Was tun mit Nordkorea?

Das kommunistische Land war auf der Asienreise Donald Trumps ein Dauerthema – Lösung nicht in Sicht

20.11.17
Großer Bahnhof für Donald Trump in Peking: Der begeisterte Empfang in China dürfte Nordkorea nicht gefallen haben Bild: Imago

Donald Trump hat in Asien ein „Kern“-Problem: Es heißt Nordkorea. Sollte die Asienreise des US-Präsidenten erfolglos bleiben,  könnten auch Nordkoreas Nachbarstaaten nuklear aufrüsten.

Nach den überaus massiven Drohungen des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un gegen die USA und deren ebenfalls recht harten Antworten zu urteilen, stünden beide Länder unmittelbar vor einem Atomkrieg mit zweifellos sehr großen Folgen für den gesamten fernöstlichen Raum. Dennoch haben immer wieder informelle Gespräche zwischen ihnen stattgefunden, oft über Diplomaten anderer Staaten.
Deutschland, das zu den wenigen Ländern mit einer Botschaft  in der Demokratischen Volksrepublik Korea zählt, versuchte erst kürzlich unter Leitung eines erfahrenen Korea-Kenners eine Vermittlung, die indes völlig scheiterte.
Gewiss verhielt sich Kim Jong-un in den letzten Wochen ruhig, doch das als Friedenswillen zu werten, wäre falsch. Ursache dürfte der mysteriöse Einsturz von zwei Tunneln auf einer wichtigen Versuchsanlage sein, dessen Ursache gegenwärtig noch ungeklärt ist, und wohl auch nicht Rück-sichtnahme auf den Parteitag der für Pjöngjang so wichtigen KP Chinas, auf dem der Vorsitzende Xi seine Macht weiter ausbauen konnte.
Das wichtigste Ziel des chinesischen Staatspräsidenten ist die Erhöhung des Lebensstandards, befinden sich doch rund 50 Millionen Chinesen in Armut, mehrere Millionen sind arbeitslos. Größter Absatzmarkt für Chinas Waren sind die USA, auf deren Wirtschaftsmacht die Volksrepublik dabei angewiesen ist. Trump hat bereits mehrfach mit Handelssanktionen gedroht, sofern Peking nicht seinen Druck auf Nordkorea verstärken würde.
Sorgen bereiten muss Xi aber auch die Nuklearisierung seiner Nachbarn. Japan dürfte jetzt wirklich den Bau einer Atombombe anstreben, wozu es lediglich 90 Tage benötigt: Es ist primär die Angst vor nordkoreanischen Raketen, welche bis heute fünf Mal das Land überflogen. Japans Präsident Shinzo Abe weiß um dessen Abhängigkeit von den USA, doch in seinem Nationalstolz und gleichzeitigen Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem Riesenland möchte er diese möglichst reduzieren.
Südkorea, das sich vom US-Präsidenten übergangen fühlt und dessen Versprechen nicht völlig vertraut, will ebenfalls eigene Atombomben. In drei Jahren wäre Seoul dazu in der Lage. Auch dort herrscht Sorge vor einem erneuten nordkoreanischen Kriegsüberfall. Die Worte Trumps in Süd-Korea waren daher moderater, er sprach rätselhaft von „Bewegungen“, drohte indes bei einem solchen Fall mit massivsten Gegenschlägen – anders formuliert: Die USA würden von sich aus Nordkorea nicht angreifen. Rund um die Demokratische Volksrepublik Korea kreuzen gegenwärtig drei US-Flugzeugträger. US-Truppen haben bereits einen Angriff auf das dortige Atomzentrum Pungga-ri geübt und angeblich erreichten ihre Raketen alle ihr Ziel.
Der Nordteil Koreas besitzt heute die viertgrößte Armee der Welt mit teilweise allerdings veralteten 4300 Panzern und 1300 Flugzeugen. Die unlängst gezündete Wasserstoffbombe dürfte die zehnfache Sprengkraft der einstigen Hiroshima-Bombe haben. Die Raketen Pjöngjangs könnten schon jetzt die Vereinigten Staaten erreichen,  die Lagerstätten seiner biologischen und chemischen Waffen scheinen unbekannt zu sein.
Andererseits zeigt der Druck auf das Land größere Erfolge: Der Verleih von Arbeitssklaven ins Ausland mit seinen jährlich zwei Milliarden Dollar Gewinn hat offenbar aufgehört. Gegenwärtig geht der internationale Bankenverkehr mit Nordkorea zu Ende.
Dass Kim Jong-uns Position nunmehr ohne Bestechungsgeschenke an seine Umgebung völlig unerschüttert ist, darf bezweifelt werden. Gewiss hat er kürzlich seine Schwester ins Politbüro seiner Staatspartei gehievt, aber lediglich als „alternatives Mitglied“. Trump dürfte sein Ziel, China zu einem vollständigen Öl-Embargo zu bewegen, nicht erreicht haben. Gewiss könnte der Norden Koreas mit einer Kohleverflüssigung den Ausfall in gewissem Umfange zu ersetzen versuchen, doch wäre bei einem dann zweifellos entstehenden Wirtschaftschaos ein Regimewechsel in Pjöngjang durchaus möglich.
Peking, das die atomare Aufrüstung seines Nachbarn scharf ablehnt – Kim Jong-un wurde noch nie nach Peking eingeladen –, möchte indes einen solchen Sturz vermeiden. Es will keine US-Truppen an seiner Grenze, wobei Erinnerungen an den Koreakrieg dabei dominierend sein dürften. Doch Xi wird sich entscheiden müssen, was ihm wichtiger erscheint: eine Atomwaffenmacht Demokratische Volksrepublik Korea zu verhindern oder deren Kollaps zu vermeiden.
    F.-W. Schlomann


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