Von Black auf Weiß

Die kontrastreiche Karriere eines der größten Schlageridole – Vor 75 Jahren kam Roy Black zur Welt

26.01.18
Frauenschwarm mit Schmelzstimme: Roy Black am Bodensee im Jahr 1973 Bild: pa

Mit seinem Hit „Ganz in Weiß“ gelang Roy Black 1966 der Durchbruch in der Schlagerbranche. Auch als Schauspieler in Ulkfilmen wie „Immer Ärger mit den Paukern“ gefiel er einem großen Publikum. Anfang der 1970er Jahre blieben die großen kommerziellen Erfolge aus, doch dank seiner treuen Fangemeinde konnte er weiterhin im Showbusiness mitmischen. Schließlich wurde er zur Schlagerlegende.

Es war seine Bestimmung, in der ersten Blütezeit des deutschen Schlagers berühmt zu werden, als diese Musikrichtung noch keinen Kultstatus hatte wie heute. „Progressive“ Kritiker und ein Großteil der Jugendlichen taten Schlagermusik damals im Wettbewerb mit anderen musikalischen Trends wie dem Beat als altbacken und geschmacklos ab. Gerade gegen ihn, den Frauen­schwarm mit dem betörenden Schmelz in der Stimme, führten einzelne Medien eine Schmähkampagne. Das belastete den sensiblen Künstler, der selbst dem Rock ’n’ Roll zugetan war, schon am Beginn seiner Karriere.
Gerhard Höllerich, wie Roy Black mit bürgerlichem Namen hieß, wurde am 25. Januar 1943 in Straßberg bei Augsburg geboren. Er wuchs in Göggingen auf, dem heutigen Stadtteil von Augsburg. Als Primaner des Augsburger Holbein-Gymnasiums trat er seit 1963 mit seiner Rock ’n’ Roll-Band „Roy Black & his Cannons“ in Diskotheken und in den Kasernen der GIs auf. Den Künstlernamen Roy Black hatte er selbst er­funden, indem er den Vornamen des von ihm bewunderten amerikanischen Sängers Roy Orbinson mit seinem Spitznamen „Blacky“ verband, den ihm sein schwarzes Haar eingetragen hatte.
Bei einem Talentwettbewerb in Augsburg im Juni 1964 waren unter den 1200 Zuschauern auch Talentsucher der Plattenfirmen Telefunken, Philips und Polydor, so auch der Produzent Hans Bertram, der schon Bernd Spier unter Vertrag hatte. Er interessierte sich nur für Roy Black, der aber ohne seine Cannons erst einmal nicht zu haben war. Zusammen spielten sie einige Songs ein und gingen damit auf Werbetournee durch Süddeutschland. Bekannt wurde Roy Black jedoch erst als Solo-Sänger mit dem Rolf Arland-Titel „Du bist nicht allein“.
Von Arland und dem versierten Schlagertexter Kurt Hertha stammt auch der Evergreen „Ganz in Weiß“, Roy Blacks größter Erfolg. Das Schmusestück hielt sich 14 Wochen auf Platz 1 in Deutschland, in Österreich sogar 20 Wochen, und wurde inmitten der Beat-Welle erfolgreichster Musiktitel des Jahres. Im Hintergrund steuerte Elisabeth Bertram, die Ehefrau seines Managers, Roy Blacks kometenhafte Karriere. Als Moderatorin bei Radio Luxemburg hatte sie großen Einfluss auf das Musikprogramm. „Ganz in Weiß“ verkaufte sich 1966 rund 2,5 Millionen Mal. Immer noch ist der Song eine beliebte Eröffnungstanzmusik auf Hochzeitsfeiern.
Insgesamt komponierte Rolf Arland 39 Titel für Roy Black. Bis 1969 erreichten alle seine Singles die Top Ten der deutschen Hitparade. Seine meistverkauften Studioalben waren „Roy Black“, „Roy Black 2“ (1966/67), „Ich hab dich lieb“ (1969) und die von Dieter Bohlen produzierte LP „Rosenzeit“ (1991).
Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre übernahm Roy Black Hauptrollen in zahlreichen deutschen Filmkomödien, oftmals an der Seite von Uschi Glas. Er war Stammgast in der Hitparade mit Dieter Thomas Heck und wurde wie kaum ein anderer Sänger der Branche mit Medien-Auszeichnungen überhäuft, darunter der „Bravo Otto in Gold“ und der „Goldene Löwe“ von Radio Lu­xemburg. Seinen letzten Nummer-Eins-Titel „Schön ist es auf der Welt zu sein“ sang Roy Black 1971 mit der damals zehnjährigen Norwegerin Anita Hegerland.
1,2 Millionen Exemplare wurden davon verkauft. Danach wurde es stiller um ihn. Seine Singles erreichten kaum noch die oberen Plätze der deutschen Hitparade, seine Konzerte waren nicht mehr ausverkauft. Roy Black war aus der Mode gekommen.
Zunehmend fühlte er sich unwohl in seiner Rolle als Strahlemann, der immer nur die heile Welt besang. Geldsorgen stellten sich ein und Ärger mit dem Finanzamt. Um über die Runden zu kommen, absolvierte er jährlich Hunderte von Live-Auftritten.
Privat erlebte Roy Black ebenfalls Höhen und Tiefen. 1974 heiratete er seine langjährige Freundin Silke Vagts, 1976 kam Sohn Torsten zur Welt. Die Ehe litt wegen seiner persönlichen Probleme und wurde 1985 geschieden. Depressionen und Selbstzweifel versuchte er mit Alkohol und Tabletten zu betäuben. Häufig berichtete die Klatschpresse über die schwierige Situation des ehemaligen Schlageridols. Nach einem Konzert in der Royal Albert Hall in London und einer Tournee durch die DDR – als erster westdeutscher Schlagersänger – startete er Mitte der 1980er Jahre ein Comeback. Mit neuen Liedern und Adaptionen von Welthits fei­erte er wieder Erfolge, wenngleich auf bescheidenerem Ni­veau. Im Mai 1986 musste er sich einer Herzoperation unterziehen.
1990/91 sah man Roy Black wieder als Schauspieler an der Seite von Uschi Glas in der TV-Serie „Ein Schloss am Wörthersee“. Angeblich plante er, Chansons von Jacques Brel und eigene Lieder zu singen, es hätte sein Spätwerk werden sollen. Doch dazu sollte es nicht kommen. Er starb am 9. Oktober 1991 in seiner Fischerhütte im oberbayerischen Heldenstein am Inn. Wahrscheinliche Todesursache war Herzversagen durch Alkoholvergiftung. Roy Black hinterließ seine Lebensgefährtin Carmen Böhnung und die gemeinsame, erst vier Wochen alte Tochter Nathalie.
Zur Erinnerung an ihren Freund bildeten die Augsburger „Cannons“ nach seinem Tod wieder eine Band. Von Zeit zu Zeit treten sie noch mit alten und neuen Songs auf.    D. Jestrzemski


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.