Polemik gegen Humboldtforum

Gegner des Berliner Schlosses behaupten, dort solle »Raubkunst« ausgestellt werden

28.12.13
Noch kann man das Berliner Schloss nur als Miniatur bewundern, doch der Bau schreitet rasch voran: Modell in der „Humboldtbox“, dem Besucher­zentrum neben der Baustelle. Bild: caro

Die Gegner des Berliner Schlosses (künftig Humboldtforum) lassen nicht locker. Nun, da der Bau begonnen hat, attackieren sie das Nutzungskonzept mit durchschaubaren Parolen.

Berlins Humboldtforum im wiedererstehenden Schloss ist abermals Ziel linker Attacken. Der Bau werde vor allem „Raubkunst“ der Kolonialzeit zeigen, behauptet die Gruppe „No Humboldt 21“. Sie will sogar Namensgeber Alexander von Humboldt in Verruf bringen: An dessen Forschung in Lateinamerika sei „vor allem das spanische Königshaus und das auf Völkermord und Sklaverei basierende Kolonialregime vor Ort interessiert“ gewesen. Das Forum soll die Sammlung internationaler Kunst der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aufnehmen.
Eine groteske Verzerrungder Tatsachen: Der jüngere der beiden berühmten Humboldt-Brüder wird in Südamerika noch heute wie ein Heiliger verehrt. Dies ausgerechnet vor allem von den Nachfahren jener Ureinwohner, deren Kultur er wie keiner vor ihm erforscht und respektvoll gewürdigt hat. Die Kritik ließe sich also leicht als Polemik abtun, gäbe es nicht eine breite Sympathisantenfront in Politik, Medien und teils selbst unter Völkerkundlern.
In Echtzeit zeigen Internetkameras den enormen Baufortschritt an Berlins Schloss, dem einstigen Herz der Stadt und Zentrum preußischen Kultur- und Geisteslebens. Teile des Rohbaus sind zu erkennen, das Loch in der Mitte Berlins wird geschlossen. Die Nachricht erfüllt eine Mehrheit der Berliner mit Freude.
Zweifelhaft indes erscheint der Versuch von Organisationen, auf den Erfolg des Projekts aufzuspringen und diesem ihren Stempel aufzudrücken. Der Vorschlag der Stiftung Zukunft Berlin, einen Platz am Schloss nach Nelson Mandela zu benennen, gemeint ist der Platz davor, erntet politisch Zustimmung. Die Menschen sollten „über den Nelson-Mandela-Platz in das Humboldtforum gehen“, schwärmt Volker Hassemer, Vorstand der Stiftung. Ob diese Vorstellung mit dem Gedanken der Teilrekonstruktion des Schlosses vereinbar ist, bleibt nebensächlich.
Die Forderung von „No Humboldt 21“ hingegen ist eindeutig destruktiver Natur: „Wir fordern die Aussetzung der Arbeit am Humboldtforum im Berliner Schloss und eine breite öffentliche Debatte: Das vorliegende Konzept verletzt die Würde und die Eigentumsrechte von Menschen in allen Teilen der Welt, ist eurozentrisch und restaurativ“, poltert die Gruppe. Kaum ist politisch ausgemacht, dass der Bau des Schlosses nicht mehr gestoppt wird, versuchen die Gegner nun, das Gesamtkonzept von Kunst und Schloss über Inhalte zu Fall zu bringen.
Dem Vorwurf „Raubkunst“ lässt sich entgegnen, dass die neuen Räume tatsächlich die Chance bieten, bisher in den Magazinen Berliner Museen Verstecktes, oft seit dem Krieg nicht mehr Gezeigtes Menschen zugänglich zu machen. Was könnte ein sinnvollerer Ort sein als ein international berühmtes Museum? Dies trifft vor allem auf die ethnologischen Sammlungen in Dahlem zu, die mitunter die einzigen verbliebenen Zeugnisse ganzer Völker darstellen. Wenn Nachfahren dieser Völker nach Berlin pilgern wie jüngst, um sich von Ethnologen alte Tonaufnahmen oder Stammesmasken vorführen zu lassen und dabei selbst keine   „Rückgabe“ fordern, sondern froh über dieses einmalige Archiv sind, scheint der Vorwurf von „No Humboldt 21“ anmaßend.
Der Fall des Münchener Kunstsammlers Cornelius Gurlitt hat zudem gezeigt, wie schnell Politik und Medien bereit sind, selbst rechtmäßiges Eigentum mit dem Stempel „Raubkunst“ zu versehen. „No Humboldt 21“ will viele Objekte, die das Schloss beherbergen soll, den „ursprünglichen Eigentümern“ zurückgeben. Belastbare Indizien dafür, dass diese „geraubt“ sein könnten, bleibt „Humboldt 21“ weitgehend schuldig. So zeigt die Gruppe einen „Königsstuhl der Wanyamwezi aus dem ehemaligen Deutsch-Ostafrika“ mit dem Hinweis, der deutsche „Kolonialoffizier“ Werner Grawert (1867–1918) habe den Thron dem Völkerkundemuseum Berlin übergeben. „Grawert war an zahlreichen Kriegszügen beteiligt“ reicht für die Unterstellung „Raub“.
Dabei schenkte König Njoya von Bamum Kaiser Wilhelm II. einen Thron, wie die Kritiker selbst schreiben, aber das sei erzwungen gewesen, und der deutsche Kaiser habe nur sein Porträt zurückgeschenkt. Keine Begegnung auf Augenhöhe heißt also Unrecht. Die auf Afrika zentrierten Vorwürfe zielen darauf ab, letztlich jedem Museumsgegenstand einen eindeutig legalen (nach heutigem Maßstab!) Besitzerwechsel nachzuweisen oder das Objekt wegzugeben.
An wen das heute sein kann und soll, bleibt offen. Heutige afrikanische Staaten existierten früher noch nicht, und so bleiben konkrete Rückgabeforderungen aus. Berlins Senat habe bei einem Großteil der Bestände die Frage Raubkunst nicht prüfen lassen, behauptet „No Humboldt 21“ und hält mit einer „Anti-Humboldt-Box“ die Polemik wach. So ein Verfahren ist indes angesichts der Überlieferungssituation in allen Museen der Welt für das 19. Jahrhundert und erst recht für frühere Zeiten faktisch unmöglich. „Neues Deutschland“, „Tagesspiegel“ (unter der Überschrift „Showroom für Raubkunst“) und andere Medien greifen die Forderung dennoch eifernd auf. Dass Archäologen und Ethnologen Vergängliches bewahrten, wird ihnen kaum angerechnet, und auch dass die Preußenstiftung jüngst Alexander von Humboldts Amerikatagebücher erworben hat, ganz legal, geht angesichts der Polemik fast unter.  Sverre Gutschmidt


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Kommentare

W. Scholz:
5.01.2014, 20:42 Uhr

An ihren Taten werdet ihr sie erkennenn, hat vor 2000 Jahren einer gesagt. Und No-Humboldt zeigt doch wessen Geistes Kind diese sind. Wie die Schmieranden von Harris-do-it-again sind das vom Ausland gesteuerte Lakaien. Versorgt mit einer guten Hirnwäsche und einem veritablen Deutschenhaß tun sie die Werke IHRES Vaters. Über die Unterstützung solcher Haßprediger aus der grünen und linken Ecke muß man sich nicht wundern.
Etwas gänzlich anderes ist das ganze Konzept. Was soll es eine Schloßfassade zu bauen - aber angesichts de Nullinger Architekten ist wohl nichts anderes übriggeblieben soll der Besucher nicht von vornherein in die Flucht geschlagen werden. Wozu studieren Architekten so lange und müssen dann noch Statiker, Akustiker, Baufachleute, Innenarchitekten etc., etc. beschäftigen das ist mir persönlich schleierhaft. Eine Ausbildung in 'Uni Legoland' tuts doch auch. Ein George Bär hat die Frauenkirche geplant, Bauüberwacht eingerichtet und das alles ordentlich wie es sich gehört und Allein. Welcher heutige Architekt könnte das noch? (von Colani mal abgesehen - aber der arbeitet auch nicht mehr in Dt.)
Angesichts des mehr oder weniger großen Deutschenhasses (durch erfolgreiche Propaganda) und der offensichtlichen Idiotie der Führenden mache ich z.B. Urlaub nur noch Hier, denn warum soll ich mein gutes Geld hinaustragen wenn ich heimische Kleingewerbler unterstützen kann. Ein Beispiel für Idiotie gefällig: Das Institut der dt. Wirtschaft hat errechnet, daß von 2006-12 die Banken mit (US)Schrottpapieren 600 Mrd. deutsche € verbrannt haben. Und jede dt. Firma die in China produziert, glaubt das ihre Produkte nicht kopiert werden weil die Chinesen doch so freundlich zu ihnen sind.
Es wird allerhöchste Zeit das der dt. Michel mal aufwacht denn in wenigen Jahren braucht er es nicht mehr weil er dann ausgeplündert ist. Dann wird es zu spät sein. Aber die Chancen stehen miserabel. Vor wenigen Jahren hat verdi zum Warnstreik aufgerufen und 2-3000 sind gekommen. Kurz darauf hat Wolfsburg den Meistertitel geholt und über 170000 sind gekommen. Es geht also noch einiges beim plündern - es tut noch nicht weh genug.


Klaus Borgolte:
31.12.2013, 00:32 Uhr

Ich glaub' es nicht, es gibt in Berlin - ist doch in Deutschland oder ? - eine No-Humboldt-Bewegung. Wenn die sich doch wenigstens Nein-Humboldt nennen würden. Ernsthaft, wie tief sinken wir Deutsche noch?

Dann haben diese Linken noch die Idee mit einem Mandela-Platz. Kennen diese Typen eigenlich, was hinter der ganzen Mandela-Sage steckt. Das Mandela-Ehepaar wurde von den Kommunisten erfunden und geschickt eingefädelt. Winnie mußte man aufgeben. Die warb für brennende Reifen um den Hals des politischen Gegners. War nach der Erringung der Freiheit schlecht für die Öffentlichkeitsarbeit.

Mandela selbst hatte ständig die linke Faust erhoben. Bis 14 Tage vor seiner persönlichen Freiheit meinte er noch, die gesamte Industrie u.s.w. zu verstaatlichen. O-Ton des freien Mandela: Wir haben nie gesagt, alles zu verstaatlichen. Nicht lange nach der "Freiheit" begann der ANC unter Mandela mit der Privatisierung von Staatsfirmen und der Reserve Bank.
Statt Religion hat man jetzt den Mandela mit Heiligenschein. Vor Pretoria steht jetzt eine 9- m-Statue mit weit geöffneten Armen.
Hier in Südafrika wird der Mann wie ein globaler Heiliger verehrt. Das hilft natürlich dem Selbstbewusstsein der von den Weissen unterdrückten Schwarzen.

Um die Masse der armen Schwarzen kümmert sich der ANC weitaus weniger als die abgeschaffte weisse Regierung.

Die Heuchelei der prominenten Redner bei den vergangenen Mandela-Feierlichkeiten ist ohrenbetäubend.

Nachdenkliche Stimmen gibt es derzeitig nicht.


Andreas Müller:
28.12.2013, 12:22 Uhr

Diese Linken Spinner kann man nicht ernst nehmen, so verblendet in ihren Hass auf alles was Deutsch ist. ihmo. einfach krank.

Den Aufbau des Schlosses würde ich aus anderen Blickwinkel ablehnen.
WOZU ein Neuer Bau???
Berlin hat weiß Gott reichlich prominente Bauten, wo ein entsprechendes Museum eingerichtet werden könnte. Und im nahen Umland schlummert so manch altes Schätzchen und Kleinod vor sich hin.
Darüber hinaus noch ein Museum???
Berlin hat mit Sicherheit mit Abstand die größte Museendichte deutschlandweit und "arm und unsexy" extrem Schulden belastet.
Warum da noch noch mehr Miese drauf satteln???
Ich glaub wir haben im Augenblick wichtigere Dinge zu regeln, als noch einen pompösen MRD. Bau im märkischen Sand zu setzen.
Das würde JEDER deutsche Steuerzahler ziemlich begrüßen und völlig unpolitisch sehen.


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