Pekings Griff nach der Weltmacht

Mit ihrer Finanzkraft versucht China, die USA ohne einen beide zerstörenden großen Krieg abzulösen

16.08.18
Statt Dollar- nun Yuan-Imperialismus:Zwei Chinesen testen die von Firmen ihres Landes erbaute erste moderne elektrifizierte Bahnverbindung zwischen Addis Abeba und Dschibuti Bild: action press

Der Handelskrieg zwischen den USA und China ist nicht die einzige Arena, in der die beiden Mächte gegeneinander antreten. Im Hintergrund entwickelt sich ein anderer Wettbewerb, der nicht minder folgenschwer sein wird. Es geht um die militärische Stärke und darum, wer von beiden den anderen im Bereich der Militärtechnologie übertreffen kann.

Anfang dieses Monats hat die Volksrepublik China nach einer Mitteilung der Chinesischen Akademie für Flug- und Weltraum-Aerodynamik ein nicht näher beschriebenes Fluggerät mit der Bezeichnung „Xingkong-2“ getestet. Der Flug habe zehn Minuten gedauert, es seien in einer Höhe von 30 Kilometern Flugmanöver durchgeführt worden, und anschließend sei der Apparat wie geplant gelandet.
Über die erreichte Geschwindigkeit wurde nichts bekannt, doch habe sie im Hyperschall-Bereich gelegen. Damit bezeichnen die Militärs den Bereich über fünffacher Schallgeschwindigkeit. Bedeutend an diesem Testflug der Chinesen ist, dass sie damit auf diesem Gebiete die USA zumindest eingeholt, wenn nicht gar überholt haben. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Hyperschall-Waffen ist, dass vor ihnen kein derzeitiges Abwehrsystem zu schützen vermag.
Dieses Hyperschall-Manöver fügt sich perfekt in die aktuelle Militärreform Pekings, von der die japanische Nachrichten-Agentur Kyodo News unter Berufung auf den Zentralen Militärrat Chinas berichtet. Vor kaum einem Jahr hatte das Land seine bisherige Strategie geändert, die an den Seegrenzen nur eine Küstenverteidigung vorgesehen hatte, und Ausgriffe über die 200-Meilen-Grenze in die Planung mit einbezogen. Nun sieht die strategische Planung die Ausweitung der eigenen Militärpräsenz darüber hinaus vor. Die Ziele sind im Weißbuch vorgegeben: die Vorherrschaft auf den Weltmeeren, die Handlungsfreiheit im Weltraum, die Entwicklung der nuklearen Waffen und die Vorherrschaft im Cyberraum.
Zum ersten Mal werden zudem die USA und Japan als Länder benannt, welche die strategische Lage der Volksrepublik China destabilisieren könnten und deren Vorgehensweise einen Konflikt hervorrufen könnte. Hier gelte eine „Strategie der aktiven Verteidigung“. Diese wird mit einer einfachen Maxime erklärt: „China wird nie als erster angreifen, aber im Falle eines Angriffs auf sein Territorium einen Gegenschlag führen.“
Damit sind die USA doppelt angesprochen. Zum einen ist für Washington mit der Absicht Chinas, sich zum Herrscher über die Weltmeere aufzuschwingen, die Axt am Selbstverständnis der USA seit der Zeit des Unabhängigkeitskrieges angelegt. Die USA haben sich immer vorrangig als Seemacht verstanden. Deshalb wird sie hier keine andere Macht neben sich dulden.
Zum anderen zählt China zu dem in seiner neuen Doktrin vorkommenden „eigenen Territorium“ auch die umstrittenen Inseln im Südchinesischen Meer, die schon wiederholt Anlass krisenhafter Entwicklungen waren. Gerade hier nämlich liebt es die US Navy, ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Gerade hier sieht aber auch China seinen Lebensnerv bedroht, weil das Land von Einfuhren abhängt, die in großem Umfang über das Südchinesische Meer kommen.
Diese Region, so wichtig sie auch ist, stellt jedoch nur noch einen Baustein in der umfassenden chinesischen Strategie dar, die „eine allumfassende Verteidigung der eigenen Sicherheit weltweit“ vorsieht. Die japanische nicht profit­orientierte Nachrichtenagentur Kyodoō Tsushinsha/Kyodo News zitiert aus einem angeblich dem internen Gebrauch vorbehaltenen Dokument der „Zentralen Militärkommission“ Chinas: „Mit der Erweiterung unserer nationalen Interessen außerhalb der Grenze brauchen wir dringend einen all­umfassenden Schutz unserer Sicherheit in der ganzen Welt.“
Das kleine Dschibuti in Ostafrika am arabischen Golf steht beispielhaft für diese chinesische Strategie. Hier unterhalten die USA, Deutschland, Frankreich, Italien und Japan je eine Militärbasis – und eben auch China. Im Unterschied zu den anderen Ländern hat China es verstanden, mit hohen Krediten an die Regierung und Planungen, die Infrastruktur des Landes großzügig zu entwickeln, sich zum wichtigsten Partner des Landes zu machen. Der US-amerikanische Glaube, eine weltweite starke militärische Präsenz beantworte alle Fragen, hat hier beispielhaft Schiffbruch erlitten. Die Zeit ist abzusehen, in der China die einzige ausländische Militärbasis im geostrategischen Leuchtturm Dschibuti besitzen wird.
US-Marineminister Richard V. Spencer wird in der Zeitschrift „Newsweek“ zitiert: „Wenn es um China geht, geht es um sein Scheck­buch. Es geht nicht nur um Dollar und Cents, die sie für die Förderung ihrer Militärexpansion und für technologische Entwick­lungen ausgeben, sondern auch darum, womit sie sich in der ganzen Welt befassen … Sie nutzen das Kapital als Waffe. Ihr offenes Scheckbuch lässt mich in der Nacht nicht schlafen.“
Chinas Strategie legt über die Verschiebung der Machtverhältnisse hinaus einen grundlegenden Fehler der US-Außenpolitik offen: Mit deren obsessiven Konfrontation Russland gegenüber gerät die weltpolitische Rolle Pekings fast in Vergessenheit, wenn man vom hellsichtigen Marineminister einmal absieht. Die Probleme, die für Washington durch China entstehen, lassen sich weder durch Sanktionen noch durch neue Militärbasen lösen. Chinas Strategen jedenfalls haben sich das Kunststück vorgenommen, die USA als erste Weltmacht abzulösen, ohne dass es darüber zu einem Krieg kommt, der beide Länder zerstören würde.    Florian Stumfall


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Kommentare

Michael Schwarz:
20.08.2018, 03:51 Uhr

Mit dem Scheckbuch bin ich mir nicht so sicher. Seit dem "reverse-engineering" Börseneinstieg von Chinas "Top-Unternehmen" in die Wall Street, weiss man in Insiderkreisen, dass deren Bilanzen restlos aufgebläht waren, Grund dafür ist, dass kein Chinese in China für Finanzvergehen gegenüber ausländischen Investoren rechtlich belangt werden kann. Man schätzt, dass bereits jetzt rund 30 bis 40 Billionen Dollar an Pension Funds in den USA durch Spekulation mit chinesischen "Global Players" "verloren gegangen" sind. Ich halte es doch immer für sehr illusionär, dass vorausgesetzt wird, dass eine jahrzehntelange Planwirtschaft sich innerhalb von wenigen Jahren und vorsichtiger Marktöffnung derart steil in Produktionsfähigkeit und Qualitätsmanagement behaupten kann - wer die DDR noch kannte, sollte stutzig werden. Die meisten chinesischen börsennotierten Unternehmen sind restlos überbewertet, oft handelt es sich um pure Shells, die nur 1 Zehntel oder weniger der bilanzvermerkten Einkünfte tatsächlich erwirtschaften. Die nächste grosse Blase platzt in diese Richtung. Insofern handelt es sich auch um einen finanzwirtschaftlichen us-amerikanisch-chinesischen Krieg, den die Chinesen bereits 8 bis 10 Jahre sehr erfolgreich führen. Der Senat im Weissen Haus tut wenig dagegen - wohl aus Grund, denn die Nutzniesser dieser "Investment-Tricks" sitzen nicht etwa nur in China, sondern auch in den USA und betrügen ihre eigenen Landsleute. Ich kann mich deshalb dem Artikel nur in Teilen anschliessen.


Annegret Kümpel:
16.08.2018, 22:08 Uhr

Sehr geehrter Herr Stumfall,
vielen Dank für Ihre aufklärenden Beiträge zum besseren Verständnis zu den aktuellen Ereignissen in der weiten Welt.
Zu Beginn eines Artikels sehe ich schon Ihre Handschrift. Klar, verständlich und kompromisslos.
Das erwarte ich von Journalismus mit Qualität, und Sie erfüllen meine Ansprüche.
Vielen Dank und weiter so!


James Ostenmoordorf:
16.08.2018, 14:00 Uhr

China ist unser stärkster Verbündeter

So ist es: „Die Probleme, die für Washington durch China entstehen, lassen sich weder durch Sanktionen noch durch neue Militärbasen lösen.“ China wird die USA nicht nur ablösen, sondern einsacken, ohne einen Schuss abzufeuern. Sobald das brüchige US-Dollarsystem zusammenbricht, ist auch Schluss mit der US-Militärmacht. Das weiß nicht nur der US-Marineminister. Die USA haben sich daher entschlossen, China zu vernichten, und den Krieg gegen China JETZT zu führen. Eben dafür wurde Trump eingesetzt. Russland ist Chinas Verbündeter, ausgetragen wird der Krieg auch in Europa. Wenn wir das begreifen und jetzt die Leiterwagen packen, haben wir zumindest Chancen, unser Land danach zügig wieder aufzubauen.
Anfang 1945 schickte die Regierung Boten, um den bereitstehenden Trecks den Abmarschbefehl zu überbringen, wie jeder Ost- und Westpreuße weiß. Das Merkelregime wird uns niemanden schicken.


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