Unausgegoren wie die »Energiewende«

Welche Schwierigkeiten ein zeitnahes Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor mit sich brächte

03.10.17
Der schöne Schein trügt: Das E-Auto, hier ein BMW i3, wirft insbesondere beim massenhaften Einsatz jede Menge ungelöster Probleme auf Bild: Imago

Prominente Vertreter der Grünen, sowie SPD- und unionsregierte Länder wollen bereits ab 2030 keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren mehr zulassen. Ähnlich wie bei der „Energiewende“ besteht damit die Gefahr, dass die Politik eine folgenreiche Weichenstellung vornimmt, bevor überhaupt grundlegende Voraussetzungen geklärt sind.

Im Fall der „Erneuerbaren“ Energien ist es die Frage einer großtechnischen Speicherung, die bis heute ungelöst ist. Auch das momentan so stark von der Politik propagierte E-Auto krankt bislang an dem Problem der unbefriedigenden Speicherfähigkeit von Strom. Trotz erheblichen Forschungsanstrengungen ist ein großer Durchbruch bei der Energiedichte der Batterien bisher noch nicht gelungen. Im Schnitt weisen die Lithium-Polymer-Akkus eine Energiedichte von 140 bis 180 Wattstunden je Kilogramm Gewicht auf. Die Energiedichte von Benzin liegt dagegen bei 12.800 Wattstunden pro Kilo. Das „Energiebündel“ Diesel ermöglicht noch größere Reichweiten.
Neue Konzepte, etwa neuartige Feststoffzellen für Lithium-Ionen-Akkus, sind zwar angekündigt, allerdings bislang nicht serienreif. Als interessanter Lösungsansatz für das Reichweitenproblem bei Batterien galt einige Zeit das Konzept eines Schnellwechsels der Akkus an Ladestationen. Ein Pilotprojekt in Israel, das weltweit als Vorbild dienen sollte, ist allerdings im Jahr 2013 gescheitert.
Auch die zu beobachtende Gewichtszunahme von Akkus lässt einen Schnellwechsel als Alternative zu langen Ladezeiten immer unrealistischer erscheinen. So wiegt die 90-Kilowatt-Batterie, die der Hersteller Tesla in seinen E-Autos verbaut, mehr als eine halbe Tonne. Tesla integriert die Batterie zudem in die Struktur des Autos, was einen Schnellwechsel zusätzlich ausschließt.
Stattdessen setzt der US-Autobauer auf eine Schnelllade-Technik. Trotz der Bezeichnung „Supercharger“ (Spitzenladegerät) für ihre Stromtankstellen müssen die Nutzer der E-Autos im Vergleich zur Tankfüllung für Benzin- oder Dieselfahrzeuge allerdings immer noch viel Zeit aufwenden. Tesla gibt für eine Reichweite von 270 Kilometern als Ladezeit immerhin eine halbe Stunde an.
Drastische Dimensionen deuten sich auch bei der notwendigen Infrastruktur für Ladestationen an. Die Statistik wies zum Jahresbeginn 62,6 Millionen Kraftfahrzeuge und rund 14.500 Tankstellen für ganz Deutschland aus. Ein Verbot von Verbrennungsmotoren würde es nötig machen, dass mehrere Millionen Parkplätze für Autos mit einer Ladestation ausgestattet werden. Inzwischen sind Planungen der EU-Kommission bekannt geworden, offenbar ab 2025 in neuen und grundlegend renovierten Büro- oder Behördengebäuden mit mehr als zehn Parkplätzen die Installation von Ladestationen obligatorisch zu machen. Bei Neubauten oder großen Renovierungen von Mehrfamilienhäusern mit mehr als zehn Parkplätzen will die Brüsseler Kommission sogar eine Verkabelung jedes Parkplatzes fordern. Bei derzeitigen Preisen von bis zu 75.000 Euro pro Ladestation droht als Folge ein massiver Kostenschub beim Bau oder der Renovierung von Immobilien.
Skeptisch stimmen muss auch die Entwicklung in Norwegen, das als Vorreiter in Sachen Elektromobilität gilt. Die Organisation „Elbilforening“, welche die Interessen der norwegischen E-Autofahrer vertritt, hat vor Kurzem den Rat erteilt, auf die Anschaffung eines Elektroautos zu verzichten, wenn keine Möglichkeit besteht, die Fahrzeugbatterien zu Hause zu laden. Hintergrund ist die Schere zwischen zugelassenen E-Autos in Norwegen und den bereitstehenden Lademöglichkeiten.
Angesichts des derzeitigen Bestandes von über 60 Millionen Kraftfahrzeugen in Deutschland drängt sich allerdings auch noch die Frage auf, wie der Mehrbedarf an Elektroenergie gedeckt werden soll. Der Wissenschaftsjournalist Vince Ebert hat sich auf spektrum.de die Mühe gemacht, allein die Auswirkungen von einer Million E-Autos durchzukalkulieren. Zur Erinnerung: Sigmar Gabriel  hatte im Jahr 2008 als Umweltminister das Ziel ausgegeben, dass hierzulande bis 2020 eine Million Elektroautos unterwegs sein sollen.
Der Journalist Vince Ebert rechnet vor: „Für diesen Fall sollen laut Bundesregierung moderne Schnellladestationen von jeweils 350 Kilowatt Leistung im gesamten Land installiert werden. Dazu ein Rechenbeispiel: Angenommen, es ist 20 Uhr, und zehn Prozent der eine Million Elektroautobesitzer möchten ihre Fahrzeuge aufladen. Dann wird zusätzlich zu dem normalen Strombedarf eine Leistung von 35.000 Megawatt benötigt. Das entspräche ungefähr 23 mittleren Kohlekraftwerken oder – falls Sie es nachhaltiger haben wollen – 35.000 Windrädern.“
Damit nicht genug. Der immense Mehrbedarf an elektrischer Energie zum Ersatz der Energieträger Benzin und Diesel würde auch noch in eine ohnehin schwierige Umbruchphase fallen. Nach dem Willen der Bundesregierung soll bis 2023 das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz gehen. Als nächstes Großprojekt der „Energiewende“ zeichnet sich bereits ein Ausstieg aus der Kohleverstromung ab. Deutschland deckt bislang rund 47 Prozent seiner Stromerzeugung über die Verstromung von Stein- und Braunkohle ab.    Norman Hanert


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Kommentare

Heinz-Gerd Schlagregen:
10.10.2017, 17:31 Uhr

Planwirtschaft hat nie funktioniert und wird nie funktionieren. Frau Merkel kann nichts Anderes. Bei der Forderung nach einem freien Markt für freie Bürger und eine freie Industrie und Ideenwirtschaft kann sie uns nicht folgen. Wir sind so geworden wie wir sind, durch freien Wettbewerb und so soll und muss es bleiben. Die Bolschewiken haben offensichtlich nichts gelernt.


Christian R.:
4.10.2017, 03:19 Uhr

Wieder einmal zeigt sich dass es nichts kostenlos gibt. Überall stossen wir an Sackgassen. Mehr Strom für E-Autos bedeutet entweder mehr Kernenergie oder mehr Landschaftsverschandelung oder mehr Kohle (was den anvisierten Umweltschutzeffekt sogleich wieder wettmacht).

Hätten wir eines Tages 1/5 unserer Bevölkerung, dann könnten wir evtl problemlos mit Rapsöl fahren, CO2-neutral und enerneuerbar und ohne Bedarf für teure Batterien. Oder aber wir brauchten uns um Verspargelung der Landschaft nicht zu sorgen wenn wir denn auf E-Autos mit Windenergie setzten.

Aber dank Alle-Grenzen-offen Merkel wird daraus nichts. Moslems kriegen im Durchschnitt 3 Kinder. Über ein paar Generationen hinweg hochpotenziert ist dieser Effekt lawinenartig. Somit ist Islam de facto eine umweltfeindliche Religion. Man sollte doch mal die Religionen doch auch mal nach diesem Kriterium bewerten. Doch gerade die Grünen sind auf dem religiösen Auge blind.

Ich hoffe die AfD thematisiert auch diesen Aspekt des Islams, nicht nur den der latenten Gewaltbereitschaft und Demokratiefeindlichkeit.

Apropros Demokratie. Der Islam wird die Demokratie aufs erste SEHR zu schätzen wissen, ist doch gerade in einer Demokratie die demographische Zeitbombe das beste Mittel zur Machtergreifung ! Wenn also Moslems die Demokratie bejahen, dann meinen sie es ernst, denn sie ist Mittel zu Zweck.


Lutz-Michael Henjes:
3.10.2017, 11:16 Uhr

Es ist ja alles richtig in diesem Artikel. Als ich jedoch kürzlich eine Grünen-Politikerin ansprach und darauf verwies, dass die "Energiewende" gegen Naturgesetze verstößt bekam ich zur Antwort "Gesetze kann man ändern". Seit dem bin ich vom Glauben abgefallen.


Jens Bartelt:
3.10.2017, 10:23 Uhr

Das Einsparungspotential ist enorm.

Alle im Artikel beschrieben Probleme sind real, und wenn sie nicht gelöst werden können, wird es keine allgemeine E-Mobilität geben. Was ein bisschen untergeht in der Diskussion ist die Tatsache, dass ein elektrisch betriebenes Fahrzeug 50% weniger Energie benötigt als ein Fahrzeug das Diesel verbrennt. Man könnte 80% der Straßen Deutschlands mit Oberleitungen versehen, um das Batterieproblem zu lösen. Wenn man bedenkt, dass ein Kilometer Oberleitung auf der Autobahn etwa 2 Millionen Euro kostet, wird klar, was die Umsetzung einer solchen Idee für eine ökonomische Herausforderung darstellt. Aber es würde sich langfristig rechnen, wenn die Oberleitungen erst mal installiert wären.


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