Umstrittener Tunnel

Massive Kritik an der Festen Fehmarnbeltquerung

15.07.17

Vergangenen Monat hat in Kiel das Planfeststellungsverfahren für die Straßen- und Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) begonnen. Der 18 Kilometer lange Absenktunnel unter der Ostsee soll Fehmarn mit Skandinavien, genauer mit der dänischen Insel Lolland  verbinden. Das Verfahren dürfte sich zum Leidwesen der dänischen Planer lange hinziehen, da das Mammutprojekt in Schleswig-Holstein hoch umstritten ist. 12000 Einwendungen der Tunnelgegner müssen abgearbeitet werden.
Nach dem Tunnelbau werden starke Verkehrsströme auf Schiene und Straße erwartet, die höher und anders ausfallen dürften als 2008 prognostiziert. Zu rechnen ist mit einer deutlich weiter steigenden Zahl von Lastkraftwagen aus Dänemark auf den deutschen Autobahnen A 20 und A 7 durch Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Derzeit werden diese Autobahnen auf Teilstrecken bereits ausgebaut. Nach „Spiegel“-Informationen ist der Lkw-Verkehr auf allen deutschen Autobahnen seit Jahren stetig gestiegen, auch weil immer mehr ausländische Laster unterwegs sind – mit fatalen Folgen für die übrigen Verkehrsteilnehmer. Dies zeige eine von Verkehrsminister Alexander Dobrindt in Auftrag gegebene Studie, die seit über einem Jahr unter Verschluss gehalten werde.
Für die Schienen- und Straßenanbindung der FFBQ durch Ostholstein ab Puttgarden auf Fehmarn ist der deutsche Staat zuständig. Ein Abschnitt von 55 Kilometern der geplanten rund 80 Kilometer langen, zweigleisigen Bahntrasse bis Lübeck ist Neubaustrecke. Befürchtet wird eine immense Lärmbelastung durch täglich 60 bis 80 Güterzüge, die laut Gutachten nach Fertigstellung der FFBQ vor allem nachts von und nach Skandinavien rollen werden. Aus diesem Grund sollen die Gleise außerhalb der Badeorte an der Ostsee verlaufen. Dennoch werden diese und andere Orte von den Auswirkungen hart betroffen sein. Erstmals hat die Deutsche Bahn Details über die Maßnahmen zum Lärmschutz auf der Eisenbahnstrecke bis Lübeck vorgelegt. Kernstück sind 24 Kilometer Lärmschutzwände, für die 87 Millionen Euro veranschlagt sind. Geblieben ist eine besondere Belastung für die Stadt Bad Schwartau, wo die 1928 gebaute Ortsdurchfahrt in den Schienenweg einbezogen wurde. Hier fordert eine Bürgerinitiative wesentlich weitergehende Maßnahmen zum Schutz vor Lärm, Erschütterungen und Feinstaub, und zwar eine Tieferlegung des Gleiskörpers mit einer Deckelung im Stadtbereich. Die Deutsche Bahn lehnt das strikt ab.
Das Forum der Tunnelbau-Gegner namens „Beltretter“ verlangt schon lange eine neue Verkehrsprognose im Zusammenhang mit der FFBQ auf Grundlage der neueren Entwicklungen. Bisher reagierte der zuständige Bundesminister auf diese Forderung nicht. Außerdem sind die Beltretter empört darüber, dass Beschwerden von Gegnern der FFBQ, die weiter als 15 Kilometer von der Eisenbahnlinie entfernt wohnen, im Planfeststellungsverfahren wohl keine Beachtung finden werden. Darunter sind jedoch auch zahlreiche Vertreter des Hotel- und Gaststättengewerbes, die durch den zu erwartenden Einbruch des Tourismus während und nach dem Tunnelbau den vollständigen Ruin für ihre Unternehmen befürchten.    D. Jestrzemski


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