Weggefährte Luthers

Düsseldorfer Museum präsentiert neue Sicht auf Lucas Cranach

19.04.17
Ungeschminkte Wahrheit: Cra­nachs „Das ungleiche Paar“ Bild: Museum Kunstpalast – Artothek

Lucas Cranach der Ältere zählt zu den bedeutendsten Malern der Deutschen Renaissance, war ein enger Freund Martin Luthers und beeinflusste Künstler über Jahrhunderte. Als einer der Höhepunkte im Reformationsjahr 2017 widmet das Museum Kunstpalast in Düsseldorf dem berühmten Wittenberger Maler vom 8. April bis
30. Juli die groß angelegte Werkschau „Cranach. Meister – Marke – Moderne“. Erstmals nimmt die Ausstellung Cranach den Älteren in seiner Gesamtheit und Modernität in den Blick und beleuchtet neben seinen Erfolgsstrategien den Einfluss des Künstlers bis in die Gegenwart.
Rund 200 Werke, darunter noch nie öffentlich ausgestellte Werke aus Privatsammlungen, selten gezeigte Tafelbilder, aber auch erstmals in Deutschland präsentierte sowie jüngst restaurierte Werke sowie eine Neuzuschreibung sind dabei zusammengeführt worden. Zu sehen sind hochkarätige Exponate wie die lebensgroße „Venus“ aus St. Pe­tersburg, Christus und die Ehebrecherin aus Budapest und der sogenannte Prager Altar, dessen weitverstreute Teile für die Laufzeit der großen Schau in Düsseldorf vereint werden. Weitere bedeutende Tafelbilder, Zeichnungen und Drucke dokumentieren die maßgebliche Rolle Cranachs bei der Verbreitung der Reformation und sein geschicktes Agieren im Dienste der bedeutendsten fürstlichen Auftraggeber des 16. Jahrhunderts. In Gegenüberstellung mit Werken von Albrecht Dürer, Hans Holbein dem Jüngeren, Jacopo de’ Barbari und Lorenzo Costa dem Älteren untersucht die Ausstellung Cranachs Position im Netzwerk der Künstler seiner Zeit.
Die Schau folgt den Spuren Cranachs sogar bis in die Kunst der Gegenwart und Moderne. Arbeiten von Picasso, Duchamp, Giacometti, Otto Dix, Andy Warhol oder Martial Raysse zeigen, welchen Einfluss Cranachs Bildsprache auf führende Wegbereiter der Moderne ausgeübt hat.
Neueste kunsttechnologische Forschungen geben darüber hinaus Einblicke in die tägliche Praxis des produktivsten deutschen Malers im 16. Jahrhundert. Cranachs Gemälde zeugen von einem immensen Spektrum innovativer Bildlösungen und neuartiger Bildthemen, die der enge Weggefährte Martin Luthers im Spannungsfeld unterschiedlicher Glaubensvorstellungen entwickelte und die sich innerhalb kürzester Zeit über den europäischen Kontinent verbreiteten.
Die Ausstellung gibt auch Einblicke in die künstlerischen Prozesse bei der Entstehung der Gemälde: Dank modernster Technik werden unter der Malschicht verborgene Unterzeichnungen erstmals für die Besucher er­schlossen. Sie geben unter anderem Auskunft über den enormen Reichtum an verwendeten Malmaterialien und die effiziente Arbeitsweise des Künstlers. So entwickelte Cranach verschiedene Verfahren zur Ökonomisierung und Optimierung der Malprozesse, um seine Bilder in hoher Qualität und großer Anzahl produzieren zu können.    H. Tews

Museum Kunstpalast, Ehrenhof 4–5, Düsseldorf, geöffnet: Diens­tag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Donnerstag und Sonnabend bis 21 Uhr. Ein Katalog zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag erschienen (400 Seiten, 49,90 Euro).


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