Von Liebeskaspern und Gefühlsgangstern

Warum heiße Urlaubsflirts oft tragisch enden – und was das AMIGA-Syndrom damit zu tun hat

14.07.17
Flirrende Blicke unter afrikanischer Sonne. Aber ist das Lachen wirklich ehrlich? Greift die zarte Hand nach dem Herz oder der Brieftasche? Bild: PA

„Liebe macht blind,“ sagt der Volksmund hierzulande. Das gilt auch und gerade dann, wenn deutsche Frauen und Männer glauben, ihren Traumpartner an einem Palmenstrand in der Ferne gefunden zu haben.

Aber meiner (oder meine) ist ganz anders! – So lautet die typische Reaktion gegenüber Freunden oder Familienangehörigen, die Bedenken anmelden, wenn der neue Lebenspartner nicht nur um Jahrzehnte jünger ist, sondern an einem exotischen Strand aufgegabelt wurde und seine unverbrüchliche Liebe in gebrochenem Englisch, auf Kisuaheli, Arabisch oder Thailändisch beteuert. Wenn das wohlmeinende Umfeld in Deutschland auf negative Erfahrungen Dritter mit solchen Urlaubsbekanntschaften verweist, schweben rosarote Beruhigungsformeln von Wolke Sieben herunter: „Nein, er (oder sie) will mich bestimmt nicht nur wegen meines Geldes. Die Aussicht, in Deutschland bleiben zu dürfen, spielt überhaupt keine Rolle. Bei uns ist es wahre Liebe!“
Besonders anfällig für das Aber-Meiner-Ist-Ganz-Anders-Phänomen, das AMIGA-Syndrom, wie es genannt wird, scheinen Frauen in der zweiten Lebenshälfte. Davon künden zum Beispiel die herzzerreißenden Berichte im Internet-Portal „1001 Geschichte“, wo die Über-den-Tisch-Gezogenen wortreich ihr Leid beklagen und auch die eine oder andere Warnung an die weibliche Leserschaft hinterlassen, welche freilich meist zu spät kommt.
Wenn dann der Lover als Lump erkannt wurde, fällt oft das Wort „Bezness“. Diese arabische Verballhornung von „Business“, also „Geschäft“, beschreibt die typische Vorgehensweise der juvenilen Galane an den Stränden des südlichen Mittelmeeres, an denen noch keine Flagge des Islamischen Staates weht und Männlein und Weiblein somit weiter gemeinsame Badefreuden genießen dürfen. Das „Bezness“ besteht natürlich schlicht und einfach darin, der deutschen Urlauberin die große Liebe vorzugaukeln und sie hernach auf jede erdenkliche Weise um ihr sauer verdientes Geld zu erleichtern.
Hinter diesem Treiben stehen zum Teil einzelne Tunichtgute, zum Teil aber auch eine personell gut aufgestellte Mafia: Immerhin melden alleine die zurückgekehrten Tunesien-Urlauberinnen Jahr für Jahr um die 1800 Fälle von organisiertem „Liebesbetrug“. Insgesamt soll es nach Recherchen der „Bild der Frau“ pro Saison bis zu 5000 weibliche „Opfer“ geben, wobei die aus Scham über die eigene Leichtgläubigkeit resultierende Dunkelziffer noch deutlich höher liegen dürfte. Deshalb kann man den finanziellen Gesamtschaden durch die „Gefühlsgangster“, welche vor allem in Nord- und Ostafrika agieren, kaum exakt beziffern. Mit Sicherheit dürften hier aber hohe zweistellige Millionenbeträge zusammenkommen.
Besonders teuer wird es, wenn Frauen nicht einmal dann wach werden, wenn ihnen wieder der kalte Wind der Heimat um die Ohren weht. Manche lassen sich noch jahrelang weiter ausbeuten, häufig bis zum Verbrauch ihrer letzten Ersparnisse. Damit finanzieren sie den Urlaubsliebschaften, die nicht selten mit einer jungen einheimischen Frau liiert oder gar verheiratet sind, Häuser oder zumindest deren Ausbau oder Reparatur, Unternehmensgründungen, medizinische Behandlungen, Führerscheine, Ausbildungen aller Art, Autos, Handys und Computer sowie weitere nützliche Dinge.
Gleiches kann natürlich auch männlichen „Liebeskaspern“ passieren. Die Abzocke durch asiatische, afrikanische, osteuropäische oder karibische Schönheiten nimmt besonders in den Fällen ruinöse Ausmaße an, wenn die importierte Gattin in Deutschland eingebürgert wird. Erst endet die „Traumehe“ ziemlich genau in dem Moment, in dem die gesetzliche Wartefrist für ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland verstrichen ist, dann hagelt es finanzielle Forderungen.
Während Frauen mit AMIGA-Syndrom wenigsten noch auf allgemeines Mitgefühl hoffen können, werden Männer zudem von der Gesellschaft oft stigmatisiert. Wenn Frauen bei ihrer Suche nach extrem jugendlicher brauner oder schwarzer Männlichkeit an den Stränden von Marokko, Kenia oder Jamaika auf die Nase fallen, trieb sie die Sehnsucht nach der „wahren Liebe“, die im „kalten Deutschland“ leider kaum zu finden ist. Sie sind die Opfer einer Amour fou, einer verhängnisvollen Liebe. Als lüsterne Sextouristen, als Täter, gelten die Männer, denen Gleiches wiederfahren ist.
Tatsächlich dürften die Unterschiede im Auge des Betrachters liegen. Gleiches gilt wohl sogar für das Urteil über die kaffeebraunen, mandeläugigen, anschmiegsamen Gegenparts. Die Chance, bitterster Armut zu entkommen, lässt vielleicht wirklich eine angewelkte deutsche Rose in schönster Blüte erscheinen oder einen faltigen Gnom als germanischen Siegfried. Wo hört Berechnung auf? Wo fängt halbwegs verständlicher Eigennutz an?
Die Folgen jedenfalls sind nahezu immer gleich: Die nach Deutschland importierten „Traummänner“ und „Traumfrauen“ landen am Ende zumeist im sozialen Netz, sobald die „Sponsoren“ pleite sind. Kosten von geschätzten 1,5 Milliarden Euro pro Jahr sollen dabei entstehen.
Manche Deutsche mit kulturfremden Anhang machen auch gar keinen Hehl daraus, dass sie die Risiken und Nebenwirkungen ihrer Rolle als reifer Sugar Daddy beziehungsweise „Sugar Mama“ sowie die moralische Verdorbenheit des „Deals“ erkannt haben. Um dann trotzdem noch in den Spiegel schauen zu können, wird das eigene Handeln kurzerhand in gutmenschlicher Manier zur „privaten Entwicklungshilfe“ veredelt. So schwärmte eine Birgit (Mitte 50, Chefsekretärin aus München) nach dem Besuch in der kargen Hütte der Familie ihres kenianischen Gespielen Sam (Mitte 30) gegenüber Journalisten von der „Zeit“: „Da weiß ich doch wenigstens, wo mein Geld hingeht.“
Lässt man freilich sämtliche Euphemismen beiseite, dann bleibt nur eines übrig: das knallharte, quasi „kapitalistische“ Geschäft mit der vergänglichen Ware Jugend, bei dem es auf beiden Seiten Gewinner und Verlierer gibt und die Grenzen zwischen „Opfer“ beziehungsweise „Täter“ oft bis zur völligen Unkenntlichkeit verschwimmen
    Wolfgang Kaufmann


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