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		<title>Preußische Allgemeine Zeitung</title>
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	<description>Hier finden Sie Meldungen und Artikel der Preußischen Allgemeinen Zeitung.</description><language>de</language><image>
		<title>Preußische Allgemeine Zeitung</title>
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	<title>Die Uhr tickt</title>
	<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/die-uhr-tickt.html</link>
<description>US-Regierung stimmt das Land auf einen Militärschlag gegen den Iran ein</description><content:encoded><![CDATA[
	<p class="bodytext">Militärisch eingekreist und politisch isoliert, hat der Iran kaum eine Chance, als Sieger aus dem Konflikt um sein Atomprogramm hervorzugehen. Trotz aller Bekundungen, die Angelegenheit friedlich lösen zu wollen, bereitet Washington die Welt auf eine militärische Auseinandersetzung vor. Teil des Szenarios könnte ein gemeinsamer israelisch-amerikanischer Luftangriff sein.</p>
	<p class="bodytext">Israel werde den Iran „in zwei oder vier Monaten“ angreifen, erklärte US-Verteidigungsminister Leon Panetta Anfang des Monats. Nun ziehen seine eigenen Sicherheitsexperten die Angriffsfähigkeit seines Verbündeten plötzlich öffentlich in Zweifel. Das Abwägen der eigenen Möglichkeiten ist Bestandteil einer jeden militärischen Planung. Es stellt sich jedoch die Frage, warum das US-Militär so laut über die vermeintliche militärische Schwäche Israels spricht. Sicherheitskreise vermuten eine gezielte Kampagne der Regierung, um die US-Bevölkerung auf eine Beteiligung an einer Militäraktion gegen den Iran einzustimmen. Kommt es zu einem militärischen Schlagabtauch, wäre die Begründung für einen Kriegseintritt der USA an der Seite Israels die, dass man den nicht ausreichend starken Verbündeten in seinem Kampf gegen das aggressive Mullah-Regime nicht allein lassen dürfe.<br />Unterdessen verstärken die USA weiter ihre Militärpräsenz in der Region. Rätselhaft erscheint in diesem Zusammenhang die für März angekündigte Entsendung des Flugzeugträgers „USS Enterprise“ in den Persischen Golf. Laut Pentagon soll die Fahrt des längsten Kriegsschiffes der Welt durch die Straße von Hormus „eine direkte Botschaft an Teheran“ sein. Der 51 Jahre alte Träger gilt jedoch als veraltet und soll nach diesem Einsatz außer Dienst gestellt und verschrottet werden. Militärexperten haben eine Erklärung dafür, warum die US-Marine ausgerechnet dieses antiquierte Militärgerät mit der Mission betraut: Sie halten es für nicht ausgeschlossen, dass die „USS Enterprise“ für eine provozierte oder gar fingierte Attacke auf die US-Marine herhalten soll. Hierzu verweisen sie auf zwei historische Beispiele: die Explosion des Schlachtschiffes „Maine“ im Hafen von Havanna im Jahre 1898 und den angeblichen Angriff nordvietnamesischer Schnellboote auf ein US-Kriegsschiff im Golf von Tonkin 1964. Beide Vorfälle dienten den USA seinerzeit als Vorwand für einen Krieg.<br />Eine ähnliche Rolle könnte heute der „USS Enterprise“ zufallen. Obwohl sich die iranischen Seestreitkräfte nicht einmal ansatzweise mit ihr messen können, warnt die US-Marine vor einem iranischen Angriff und bereitet die Welt so psychologisch auf einen Krieg vor. In einer solchen Lage reicht eine „verirrte“ Rakete, ein Torpedo „aus dem Nichts“ oder eine mysteriöse Explosion an Bord als Vorwand zum Losschlagen. In jedem Fall wäre der Verlust des schwimmenden Oldtimers einer, der die US-Marine kaum schwächen würde. Mit den beiden anderen Flugzeugträgern, die sich in der Golfregion befinden, wäre sie immer noch stark genug, einen massiven Vergeltungsschlag zu führen.&nbsp;Jan Heitmann</p>
	]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 11:11:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Feenfreud und Feenleid</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/feenfreud-und-feenleid.html</link>
<description></description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Es war einmal ein kleiner W.,<br />entrückt von einer blonden Fee<br />aus seinem Häuschen, schlichten,<br />in ein gewaltig großes Schloss –<br />und wie ihr ahnen könnt, verdross<br />den Guten das mitnichten.</p>
<p class="bodytext">Was Wunder, kam’s dem Mann ab dann<br />auf schöne fromme Rede an,<br />der Fee zum Wohlgefallen –<br />doch so wie allen recht getan,<br />ist’s eben auch ein leerer Wahn,<br />es recht zu reden allen.</p>
<p class="bodytext">Das wies sich klar, als er befand,<br />was mittlerweile zu dem Land<br />gehöre sozusagen:<br />Nicht an Gebiet – das ist vorbei –<br />vielmehr an buntem Allerlei,<br />von fern herbeigetragen!</p>
<p class="bodytext">Da staunte man im Volke sehr,<br />zumal erst kurze Zeit vorher<br />die Fee, die hochverehrte,<br />den lang gehegten Mummenschanz<br />ums Vielgevölk als voll und ganz<br />gescheitert doch erklärte!</p>
<p class="bodytext">Gleichwohl hat sie den W. gestützt –<br />nur hat’s ihm letztlich nichts genützt<br />und manche gar erheitert:<br />Er ist ja an Vergangenheit<br />und noch dazu, was nicht gescheit,<br />der eigenen gescheitert!</p>
<p class="bodytext">Ein Pech war, dass beim Folgeschritt<br />der Feenstab ihr glatt entglitt,<br />und sie stand stumm daneben,<br />denn leise durch die Hintertür<br />entschieden andre flugs die Kür –<br />so ist’s im wahren Leben ...</p>
<p class="bodytext">&nbsp;</p>
]]></content:encoded><category>Politik (ohne Bild)</category>
<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 11:03:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Demokratie in Gefahr?</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/demokratie-in-gefahr.html</link>
<description>US-Wahlkampf: Erstmals können Millionäre unbegrenzt anonym ihren Kandidaten finanziell unterstützten</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Die Macht des Geldes beginnt in gefährlicher Weise die US-Politik zu beeinflussen. Ein neues Phänomen breitet sich aus: die Political Action Committees, die sogenannten Super-Pacs. Hierbei handelt es sich um unabhängige Lobby-Organisationen, die unbegrenzte Spenden aus der Wirtschaft empfangen und für politische Zwecke, sprich Kandidaten, die ihre Interessen vertreten, nach Belieben einsetzen können. </p>
<p class="bodytext">Als 2010 der Oberste Gerichtshof der USA in einer umstrittenen Entscheidung – „Citizens United v. Federal Election Commission“ genannt – das bis dahin existierende politische Spendenlimit für Unternehmen und Verbände aufhob, sind die Super-Pacs wie Pilze aus dem Boden geschossen. „Die Super-Pacs haben den Zeitgeist erobert“, verkündete vor kurzem die „L.A. Times“. „Sie sind in die politische Diskussion geraten.“ <br />Die wichtigsten Super-Pacs haben steuerfreie Non-Profit-Unterorganisationen, die ihre Spender nicht zu nennen brauchen. Die Supreme-Court-Entscheidung fiel fünf zu vier als Sieg der republikanisch gesinnten Richter. Und so ist es keine Überraschung, dass in diesem dramatischen Wahljahr, in dem es für die Republikaner darum geht, das Weiße Haus und den Kongress zurückzuerobern, Riesensummen in die Super-Pacs der konservativen Kandidaten fließen. Einzige Bedingung: Das Geld darf nur an die Organisationen gehen, nicht an die Kandidaten und ihre Wahlkampagnen. Doch das ist gehupft wie gesprungen, denn die Pacs sind alle unterwandert von ehemaligen Wahlhelfern und Verbündeten. <br />So gelang es Mitt Romney mit Hilfe seiner „Restore Our Future“ Super-Pac, seinen Gegenspieler Newt Gingrich in Iowa zu vernichten. Gingrich startete mit 33 Prozent in den Umfragen und endete abgeschlagen mit 13 Prozent nach einer Dauerberieselung von teuren negativen Rundfunk- und Fernseh-Attacken. Davon bestritt die Romney-Kampagne selber 1,3 Millionen Dollar, die offiziell unabhängige superreiche „Restore Our Future“ („Unsere Zukunft zurückerobern“) über das Doppelte, 2,8 Millionen. Nach diesem Schock nahm Gingrich Rache mit einer flugs ins Leben gerufenen eigenen Super-Pac namens „Winning Our Future“ („Unsere Zukunft gewinnen“). Und gewann South Carolina. Vor allem dank des Las-Vegas-Casino-Tycoons Sheldon Adelman, der bisher elf Millionen Dollar in „Winning Our Future“ gesteckt hat. Ein anderer Großspender aus dem Milliardärs-Club, Texas-Unternehmer Harold Simmons, investierte im vergangenen Jahr mit seinem Unternehmen Contras über acht Millionen in Super-Pacs. Eine Million davon ging an seinen Freund, Governeur Rick Perry. Der Rest ging an den mächtigsten Super-Pac „American Crossroads“, der gleich nach dem Gerichtsurteil von dem engen Berater von Ex-Präsident George W. Bush und einflussreichen Washington-Insider Karl Rove gegründet wurde und unter anderem die Tea-Party finanziert. <br />Nichts ist zu teuer, um Obama abzulösen: „American Crossroads“ plant, in diesem Wahljahr 240 Millionen Dollar im Kampf gegen den Präsidenten und weitere demokratische Amtsinhaber zu investieren, die konservative US-Handelskammer übernimmt 50 Millionen. Man rechnet insgesamt mit Wahlkampfkosten von sage und schreibe sechs bis sieben Milliarden Dollar. Angesichts der Krise, in der sich die USA befinden, eine unglaubliche Geldverschwendung.<br />Obama gehört, wie andere führende Demokraten, zu den scharfen Kritikern der Pac-Entscheidung. In seiner „State of the Union“-Rede 2010 warnte er vor „einer Flut von unreguliertem Big-Business-Geld in die Politik“. Der Präsident bevorzugt es, Spenden für seine Wiederwahl sowie die Partei direkt und transparent über Veranstaltungen einzunehmen (bisher 220 Millionen). Dennoch hat sich ohne sein Zutun im vergangenen Jahr für seine Wiederwahl ebenfalls der Super-Pac „Priorities USA Action“ gebildet. Nach langem Zögern und auf heftiges Drängen seiner Wahlhelfer gab Obama letzte Woche seine Billigung bekannt, sofern die Spender genannt werden. „Endlich“, jubelte Hollywood-Spenden-Koordinator Andy Spahn angesichts des tsunamihaft ansteigenden Geldregens in die Kassen. <br />Die Super-Pacs auf demokratischer Seite spielen nicht die gleiche Rolle wie bei den Republikanern. Die Millionäre und Milliardäre wählen und investieren fast alle rechts. Auch sehen die Demokraten, überwiegend von den Gewerkschaften unterstützt, im Wahl-Einfluss Superreicher mit Ehrgeiz und persönlichem Interesse eine Gefährdung der Demokratie. <br />Dies befürchtete selbst der reformfreudige Präsident Theodore Roosevelt, Republikaner, als er in seiner zweiten Amtszeit vor der Möglichkeit warnte, dass sich „Bösewichte mit großem Wohlstand“ in die Regierungspolitik einkaufen könnten. Er unterzeichnete 1907 ein Gesetz, das Unternehmen Spenden an politische Kandidaten verbot. Dieses wurde in späteren Regierungen noch verschärft – bis es jetzt durch den Obersten Gerichtshof sein Ende fand. &nbsp;Liselotte Millauer</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Auf der Basis von vorgestern</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/auf-der-basis-von-vorgestern.html</link>
<description>Ob Montessori, Steiner oder Lietz: Reformpädagogik bedarf zeitgemäßer Analyse</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Es wird höchste Zeit für eine kritische Betrachtung der Reformpädagogik. Lange genug waren ihre Historie und ihre Visionen unreflektiert hingenommen, ja heiliggesprochen worden. Es gilt zudem die Legende, dass alles, was an Neuerungen in der Pädagogik implementiert wurde, von der Reformpädagogik mit ihrem Einheitsschulgedanken und mit ihrem Ziel ganzheitlicher, ja totaler Erziehung ausgegangen sei. </p>
<p class="bodytext">Die zwischen 1900 und 1920 als Gegenbild zur staatlichen Buch- und Lernschule inszenierte Reformpädagogik ist selbst der Anachronismus, als dessen Überwindung sie sich ausgibt. Schließlich leitet sich Reformpädagogik immer noch von Defizitbeschreibungen der Bildung des ausgehenden 19. Jahrhunderts her – Beschreibungen, die damals teilweise gelten mochten, nicht aber für das 21. Jahrhundert gelten können. <br />Gleichwohl gibt es „die“ Reformpädagogik schlechthin nicht. Es gehören zu ihr unter anderem: Maria Montessori mit ihrer Casa dei bambini; Rudolf Steiner mit seiner Waldorfschule; Peter Petersen mit seiner Jenaplan-Schule; Hermann Lietz mit seiner Landerziehungsheim-Bewegung beziehungsweise deren Sezessionen, etwa der Odenwaldschule; Célestin Freinet mit der Freiarbeit. Die Reformpädagogik bietet damit und mit anderen Varianten ein vielfältiges Bild, das von völkisch bis sozialistisch, von individualistisch bis kollektivistisch, von metaphysisch bis rationalistisch reicht. Vor allem aber tritt Reformpädagogik nicht selten dogmatisch auf. Man beachte hierzu den Untertitel des 2005 in 4. Auflage erschienenen Standardwerks des in Zürich lehrenden Erziehungswissenschaftlers Jürgen Oelkers: „Reformpädgogik. Eine kritische Dogmengeschichte“. Oelkers nennt reformpädagogische Aussagen „Dogmen“, „weil sie in ihrer erzieherischen Inszenierung kritikfest kommuniziert werden“.<br />Die Verirrungen reformpädagogischer „Meister“ – nicht selten übrigens studierter, später abgefallener Theologen – wurden bis heute kaum aufgearbeitet. Gerne aber waren Reformpädagogen – gelinde ausgedrückt – politische Opportunisten: Peter Petersen war bekannt wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus; Maria Montessori, vorübergehend Ehrenmitglied der Faschisten, hatte die Nähe zu Mussolini gesucht; Hermann Lietz äußerte sich 1919 in seiner Schrift „Des Vaterlandes Not und Hoffnung“ antisemitisch. Trotzdem vermochten diese Schulgründer über ihren Tod hinaus selbst in einem Land, dessen Staatsräson der Antifaschismus zu sein scheint, gläubige Gemeinden zu formieren. Der Grund für diese Wirkung ist wohl ihr Credo einer „Erziehung vom Kinde“ aus. Das Kind wurde zum Heiligtum befördert; erwachsene Ansprüche galten als Teufelszeug. <br />Berufen konnte sich die Reformpädagogik auf die Schwedin Ellen Key, die 1900 das Jahrhundert des Kindes ausgerufen hatte. Vergessen freilich schien damals schon Keys „neue Ethik“ auf rassenhygienischer Grundlage sowie ihr Werben für ein entsprechendes Paarungsverhalten. Und noch weiter zurückgreifend, rekurrierten die Reformer auf Jean-Jacques Rousseau mit seiner quasi-religiösen Verklärung der Natur und seiner Proklamation des „edlen Wilden“, der durch die Kultur, zum Beispiel durch Bücher, verbildet werde. Damit war der Grundstein gelegt für anti-autoritäre Erziehung. Hiermit sowie mit Rückgriff auf Platons „pädagogischen Eros“ war die Basis geschaffen für eine Entgrenzung des Verhältnisses zwischen Pädagogen und Zöglingen, die sich etwa in Landerziehungsheimen bald duzten, für die Nacktbaden und Nacktgymnastik Alltag wurden und die unter einem Odenwald-Schulleiter in den 80er und 90er Jahren nicht nur Duschorgien feierten. Eine Art pädagogisches Inzesttabu gab es oft nicht mehr, die Übergänge zur Pädosexualität wurden fließend. Sorgende Liebe (Agape) wurde einem zweifelhaften Verständnis von pädagogischem Eros geopfert. Die Reformpädagogik hat damit, wie das Beispiel der Odenwaldschule zeigt, ihren GAU erlebt.&nbsp;Josef Kraus</p>
<p class="bodytext">Der Autor ist Oberstudiendirektor an einem Gymnasium in Bayern, Diplom-Psychologe und ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Ende 2013 wird es den Euro noch geben</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/ende-2013-wird-es-den-euro-noch-geben.html</link>
<description>Hans-Dietrich Genscher im PAZ-Interview über die Wiedervereinigung, die Arbeit als Politiker und den Euro</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Der FDP-Politiker und ehemalige Außenminister hat über zwei Jahrzehnte die deutsche Politik geprägt. Trotz Krisen und Veränderungen hält er an seinen Idealen fest. Im Gespräch mit dem PAZ-Mitarbeiter Jean-Paul Picaper spricht er über die Herausforderungen der Gegenwart und der Vergangenheit für die Politik. </p>
<p class="bodytext">PAZ: Herr Genscher, Sie wurden 1927 geboren und Sie haben den Krieg und die Nachkriegszeit erlebt. Das war die Zeit Churchills und De Gaulles, später die Zeit von Ernst Reuter, Theodor Heuss, Konrad Adenauer. Alle waren sie Politiker mit Bedeutung. Gibt es heute noch in der Politik große Persönlichkeiten oder ist diese Spezies ausgestorben? <br />Genscher: Ich glaube, dass jede Zeit ihre Persönlichkeiten hat und dass das Urteil der Geschichte anders ausfällt als das Urteil der Zeitzeugen. Das gilt auch für die heutige Generation, die, nehme ich Deutschland, drei Aufgaben gleichzeitig zu leisten hat. Einmal Deutschland innerlich zusammenzuführen. Zwei Teile mit höchst unterschiedlichen Entwicklungen dazu zu bringen, dass Unterschiede überwunden werden. Zweitens geht es darum, dass Europa seine Erweiterung meistert, und seine Währung auf die Zukunft einstellt. Drittens geht es darum, dass Europäer bei der Schaffung einer neuen Weltordnung gestaltend mitwirken. Zum Handeln also auf drei verschiedenen Ebenen sind wir heute herausgefordert. Wenn ich diese Herausforderung sehe, muss ich sagen, dass es eigentlich beachtliche Persönlichkeiten überall in Europa gibt. </p>
<p class="bodytext">PAZ: Laut Umfragen sind die Politiker heute nicht mehr populär, aber man erwartet von ihnen trotzdem alles. Wie reimt sich das zusammen?<br />Genscher: Ich weiß nicht, ob es früher anders war, aber das Ansehen der Politiker war nie besonders hoch. Als Politiker empfinde ich das natürlich als ungerecht, weil ich weiß, wie schwer es ist, sich als solcher in der modernen Mediengesellschaft zu bewähren. <br />PAZ: Sie haben Einfluss gehabt, auch als Deutscher. Wie ist es Ihnen gelungen, ausländische Partner wie François Mitterrand umzustimmen, damit sie so etwas Wichtiges wie die deutsche Einheit mittragen?<br />Genscher: Es ist so, dass deutsche Außenpolitik insgesamt nach dem Kriege darauf bedacht war, neues Vertrauen zu schaffen. Nach dem, was gewesen war, war es das Dringendste, eine Politik der Vertrauensbildung zu betreiben. Ich habe Wert darauf gelegt, eine Unterstützung für meine Außenpolitik über die Mehrheit einer Region hinaus zu erreichen. Es war für unsere Nachbarn wichtig zu wissen, dass die Grundelemente unserer deutschen Außenpolitik, also Europäische Einigung, westliches Bündnis, Bemühen um einen Ausgleich mit dem Osten, dass diese grundlegenden Elemente unabhängig von Regierungswechseln im Kern jedenfalls Allgemeingut der demokratischen Parteien ist. Man konnte in Einzelfragen unterschiedlicher Meinung sein, wichtig war aber, dass wir Vertrauen schaffen konnten.</p>
<p class="bodytext">PAZ: Was hat Michail Gorbatschow dazu bewegt, der Wiedervereinigung Deutschlands zuzustimmen? <br />Genscher: Gorbatschow hatte erkannt, dass das Festhalten an der Teilung Deutschlands eine widernatürliche Politik war. Er begriff, glaube ich, dass diese Teilung auf Dauer nicht aufrechterhalten werden konnte. Er hatte den Kern des Mauerbaus richtig erkannt, dass nur gewaltsam die Teilung weiter bestehen konnte. Das erschien ihm widersprüchlich. Insofern bin ich nicht der Meinung, dass es überwiegend ökonomische Interessen Moskaus gewesen seien, die ihn dazu antrieben. Das war schon die Einsicht in die historische Entwicklung, die danach strebte, dass Europa zusammenwächst. Diese Teilung Deutschlands war nicht allein die Teilung unseres Landes. Sie war eine Teilung des ganzen Kontinents. Die Identität der Teilung Deutschlands, Europas und, manchmal möchte man sagen, der Welt zeigte, dass es nicht ein deutsches Problem allein war. Das hatte er verstanden. </p>
<p class="bodytext">PAZ: Die Weltlage wie die Lage in Europa ist heute anders geworden. Viele Politiker sagen, dass es heute schwieriger als damals im Kalten Krieg sei, Politik zu machen. Stimmt das? <br />Genscher: Die Probleme sind andere. Das ist wahr. Aber die Überwindung der Vorbehalte unserer Nachbarn gegenüber den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg; die internationale Lage von damals; die deutsche Teilung; die Lage von West-Berlin, sollen das keine Probleme gewesen sein? Ich bitte Sie! Gerade über diese Frage des neuen Zusammenfindens der Europäer habe ich oft mit meinem französischen Kollegen Roland Dumas gesprochen. Wir haben uns gefragt, was ist die zentrale Motivation, um Vertrauen zwischen Völkern zu bilden, wenn sie nicht nur nebeneinander leben, sondern auch gemeinsam etwas, unser Europa, nicht das französische oder das deutsche Europa, aufbauen sollen? </p>
<p class="bodytext">PAZ: Also doch neue Fragen, eine neue Welt?<br />Genscher: Wir sind heute mit der Situation konfrontiert, die darauf beruht, dass man nicht erkannt hat, dass nach der Überwindung des Kalten Krieges und der Zweiteilung der Welt es notwendig war, Regeln für das Zusammenleben der ganzen Welt zu entwickeln. Diese Regeln haben wir heute nicht. Die Lage auf den Finanzmärkten zeigt, dass wir der Gefahr von Akteuren gegenüberstehen, die auf den Finanzmärkten unkontrolliert und unverantwortlich handeln. </p>
<p class="bodytext">PAZ: Die Märkte sind also die Gefahr …<br />Genscher: Nein, die Märkte sind eine Realität. Es geht um die Akteure auf den Märkten. Da gibt es Akteure, von denen ich nicht sagen kann, dass sie mit einem hohen Maß an Verantwortung handeln.</p>
<p class="bodytext">PAZ: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat neulich gesagt, dass Krisen gut sind, um Reformen voranzutreiben. Halten sie die heutige Krise der Euro-Zone für eine Chance?<br />Genscher: Man muss die Chance in der Krise erkennen. Jede Krise ist ergebnisoffen. Sie eröffnet die Chance der Selbstbefreiung aus der Krise. Man muss Unzeitgemäßes überwinden, dann ist die Krise reformfördernd. Insofern stimme ich dem zu, was Wolfgang Schäuble sagte. Das verlangt viel Kraft. Das, was die Bundeskanzlerin und der französische Präsident jetzt anstellen, habe ich in verschiedenen Artikeln als bedeutsame staatsmännische Schritte bezeichnet. Wir wissen, dass jeder von ihnen seine Innenpolitik hat, aber sie zeigen, dass sie ihre Außenpolitik nicht zur Magd der Innenpolitik machen. Für außenpolitisches Handeln überwinden sie innenpolitische Bedenken. </p>
<p class="bodytext">PAZ: Sie haben von den unverantwortlichen Akteuren auf den internationalen Finanzmärkten gesprochen. Sind Sie der Meinung, dass da Kräfte agieren, die die Franzosen als die „angelsächsischen Mächte“ bezeichnen? Mächte, die der Stärkung Kontinentaleuropas nicht wohlgesonnen sind? <br />Genscher: Es kommt darauf an, wie man Interessen definiert. Eigentlich müssten sie Interesse daran haben, ein stabiles Europa als Partner zu haben. Wer an der internationalen Kooperation interessiert ist, und das bin ich, der <br />müsste sich bemühen, Spannungen zu vermeiden, die sich aus unterschiedlichen Entwicklungen ergeben. Wer eine stabile Weltordnung will, wird sie nicht durch Dominanz erreichen, sondern nur mit Chancengleichheit für alle. Man kann auch sagen, unsere gemeinsame Idee muss es sein, eine Weltordnung zu schaffen, die in allen Teilen der Welt als gerecht empfunden wird. </p>
<p class="bodytext">PAZ: Würden Sie sagen, dass es Ende 2012, Ende 2013 den Euro noch gibt?<br />Genscher: Ja, auf jeden Fall.</p>
<p class="bodytext">Die vollständige Fassung des Interviews ist in der Zeitschrift „Politique Internationale“ (Paris) in französischer Sprache erschienen.</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Ein Spaß für jeden Geldbeutel</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/ein-spass-fuer-jeden-geldbeutel.html</link>
<description>Hausboote und Ferienhäuser auf dem Wasser – Teurer Reiz der Illusion von Beweglichkeit</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Seit Jahrzehnten leben in Amsterdam nicht nur Grünalternative oder Aussteiger auf alten Flusskähnen, die zu Wohnungen ausgebaut sind. Auch Leute mit bürgerlichen Berufen und Familien lieben das Leben auf Kanälen umgeben von Wasservögeln. Dabei ist das Leben auf dem Wasser nicht einfach, besonders im Herbst und Winter sogar ungemütlich. Was macht den Reiz dieses Lebens aus?<br />Ein bekannter Vertreter dieser Lebensform ist der Sänger Gunter Gabriel (70), der mit seinem Musical über Jonny Cash gerade an alte Erfolge anknüpft. Der Musiker, der vor einigen Jahren wegen seiner Schulden durch eine Privatinsolvenz gehen musste, ist seit zwölf Jahren ein Fan des Lebens auf dem Wasser. Er lebt auf einem alten Kahn im Harburger Industriehafen, wo es nicht sehr romantisch ist. Aber das Leben auf seinem Boot ist billig und hat ihn – gerade in der zurück­liegenden schwierigen Zeit – sozusagen über Wasser gehalten.<br />Vor einiger Zeit überlegte Gabriel in die Hamburger Innenstadt umzuziehen. Dort liegen im Eilbek-Kanal, keinen Kilometer von der Außenalster entfernt, neuerdings schicke Hausboote. Es sind eher Villen auf dem Wasser als Hausboote. Mit Wohnflächen von 100 Quadratmetern und mehr bieten sie allen Wohnkomfort eines modernen Einfamilienhauses. Bei dem monatlichen Preis einer Kaltmiete von über 2000 Euro schreck­te Gabriel jedoch zurück.<br />Ein Manko der neuen und schicken Wasserhäuser bemängelte der Sänger besonders: Sie sind nicht beweglich, also echte Immobilien. Die hohen Aufbauten der Boote verhindern, dass sie unter Brücken hindurchpassen. So liegen sie fest verankert am Ufer. Ihre Bewohner stört das kaum. Sie schwärmen vom herrlichen Blick auf den Kanal, die Wasservögel, die beim Frühstücken Guten Morgen sagen. So auch Martin Müller-Wolf (39), der sich als Innenarchitekt mit seinem Hausboot einen Traum erfüllte. 1800 Euro Pacht muss er jährlich für seinen Liegeplatz an die Stadt bezahlen. Sein Nachbar Peter Papst, von Beruf Kameramann, wohnt mit seinen zwei Kindern auf einem ausgebauten Schiff. Die beiden Kinder finden das Leben auf dem Wasser toll. Die Kanus und Surfbretter sind im Sommer ständig im Einsatz.<br />Zu Beginn, berichten die Hausboot-Bewohner, habe es allerdings viel Ärger mit den Anwohnern gegeben. Mit Eiern seien sie beworfen und als „reiche Yuppies“ beschimpft worden. Schließlich habe Müller-Wolf ein Schild aufgestellt, dass auch er ein hart arbeitender Mensch sei. Auch Ruderer zeigen sich genervt von den neuen Wasserbewohnern, weil die Boote mit den langen Riemen nicht mehr richtig zwischen Ufer und Hausboot hindurch passen; Spaziergänger vermissen die frühere ruhige Idylle am Kanal, der jetzt bewohnt wird.<br />Deutlich wird hier, wie unterschiedlich die Konzepte der neuen Wasserbewohner sind. Während Gabriel für die kleine und arme Gruppe von Individualisten steht, die sich auf einem abgelegenen Kanal oder Hafengebiet ihre eigene, etwas verkommene Welt bauen, streben wohlhabendere Stadtbewohner andere Ziele an. Sie lassen sich von Architekten ihr Haus „designen“ – und die sehen in der Tat ziemlich futuristisch aus.<br />Solche Häuser finden sich inzwischen nicht nur in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Leipzig, sondern überall an deutschen Küsten oder auf großen Seen. Auf dem Berliner Müggelsee oder nahe der Humboldtinsel schwimmen heute Hausboote in der Hauptstadt. Auf der Insel Rügen in Gager, auf dem Darß in Kröslin oder in Barth liegen Hausboote. <br />Der Verkauf läuft gut, berichteten kürzlich die Projektplaner auf der Messe „Hanseboot“ in Hamburg. Die angebotenen Wasserhäuser sind in der Regel nach kurzer Zeit ausverkauft. Feriengäste können die Hausboote für Preise zwischen 79 und 139 Euro pro Tag mieten, um selber einmal das Erlebnis zu haben, Urlaub auf dem Wasser zu verbringen. Für diese stolzen Preise stehen allerdings oft nur Wohnflächen von 40 oder 50 Quadratmetern zur Verfügung, was Touristen oft genug als einschränkend empfinden. Die „Nautilus Hausboote“ bieten beispielsweise nur 32 Quadratmeter Wohnfläche; andere Haustypen sind geringfügig größer – und dies bei Anschaffungspreisen von 250000 Euro und mehr.<br />Gunter Gabriel löste das Problem des begrenzten Platzes auf seine Weise. Er ließ an sein Schiff einfach ein vier Meter langes Stück Stahl anschweißen und hat nun mehr Platz. Das war bedeutend billiger als ein teures Hausboot. Und endlich ist auch genug Platz für seine riesige Bibliothek. Denn Bücherlesen mit dem Blick aufs Wasser ist seine Leidenschaft, wenn er nicht gerade auf einer Bühne steht und singt.&nbsp;Hinrich E. Bues</p>
]]></content:encoded><category>Kultur / Gesellschaft (mit Bild)</category>
<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Besser lügen</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/besser-luegen.html</link>
<description>Wie man die Schuld Deutschlands vorbereitet, was es mit Geschichte auf sich hat, und weshalb wir mit dem BKA unzufrieden sind / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Was für eine Freude: Eben noch sollten sich die Deutschen gefälligst kleinmachen, sich unterordnen. Nun aber, in der lodernden Euro-Krise, wollen offenbar alle unter unseren Rock. Immer emphatischer heben europäische Politiker und Kommentatoren die „herausragende Stellung Deutschlands“ hervor. So bedeutend wie seit Bismarcks Tagen sollen wir wieder sein. Oder bedrohlicher als bei Hitler, aber über solche Sprüche lachen wir eher, als dass sie uns ärgern. Wie finden wir das? Die guten Umfragewerte für Angela Merkel erzählen, dass wir Deutsche die uns angetragene Bedeutsamkeit wohlig genießen.<br />Aber Vorsicht: Spätestens, als sogar der polnische Außenminister verlauten ließ, ihn ängstige deutsche Führung längst nicht so sehr wie deutsche Untätigkeit, hätten wir hellhörig werden müssen. Deutsche Führung! Den Begriff brachten Warschaus Mächtige bis vor kurzem kaum ohne Brechreiz über die Lippen. Und nun das? Da ist doch was faul.<br />Lenken wir den Blick kurz zur Seite, dort entdecken wir tatsächlich ein perfides Zusammenspiel: Die Rolle Deutschlands wird nämlich in genau dem Maße größer geredet, wie der rasende Euro-Karren dem Abgrund näherkommt. Kurzum: Da wird keine Führungsmacht erkoren, da wird vorsorglich ein Schuldiger gesucht. Denn die Vorstöße, die das angeblich so mächtige Berlin macht, werden auf europäischer Ebene ebenso grinsend zerknüllt wie alle deutschen Forderungen als herrschsüchtige Anmaßung abgeschmettert werden. Germania sitzt nicht am Steuer, sondern kauert vorn auf der Kühlerhaube. Das ist zwar durchaus der „herausgehobenste“ Platz, den ein Auto zu bieten hat, aber auch der härteste und gefährlichste. In Filmkomödien landen da immer nur die Oberdeppen, um an der nächsten Kurve von dort in die Jauchekuhle zu segeln. <br />Mit Schuldvorwürfen gegen Deutschland hat man in Europa Erfahrung. Daher weiß man, dass ein solches Urteil sorgsam und von langer Hand vorbereitet werden muss. Denken Sie an den Ersten Weltkrieg. Da fingen sie schon viele Jahre vor dem ersten Schuss an, die Verurteilung vorzubereiten. Da wurde sogar angeführt, dass sich Deutschland eine Flotte zugelegt habe, womit es lediglich zu den anderen Großmächten aufschloss, denen das Gleiche niemand vorwarf. Doch wenn man nichts Triftiges findet, muss man mit solch hässlichen kleinen Ungereimtheiten eben leben. Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs hatten damit keine Schwierigkeiten.<br />So war der Schuldspruch, den man den Deutschen 1919 in Versailles auf den Tisch knallte, in den Grundzügen schon lange fertig, bevor ein serbischer Terrorist den Krieg 1914 ausgelöst hat.<br />Wenn dereinst italienische Inflationsbanker, griechische Zahlentrickser und französische Sozialromantiker den Euro zerstört haben werden, sind sie nicht weniger gut vorbereitet als ihre Vorgänger 1919. Allein der Verweis auf die „herausragende Stellung“, die Deutschland im Euro-Raum genossen habe („Bedeutender als zu Bismarcks Zeiten!“), wird ausreichen, um den wahren Schuldigen an dem Jahrhundertdesaster zu identifizieren. Anfangs könnte es in Deutschland noch Widerstand geben gegen die Schuldzuweisung. Doch nach hiesiger Tradition werden sich bald „kritische Historiker“ und „unbequeme Querdenker“ finden, welche das Urteil gegen Deutschland eins zu eins übernehmen und bald die öffentliche Meinung beherrschen. <br />Geschichte geschieht eben nicht einfach, sie wird gemacht. Daher ist Geschichte auch nicht eine möglichst korrekte Wiedergabe der Vergangenheit, sondern „die Lüge, auf die man sich geeinigt hat“. Das soll Voltaire gesagt haben, andere sprechen das Zitat Churchill zu. Egal, beides schlaue Leute – auf ihre Art. Wir Deutsche einigen uns jedenfalls gern mit unseren Nachbarn. <br />Allerdings steht nach heutiger Erfahrung zu befürchten, dass sich in den dunklen Ecken der deutschen Historikerzunft einzelne Widerstandsnester bilden, welche mit Hinweis auf die „Faktenlage“ die deutsche Schuld (zunächst Haupt-, später Alleinschuld) am Euro-Desaster bestreiten dürften. Was ist zum Beispiel davon zu halten, werden sie fragen: 2012 warfen die Griechen den Deutschen vor, dass sie ihnen 2002, bei Hellas’ Euro-Eintritt, vertraut hätten und Athens&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Tricksereien nicht sehen wollten. Und dann machten dieselben Griechen im gleichen Atemzug den Deutschen zum Vorwurf, dass sie ihnen eben wegen der vorherigen Lügerei 2012 nicht mehr vertrauen wollten. <br />Ähnlich widersprüchlich ist eigentlich alles, was derzeit an Forderungen auf die Deutschen einprasselt: Seid sparsam, damit ihr weiter Europas Stabilitätsanker sein könnt, aber spart bitte nicht so viel. Macht euch fit für den internationalen Konkurrenzkampf, damit Europa nicht hinter China, Indien und Co. völlig in der Versenkung verschwindet, aber seid bitte nicht so er­drückend konkurrenzfähig. Und so geht es weiter.<br />Hinweise auf solche Sperenzien werden nicht hilfreich sein, wenn es darum geht, die Deutschen für Europas kommendes Chaos verantwortlich zu machen. Daher wäre es am Vernünftigsten, man reinigte die Archive rechtzeitig von derlei störenden Indizien.<br />Am besten überlässt man die Indizienvernichtung den Deutschen selbst, die gelten ja als besonders gründlich. Oder etwa nicht? Seit Neuestem sind Zweifel angebracht, denn die Vernichtung von Beweisen gelingt ja nur dann richtig, wenn es hinterher so aussieht, als hätten sie nie existiert. Und da sind die Deutschen offenbar ziemlich schlampig. <br />Mit Händen und Füßen versucht der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, eine peinliche Enthüllung vom Tisch zu kriegen. Laut „Bild am Sonntag“ („BamS“) hat sein Amt einen Polizeibeamten beauftragt, die Handy-Daten des wohl engsten Vertrauten der „Zwickauer Zelle“ verschwinden zu lassen. In den Daten finden sich laut „BamS“ vermutlich Hinweise darauf, wer dem Trio zur Flucht verholfen habe. Umso erstaunlicher sei es, dass „die (vom BKA) ausgewerteten Handy-Daten bisher nicht in das Ermittlungsverfahren eingebracht wurden, also der Justiz zur Verfügung stehen“. <br />Ja, wirklich erstaunlich. Andererseits: Auch nicht erstaunlicher als die gesamte Geschichte des Dreierbundes. Apropos: Was war „Geschichte“ noch gleich? Richtig. Denn als reale „Vergangenheit“ kann man sich kaum vorstellen, dass zwei mehr oder minder intelligente Fanatiker jahrelang ein „perfektes“ (also unaufklärbares) Verbrechen nach dem anderen begehen, dass ihnen Geheimdienstler aus nächster Nähe zusehen, ohne etwas zu bemerken, dass die Mörder ein recht luxu­riöses Untergrundleben führen können, ohne über nennenswerte Einkünfte zu verfügen. dass sich niemand mehr für Zeugenaussagen interessiert, nach denen ein dritter Mann aus dem Fahrerhaus des Wohnmobils geklettert sein soll, bevor dieses in Flammen aufging und so weiter.<br />Zum Glück sind die beiden tot. Denn nachdem sie jahrelang eiskalt zehn Menschen niedergestreckt haben, erschossen sie sich aus purer Panik darüber, dass sich ein normal bewaffneter Polizist ihrem mit Waffen vollgestopften Wohnmobil näherte. So können die Mordbuben die „Ermittlungen“ nicht mehr stören. Und die Dritte im braunen Bunde soll ja schon vor Jahren Kontakt zu den Geheimdiensten aufgenommen haben (wofür sich auch niemand mehr interessiert). Von der darf man also ein Mindestmaß an Kooperationsbereitschaft erwarten.<br />Trotzdem nervt die Sache. Sehr kompetent scheinen die Akteure nicht gerade vorzugehen. Eine „Geschichte“ muss wie jede gute Lüge zumindest schlüssig sein. Das Publikum ist verwöhnt. Wir haben es nicht gern, wenn der Erzählstrang alle naselang von irgendwelchen „Enthüllungen“ oder gar „Widersprüchen“ zerrissen wird. Also, bei der nächsten „Braune Armee Fraktion“ erwarten wir etwas mehr Sorgfalt!</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Sat, 18 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Linke in ideologischer Zwickmühle</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/linke-in-ideologischer-zwickmuehle.html</link>
<description>Kurdenbande überfällt »autonomes« Zentrum: »Übliche aktionistische Mittel nicht anwendbar«</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Nach einem brutalen Überfall auf ein linksautonomes Wohnprojekt im Berliner Bezirk Wedding herrscht in der linken Szene weitgehendes Schweigen. Der Grund: Bei den mutmaßlichen Tätern handelt es sich um eine Bande kurdischer und libanesischer Jugendlicher. Das linke Wohnprojekt wird wahrscheinlich um Schutzgeld erpresst.</p>
<p class="bodytext">30 Unbekannte, die gewaltsam in ein Haus eindringen und Bewohner und Besucher mit Eisenstangen und Baseballschlägern attackieren, so sieht das abrupte Ende einer Veranstaltung in der Nacht vom 3. zum 4. Februar aus. Bis die Polizei bei dem überfallenen Haus, einem „linksautonomen“ Wohnprojekt in der Berliner Schererstraße, eintrifft, haben sich die Angreifer schon wieder verzogen. Zurück bleiben zerschlagene Scheiben und Opfer, die gegenüber der Polizei partout keine Angaben zum Sachverhalt machen wollen. <br />Die meisten der Betroffenen dürften durch den Überfall einen Schnellkurs in Sachen Realität erhalten haben, der das bisher gepflegte Weltbild auf eine harte Probe stellt. Mit der Polizei kommt ausgerechnet von jener Seite Hilfe, die über Jahre in linksautonomen Kreisen als Feindbild herhalten musste. Bedroht wird das linke Projekt stattdessen aus den Reihen einer Bevölkerungsgruppe, die bisher in einer Opferrolle und als Verbündeter im Kampf gegen das „System“ und gegen „Rechts“ gesehen wurde. <br />Mutmaßlich verantwortlich für den brutalen Überfall ist eine Bande libanesischer und kurdischer Männer und Jugendlicher, die sich als „Streetfighters“ (Straßenkämpfer) bezeichnet: Eine etwa 50- bis 60-köpfige Bande, deren Mitglieder fast durchweg bereits bei der Polizei als Straftäter, teilweise sogar als sogenannte Intensivtäter, bekannt sind. <br />Auch Wochen nach der Attacke auf das linke Wohnprojekt hält die Mehrheit der überfallenen Hausbewohner an ihrer Strategie des Schweigens fest. Aus einer Erklärung der Projektmitglieder spricht die pure Hilflosigkeit: „Da es sich weder um Nazis noch um Bullen handelt, sind die üblichen aktionistischen Mittel nicht anwendbar. Wir werden auf euch zu kommen und um Unterstützung bitten, wenn wir wissen, wie ihr uns helfen könnt.“ Die bisher verfolgte Linie klingt nicht nur hilflos, sie ist auch erfolglos: Dem ersten Überfall in der Nacht zum 4. Februar folgte ein weiterer Zwischenfall, bei dem nochmals zwei Personen durch Schläge und Tritte verletzt worden sind. <br />Über den Umgang mit den gewalttätigen Attacken herrscht in der linken Szene Uneinigkeit. Vorherrschende Meinung ist, über die Vorgänge nicht öffentlich zu reden, um sich nicht dem Verdacht der Ausländerfeindlichkeit auszusetzen. Nicht alle scheinen sich allerdings an diese Linie gebunden zu fühlen, so dass inzwischen auf einschlägigen linksextremen Internetseiten erste Hinweise zum möglichen Hintergrund des Überfalls zu finden sind. Bei „indymedia.org“ ist etwa von „enormen Geldforderungen“ an „die Kneipe und den Infoladen des Hausprojekts“ zu lesen. Im Klartext heißt das: Die kurdisch-libanesische Bande versucht, Schutzgeld zu erpressen. <br />Zumindest offiziell bestreitet die Berliner Polizei bislang, Erkenntnisse über einen derartigen Tathintergrund zu haben. Doch dieses Dementi steht auf wackeligen Füßen, wie der Verlauf der bisherigen Ermittlungen nahelegt. Während das Landeskriminalamt anfänglich nur wegen Sachbeschädigung und des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs ermittelt hatte, hat inzwischen die Abteilung für organisierte Kriminalität die Ermittlungen übernommen. Für den Versuch einer Schutzgeld-<br />erpressung spräche zudem, dass die Bande bereits in der Vergangenheit mit anderen Gruppen aneinandergeraten ist, die ebenfalls der organisierten Kriminalität zugeschrieben werden. Ein Vorstoß der „Streetfighters“ auf fremde „Geschäftsfelder“ hatte als Gegenreaktion den Überfall einer Rockergruppe auf den Treffpunkt der Bande zur Folge. Nach dieser Abfuhr wurde die Gruppe vor allem durch Raub- und Gewaltdelikte im Weddinger Kiez aktenkundig – Berliner Kriminalitätsalltag gewissermaßen. <br />Das Treiben der „Streetfighters“ – amtsintern als „regional begrenzt agierende, rockerähnliche Gruppierung“ beschrieben – wäre ohne den jüngsten Überfall auf ein linkes Wohnprojekt den meisten Berliner Medien kaum eine Meldung wert gewesen. Weitgehendes Schweigen herrscht auch hinsichtlich des wahrscheinlichen Hintergrunds der Bandenmitglieder, die in der Presse lediglich als Kurden und Libanesen angegeben wurden. Etwas hilfreicher ist da schon die Andeutung, dass es sich bei dem Anführer der Gruppe um den Angehörigen einer „kurdischen Großfamilie“ handelt. <br />Das Problem krimineller Familienclans, meist arabischsprechender Kurden aus dem Osten der Türkei, ist bereits seit den 90er Jahren in Berlin hinlänglich bekannt. Zeitweise war eine gesamte Sonderermittlungsgruppe der Berliner Polizei nur damit beschäftigt, den sich gegenüber Behörden als Libanesen ausgebenden Kurden die wahre Identität nachzuweisen. Der Erfolg der jahrelangen Ermittlungen war eher mäßig. Die 2010 unter Aufsehen erregenden, mysteriösen Bedingungen verstorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig schätzte, dass sich allein in Berlin 20 bis 30 kriminelle Clans mit zirka 8000 Angehörigen als feste Größen etabliert haben. &nbsp;Norman Hanert</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Preußen / Berlin (mit Bild)</category>
<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Von Masuren zur Tante nach Dresden</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/von-masuren-zur-tante-nach-dresden.html</link>
<description>15-Jährige flieht mit ihrer Großmutter aus Lyck vor den Russen − Statt in Sicherheit gerät sie in das flammende Inferno</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Obwohl ich nicht direkt den unbeschreiblichen Strapazen, Gräueltaten und Schikanen von Flucht und Vertreibung aus der Heimat Ostpreußen ausgesetzt war, erlebte ich den Terrorangriff am 13./14. Februar 1945 auf Dresden. Bis zum Sommer 1944 lagen die deutschen Ostprovinzen fernab vom allem Kriegsgeschehen. Wir wurden lediglich durch Militärtransporte (Lyck war Garnisonsstadt) und durch Aufnahme der fliegerangriffsgefährdeten Bewohner der großen deutschen Städte erinnert, dass wir Krieg hatten. Die Lage änderte sich auch für den Kreis Lyck, als Russland die Großoffensive im Mittelabschnitt der Ostfront am 22. Juni 1944 begann und die zahlenmäßig weit überlegenen sowjetischen Truppen diesen Abschnitt durchbrachen und unmittelbar an die Grenzen Ostpreußens gelangten. Nun warfen russische Flieger auch in unserem Kreis Bomben und trafen unter anderem in Lyck das Gebäude des Landgerichts, Kaufhaus Gronwald, Häuser in der Danziger Straße und dann im Dezember 1944 den Bahnhof und den Güterbahnhof. Auch den Landkreis suchten russische Flieger heim und bombardierten dort und tagsüber beschossen sie Bauern auf den Feldern. <br />Es war im fünften Jahr des Zweiten Weltkrieges, als ich 15-jährig im August 1944 in Begleitung meiner fast 85-jährigen Großmutter, einer Tante und eines Onkels, sowie von zwei Cousinen meine Heimatstadt Lyck mit einem Zug der Deutschen Reichsbahn verließ. Der Kanonendonner war teilweise schon sehr laut und deutlich zu hören. <br />Unser Ziel war Sachsen, wo wir uns im Sommerhaus meiner Tante später mit meinen Eltern treffen wollten. Meine Eltern blieben noch zu Hause, wurden dann vier Wochen später von Lyck nach Allenstein evakuiert. Viele Menschen, die in Allenstein blieben, kamen nur unter schwierigsten Umständen noch lebend heraus, da die Russen den Weg abgeschnitten hatten. Drei meiner ehemaligen Klassenkameradinnen überlebten die mehrfachen Vergewaltigungen nicht. Meine Eltern lösten sich in Allenstein von dem Treck und kamen erst nach 14 Tagen bei meiner Tante an. Die Tante, eine Schwester meiner Mutter, stellte uns ihre Stadtwohnung in Dresden, Silbermannstraße 1, zur Verfügung. Wir waren glück-lich, wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. <br />Es kam der <br />13. Februar 1945: Ein schöner, warmer Tag. Am Abend gegen 21 Uhr kam über den Rundfunk die Luftlagemeldung „Große Kampffliegerverbände auf Dresden!“ Zur gleichen Zeit ertönte Voralarm, kurz danach Fliegeralarm. Im Allgemeinen sind wir sonst nie in den Luftschutzraum hinuntergegangen, doch an diesem Tag griff jeder nach seinem bereitstehenden Handkoffer (in diesem hatte jeder seine nötigsten persönlichen Dinge, wie ein Mal Wäsche zum Wechseln, Sparbuch, Papiere und Wertsachen) und eilte in den Schutzraum. Wir waren noch nicht unten angelangt, als die ersten Feindflugzeuge mit Leuchtbomben, Leuchtschirmen und den sogenannten „Christbäumen“ das Zielgebiet für die nachfolgenden Bomberverbände markierten, was wir damals noch nicht kannten. Es war ein „schaurig schönes“ Bild, welches hier an den Nachthimmel gezeichnet wurde. <br />In Unkenntnis dessen, was danach noch folgen würde, standen wir an der Haustür und blickten staunend in die so erhellte Nacht. Dann plötzlich ein komisches Pfeifen! Ein ehemaliger Soldat, der wegen seiner Verwendung nicht mehr einsatzfähig war, stieß uns in das Haus und rief: „Nichts wie in den Keller!“ Die Haustür war noch nicht ganz geschlossen, als sie durch den Luftdruck der ersten detonierenden Sprengbombe wieder aufgerissen wurde. Danach folgte nun eine Detonation der anderen. Wir kauerten uns dicht aneinander und suchten durch Körperkontakt Schutz. Es dauerte eine Ewigkeit, bis der Angriff nachließ und das Inferno ein scheinbares Ende fand. Zeitzünder brachten noch fortwährend abgeworfene Bomben zur Explosion. Trotzdem gingen einige (darunter auch ich) in die Wohnungen. Diese sahen verheerend aus. Sämtliche Fenster waren zertrümmert, die Türen aus den Schlössern gerissen, die Wände teilweise eingestürzt. Wir rissen sämtliche Gardinen von den Fenstern aus den Schlafzimmern und warfen sie in die Diele, damit die umherfliegenden Funken keinen weiteren Brand entzünden konnten. In den Räumen sah es furchtbar aus. Der Inhalt der Schränke lag verstreut in den Zimmern, kleine Möbelstücke waren umgestürzt. Wir versuchten ein wenig Ordnung zu schaffen und kleine entstandene Brände zu löschen. Das Zeitgefühl war uns verlorengegangen. <br />Da trieb uns der zweite Angriff wieder in den Keller. Nach diesem Bombardement mussten wir das Haus verlassen. Die oberen Stock-werke brannten lichterloh. Als wir aus dem Haus eilten und uns in das Freie wagten, empfing uns ein heißer Sturm, der mit seiner Gluthitze das Atmen fast unmöglich machte. Ringsherum brannte es, nichts als Feuer und einstürzende Häuser, wohin sollten wir fliehen? In Richtung Elbe war kein Durchkommen (später erfuhren wir: Unser Glück, denn dort wurde Phosphor auf die sich rettenden Menschen von den Flugzeugen gegossen – sie brannten wie Fackeln!). Ebenfalls kein Durchkommen zum „Großen Garten“, überall versperrten einstürzende Häuser den Weg durch die Straßen. <br />Da der Feuersturm immer stärker wurde und uns fast in die brennenden Häuser zog, warfen wir unsere Koffer weg, um uns gegenseitig an den Mänteln festzuhalten. Dabei hatte keiner Zeit und auch nicht die Gedanken daran, Sparbücher und Wertsachen aus den Koffern zu nehmen. Uns beherrschte die Angst um das nackte Leben. <br />Wir stiegen über heißen rauchenden Schutt und erreichten entlang der Striesener Straße den Dürerplatz. Neben uns stürzten Wände ein und ich kann auch heute nicht sagen, wie wir es schafften, dieser Höllenglut zu entrinnen. Hier, in der Mitte des Platzes, konnten uns keine herabstürzenden Mauern erreichen. Endlich konnten wir, wenn auch in dieser Back-ofenhitze, einigermaßen aufatmen. Mutti hatte unseren Hund an der Leine gehabt. Jetzt hatte sie nur noch die Leine in der Hand. Wann und wo unser Hund verlorengegangen war, wissen wir nicht. Nicht ausgeschlossen, dass ihn der Feuersog ins Feuer gerissen hat.<br />Ich kann heute nicht mehr sagen, wie lange wir auf dem Dürerplatz zubrachten und dort Schutz gesucht haben. Es wurde am 14. Februar 1945 nicht hell. Die Trümmer der Stadt Dresden waren von dunklen Rauchschwaden eingehüllt. Es muss so gegen 11 Uhr gewesen sein, als wir den Dürerplatz verließen. Der Weg führte uns entlang der Dürerstraße über den Zöllner-Platz, um an das Haus heranzukommen, in dem wir einst wohnten. Es war furchtbar! Wir mussten über verbrannte Trümmer und Menschen steigen, bis wir endlich zur Silbermannstraße kamen. An der Schule – sie war Lazarett, trug groß das Rote Kreuz auf dem Dach und war am Ausbrennen – stand eine Trage, auf der ein beinamputierter Verwundeter lag. Vati sagte: „Den nehmen wir mit“ und so packte ich vorn die Trage und Vati fasste hinten an. Das dritte Haus hinter der Schule war die Nr. 1, da war nichts mehr. Nur noch die Grundmauern und der Keller. Der schmiedeeiserne Zaun, zirka fünf Meter vom Haus entfernt, war in sich zusammengeschmolzen. Auch von unseren weggeworfenen Koffern – etwa 50 Meter weiter an der Ecke – war nichts zu sehen. Nur einen Koffer fanden wir: Die Schösser herausgeschnitten und der Inhalt weg. Während wir um unser Leben liefen, hatten andere schon geplündert! <br />Nun versuchten wir aus der brennenden Stadt herauszugelangen. Es ging nur langsam, da wir den Verwundeten über die Trümmerberge tragen und öfter absetzen mussten. Doch es war auch unser Glück, denn eine Gruppe vor uns, die schneller war, wurde von einer herabstürzende Wand begraben. Wie wir aus diesem Trümmermeer herausgekommen sind, ist mir heute noch ein Rätsel. Der Verwundete wurde uns unterwegs von Angehörigen des Roten Kreuzes abgenommen. <br />Ehe wir an den Stadtrand von Dresden kamen, gab es erneuten Fliegerangriff, doch wir liefen weiter um unser Leben. Irgendwie erreichten wir endlich die Elbwiesen im Stadtteil Laubegast und wollten dort mit der Fähre nach Pappritz übersetzen. Doch dies war solange unmöglich, solange noch etwas Tageslicht herrschte, weil Tiefflieger alle Menschen beschossen, die sich dort auf den Elbwiesen bewegten. Erst als die Dunkelheit hereinbrach, gelangten wir zur Fähre und konnten übersetzen. Nur mit dem, was wir am Körper hatten, entkräftet und völlig erschöpft, wurden wir im Auffanglager des DRK in Pappritz aufgenommen. Dort versorgte man unsere Brandwunden und wusch uns die Augen aus. Dann erhielten wir endlich das erste zu Trinken und Essen und ein Strohlager für die Nacht. <br />Am 15. Februar 1945 um sechs Uhr machten wir uns auf den Weg zu meiner Tante. Wir konnten nur im Straßengraben im Schutz der Bäume laufen, da auch hier die Tiefflieger die Straße beschossen. <br />Wir waren glücklich, als uns der schützende Wald aufnahm und wir nun besser vorankamen. Gegen Abend waren wir endlich am Ziel und meine Tante froh, dass wir das Inferno überlebt hatten. Ich beziehungsweise wir hatten nach der Flucht aus der Heimat Masuren nun auch den Holocaust von Dresden überlebt. Zum Abschluss meiner Ausführungen noch ein Wort von Friedrich von Bodenstedt (1819-1892): „Wohl oft fand ich, was Aug und Herz ergötzte, doch nie, was meine Heimat mir ersetzte.“&nbsp;Renate Lohs</p>
]]></content:encoded><category>Geschichte (mit Bild)</category>
<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Jedes Maß verloren</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/jedes-mass-verloren.html</link>
<description>Facebook und Co.: Traumhafte Gewinnerwartungen verlocken Anleger</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Sie werden als Gelddruckmaschinen und Hoffnungsträger der Zukunft gesehen und lassen Banken und selbst Unternehmen wie Google und amazon alt aussehen, doch rational betrachtet ist das glänzende Image von Firmen wie Facebook, Groupon und Zalando viel besser, als es die wirtschaftlichen Basisdaten erwarten lassen.</p>
<p class="bodytext">Finanzmärkte sind ziemlich schwer zu erfassen. Zahlen spielen eine mindestens so wichtige Rolle wie Psychologie. Aber nur mit Letzterer lässt sich erklären, warum beispielsweise um die Börsengange des sozialen Netzwerks Facebook und des Rabattgutscheinhändlers Groupon so viel Wirbel gemacht wird. Es wird davon ausgegangen, dass Facebook nach seinem Börsengang Ende Mai fünf Milliarden Dollar erhalten und einen Wert von bis zu 100 Milliarden Dollar haben wird. Experten erwarten gar den größten Börsengang aller Zeiten. <br />Wie unglaublich hoch diese Werte sind, zeigt sich, wenn man bedenkt, dass ein Unternehmen wie Siemens auf 86 Milliarden Dollar taxiert wird. Und Siemens stellt mit 360000 Mitarbeitern weltweit die unterschiedlichsten Produkte her. Die absolut im Trend liegende US-Firma Apple ist zwar rund 420 Milliarden Euro an der Börse wert, stellt aber auch auf der ganzen Welt begehrte Computer und Smartphones her. Berücksichtigt man dann noch, dass Facebook 2011 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar und eine Milliarde Dollar Gewinn durch den Verkauf von Werbung und die Vermittlung von Computerspielen gemacht hat, dann fühlt man sich an die Dotcom-Blase der Jahrtausendwende erinnert, wo Unternehmen auch nur ein hoher Wert zugeschrieben wurde, weil sie mit ihren neuartigen Geschäften im Bereich des Internets bei den Anlegern die Erwartung von klingenden Kassen auslösten. Und auch bei Facebook wird mit einer hohen Nachfrage nach Aktien des Unternehmens gerechnet, eben weil die Anleger sich in der Zukunft märchenhafte Gewinne erträumen. Selbst der Rabatthändler Groupon, der seit seiner Gründung nur Verluste gemacht hat, konnte aufgrund der hohen Nachfrage bei seinem Börsengang im November 2011 mit 700 Millionen Euro mehr Geld einnehmen als erwartet, weil die Investoren auf die Zukunft setzen, denn schließlich hätten Groupon wie Facebook weltweit Wachstumsraten zu verzeichnen. Und auf dieser Welle mitschwimmend bereitet angeblich auch der deutsche Online-Schuhändler Zalando&nbsp; seinen Börsengang vor, obwohl er auch wie Groupon bisher nur rote Zahlen geschrieben hat.<br />Doch kann die Zukunft die Gewinnerwartungen der Anleger erfüllen? Vor einigen Jahren lagen diese bei Unternehmen wie ebay, yahoo, Google und Co. ähnlich hoch, sie erfüllten sich nur zum Teil. Ebay und yahoo haben inzwischen schwer zu kämpfen, und auch Google sucht nach neuen Geschäftsfeldern. Zwar konnte das Unternehmen 2011 seinen Gewinn um 14,9 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro steigern, doch das Wachstum hatte gegen Ende des Jahres abgenommen und viele Investoren stießen enttäuscht die Aktie des Unternehmens ab, so dass der Kurs um neun Prozent nach Bekanntgabe der Jahreszahlen 2011 abrutschte.<br />Und gerade das zum Giganten stilisierte Unternehmen Facebook hat sogar noch mehr als Google mit Datenschützern zu kämpfen. Zudem ist davon auszugehen, dass dieser Kampf, der auch den Ruf schädigt, noch zunehmen wird, denn die von potenziellen Anlegern erwarteten Gewinne können nur sprudeln, wenn Facebook die Daten seiner 845 Millionen Nutzer weltweit stärker nutzt. Schon jetzt stimmt es einige nachdenklich, wenn sie über die eigentlich private Funktion „Nachricht senden“ beispielsweise ihrer Freundin schreiben, dass sie schwanger sind, und kurz darauf Werbung eines Umstandsmodenanbieters angezeigt bekommen. Privatsphäre gibt es also schon jetzt nicht mehr bei Facebook. Allerdings wird daraus auch nicht wirklich ein Geheimnis gemacht, denn schließlich will die Firma des 27-jährigen Marc Zuckerberg mit individualisierter Werbung die an sie gestellten Gewinnerwartungen erfüllen.<br />Inzwischen erwarten Beobachter allerdings, dass in einigen Ländern der Markt für Facebook gesättigt ist. In Ländern wie den USA, Kanada oder Großbritannien sind bereits gut 50 Prozent der Gesamtbevölkerung bei Facebook angemeldet. Wenn das Unternehmen nicht auch bald in Kindergärten und Seniorenheimen auf Kundenfang geht, dürften kaum noch neue Nutzer hinzukommen. Und sollte die Werbung noch mehr auf private Daten zurückgreifen, könnte sich mancher sogar abwenden. Gerade in Deutschland haben bereits einige Facebook-Kunden aus diesem Grund ihr Profil wieder gelöscht. Und schlussendlich ist Facebook auch nur ein Trend von vielen. Auch ebay erfreute sich noch vor einigen Jahren einer großen Nachfrage und war in der öffentlichen Debatte.<br />Bis über die Jahrtausendwende hinaus lehrten Hochschulprofessoren und auch Lehrer an den Schulen, dass Deutschland hinterher hinken würde. Während beispielsweise die USA und Großbritannien schon einen Großteil ihres Bruttoinlandsproduktes über Dienstleistungen erzielen würden, würde Deutschland noch viel zu viel auf die altmodische Industrieproduktion setzen. Vor allem in Banken und Versicherungen und bei Dienstleistungen rund ums Internet würden die Arbeitsplätze der Zukunft liegen. Nun ist die damals angesprochene Zukunft da, doch die Prognosen haben sich nicht bewahrheitet. Bis jetzt ist Deutschland mit einem gesunden Mix gut gefahren und jene, die auf Extreme setzten, stehen als Verlierer da. Zumindest die nackten Zahlen sprechen dafür, dass es sich bei Facebook und Co. auch um Extreme handelt.&nbsp;Rebecca Bellano</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Thu, 16 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Deutsche in der Euro-Falle</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/deutsche-in-der-euro-falle.html</link>
<description>Nicht nur Rettungsschirme, sondern auch EZB-Lasten ketten Berlin an Athen</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Die blanken Zahlen machen sichtbar, wie weit die Dinge aus dem Ruder gelaufen sind: Für die&nbsp; ungewisse Zusage von Einsparungen über 3,3 Milliarden Euro erhält Griechenland Hilfe über weitere 130 Milliarden. Und jedem dämmert bereits, dass auch diese abnorm hohe Summe wieder nicht reichen wird.</p>
<p class="bodytext">Griechenlands Lage ist aussichtslos, die Verwaltung außerstande, die Zusagen umzusetzen, die Staatsstruktur eine einzige Katastrophe und das Volk unwillig. Gerade aber an solchen Tagen, an welchen andernorts die Krise im Feuerschein lodernder Häuser ihr bedrohliches Gesicht enthüllt, leben die Deutschen in der Illusion, auf einem Fels der Stabilität zu sitzen. Dabei gerät aus dem Blick, in welchem Umfang das Euro-System die deutsche Stabilität bereits unterspült hat und in atemberaubendem Tempo weiter hinwegreißt.<br />Selbst intime Kenner sehen sich mittlerweile außerstande, konkrete Zahlen über die tatsächlichen Belastungen und Verpflichtungen zu nennen, die Deutschland eingegangen ist oder die im deutschen Namen eingegangen werden, ohne dass Berlin oder die Bundesbank etwas dagegen tun können.<br />Da ist einmal die Europäische Zentralbank (EZB), die sich völlig von der Stabilitätskultur ihrer Anfangsjahre abgewendet hat – hin zu einer Inflationspolitik südeuropäischen Zuschnitts. Die EZB versorgt die Euro-Krisenländer praktisch unbegrenzt mit neu geschaffenem Geld und entwertet so mittelfristig die Ersparnisse der sparsamen Nordeuropäer. Zudem erlaubt die EZB nationalen Notenbanken laut einer Studie der Schweizer Großbank UBS neuerdings, selber Geld nach Belieben in Umlauf zu bringen. Bis Dezember sei dies nur für kurzfristige „Notoperationen“ erlaubt worden. Nun aber habe die EZB „die Gelddruckmaschinen an die nationalen Notenbanken übergeben“. Gerade südeuropäische Notenbanken machen davon rege Gebrauch.<br />Überdies wachsen die Forderungen der Bundesbank an die EZB über das sogenannte „Target-2-Programm“ ins Unermessliche. Über „Target 2“ werden der Kapitalzufluss nach Deutschland und unsere Exportüberschüsse im Euro-Raum quasi zurücksaldiert und bleiben als Forderung der Bundesbank an die EZB im Raum stehen. Bislang sind hier 463 Milliarden Euro aufgelaufen. Bis Jahresende könnte es eine Billion werden, schätzt die „Wirtschaftswoche“.<br />Bräche der Euro auseinander, wäre dieses Geld wahrscheinlich weg, die Bundesbank müsste es abschreiben und wäre prompt pleite. Dann müsste die Bundesrepublik einspringen, was den Staatsbankrott bedeuten könnte. Damit sitzt Deutschland in der Falle: Ein Ausstieg aus dem Euro ist selbst im schlimmsten Fall unmöglich geworden. Wir müssen hilflos zusehen, wie unser Geld von anderen entwertet wird.&nbsp;Hans Heckel</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 11:16:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Dämonokratie</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/daemonokratie.html</link>
<description></description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Wieder wurde wild gerettet,<br />und die Wogen sind geglättet –<br />für wie lang, ist Rettern gleich.<br />Fest steht bloß, wenn andre retten,<br />liegen wir, wie die uns betten,<br />bangend vor dem nächsten Streich.</p>
<p class="bodytext">Aber selbst wenn manche hoffen,<br />bleibt beim Hokuspokus offen,<br />ob denn wer gerettet ist!<br />Jedenfalls sind’s nicht die Griechen,<br />die doch just am Euro siechen –<br />wie man vorbedacht vergisst.</p>
<p class="bodytext">Na, es mag zum Trost gereichen,<br />dass die Tempel und dergleichen<br />hoch auf der Akropolis<br />schon kaputt sind und nicht brennen,<br />wie wir’s drunt von Häusern kennen,<br />das zumindest ist gewiss.</p>
<p class="bodytext">Und was kümmert dort der Trubel –<br />an der Wall Street herrschte Jubel<br />nach Kotau des Parlaments,<br />wittert längst man ja den Braten,<br />präpariert mit Derivaten<br />auf die nächste Insolvenz!</p>
<p class="bodytext">Nun, ein paar der Volksvertreter<br />wurden zwar Parteiverräter,<br />doch die schloss man aus geschwind,<br />haben Platz ja auf den Listen<br />nur getreue Stimmstatisten,<br />die beliebig tauschbar sind.</p>
<p class="bodytext">Da ersetzlich wie Lakaien,<br />gingen aber auch Parteien<br />demokratisch in die Knie –<br />und was ist das Wunderbare?<br />Nennt wer Strippenzieher, wahre,<br />wär’s Verschwörungstheorie ...</p>
]]></content:encoded><category>Politik (ohne Bild)</category>
<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 10:50:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Lieber Taliban als die USA</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/lieber-taliban-als-die-usa.html</link>
<description>Pakistan nimmt zwar gern Dollar von Washington, unterstützt aber auch deren Gegner</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">„3000 Tote beim New Yorker Attentat, eine Million dagegen im Irak und 35000 in Pakistan“, die jüngste Umfrage der pakistanischen Zeitung „Dawn“ bringt es an den Tag: Viele Bürger Pakistans würden lieber eine Herrschaft der Taliban im Nachbarland Afghanistan sehen als die korrupte Regierung in Kabul. Pakistan wird somit immer mehr zum Risikofaktor für den Westen <br /><br />In dem bevölkerungsreichen südasiatischen Staat brodelt es unter der Oberfläche. Das Militär muckt gegen die Regierung auf. Die einzige islamische Atommacht der weltweit ersten Islamischen Republik wird allen Beteuerungen Islamabads zum Trotz mehr und mehr zum Risikofaktor für die westliche Welt. Und hinter den Kulissen mischen die Chinesen bereits mit und decken Pakistan gewissermaßen als Schutzmacht gegen einen Eingriff Amerikas. <br />Was vielen einfachen Muslimen als Kampf der westlichen Mächte gegen den Islam verkauft worden ist, weicht bei den gehobenen Ständen der Erkenntnis, dass der Hunderte von Milliarden Dollar schwere Feldzug gegen den Terrorismus vor allem auch eine Schlacht um ökonomische Interessen ist: Ölfelder im Irak, Bodenschätze in Afghanistan, eine ins Auge gefasste Pipeline durch Pakistan. Niemand traut niemandem und einige Pakistanis fordern in Blogs bereits: „Yankee wach auf und geh nach Hause!“ <br />In den USA und in Europa sorgte derweil ein bekannt gewordenes Papier für Empörung und schürte die Emotionen gegen das mehrheitlich muslimische Land. Demnach sollen Verhöre von 27000 gefangenen Taliban ergeben haben, dass die Regierung in Islamabad, speziell der Geheimdienst ISI, die Sicherheitskräfte und das Militär insgeheim und entgegen der Waffenbrüderschaft mit den USA die radikalen Gottes-kämpfer selbst bei Attentaten unterstützt haben sollen und die ungeschlagenen Taliban sich längst auf eine erneute Regierungsübernahme in Kabul vorbereiten. Durch Enthaltsamkeit bei den Attacken hätten sie derzeit den trügerischen Eindruck erschaffen, die fremden Truppen hätten in Afghanistan Erfolge erzielt und könnten abgezogen werden. Und eine solche Entscheidung verkündeten denn auch sowohl US-Amerikaner als auch Franzosen einvernehmlich für das Jahr 2013. Deutschland will seine Truppenstärke schrittweise zurückfahren.<br />Die eventuell richtige Erkenntnis einer Partnerschaft zwischen Taliban und ISI-Geheimdienst lässt zudem das jahrelang unentdeckte Versteck des Al-Kaida-Führers Osama bin Laden ausgerechnet in einer militärischen Hochburg in einem anderen Licht erscheinen. Und auch Al-Kaidas zweiter Mann, Ayman al-Zawahiri, soll sich in Pakistan aufhalten. Schließlich wurde der Arzt Shakil Afrisi, der das Versteck bin Ladens auskundschaftete, festgenommen und sieht einem Prozess wegen Landesverrats entgegen, anstatt dafür gefeiert zu werden, die Menschheit von einem Übel befreit zu haben. <br />Sicher ist, dass Pakistan durch Hunderte von Drohnenangriffen auf vermutete Rebellennester im Norden seines Staatsgebietes, die heimliche Tötung bin Ladens und Grenzübergriffe von Nato-Truppen, jeweils mit dem hohen Blutzoll ziviler Bürger, in seiner Ehre als souveräner Staat tief getroffen ist. Selbstherrlich haben sich die USA, wie so oft an anderen Schauplätzen in der Welt, auch hier über die nationale Würde hinweggesetzt. <br />Die janusköpfige Politik der Pakistanis wird für westliche Sicherheitskräfte immer offensichtlicher und es zeigt sich, dass die einst geschlossene Allianz brüchig ist: einerseits als Verbündete im Terrorkampf Milliarden an Dollar einzustreichen, anderseits aber unter der Decke über den Geheimdienst ISI Kontakte zu den Extremisten zu pflegen und ihnen sogar logistische Unterstützung zu gewähren. Joachim Feyerabend</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Konkursverschleppung ist Betrug</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/konkursverschleppung-ist-betrug.html</link>
<description>Wirtschaftswissenschaftler Wilhelm Hankel drängt Politik zum geordneten Rückzug aus Gemeinschaftswährung</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Der in Danzig geborene Wirtschaftswissenschaftler Wilhelm Hankel gehört zu den Euro-Kritikern der ersten Stunde. Doch die Realität hat seine Warnungen noch übertroffen. Im Interview mit der PAZ analysiert er die Euro-Rettung. Die Fragen stellte Hans Lody.<br /><br />PAZ: Herr Professor Hankel, sind Sie wegen Ihrer Haltung zum Euro schon beschimpft worden und wenn ja, von wem?<br />Hankel: „Demokraten“ einer obskuren Antifa-Bewegung haben mehrfach Vorlesungen und Vorträge von mir (unter anderem an der FH Worms oder der Ideenwerkstatt der Burschenschaft Normannia&nbsp; Bielefeld) mit Demonstrationen, Plakaten und Radau im Saal gestört. Ihr Vorwurf, ich schriebe in „rechtsradikalen“ Blättern wie der „Jungen Freiheit“. Als ich sie aufforderte, aufs Podium zu kommen und dem Publikum zu erklären, warum ich, ein Aufklärer und Warner vor den Folgen des Euro, nicht bei ihnen schreiben dürfe und daher gezwungen sei, es da zu tun, wo ich ungekürzt schreiben könne und zu Vorträgen eingeladen würde, verschwanden sie wortlos aus dem Saal. Als mich Deutschlands stellvertretender Bundesfinanzminister (Steffen Kampeter, CDU) bei einem Podiumsgespräch der „Süddeutschen Zeitung“ einen „alten verbitterten DM-Nationalisten“ nannte, stand das Publikum auf und buhte empört. Weder diesen Demokraten noch seinen Dienst-herren Wolfgang Schäuble hat das gestört. Bei diesen Herren gehört es nicht zum politischen Anstand, dass man sich für seine Entgleisungen entschuldigt.<br /><br />PAZ: Werden die Folgen eines Euro-Zusammenbruchs schlimmer, je länger man wartet oder lohnt es, die Krise durch Rettungsschirme abzumildern?<br />Hankel: Verantwortungsvolle Generäle beenden den Krieg, den sie längst verloren haben. Jeder Tag länger bringt unverantwortliche Verluste. Das gilt auch für die Euro-„Rettung“. Sie ist in Wahrheit eine Konkursverschleppung überschuldeter Staaten und deren Geldgeber. Ein Geschäftsmann, der so etwas macht, gilt als Betrüger und wird bestraft. <br />Wer die Eigenhaftung für Verluste abschafft, denn darauf läuft die Euro-Rettung hinaus, zerstört die Grundlagen von Rechtsstaat und Marktwirtschaft. Ein Zerstörungswerk, für das es weder eine Rechtfertigung noch eine Entschuldigung gibt. Weder steht der Euro (ein monetäres Kunstprodukt von zweifelhaftem Wert) über diesen elementaren Grund- und Verfassungsrechten, sie wurden einstmals in Europa erfunden und in der Welt verbreitet, noch lässt sich das angestrebte Europa auf dieser Grundlage errichten und stabil erhalten. Frau Merkel lügt sich und ihrem Volk etwas vor, wenn sie meint, der Euro „rette Europa“. Das Gegenteil ist wahr: Er zerstört es und verwandelt den Süden des Kontinents in eine unregierbare Elendszone. Ein Europa der „failing states“ ist weder integrierbar noch bildet es ein Gegengewicht zu den Großmächten unserer Zeit.<br />Je früher das gescheiterte Währungsexperiment beendet und in eine stabile Dauerlösung überführt wird, desto billiger (politisch, sozial und finanziell) wird es für Europas Staaten. Jahrhundertelange Erfahrungen sowie aktuelle Blaupausen für diese Dauer-Lösung liegen längst vor. Es gibt keine Alternative für die Einheit von Staat und Währung sowie den zwischenstaatlichen Wettbewerb dieser Währungen. Nur so – über Wechselkurse, die die Leistung jeder Nation anzeigen – lassen sich Währungs-„Sozialismus“ (eine Währung für 17 Staaten), Überschuldung und die Ansteckung der vorläufig noch stabilen Staaten an der Schuldenkrise vermeiden, die im Endstadium unvermeidlich zur Verarmung aller Bürger, besonders aber der künftigen Generationen führt. <br />PAZ: Was raten Sie den Bürgern, um sich gegen einen kommenden Euro-Zusammenbruch zu schützen?<br />Hankel: Es gibt keinen solchen Schutz, höchstens einen relativen. Denn von der Verarmungskrise sind alle Geldanlagen und Wertsachen betroffen. Das gilt sogar für wenig „brauchbare“, wie Gold und andere Edelmetalle. Sie werden als erste verkauft und damit auch als erste preislich verfallen.<br />Den relativ höchsten Schutz bieten Anlagen in „werteschaffende“ Investitionen (Aktien guter Firmen) und diese möglichst in Währungen, die permanent zum Euro (oder US-Dollar) aufwerten. Dergleichen gibt es genug – in Europa: Schweizer Franken, skandinavische Währungen, außerhalb Europas die „kleinen Dollars“ (Kanada, Australien, Neuseeland), sowie die Währungen der „Bric“-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China); und es gibt genug Berater, möglichst Banken-unabhängige.<br /><br />PAZ: Sollten nach dem Ende des Euro neue nationale Währungen entstehen oder sind Währungszusammenschlüsse ähnlich strukturierter Staaten eine Alternative?<br />Hankel: Es geht um Wechselkurs-, nicht Währungs-Unionen. Bretton Woods war eine solche, auch der Goldstandard, auch die Regelungen im Gemeinsamen Markt vor Einführung des Euro, wie das Europäische Währungssystem (EWS) mit dem Ecu als Recheneinheit, aber nicht als das nationale Geld verdrängendes Umlaufgeld. Dahin muss die Währungsunion zurückentwickelt werden und als zweiter Ecu kann dann der Euro dienen. In diesem neuen alten EWS könnte Europa seinen monetären Frieden wieder finden und trotzdem sein wirtschaftliches und politisches Profil in einer globalisierten Weltwirtschaft schärfen.<br /><br /></p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Mon, 13 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Alt-Stasi als Staatsschützer</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/alt-stasi-als-staatsschuetzer.html</link>
<description>Brandenburg: Ehemalige Agenten des DDR-Dienstes verfolgen heute politische Straftäter</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Brandenburgs Staatsdiener müssen sich demnächst auf eine neue Stasi-Überprüfung gefasst machen. Aus dem von Dietmar Woidke (SPD) geführten Innenressort kommt die Ankündigung, neue gesetzliche Regeln zur umfassenden Prüfung von Beamten zu nutzen. Eine parlamentarische Anfrage ergab zeitgleich: Jeder dritte Mitarbeiter von Brandenburgs Landeskriminalamt (LKA) diente einst auf irgendeine Weise dem DDR-Geheimdienst. Folgen für LKA-Mitarbeiter mit bekannter Stasi-Vergangenheit schließt Woidke indes aus.<br /><br />Ganze 17 von insgesamt 56 Beamten bei Brandenburgs polizeilichem Staatsschutz waren in der DDR offizielle oder inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit. Das ergab eine kleine parlamentarische Anfrage durch den CDU-Landtagsabgeordneten Danny Eichelbaum. Dieser hohe Anteil „untergräbt das Vertrauen in die Sicherheitsbehörden“, fürchtet Eichelbaum. <br />Seit einiger Zeit ist bekannt, dass auch in Justiz und Polizei weiter viele ehemalige Spitzel tätig sind. In der gesamten Polizei der Mark blicken Hunderte auf eine Stasi-Vergangenheit zurück – fast jeder zehnte Beamte. Dass aber beim Staatsschutz derart viele Zuträger des DDR-Unterdrückungsapparats arbeiten, ist neu und sorgt für einen politischen Schlagabtausch. <br />Immerhin ist der Staatsschutz mit hochsensiblen Ermittlungen befasst. Die Terrorbekämpfung und den Kampf gegen politische Vergehen steuern also noch heute mitunter Leute, die eine politische Schulung in der DDR-Diktatur durchliefen und zum Spitzeln nutzten. „Eine gruselige Vorstellung, dass gewählte Volksvertreter möglicherweise von früheren Stasi-Spitzeln belauscht worden sind“, so Eichelbaum. <br />Für den Rechtsstaat ist das ein Problem, das nur Brandenburgs Politik in diesem Ausmaß verantworten muss. Schon 2009 berichtete der WDR in einem Beitrag „Von der Stasi zum Staatsschutz“, einstige Stasi-Aktive „arbeiten in großer Zahl im Landeskriminalamt Brandenburg“. Der Beitrag sorgte kurz vor der damaligen Landtagswahl für politische Debatten. <br />Inzwischen ist dank neuer Anfragen klar, wie groß das Ausmaß der Übernahmen in diesen Polizeibereich wirklich ist. Frühere Auskünfte der Politik hatten Angehörige des Stasi-Wachregiments „Feliks Dzierzynski“ nämlich nicht mitgezählt. Entsprechend geringer fiel die Zahl aus. Der Skandal ist somit nicht ganz neu, die Auskunft legt aber wieder den Finger in die Wunde, die der in Brandenburg besonders unkritische Eingliederungsprozess von Vorbelasteten in den Staatsdienst hervorrief. Nun steht fest: Zwei der 17 LKA-Leute mit Stasi-Vergangenheit sind in leitender Position, die anderen 15 Sachbearbeiter.<br />Der Sender RBB stellte im Magazin „Klartext“ die Akten der beiden in gehobener Position arbeitenden Beamten Maik W. und Ulf L. vor. Demnach verpflichtete sich W. mit 19 Jahren auf der Offizierschule, beim DDR-Geheimdienst mitzumachen. Er kam zur Spionageabwehr, die westliche Journalisten und Botschaftsangehörige beschattete. In der Praxis bewachte er aber Gebäude der Sowjetunion in der DDR. Immerhin lobten ihn seine Vorgesetzten und beförderten ihn zum Studium der Kriminalistik. Jetzt steht er laut „Klartext“ an der Spitze einer Ermittlungskommission des LKA, verdient demnach rund 3300 Euro im Monat. <br />Dass W.&nbsp; Opfern des DDR-Regimes in leitender Rolle wiederbegegnet, ist kaum auszuschließen. Allerdings hat er aus seiner Stasi-Tätigkeit kein Geheimnis gemacht, wurde daher gemäß der laxen Handhabung in der Ära von Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) in Brandenburgs Staatsdienst übernommen und stieg in den Folgejahren ungehindert auf. <br />Ulf L. kam 1984 zur Stasi. Seine Ausbilder stuften ihn dem RBB-Bericht zufolge als sehr lernwillig ein und schickten ihn zum Studieren. Noch im August 1989 kam er zur Stasi zurück, erhielt eine weitere Ausbildung in Telefonüberwachung und verdeckten Operationen, die ihm noch heute im höheren Dienst mit 4000 Euro Gehalt im Monat helfen, Sonderaufgaben zu erfüllen. <br />Brandenburgs Innenministerium weigert sich, diese und andere Stasi-Mitarbeiter zu versetzen. Auch personalrechtliche Folgen schließt Woidke aus. Die Beamten hätten bei der Übernahme in den Polizeidienst die Stasi-Tätigkeit zugegeben und damit in einem rechtsstaatlichen Verfahren ihre jetzige Position erworben. Wenn aber künftig Polizisten durch Umstrukturierung neue oder gar Führungsaufgaben übernähmen, seien dank Änderung des Stasi-Unterlagengesetzes leichter Überprüfungen begründbar, so Woidkes Sprecher. <br />Die Versäumnisse der Vergangenheit lassen Brandenburgs rot-rote Koalition somit nicht los. Beteiligt an der heute heftig kritisierten Übernahmepraxis nach lauen Stasi-Prüfungen war in den 90er Jahren Andreas Schuster, heute Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Er steht selbst im Verdacht, für die Stasi tätig gewesen zu sein. Kernproblem bleiben somit nicht die laut Innenministerium fünf LKA-Staatsschützer, die beim Wachregiment womöglich nur formal der Stasi angehörten, sondern die noch heute wirkmächtigen Seilschaften zwischen Politik und alten Kadern. Sverre Gutschmidt<br /><br /></p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Preußen / Berlin (mit Bild)</category>
<pubDate>Sun, 12 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Meilensteine der Filmgeschichte</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/meilensteine-der-filmgeschichte.html</link>
<description>Ufa, Defa, Studio Babelsberg: Die deutsche Traumfabrik wird 100 Jahre alt</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Das Auf und Ab der Babelsberger Studios in fünf politischen Systemen konnte dem Areal nichts anhaben. Das weltweit älteste Großatelier-Filmstudio zählt zu den führenden Standorten in Europa für die Herstellung von Film- und Fernsehproduktionen. Studio Babelsberg ist heute Komplettlösungsanbieter für nationale und internationale Filmproduktionen. Doch wie war das eigentlich, damals vor 100 Jahren?<br /><br />In den kleinen Dachgeschoss-Ateliers Berliner Häuser wird um 1910 eifrig gedreht. Plüschige Dekorationen aus Samt und leicht brennbares Zelluloid vertragen sich jedoch nicht mit heißen Scheinwerfern. Die Berliner Feuerwehr legt den Filmleuten nahe, sich etwas anderes zu suchen. Guido Seeber, Kameramann und technischer Betriebsleiter bei der Deutschen Bioscop Filmgesellschaft, sucht nach einer neuen Produktionsstätte. Der Filmfirma sind ihre Räume inzwischen auch zu klein geworden. Seeber wird fündig im Süden Berlins. Eine stillgelegte Papierblumenfabrik in Neubabelsberg scheint optimal.<br />„Rings um das Gelände befand sich ein ziemlich weites, völlig freies Feld, sodass die Sonne von früh bis spät das Grundstück beschien“, erinnert er sich später. Ein Giebel der Fabrik, nach Süden gerichtet, verlangt nach einem Anbau aus Glas. In der Umgebung keine brandgefährdeten Wohnhäuser, eine gute Verbindung durch die Staatsbahn nach Berlin.<br />Im Winter 1911/12 wird das Glashaus gebaut, das alte Gebäude mit einem Kopierwerk für die Filmherstellung versehen – und am 12. Fe-bruar 1912 fällt die erste Klappe im „Kleinen Glashaus“ für den „Totentanz“ mit dem dänischen Star Asta Nielsen. Ihr Mann Urban Grad führt Regie. 1913 wird auf einem angekauften 6000 Quadratmeter großen Gelände ein zweiter, größerer Atelier-Komplex errichtet. Die Filmfirma wächst noch um ein 40000 Quadratmeter großes Grundstück, ein weiteres Atelier, ein „großes Glashaus“ und ein zweistöckiges Kopierwerk, dessen Fassade für Außenaufnahmen in verschiedenen Baustilen errichtet wird. Die gesamte Filmherstellung, von Entwicklung über Schnitt bis hin zur Requisitenbereitstellung, erfolgt in den vorhandenen Produktionsanlagen.<br />1913 dreht Paul Wegener den Aufsehen erregenden Film „Der Student von Prag“. Wegeners Spiel ist hohe Kunst, die Technik der Doppelbelichtungen begeistert Laien- und Fachpublikum. „Der Golem“ bringt ihm 1915 einen Achtungserfolg. 1920 avanciert die Deutsche Bioscop durch Fusion mit der Deutschen Eclair-Film-GmbH (Decla) zur Decla-Bioskop, welche dann 1921 mit der Universum-Film AG (Ufa) einen Zusammenschluss bilden. Die Ufa wird zur marktbeherrschenden Filmfirma und entwickelt das Studio zum ideenreichsten im ganzen Reich. Regisseure wie Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau und Ernst Lubitsch werden Vorreiter der Filmgeschichte, deren filmische Glanzstücke Anleitung geben für Generationen von Filmschaffenden. Bei Murnaus Film „Der letzte Mann“ aus dem Jahr 1924 wird die feste Verbindung von Kamera und Stativ gelöst. Die „entfesselte Kamera“ ist geboren, eine Neuerung ersten Ranges und verwendet bis heute.<br />Finanzielle Krisen der Ufa in den 20er Jahren bremsen keineswegs die Expansion. Fritz Lang dreht 1925/26 seinen Monumentalfilm „Metropolis“, der zu den bedeutendsten Werken der Filmgeschichte zählt. Schauspieler wie Emil Jannings werden zu Idolen der Massen. Jannings erhält als erster Deutscher einen Oscar.<br />Die ersten Tonfilmversuche hatten die Geschäftsführer anfangs nicht überzeugt. Doch Erfolge aus den USA setzen die Leitung unter Druck, sodass in knapp fünf Monaten Bauzeit 1929 das erste Tonfilmstudio in Europa entsteht: das sogenannte Tonkreuz. Vier Ateliers, die kreuzartig um die Tonabteilung gruppiert sind, sodass die Techniker in allen gleichzeitig arbeiten konnten. Die Dreharbeiten zu „Melodie des Herzens“ mit Willy Fritsch werden gestoppt und es wird neu gedreht, diesmal mit Ton.<br />„Der blaue Engel“ unter der Regie von Josef von Sternberg wird 1930 für Marlene Dietrich zum Durchbruch. Noch in der Premierennacht reist sie nach Amerika.<br />Reichspropagandaminister Joseph Goebbels weiß von der Wirkung des Mediums und nutzt es für die Zwecke der Nationalsozialisten. Jüdische Filmmitarbeiter werden vertrieben und ihres Eigentums beraubt. Die Villenkolonie Neubabelsberg, 1938 wie Babelsberg zu Potsdam eingemeindet, bietet den noch verbliebenen Filmstars ein passendes Ambiente. Heinz Rühmann, Hans Albers und Marika Rökk sind bekannt und beliebt. 1941 ein weiterer Meilenstein: Der erste Farbfilm feiert Premiere. Dem geächteten Schriftsteller Erich Kästner erlaubt man per Ausnahmegenehmigung, das Drehbuch zum Film für die 25-Jahr-Feier der Ufa zu schreiben. Unter dem Pseudonym „Berthold Bürger“ entsteht die Textvorlage zu „Münchhausen“ mit Hans Albers. Gedreht wird bis zum Kriegsende. Erst als sowjetische Soldaten auf dem Gelände stehen, kommt der Betrieb zum Erliegen.<br />Der erste Nachkriegsfilm entsteht 1946 mit Hildegard Knef in den Babelsberger Althoff-Ateliers. Im Mai 1946 wird die Deutsche Film AG (Defa) gegründet, die im Gegenentwurf zur NS-Zeit viele antifaschistische Filme herstellt. Ab 1948 produziert die Defa 1500 Spiel- und Fernsehfilme, darunter Kinderfilme und Kultfilme wie „Die Legende von Paul und Paula“ und „Jakob der Lügner“, der 1977 sogar für den Oscar nominiert wird. Die politische Führung der DDR kontrolliert die Filmarbeit von Beginn bis zuletzt.<br />Nach der Wende bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts erstreckt sich eine Hängepartie: Massenentlassungen, zerplatzte Hoffnungen. Ein französischer Konzern versenkt Unsummen im märkischen Sand. Der Geschäftsführer der neuen Firma, Regisseur Volker Schlöndorff, ist einer der glücklosesten. 2004 übernehmen die heutigen Vorstände Carl Woebcken und Christoph Fisser das Studio Babelsberg. Aktuell residieren die Studio Babelsberg AG mit Tochtergesellschaften, die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, der RBB, der Filmpark Babelsberg und andere kleinere Unternehmen auf dem weitläufigen Gelände, der Medienstadt Babelsberg.<br />Wenn am 12. Februar in einem Festakt in der Marlene-Dietrich-Halle „Der Totentanz“ wieder aufgeführt wird, kann jeder feststellen: „Babelsberg hat etwas Magisches“.&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br />Silvia Friedrich</p>
]]></content:encoded><category>Kultur / Gesellschaft (mit Bild)</category>
<pubDate>Sun, 12 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Katastrophe. Versprochen!</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/katastrophe-versprochen.html</link>
<description>Wie der deutsche Stromkunde zum Mobbing-Opfer wurde, was Fritz Vahrenholt beim IPCC erfuhr, und warum trotzdem alles gut wird / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Manche Probleme werden erst groß, wenn wir ein englisches Wort dafür finden. Früher haben wir es zähneknirschend hingenommen, dass Leute an ihrem Arbeitsplatz von Kollegen „gehänselt“ werden. Den Medien war das keine Zeile wert. Erst seitdem wir dieses Ärgernis als „Mobbing“ bezeichnen, ist es zur nationalen Herausforderung geworden, die es in nachrichtenarmer Zeit glatt auf die Titelseiten großer Magazine schafft.<br />In den Artikeln werden Tipps gegeben, wie man es vermeidet, zum „Mobbing-Opfer“ zu werden. Regel eins: Lass nicht zu, dass du der arme Trottel, das „Opfer“ schlechthin wirst, mit dem jeder ungestraft Schlitten fahren kann. Denn dann wirst du dauernd aufgezogen und es hilft eigentlich nur noch, den Arbeitgeber zu wechseln.<br />So gesehen müssten wir dem deutschen Stromkunden raten, auf den Mond zu ziehen. Denn der hat sich schon vor Jahren&nbsp; zum Deppen des ganzen Planeten stempeln lassen. Nun muss er machtlos mit ansehen, wie sich immer neue Zumutungen auf seinem Rücken stapeln.<br />Erst waren da die deutschen Windrad- und Solarzellenhersteller, die ihn veräppelt und schamlos abkassiert haben mit ihren Versprechungen. Dann kamen die chinesischen Solarpanelenbauer, die ihre deutschen Konkurrenten vom Markt scheuchten. Mittlerweile subventionieren die deutschen Haushalte mit Milliarden die Industriegiganten in Fernost.<br />Der deutsche Stromkunde verhält sich dabei wie die Mobbing-Opfer in den Magazin-Titeln: Er leidet, ohne zu murren oder redet sich seine verlauste Lage sogar noch schön: „Ich rette den Planeten vor der Klimakatastrophe mit meinem chinesischen Solardach!“ <br />Es kommt, wie es nach Auffassung der Psychologen kommen muss: Je kleiner sich das Opfer macht, desto dreister wird es über den Tisch gezogen. Nun soll der deutsche Stromkunde auch noch Griechenland retten. Der „Spiegel“ meldet: „Die Bundesregierung prüft Pläne, die schrumpfende griechische Wirtschaft mit Hilfe der deutschen Stromkunden anzukurbeln. Um Investitionen in griechische Solarparks oder Windkraftanlagen anzureizen, soll die gesetzliche Förderung erneuerbarer Energien (durch Aufschläge auf die Stromrechnungen der Deutschen, H.H.) auch für griechische Unternehmen geöffnet werden ...“<br />Diese „Pläne“, die Berlin da gerade „prüft“, stammen übrigens von der EU-Kommission in Brüssel. Und sie kommen kaum überraschend: Seit zwei Jahren grämen sich Politiker der EU wie Herman van Rompuy oder José Manuel Barroso über das „wirtschaftliche Ungleichgewicht“ in Europa, das für die Krise verantwortlich sei. Das komme daher, dass die Deutschen viel wettbewerbsfähiger seien als andere. <br />Angesichts der Herausforderungen aus China oder Indien müsste man meinen, dass sie nun fordern, die anderen müssten stärker werden, um zu den Deutschen aufzuschließen. So denken Planungsbürokraten aber nicht: Bei denen heißt es, wenn einer stärker ist als der andere, müssen wir den Starken eben schwach machen.<br />Nun werden die Pläne zur Schwächung Deutschlands erstmals konkret: eine europäische Sonderabgabe nur für Deutsche. Und damit man die auch durchbekommt, hat man sich als Schröpf-Opfer den Deutschen in seiner blödesten Erscheinungsform ausgeguckt: den Stromkunden! Mit dem kann man bekanntlich alles machen.<br />Allerdings ist Gefahr im Verzuge. Gerade jetzt biegt ein Unhold um die Ecke, der die Axt an die Zahlungsfreudigkeit der Trottel vom Dienst legt. Bislang galt: Sollen sie uns doch ruhig die Hosen runterziehen, immerhin retten wir, wie gesagt, mit unserer Selbstveräppelung den Planeten vor der Klimakatastrophe. Das heißt, nicht ganz: Allen ist natürlich klar, dass der winzige Anteil Deutschlands an den weltweiten Emissionen auch auf null sinken kann, ohne dass „der Planet“ davon auch nur das Geringste mitkriegt. <br />Der Untergang kommt also so oder so. Das macht uns aber nichts, denn wir Deutsche verrecken dann wenigstens mit gutem Gewissen in der Klimahölle! Zumal wir ja „vor dem Hintergrund unserer dunklen Vergangenheit auch eine ganz besondere Verantwortung ...“ und so weiter, blabla. Da ist es für uns eine unwiderstehliche Verlockung, am Tage des jüngsten Klimagerichts als grüne Märtyrer am Kreuz der ökologischen Apokalypse zu hängen und der panischen Menschheit die Leviten zu lesen, kurz bevor das globale Hitze-Inferno alles verschlingt. <br />Nun aber kreuzt besagter Unhold auf und lässt die deutschen Märtyrer aussehen wie eine jener Weltuntergangssekten, die regelmäßig zu erklären haben, warum das von ihnen prophezeite Armageddon nun doch wieder nicht eingetreten ist. Jedes Mal eine ziemlich peinliche Angelegenheit. Der Mann heißt Fritz Vahrenholt und hat sich als engagierter Ökologe, Hamburger SPD-Umweltsenator und Manager für erneuerbare Energien einen Namen gemacht.<br />Vahrenholts Damaskus-Erlebnis war ein Besuch beim Weltklimagipfel des Weltklimarates IPCC Anfang 2010. Er hatte erwartet, dass dort lauter honorige, unbestechliche Wissenschaftler von Weltrang das Zepter führen. Stattdessen habe der Kreis der wirklich Mächtigen beim IPCC aus ganz anderen Gruppen bestanden: Zum einen hätten die Lobbyisten jener konzernartigen „Nichtregierungs-Organisationen“ wie Greenpeace oder WWF das große Wort geführt (die sich durch keine wissenschaftliche Erkenntnis abbringen ließen von ihrem Dogma, dass der „Klimawandel menschengemacht ist“ und fast ausschließlich von unserer CO2-Prasserei komme) und zum anderen Regierungsvertreter von Schwellen- und Entwicklungsländern, die den „Hauptklimasündern“ (also uns) nur möglichst viel Geld abpressen wollten.<br />Ja, und was ist mit den vielen tausend Wissenschaftlern? Hören wir nicht täglich, dass es „keinen ernstzunehmenden Wissenschaftler mehr gibt, der die Schuld des Menschen am Klimawandel noch bestreitet“? Stimmt, zumindest keinen, dem sein gutdotierter Posten und die schick bezahlten Forschungsaufträge lieb sind. Denn, so hat Vahrenholt auch erfahren: Ein Forscher, der dem IPCC widerspricht, der ist schneller weg vom Fenster als er „Wetter“ sagen kann. Mit anderen Worten: Beim IPCC kann in Sachen Zucht und (Unter-)Ordnung sogar die Kommunistische Partei Weißrusslands noch etwas lernen.<br />Allerdings wird die Herrschaft der Klimapriester nicht nur von Fritz Vahrenholt und seinen trüben Komplizen angenagt. Die lassen sich noch in Schach halten, seitdem man ihnen erfolgreich das Kainsmal „Klimaleugner“ aufgebrannt hat. Das hört sich an wie „Holocaustleugner“ und wirkt auch fast schon so.<br />Nein, es ist ausgerechnet das Wetter selbst, das sich zum Widerstandsnest der Ungläubigen mausert. Fühlt sich kalt an, was? So gar nicht wie Erwärmung. Und das ist leider mehr als ein Gefühl: Seit bald 14 Jahren verweigert das Wetter die Befehle des IPCC, es will und will nicht mehr wärmer werden. Was nicht an „CO2-Einsparungen“ liegen kann, denn die hat es – global gesehen – gar nicht gegeben, ganz im Gegenteil. Es sind Veränderungen auf der Sonne, die es kälter werden lassen. Veränderungen, die immer wieder mal auftreten und für die der Mensch nun gar nichts kann. Macht unser Zentralgestirn also&nbsp; das schmutzige Geschäft der Klimaleugner?<br />Nein, nein, so einfach lassen sich die IPCC-Mächtigen nicht von der unfolgsamen Wirklichkeit vorführen: Wenn es nicht wärmer wird, dann ist das nur eine Galgenfrist, nach der es dann erst recht losgeht. Die Katastrophe kommt trotzdem, versprechen sie hoch und heilig, also tut Buße und zahlt, ihr Glaubensschwachen! So etwas hören wir Deutsche viel lieber als die liederlichen Querschüsse eines Herrn Vahrenholt. Es wird noch alles gut, sprich: katastrophal.</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Sat, 11 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Kalter Krieg auf Russlands Straßen</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/kalter-krieg-auf-russlands-strassen.html</link>
<description>Vorwürfe gegen Demokratie-Bewegung erhärten sich − Washington schickt »Experten« nach Moskau</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Am vergangenen Wochenende gingen wieder Hunderttausende bei klirrender Kälte in Moskau und St. Petersburg auf die Straße.&nbsp; Diesmal standen der, wie von Putin behauptet, „vom Westen gesteuerten Opposition“ Putin-Befürworter sogar in größerer Zahl gegenüber. <br /><br />Allen Unkenrufen zum Trotz kamen am 4. Februar wieder 120000 Menschen zur Kundgebung im Moskauer Zentrum. Über vier Stunden lang harrten sie bei minus 20 Grad aus, skandierten „Putin hau ab“ und „Wir sind für ehrliche Wahlen.“ Die Opposition ist also nicht, wie viele glaubten, nach den Weihnachtsfeiertagen und dem Beginn des eisigen Winters verstummt. Solange ihre Forderungen nicht erfüllt sind, wollen sie wiederkommen. Laut Andrej Piontkowskij, Politologe und Mitglied des politischen Rats der Bewegung „Solidarnost“, gibt es zwei Gründe für den Vertrauensverlust der Regierung: Zum einen ist es das Bestreben Putins, Diktator auf Lebenszeit zu werden. Zweitens habe das beispiellose Ausmaß der Wahlfälschungen, die der Regierungspartei schätzungsweise einen Vorteil von bis zu 20 Prozentpunkten gebracht haben sollen, Putins Prestige einen tödlichen Stoß verpasst. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann Putin stürze und mit ihm Herrscher des post-sowjetischen Raums wie Alexander Lukaschenko in Weißrussland und Nursultan Nasarbajew in Kasachstan. <br />Insgesamt wurden neun Parteien daran gehindert, an der Dumawahl teilzunehmen. Die Regierungspartei heißt deswegen seit Dezember bei Oppositionellen nur noch „Partei der Gauner und Diebe“. Dies findet auch in den selbstgebastelten Plakaten Ausdruck. Mit phantasievollen Wortspielen mit Putins Namen, in welchen das Wort put’ (Weg) steckt, wird der Premier lächerlich gemacht. (Im Wortspiel im Bild oben heißt es „Nam ne po puti“ − „Wir passen nicht zusammen“, wörtlich „Wir haben nicht den gleichen Weg“.). <br />Zur gleichen Zeit kam es zur Massenkundgebung auf dem Poklonnaja Gora (Hügel der Verbeugung). Dass&nbsp; busseweise Beschäftigte russischer Staatsbetriebe wie zu einer Mai-Parade hergefahren wurden, lässt Putins Vorwurf an die Opposition, für Geld auf die Straße zu gehen, als doppelzüngig erscheinen. Insgesamt sollen 190000 Menschen an der Pro-Putin-Kundgebung teilgenommen haben. Aber neben den Gezwungenen kamen auch viele Freiwillige. Ihre Argumente sind gut nachvollziehbar. Das Chaos der 90er Jahre, ausgelöst durch eine Reformwelle, die mit wilden Privatisierungen der Staatsbetriebe und verheerenden Verlusten einherging, ist vielen noch allzu gut im Gedächtnis. Dass sie es zu ihrem heutigen Lebensstandard gebracht haben, verdanken sie nicht zuletzt Wladimir Putin, der den Staat festigte, ihr Motto „Wir haben etwas zu verlieren“ ist ernst gemeint. Sie befürchten eine orangene Revolution wie in der Ukraine und eine Fremdbestimmung durch den Westen. <br />Putin selbst lieferte das Feindbild, indem er behauptete, die Masse auf dem Bolotnaja-Platz sei von Hillary Clinton finanziert und&nbsp; vom „Washingtoner Exekutivkomitee“ angeführt. Gemeint ist der erst vor wenigen Tagen eingetroffene neue US-amerikanische Botschafter Michael McFaul. Der 49-Jährige war Berater von Präsident Barack Obama. Er entwarf das Konzept des Neustarts der amerikanisch-russischen Beziehungen und gilt als exzellenter Kenner des post-sowjetischen Raums. McFaul hat persönliche Kontakte zu den wichtigsten Politikern und Denkfabriken. In der Vergangenheit arbeitete McFaul mit zahlreichen Organisationen für Demokratieexport zusammen, unter anderem mit National Endowment for Democracy, dem „Komintern Washingtons“, Human Rights Watch, Freedom House und Eurasia Foundation. McFaul war auch in Organisationen aktiv, die an den Umstürzen in Belgrad, Tiflis und Kiew beteiligt waren. Schon 2006 soll McFaul an einer vom US-Philantrophen und Spekulanten George Soros geförderten Anti-Putin-Konferenz von „Anderes Russland“ teilgenommen haben. Damals soll McFaul von Hillary Clinton beauftragt worden sein, in Russland nach Leuten wie Timoschenko zu suchen. Er fand sie in dem Blogger Andrej Nawalnyj und Maria Gajdar, der Tochter des Reformers Jegor Gajdar. Nawalnyj ist der populärste Aktivist der aktuellen Protestkundgebungen. Schon kurz nach seiner Ankunft traf der US-Botschafter sich mit Oppositionellen. Die Entsendung McFauls als US-amerikanischer Diplomat nach Moskau traf vor diesem Hintergrund bei der russischen Regierung verständlicherweise auf wenig Gegenliebe. McFaul selbst bestreitet jedes politische Engagement. Er sei nicht gekommen, um eine Revolution anzuzetteln, sondern um zu einer Verbesserung der amerikanisch-russischen Beziehungen beizutragen.<br />Verärgerung löste das Auftreten von Ex-Finanzminister Alexej Kudrin auf der Anti-Putin-Kundgebung bei Präsident Dmitrij Medwedjew aus, der die liberale Gesinnung Kudrins bezweifelt. Schließlich habe dieser zwölf Jahre lang in der Regierung mitgewirkt. <br />Was ist an den Vorwürfen, dass die Opposition gekauft sei, dran? Tatsächlich sollen sich unter den Aktivisten „Für ehrliche Wahlen“ bis zu 10000 bezahlte Leute befunden haben. Es gibt Agenturen, die gegen eine Provision Massenaufläufe veranstalten. Medienberichten zufolge sollen einige davon jedoch von der Regierung selbst geordert worden sein, um die Protestler zu bespitzeln. Insgesamt ist es eher unwahrscheinlich, Menschen in einer Größenordnung von über 100000 zu bezahlen. Dafür, dass die Oppositionsbewegung instrumentalisiert wird, um Putins Wiederwahl zu behindern, spricht das Fehlen jeglicher Inhalte, die über den Vorwurf des Wahlbetrugs hinausgehen. <br />Der russischen Regierung ist mit ihrer Gegenveranstaltung ein Coup gegen die Opposition gelungen. Während in Moskau und anderen Städten demonstriert wurde, ließ Putin sich im sibirischen Tscheljabinsk für gute Taten feiern. <br />Sergej Iwanow, Chef der Präsidialverwaltung, wertet die Kundgebungen zufrieden als Zeichen für Pluralismus in der russischen Gesellschaft. <br />Sollte Putin wie erwartet am 4. März im ersten Durchgang gewählt werden, drohen seine Gegner mit Streiks. Manuela Rosenthal-Kappi</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Politik (mit Bild)</category>
<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Das Ende der Legende von der »Fistelstimme«</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/das-ende-der-legende-von-der-fistelstimme.html</link>
<description>Tonaufnahme aus dem Jahre 1889 beweist, dass Reichskanzler Otto von Bismarck kein schwaches Organ hatte</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Generationen von Schülern muss­ten es lernen: Otto von Bismarck hatte eine „Fistelstimme“ oder ein schwaches Organ. Nun widerlegt die Entdeckung einer Tonaufnahme die lange geglaubte Schulbuch-Weisheit. Auf einem der weltweit frühesten Tondokumente aus dem Jahr 1889 ist der sonore Bass des „Eisernen Kanzlers“ zu hören. Wie aber kam die Legende von der Fistelstimme in die Schulbücher? <br /><br />Das Dokument mit Bismarcks Stimme wurde vor 123 Jahren in Friedrichsruh bei Hamburg aufgenommen. Man wusste aus zeitgenössischen Presseberichten von der Aufnahme, aber konnte sie bisher nicht hörbar machen. Erst der Fund des lange verschollen geglaubten „Phonographen“ im alten Laboratorium des Telefon-Erfinders Thomas Edison in West Orange, New Jersey bei New York, machte nun das Dokument hörbar. <br />Viel ist allerdings nicht zu hören, da die Aufnahme sehr stark rauscht. Forscher zeigten sich wegen des Auffindens dieser historischen Quelle dennoch begeistert. Bismarck gibt hier unvermutete Kostproben seines weiten Geistes. Zu hören sind auf der Tonaufnahme nicht etwa salbungsvolle Sätze über die deutsche Politik, sondern Bismarck singt auf Englisch das amerikanische Lied „In Good Old Colony Times“ in den Phonographen. Es folgen ein paar Zeilen aus dem Gedicht „Als Kaiser Rotbart lobesam“ von Ludwig Uhland, bevor der alte Burschenschaftler das Studentenlied „Gaudeamus igitur“ anstimmt. Schließlich gibt der Kanzler auch den „Rat eines Vaters an den Sohn“ zum Besten und empfiehlt Maßhalten bei Arbeit, Essen und Trinken – wohl aus eigener misslicher Erfahrung.<br />Dass der Mann, unter dessen Führung 1871 Frankreich besiegt wurde, ausgerechnet die „Marseillaise“, die französische Nationalhymne, anstimmt, überrascht dann doch viele Hörer – wegen des fließenden Französisch und dem pikanten Hintergrund. Wer sich mit Bismarcks Biografie genauer beschäftigt hat, weiß natürlich, wie sprachgewandt der als Diplomat Weitgereiste war, auch wenn die Schulbücher wiederum diese wichtige Seite verschweigen mögen. Sein Biograf Jonathan Steinberg nennt Bismarck daher einen „sehr, sehr geistreichen Mann“. Dass er ausgerechnet die Hymne Frankreichs zitiert habe, müsse ihn selbst großartig amüsiert haben, kommentierte die „New York Times“ die Entdeckung. Die zeitgenössische Presse hat die Passage mit der Marseillaise wohlweislich verschwiegen, weil dies kaum dem Geschmack der Verehrer des Kanzlers entsprochen hätte, da dieser zur Zeit der Aufnahme am 7. Oktober 1889 noch als Kanzler regierte.<br />Eine zweite Überraschung bieten die nun aufgefundenen Tondokumente, weil auch der militärisch Verantwortliche für die Eini­gungskriege in den Jahren 1864 bis 1871 zu hören ist. Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke (1800–1891), der Mecklenburger in preußischen Diensten, zitiert aus Goethes „Faust“. Diese Aufnahme ist besser als die von Bismarck zu verstehen. Laut Edison-Archiv ist Moltke der am frühesten geborene Mensch, von dem es weltweit eine Tonaufnahme gibt.<br />Ulrich Lappenküper, Chef der Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh, suchte zusammen mit seinen Mitarbeitern seit 2005 nach der Hörbarmachung der Tondokumente. Bereits 1957 waren die Rollen entdeckt worden, aber erst im letzten Jahr gelang die oben beschriebene Wiederauffindung des ursprünglichen Apparates von Edison. Dass Otto von Bismarck sich im Jahr 1889 die Zeit nahm, der Anregung seiner Gattin Johanna folgend, Adelbert Wangemann, einen Mitarbeiter Edisons, zu empfangen, mag oberflächlich gesehen verwundern. Aber sie zeigt eine Seite des Kanzlers mit der bislang längsten Regierungszeit in Deutschland, die ebenfalls oft unerwähnt bleibt: die ausgesprochene Offenheit für alles Neue, technische Erfindungen insbesondere. Die Förderung junger Unternehmer, der Techniker und Ingenieure, lag ihm zeitlebens am Herzen. Von diesem Aufschwung in der „Gründerzeit“, wo Weltfirmen wie Mercedes-Benz, Bosch, Linde oder zahlreiche Maschinenbauer entstanden, profitiert Deutschland noch heute. <br />Bleibt die Frage, wie die Legende von einem „fast grauenhaft schwachen“ Organ oder eben der „Fistelstimme“ in die Schulbücher kam? Eigentlich ist diese Frage kaum erklärlich, weil es schließlich aus über 50 Jahren politischen Wirkens genügend Zeitzeugen gab. Diese Personen müssten eigentlich protestiert haben, wenn sie von der Legende seiner vermeintlich schwachen Stimme gehört hätten. Anders wäre dies, wenn die Legende erst etwa 50 Jahre später entstanden wäre, in einer Zeit, wo viele dieser Zeitzeugen bereits gestorben waren. <br />Damit befindet man sich am Ende des Zweiten Weltkrieges, wo die allgemeine Verachtung alles Preußischen und Militärischen modern wurde. Erfanden in dieser Zeit findige und zeitgeistgetreue Pädagogen die Legende von der vermeintlich schwachen Stimme? Das wäre eine ausgesprochene Diskriminierung aus ideologischen Gründen. <br />Gefragt sind daher jetzt die Historiker, die eigentlich die Zeitzeugen und Originalquellen hätten kennen müssen. Eberhard Kolb (78), emeritierter Professor für Geschichte an der Universität Köln und Autor einer Bismarck-Biografie meint dazu abwiegelnd: „Die Sache gehört für mich eher in den Bereich der Groteske.“ Das sei nur „eine Masche, um die Geschichte zu verkaufen“. Aus mehr als 50 Jahren politischer Reden wisse man, dass der Kanzler eine hohe Stimme gehabt habe, besonders für einen „sehr großen, erst schlanken, später beleibten Mann“. Aber von einer abnormen Fistelstimme sei nie berichtet worden; das sei „fälschlich behauptet worden“, gibt Kolb nun zu. Hinrich E. Bues<br /><br /></p>
]]></content:encoded><category>Geschichte (mit Bild)</category>
<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
</item><item>
<title>Tribut an Sozialisten und Co.</title>
<link>http://www.preussische-allgemeine.de/nc/nachrichten/artikel/tribut-an-sozialisten-und-co.html</link>
<description>Finanztransaktionssteuer: Ratlosigkeit in der Euro-Krise treibt Regierende in die Arme linker Ideologen</description><content:encoded><![CDATA[
<p class="bodytext">Frankreichs Staatspräsident prescht in Sachen Finanztransaktionssteuer vor. Er tut das vor allem, weil er seine Abwahl fürchtet. Doch auch Deutschland könnte ihm bald auf dem Irrweg folgen.<br /><br />Es muss angenehm sein, wenn man bar jeglicher Verantwortung die Regierenden vor sich her treiben und den Eindruck erwecken kann, dass die eigenen Vorschläge zur Lösung der Euro-Krise die richtigen sind, man sie aber leider nicht umsetzen könne, weil man ja nicht an der Regierung ist. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat sich nun auf Druck seines in Umfragen besser dastehenden, sozialistischen Gegenkandidaten François Hollande auf einen Alleingang bei der Einführung der Finanztransaktionssteuer eingelassen. Im Mai wird in Frankreich gewählt und der linke Hollande hat die Banken als seinen größten Feind bezeichnet. Offenbar scheint man im Wahlteam Sarkozys der Meinung zu sein, dass Hollande diese Positionierung Stimmen gebracht habe, und man will nun auch mit der Finanztransaktionssteuer ins selbe Horn blasen.<br />Noch hat sich die Regierung in Berlin zwar nicht erweichen lassen, doch der Druck von der linken Opposition und nun auch vom Partner aus Paris wird immer größer. Grundsätzlich hat sich die Union schon für eine Finanztransaktionssteuer ausgesprochen und sich damit nicht nur der politischen Opposition, sondern auch Globalisierungskritikern wie attac angenähert. Selbst in der FDP lobt man Sarkozys Pläne, da er ja nicht die aus liberaler Sicht verabscheuungswürdige Finanztransaktionssteuer einführen wolle, sondern nur eine für eine überschaubare Zahl von Geschäften geltende sogenannte „Stempelsteuer“ nach britischem Vorbild, so dass man auch London von einer Zusammenarbeit überzeugen könne.<br />Der 2002 verstorbene Erfinder der Finanztransaktionssteuer, James Tobin, dürfte sich angesichts dessen, was aus seiner Idee geworden ist, im Grabe umdrehen. Eigentlich hatte er durch die weltweite Einführung einer sehr geringen Steuer auf Devisengeschäfte in den 70er Jahren internationale Währungsschwankungen eindämmen wollen, doch Kapitalismuskritiker wollten plötzlich auf so viele Finanztransaktionen wie möglich Steuern erheben, um so die Gewinne der „bösen“ Banken zu reduzieren. Dieses Geld sollte dann in die Entwicklungshilfe fließen, um die Armut in der Welt zu lindern; in den letzten Jahren kam die Idee auf, die Einnahmen auch für den „Kampf gegen den Klimawandel“ zu verwenden.<br />Blickt man auf die Extreme, die Spekulanten, aber auch der moderne Hochfrequenzhandel durch die Ausnutzung geringer Preisunterschiede im weltweiten Handel mit Finanzprodukten immer wieder erzeugen, so mag es sinnvoll erscheinen, durch eine geringe Steuer von 0,01 Prozent, wie Tonbin vorschlug, auf diese Weise die Realwirtschaft zu schützen. Da Tobin überzeugter Kapitalist war, war es sein Ziel, diese für die Realwirtschaft schädlichen Extreme einzudämmen. Doch dass dies nicht ein Land alleine machen kann, davon kann Schweden ein Klagelied singen. Noch heute hat sich die Börse Stockholm nicht von den Folgen der von 1982 bis 1991 von einer sozialdemokratischen Regierung eingeführten Finanztransaktionssteuer erholt. Die Steuer führte dazu, dass die besteuerten Geschäfte eben an anderen Börsen getätigt wurden. Statt Mehreinnahmen durch die Steuer zu generieren, wanderten Händler und Käufer ab. Arbeitsplätze gingen verloren und deswegen blickt man vor allem in Frankfurt am Main äußerst skeptisch auf die Finanztransaktionssteuer. Zudem ist davon auszugehen, dass die Banken ihre Mehrkosten durch die Steuer auf ihre Anleger, also die Sparer, abwälzen würden und auch müssen, denn die Kreditinstitute ächzen unter den Folgen der Krisen der letzten Jahre. <br />„Es ist völlig klar, dass Steuerpflichtige Vermeidungsstrategien entwickeln, wenn neue Steuern eingeführt werden. Geld ist scheu wie ein Reh, lautet ein alter Spruch“, warnt der neue Präsident des Bundesfinanzhofs in München, Rudolf Mellinghoff, im „Focus“. Er meint, dass eine Finanztransaktionssteuer alle Anlageprodukte treffen würde, die an der Börse gehandelt werden und sich somit auch auf die Geldanlagen jedes Sparers auswirken würde. Doch am Ende müsse die Politik entscheiden, so der 57-Jährige.<br />Doch die Politik wird immer mehr zur Getriebenen ihrer eigenen Ratlosigkeit. Das betrifft Regierende genauso wie ihre Opposition. Wundermittel gegen die Krise dürfte keiner finden, doch der Wunsch nach für die Wähler sichtbaren Taten dürfte sich mit jeder anstehenden Wahl verschärfen. Dass dem so ist, zeigt das Beispiel Frankreichs, das, sollten Berlin und andere EU-Länder nicht zugleich die Transaktionssteuer einführen, das Schicksal Schwedens teilen dürfte. Aber selbst wenn EU-weit eine Steuer, egal wie sie denn im Detail ausgestaltet ist und wie sie heißt, eingeführt würde, so droht auch hier ein „Schweden“, denn die EU ist im globalisierten Finanzmarkt nur noch ein kleines, wegen der Euro-Krise bereits schwächer werdendes Licht. Rebecca Bellano</p>
]]></content:encoded><category>Top News</category><category>Wirtschaft (mit Bild)</category>
<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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