hier nichts zu sagen. Sie sind nicht die Eigentümer.

Zum Glück. Denn wenn man sieht, was bei VW immer wieder raus kommt, sträuben sich einen die Haare.

Deutsche Politiker (und die mit ihnen in einer Kernschmelze verbandelten Medien) tragen aber dennoch eine grundsätzlichen Schuld an dieser Entwicklung.

Sie (also Politiker & Medien) haben durch ihre langfristigen Entscheidungen bei der

Wirtschaftspolitik (grundsätzlicher Rahmen)

Energiepolitik
(EEG, Solarzellen, Atomausstieg, Kohleausstieg,Erdgaskraftwerke,)

Bildungspolitik
(z.B. Abschaffung des Dipl.Ing.)

Bevölkerungspolitik
(überflüssiges Kindergeld, ..)

Forschungspolitik
(z.B. Elektroauto)

.. und vielen anderen Feldern die de-Industrialisierung vorangetriebenen, welche in Jahrzehnten entstanden ist.

In Frankreich gibt es einen halb so teuren Industriestrompreis.

Ob die Fertigung dann mit den Einwanderern aus dem Arabischen gebieten dann besser läuft, darf man bezweifeln. Wie man aus deren Fertigungen hört, sind diese Leute weit weniger Motiviert und abwechselnd immer wieder andere halten schon mal das Band an, damit alle anderen fünf mal täglich gen Mekka beten können.


H. Schinkel:
28.02.2017, 13:21 Uhr

Eine Übernahme von Opel durch PSA KANN für Opel ein Glücksfall sein. In der Regel sind durch Franzosen übernommene deutsche Konzerne allerdings von der Zerschlagung bedroht. Alstom zeigt das z.B. in Mannheim sehr deutlich.

Allerdings war eine Absage der deutschen Regierung an GM/Opel meiner Meinung nach gerechtfertigt. Das deutsche Steuergeld wäre mit Sicherheit in die USA geflossen um den Mutterkonzern GM zu stützen. Auch hat sich der deutsche Staat in der Nachkriegsgeschichte immer als schlechter Unternehmer erwiesen.

Die die Menschen in Deutschland den unbedingten kapitalistischen Globalisierungswahn befürworten, kann jetzt nur abgewartet werden wie sich diese Übernahme entwickelt.


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