Warten auf Subventionen

Filmwirtschaft leidet unter Verschiebung der Verabschiedung des Bundeshaushalts

25.02.18
Fordert mehr Steuergelder für seine Branche und einen Wegfall der Kappungsgrenze, sprich der Deckelung der staatlichen Förderung pro Film: Carl Woebcken, Filmproduzent, Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG sowie Geschäftsführer der Studio Babelsberg Motion Pictures GmbH sowie der Babelsberg Film GmbH Bild: pa

Der Versuch, eine neue Bundesregierung zu bilden, dauert dieses Mal außergewöhnlich lange. Solange die Bundesregierung nur geschäftsführend im Amt ist, liegt die Verabschiedung des Haushalts für 2018 auf Eis. Die Folgen bekommt nun die Filmwirtschaft zu spüren.

Auf einer Pressekonferenz hat Carl „Charlie“ Woebcken, der Chef und Mitinhaber des Babelsberger Filmstudios, beklagt, man sei bei einigen Projekten in eine Schieflage geraten, „weil die Fördersicherheit nicht da ist, die größere Projekte brauchen“. Offenbar hat die bisher nicht erfolgte Genehmigung des Bundeshaushalts für dieses Jahr dazu geführt, dass Filmfördermittel nur teilweise oder gar nicht ausgezahlt wurden. Laut Woebcken hat Babelsberg inzwischen eine erste internationale Serie verloren. Die nächste Staffel der US-Agentenserie „Berlin Station“ wird offenbar nicht mehr wie bisher in der Region Berlin-Brandenburg gedreht, sondern in Ungarn. Mittlerweile wird bereits befürchtet, dass auch die Produktion der US-Serie „Counterpart“ an ausländische Studios verloren gehen könnte. Sollte diese Entwicklung anhalten, dann wäre dies für die hiesige Filmbranche ein Rückschlag.
Für die Filmstudios haben sich gerade Serienproduktionen in den letzten Jahren zu einem wichtigen zusätzlichen Standbein entwickelt. Nach Angaben der Babelsberger Studios betrug die Auslastung der Studioflächen im vergangenen Jahr nur rund 25 Prozent. Hochwertige Serienproduktionen für das Fernsehen sind vor diesem Hintergrund ein Weg, über die großen Kinoproduktionen hinaus den Auslastungsgrad der Studios zu steigern. Zudem sorgt die Produktion von Serien wie „Babylon Berlin“ dafür, die oftmals freiberuflich tätigen Filmspezialisten durchgehend mit Arbeit zu versorgen, auch wenn kein großes Filmprojekt ansteht.
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Große Koalition einen Fördertopf eingerichtet, der unter anderem Serienproduktionen unterstützen soll. Die aktuelle Hängepartie bei der Filmförderung durch das Andauern der Regierungsbildung trifft die Branche in einer ohnehin schwierigen Lage. Länder wie Ungarn und die Tschechei haben attraktive Fördermodelle entwickelt und ziehen damit immer öfter Produktionen von deutschen Studios ab. Angesichts dieser Entwick-lung warnen Filmschaffende bereits davor, Deutschland könnte in der Filmbranche den Anschluss verlieren. Woebcken erhob in diesem Zusammengang die Forderung, Deutschland müsse im internationalen Standortwettbewerb mit attraktiven Förderbedingungen „auf Augenhöhe“ mit der Konkurrenz in London, Budapest oder Prag kommen. Als mögliche Stellschrauben nannte Woebcken den Wegfall der bestehenden Kappungsgrenze. Bislang wird in Deutschland pro Filmproduktion nur ein bestimmter Maximalbetrag gezahlt, zudem ist auch der jährlich zur Verfügung gestellte Gesamtbetrag für die Filmförderung gedeckelt.  
Laut Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) ist die bisherige Förderung für die Steuerzahler keineswegs ein Minusgeschäft. Die Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, ein staatliches Unternehmen für Filmförderung und Standortentwicklung der Länder Berlin und Brandenburg, hat im vergangenen Jahr Filme und Serien mit rund 26 Millionen Euro gefördert, in der Region soll dies Ausgaben von insgesamt 150 Millionen Euro bewirkt haben. Die Medienboard-Chefin Kirsten Niehuus wies zudem darauf hin, welche Bedeutung Filme für den Tourismus haben. Regionen, in denen Filme entstünden, hätten international „ein sehr gutes Image“, so Niehuus, die ein Konzept zur touristischen Vermarktung brandenburgischer Drehorte ankündigte.
Die Babelsberger Studios setzen im internationalen Konkurrenzkampf allerdings nicht nur auf mehr Geld vom deutschen Steuerzahler. So soll schon in diesem Jahr in der Medienstadt Babelsberg mit dem Aufbau eines sogenannten volumetrischen Studios begonnen werden. Dutzende Kameras und Spezialtechnik werden in diesem Studio Filmaufnahmen von allen Seiten möglich machen. Die Technik der 3-D-Aufnahmen öffnet eine Reihe neuer Geschäftsfelder. Mit dreidimensionalen Aufnahmen von Schauspielern in Bewegung lässt sich zum Beispiel eine „Bibliothek von digitalen Komparsen“ aufbauen. Die Aufnahmen der Komparsen könnten dann später digitial in Filme eingefügt werden. Bei der Filmproduktion ließen sich damit Kosten sparen; Babelsberg könnte gegenüber osteuropäischen Filmstudios wieder Boden gut machen. Mit dem volumetrischen Studio bereitet sich Babelsberg zudem auch auf eine andere wichtige Entwicklung in der Filmbranche vor. Dreidimensionale Filmaufnahmen werden es den Zuschauern künftig ermöglichen, selber zu entscheiden, aus welcher Perspektive sie der Filmhandlung folgen wollen. Angedacht ist offenbar auch, das neue Studio nicht nur für klassische Filmproduktionen zu nutzen, sondern auch der Industrie und der Forschung zur Verfügung zu stellen. In Europa gibt es ein solches Studio für Drei-D- Filmproduktionen bislang nur in London.        
    Norman Hanert


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Kommentare

Arnold Schacht:
25.02.2018, 13:47 Uhr

Vielleicht sollten die Filmschaffenden mal darauf setzen, dem Volk aufs Maul zu schauen, so dass die Menschen einen Film unbedingt sehen wollen. Zum Beispiel ein Drehbuch über eine unfähige und bösartige Regierungschefin, die ihr Volk hasst und alles tut, um dem Land zu schaden. Gut ausgearbeitet könnte das ein Kassenschlager werden. Geht aber nicht, denn durch staatliche Förderung ist man vom Staat abhängig und es kommt sowas raus wie "Aufbruch ins Ungewisse" oder der x-te langweilige Anti-Rechts-Tatort.


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