Wölfe jetzt mitten im Dorf

Vorfälle häufen sich: Verlieren die Tiere ihre Scheu vor Menschen?

24.12.17

In Brandenburg ist es innerhalb weniger Tage zu gleich zwei Zwischenfällen gekommen, bei denen ein Wolf bis in die Mitte menschlicher Siedlungen vorgedrungen ist. Im Dorf Grebs bei Lehnin (Potsdam-Mittelmark) sah sich eine Rentnerin zum ersten Mal in ihrem Leben einem Wolf gegenüber.
Die Frau war kurz nach 20 Uhr auf dem Weg zu Nachbarn, als sie mitten im Dorf das Tier plötzlich vor sich sah. Gegenüber der „Märkischen Allgemeinen“ beschrieb sie die Schreck­sekunden: „In Lauerstellung stand er mir auf der anderen Fahrbahnseite gegenüber. Von Scheu keine Spur. Ich habe gedacht, der springt mich gleich an.“ Der Frau gelang es, mit einem Stock und lautem Schreien den Wolf zu vergrämen.
Die Bewohner des kleinen Dorfes stoßen schon länger auf Wolfsfährten in der Umgebung, ein Landwirt hat in diesem Jahr bereits sechs Kälber durch Wolfsangriffe verloren. Nur wenige Tage nach dem Vorfall in Grebs drang auch in der Gemeinde Brück (ebenfalls Potsdam-Mittelmark) ein Wolf bis in die Mitte einer Siedlung vor und hetzte dabei ein Reh durchs Dorf. Als der Wolf das Rehkitz vor einem Gasthof zu fassen bekam, gelang es zwei Angestellten, den Angreifer von seiner Beute abzulenken und zu vertreiben. Kritiker einer Wolfsansiedlung warnen, dass der Angriff auf Menschen nur noch eine Frage der Zeit sei. Vor wenigen Monaten sorgte der Tod einer britischen Touristin für Schlagzeilen. Die 63-Jährige war beim Wandern im Nordosten Griechenlands angegriffen und getötet worden.
Zunächst war angenommen worden, dass die tödliche Attacke von wilden Hunden ausgegangen sei. Die Untersuchung der aufgefundenen Knochen ergab jedoch, dass die Frau von Wölfen angefallen wurde. Mit dem Vordringen von Wölfen in Ortschaften erhält auch die Frage nach Mischlingen zwischen Wölfen und Hunden, den sogenannten Wolfshybriden, neue Brisanz. Kritiker und Befürworter der Wolfsansiedlung streiten über die Frage, wie gefährlich solche Mischlinge sind.
Ein Wolfshundzüchter aus Niedersachsen vertrat gegenüber der „Ostthüringer Zeitung“ die Ansicht: „Es stimmt überhaupt nicht, dass Mischlinge gefährlicher sind als ein Wolf.“ Andere Experten sind skeptisch und sehen bei den Hybriden die Gefahr einer besonders gefährlichen Mischung, bei der sich die fehlende Menschenscheu von Hunden mit dem Raubtierinstinkt der Wölfe verbindet.       N.H.


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