Von der Pflicht, der Tugend und der Kuh

Eine Glosse über den Wunsch nach Frieden und den Menschen, der ihn gefährdet

03.01.18

Von Freunden zuverlässig erhofft, von Gegnern misstrauisch erahnt, hat die CSU an ihrem kurz zurückliegenden Parteitag in Nürnberg aufgeräumt mit allem Streit und Zwist, der lange in ihren Reihen geherrscht hatte, jedenfalls nach außen hin und offiziell. Das Ergebnis ist bekannt: Bayerns bisheriger Ministerpräsident Horst Seehofer gibt sein Amt an den Finanzminister Markus Söder ab, bleibt aber bis auf Weiteres CSU-Vorsitzender.
Warum nicht gleich so, ist man vermutet zu fragen, um sich dann zur Einsicht zu bequemen, dass es vielleicht der segensreichen und friedlichen Adventszeit bedurft hatte, um hier Ordnung zu schaffen. Schon gar bei einer Partei, die das christliche „C“ im Namen führt. Doch die Friedfertigkeit jedenfalls im Inneren und gegenüber den Parteifreunden ist bei der CSU nicht nur eine Tugend, sondern Pflicht, denn die bürgerliche Wählerschaft nimmt kaum etwas so übel wie dauerndes Gezänke.
Krach unter den Menschen gibt es ohnehin mehr als genug, wie erneut ein Beispiel, diesmal aus Holzkirchen, zeigt, das so halb zwischen Rosenheim und München liegt. Da hat sich wieder eine Sache ereignet, wie sie öfter vorkommt, und die man sich eigentlich nur im Bauerntheater wünscht. Da zieht ein fremder Mensch ins Dorf und stellt mit Empörung fest, dass es dort Kühe gibt. Diese Kühe stören ihn durch ihre Schellen, worauf er an Schlaflosigkeit und Depressionen leidet.
Also, auf zum Gericht und Klage erheben!
Gottlob hat sich in München ein Richter gefunden, der sie abgewiesen hat, aber man möchte meinen, sie hätte von vornherein gar nicht zugelassen werden dürfen. Man muss sich das vor Augen halten: Da kommt ein  labiler Querulant, natürlich aus Deutschlands Norden, verabsäumt es, sich vor einem Hauskauf kundig zu machen, und will, dass seine neuen Nachbarn ausbaden. Wie gesagt, ein Fall vielleicht fürs Bauerntheater, für sich und ernst genommen ist so etwas ein Ärgernis.
CSU und Kuh-Schellen – der Wunsch nach Frieden und die Gefahr, dass er gebrochen wird, steckt in allem, womit die Menschen zu tun haben, im Kleinen, in Familie und Nachbarschaft, wie im Großen, so in der Politik, wenn auch diese vielleicht nur eine kleine Politik ist. Denn bei aller Aufregung: Auch die CSU muss sich dem Gesetz der Generationenfolge beugen, und dass nichts Besseres nachkommt, ist ein Spruch seit Jahrhunderten. Insofern war, was geschehen ist, ganz natürlich, auch die Aufregung, und irgendwann wird alles zur guten alten Zeit.    Florian Stumfall


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