Wo Aphrodite dem Schaum entstieg

Das im griechischsprachigen Teil Zyperns gelegene Paphos feiert sich als Kulturhauptstadt Europas – mit deutscher Unterstützung

15.02.17
Aphrodite geht an Land: Modernes Denkmal der antiken Göttin vor dem mittelalterlichen Kastell am Hafen von Paphos Bild: pa

Den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ führen in diesem Jahr die Städte Paphos im Südwesten von Zypern und Aarhus in Dänemark. Für die Bewohner von Paphos und ganz Zyperns könnte das Kulturjahr 2017 eine gute Gelegenheit bieten, der Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Insel einen kleinen Schritt näher zu kommen.

Aus diesem Grund freuten sich die Zyprer und alle Gäste ganz besonders auf die Eröffnungsfeier auf dem Zentralen Platz Ende Januar. Zwei Tage lang fanden überall in der Stadt und rund um den Hafen Musik-, Theater- und Tanzvorführungen statt. Das Leitmotto des Kulturprogramms lautete Vielfalt, was der wechselvollen Geschichte des Küstenortes ge­schuldet ist. Seit der Antike war Paphos mit seinem hervorragenden Naturhafen eine Drehscheibe der Kulturen und ein Zentrum der Zivilisation. Griechen, Perser und Römer, Araber, Kreuzritter, Osmanen und Briten kamen als Eroberer, Pilger, Händler oder Reisende und hinterließen ihre Spuren.
Mit 33000 Einwohnern ist Paphos die viertgrößte Stadt auf Zypern und durch seinen internationalen Flughafen ein Verkehrsknotenpunkt im griechischsprachigen Teil der Insel. Haupteinnahmequelle ist der Tourismus. Ihren vorwiegend ausländischen Gästen hat die Stadt viel zu bieten. Herrliche Strände und der malerische, von dem mittelalterlichen Kastell überragte Hafen locken nicht nur Bade- und Tauchtouristen. Paphos ist ein idealer Ausgangspunkt für Tagesausflüge zu den nahe liegenden Klöstern, Gebirgen und Naturschönheiten der Mittelmeerinsel. In der Altstadt bieten Restaurants, Geschäfte, Bars und Nachtlokale dem Publikum viel Abwechslung. Von hier aus überblickt man die Küstenlinie, die auf einen weißen Leuchtturm und die archäologischen Ausgrabungsstätten zuläuft. Das Speiseangebot ist eine Mischung aus griechischen und türkischen Spezialitäten: Bauernsalat, Zaziki und gefüllte Weinblätter schätzen Einheimische und Touristen ebenso wie Halloumi-Schafskäse, Sesampaste und Hummus, das Kichererbsenpüree. Fischgerichte und Meeresfrüchte gehören selbstverständlich dazu.
Wegen seiner Lage im östlichen Mittelmeer ist Zypern eines der wärmsten Länder Europas. Regen fällt fast nur im Herbst und Winter, wenn die mittlere Temperatur zwischen 15 und 20 Grad liegt. Dagegen wird es in den Sommermonaten extrem heiß. Etwas milder ist es an der Küste und in den Hochebenen des Troodosgebirges. 2016 verzeichnete die zyprische Tourismusbranche einen erhöhten Zustrom von Urlaubern vor allem aus Deutschland. Dies sei auf die derzeitige Gefährdungslage in der Türkei zurückzuführen, wie es heißt. Die meisten Touristen und auf Zypern lebenden Ausländer sind Engländer, was auf den Status von Zypern als Protektorat des britischen Weltreichs von 1878 bis 1914 zurückzuführen ist. Im Süden der Insel unterhält Großbritannien noch heute zwei Militärbasen, auf den Straßen gilt Linksverkehr. Aber auch für viele gut betuchte Russen wurde Zypern zur Trauminsel.
Paphos hat ein reiches kulturelles Erbe aus dem griechischen Altertum, römischer und byzantinischer Zeit – und aus der Mythologie. Hier soll der Sage nach die Göttin Aphrodite, die „Schaumgeborene“, den Wellen des Meeres entstiegen und an Land gegangen sein. Und an der Ostküste der
40 Kilometer von Paphos gelegenen Halbinsel Akamas befindet sich das Aphrodite-Bad, wo sich die Schöne in einer Felsgrotte in ihren Adonis verliebt haben soll.
Während der Antike zogen jahrhundertelang Pilger aus dem Mittelmeerraum zum Tempel mit dem Heiligtum der Aphrodite in Paläa Páfos (Alt-Paphos) bei dem Dorf Koúklia in der Nähe von Paphos. Um das Jahr 50 kam der Apostel Paulus während seiner ersten Missionsreise nach Paphos. Auf dem Gelände um die spät­byzantinische Kirche Agia Kyriaki steht ein Säulenstumpf, an den er gefesselt gewesen und gegeißelt worden sein soll. Nur ein paar Schritte entfernt von der Touristenmeile des Fischerhafens liegt der Eingang des Archäologischen Parks. Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten gehören die kunstvollen Bodenmosaiken rö­mischer Villen aus dem 2. und 3. nachchristlichen Jahrhundert und die als „Königsgräber“ be­kannten Grabstätten aus Ptolemäischer Zeit. 1980 wurden die antiken Ruinen von Paphos in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Ganz ausgegraben ist das antike Paphos bis heute nicht. Überall auf dem Gelände werden neue Entdeckungen gemacht.
Auf Zypern sind alle Dimensionen kleiner, das betraf auch das Budget für das Kulturjahr. Von den ursprünglich veranschlagten 22 Millionen Euro blieben am Ende nur achteinhalb Millionen übrig, da sich ausländische Sponsoren nach der Finanzkrise des Jahres 2008 zurückgezogen hatten. Dafür gewannen die Organisatoren ein Heer von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Sämtliche Kosten für Neubauten und die Renovierung historischer Gebäude übernahm die Stadt Paphos. Der künstlerischen Leiterin Georgia Doetzer war daran gelegen, das Interesse der Bewohner für zeitgenössische Kunst zu wecken, die bislang in Paphos fehlte. Persönliche Einladungen ergingen an die 3000 ehemaligen türkischen Einwohner von Paphos.
Einheimische und Besucher können ein reichhaltiges Programm mit über 300 Veranstaltungen genießen. Nach dem Konzept der „Open Air Factory“ („Freiluftfabrik“) wird sich der historische Stadtkern in eine große Freiluftbühne verwandeln. Auch 2017 gehören die Theateraufführungen im römischen Odeon zu den Höhepunkten im Reigen der Abendveranstaltungen. Kulturschaffende aus beiden Landesteilen werden fortlaufend einen Dialog über Kunst und Politik führen. Dem europäischen Gedanken des Festivals haben die Veranstalter den gebührenden Tribut gezollt, indem sie Künstler aus ganz Europa einluden. In den übrigen Regionen des Landes bringt eine „reisende Bühne“ das ganze Jahr über den Menschen Musik sozusagen vor die Haustür.
Für den 1. Mai ist ein Konzert der Berliner Philharmoniker auf der Uferpromenade vor der mittelalterlichen Festung angekündigt. Ebenfalls im Mai wird Sängerin Ute Lemper auftreten. Beim „Summer Highlight“ am
1. Juli sollen Meeresfeuer und Lichtshows rund um den Hafen der Stadt einen besonderen Glanz verleihen. Mehr geht nicht in Paphos, das in diesem Jahr eine Kulturreise wert ist.
    D. Jestrzemski


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.