»Zweifel« am Kreuz

Kunstinstallation am Schloss soll Kritik von links durchkreuzen

17.06.17

Sieben großgeschriebene Leuchtbuchstaben könnten bald das Berliner Schloss zieren. Wenn es nach den drei Gründungsintendanten des Humboldtforums, Horst Bredekamp, Neil MacGregor und Hermann Parzinger, geht, dann soll das Wort „Zweifel“ ein großgeschriebenes Gegengewicht zum Kreuz abgeben, mit dem die Schlosskuppel gekrönt werden soll.
Der Vorschlag des Intendan­tentrios sieht vor, eine Installation des norwegischen Künstlers Lars Ø. Ramberg zu reaktivieren, die bereits 2005 einen Rest des damaligen Palasts der Republik bekrönte. Der acht Meter hohe und 40 Meter lange Schriftzug „ZWEIFEL“ aus neonfarbenen Lettern richtete sich damals gegen ein undemokratisches System. Jetzt soll er Zweifel am Kreuz und damit am Christentum ausdrücken.
Nachdem die Stiftung Humboldt-Forum bekannt gegeben hatte, dass nach genügend Spendeneingängen die Kuppel des Schlosses samt Laterne und silbernem Kreuz vollständig rekonstruiert werden kann, kam Kritik von links. Allen voran Berlins Kultursenator Klaus Lederer rief zum „Verzicht auf das Kreuz“ auf:   „Emanzipieren wir uns von einer auferlegten Verengung der Sicht auf unsere Herkunft, unsere Wurzeln, unsere Kultur“ und beharre man nicht „auf Eigenheiten“.
Da der Haushaltsausschuss des Bundestages 2011 die Wiederrichtung des Kreuzes mit vorsah und andere Religionsgemeinschaften keine Einwände sehen, sprechen sich auch die drei Intendanten für das Kreuz aus. „Das Kuppelkreuz ist zweifelsohne mehr als nur bauhistorisch relevant für die Schlosskonstruktion, und es ist mehr als ein Hauptsinnzeichen des Christentums“, schrieben sie in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Man solle, so heißt es weiter, „verfängliche Denkmäler mit problematischer Aussage“ nicht abreißen und damit vergessen lassen, sondern kommentierend ergänzen.
Als „kommentierende Ergänzung“ schlagen sie auf der Ostseite des Daches des Humboldtforums nicht nur den Schriftzug „Zweifel“ vor, sondern vor dem Schloss auch die Aufstellung einer Nachbildung des buddhistisches Sanchi-Tors aus den Dahlemer Sammlungen, das als „südasiatische Antwort auf das frühklassizistische Brandenburger Tor“ fungieren könne. Geht es so weiter, droht das rekonstruierte klassizistische Berliner Schloss damit für beliebige politische Antworten für alles Mögliche herhalten zu müssen.    Harald Tews


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Kommentare

Arnold Schacht:
18.06.2017, 19:36 Uhr

Ich habe mehr als nur Zweifel am Christentum. Es ist halt nur ein Glauben und damit nicht beweisbar. Trotzdem ist es so, dass wir in einem Land mit christlicher Tradition und Geschichte leben und deswegen sollte man das Kreuz nicht relativieren. Wie wäre es, wenn der Senator einen entsprechenden Aufruf auch an die Moslems richten würde? Die sollten auch nicht so starr an ihrem Glauben und ihren Traditionen festhalten. Als Relativierung schlage ich vor, vor jeder Moschee ein Symbol eines anderen Glaubens aufzustellen - inklusive dem Judenstern. Wetten, dass der sich das nicht traut. Also sollte er auch hier still sein.


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