Alles kleine Nazis

Warum artige Kinder verdächtig sind, warum Opposition nicht mehr geduldet werden darf, und wie ein »Migrant« alles falsch macht / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

29.11.13
Zeichnung:Mohr

Alarm: Drei- bis sechsjährige Neonazis unterwandern unsere Kitas, meldet die „Zeit“ ihren zutiefst schockierten Lesern. Das Hamburger Intelligenzblatt zitiert zum Beweis Heike Radvan, Leiterin der „Fachstelle Gender und Rechtsextremismus“ bei der „Amadeu-Antonio-Stiftung“. Radvan wörtlich: „Einige dieser Kinder versuchen, in der Kita offensiv die Ideologie zu verbreiten.“ Gemeint ist der braune Ungeist ihrer Eltern.
Entsetzlich. Was soll man nur machen? Es sei diskutiert worden, ob man diese Jungen und Mädchen wegen Kindswohlgefährdung aus ihren Familien herausholen müsse, so die „Zeit“. Im Klartext: Wenn der Vater irrtümliche Ansichten über Kriegsschuldfragen vertritt oder die Mutter Vorurteile gegen irgendwelche Völker hegt, kommt das Amt und rettet die Kinder in eine weltanschaulich zuverlässige Pflegefamilie?
Nein, das dann doch nicht gleich, beruhigt Frau Radvan und hat eine bessere Idee: Ganztagsschulen und Tagesstätten, in denen die Kinder „früh demokratischen Alltag“ lernten. Mit anderen Worten: Nehmt die Familien zumindest so lange auseinander, wie es irgend geht. In den Wahlprogrammen laufen solche Forderungen dann unter der Überschrift „Mehr Familienfreundlichkeit in der Politik“.
Gut, aber damit ist das Problem der Nazi-Knirpse, die zwischen Hoppehäschen und Bauklötzchen ihren „Lebensraum“ abstecken, noch nicht gelöst. Die kniffligste Frage ist nämlich: Wie erkennt man die kleinen Monster überhaupt?
Heike Radvan weiß, wie man die Nazis enttarnt: „Das sind Kinder, die besonders gut spuren und daher meist kaum auffallen.“ Wenn Sie Kleinkinder haben, die sich einigermaßen „artig“ verhalten, müssen Sie also auf einen bösen Brief von der Kita-Verwaltung gefasst sein: „Ihr Sohn hat bislang weder ein anderes Kind verprügelt noch etwas zertrümmert und noch nicht einmal der Betreuerin ins Gesicht gespuckt. Wir, die Betreuer_innen der Kita ,Kinder sind bunt‘ machen uns daher ernste Sorgen und möchten Sie bitten, mit uns in einen Dialog über die Verhaltensauffälligkeit Ihres Sohnes und Ihren möglicherweise kindswohlgefährdenden politischen Einfluss zu treten.“ Dann sehen Sie mal zu, wie Sie da wieder rauskommen!
Wenigstens haben wir in den Kitas (hoffentlich!) ideologisch geschultes Personal, um die Gleichschaltung der Kinder zum Bekenntnis zu mehr Vielfalt sicherzustellen. Was aber ist mit den Gören, die zu Hause bleiben? Die flächendeckende Kita-Pflicht ist unabdingbar, zumal die Zuhausebleiber demnächst wieder mehr werden könnten. Immer mehr junge Frauen und Männer freunden sich nämlich mit dem klassischen Rollenbild – er macht Karriere, sie bleibt zu Hause und kümmert sich um Heim und Nachwuchs – an, wie eine Studie ergeben hat. Hat denn all das „Gendern“ und jahrzehntelange Lächerlichmachen des Hausfrauenberufs nichts genützt?
Scheint so: Dreist und ohne Rücksicht auf die Erkenntnisse der Genderforschung entscheiden diese junge Leute einfach für sich selbst, wie sie leben möchten. Sie wollen nicht einsehen, dass „Vielfalt der Meinungen und Lebensentwürfe“ heute heißt, dass wir alle die gleiche Meinung vertreten, und zwar die, dass Mann und Frau beide erwerbstätig sein sollen und die Kinder durch weltanschaulich sattelfeste Staatsangestellte betreut werden müssen.
Derlei Opposition darf nicht toleriert werden, schon um der Toleranzerziehung der Kinder wegen. Opposition ist ohnehin eine Provokation, seitdem wir erkannt haben, dass abweichende Auffassungen entweder populistisch oder rechtsverdächtig oder gleich beides sind und daher erstickt werden müssen.
Das gilt zu Hause wie in der großen Politik: Im Vorfeld der EU-Wahlen nächstes Jahr fordern Politiker, dass Parteien, die „gegen Europa polemisieren“, von der Parteienfinanzierung ausgeschlossen werden (siehe Meldung links). Der CSU-Europa-Parlamentarier Manfred Weber begründet die Forderung damit, dass Parteien, die „gegen Europa“ seien, nicht auch noch „europäisches Geld“ bekommen sollten.
Interessant: Europäisches Geld? Ist es nicht vielmehr das Geld der europäischen Steuerzahler, also auch derjenigen, welche millionenfach die „populistischen Parteien“ wählen? Und ist das nicht ein Kern der Demokratie überhaupt – das Geld im Staatshaushalt ist das Geld des Volkes? Ach, von wegen: Wer so denkt, ist selber schon Populist. Die modernen Demokraten haben mit Herrn Weber zusammen den Sprung zurück ins Feudalzeitalter getan, als das Geld der Steuerzahler das Geld des Königs war, der darüber nach eigenem Gutdünken verfügen konnte. Heute ist an des Königs  Stelle der europäische Polit-Adel getreten, der „sein“ Geld doch nicht irgendwelchen Abtrünnigen zuschanzen will.
Populismus kommt ja von „populus“, was „Volk“ bedeutet. Daher reden die Populisten auch ständig von ihrem „Volk“ und seinen angeblichen „Rechten“. Feudalherren interessieren sich nicht für Völker und wenn doch, dann nur, weil sie ihnen verdächtig sind. Die Abschaffung der Völker ist daher ein wichtiges Anliegen, mit dem wir Deutsche am besten bei uns selbst anfangen.
Und zwar nicht nur, was die Zukunft angeht, sondern auch rück­blickend. Neulich lief die Wiederholung der Fernsehdoku „Geschichte Mitteldeutschlands“ auf Phoenix. Es ging um Adelheid, die Gattin Ottos des Großen.
Dauernd war von Burgund und Italien die Rede, doch wenn es um Ottos Heimat ging, hieß es durchweg entweder „Ottos Reich“, „Reich der Ottonen“ oder „Reich nördlich der Alpen“, nicht ein einziges Mal tauchte das Wort „Deutschland“ auf. Eine Meisterleistung, die selbst die redegewandten Historiker an den Rand ihrer Verdrehungskünste führte. Einmal wäre einer fast ausgerutscht, als man ihn stammeln hörte: „Und als Otto dann aus Italien kommend zurück nach ... ääh ... ins Reich nördlich der Alpen ...“ Kein Zweifel: Beinahe hätte er „Deutschland“ gesagt. Puuh! Gerade nochmal hingekriegt.
So wird mit der Geschichte die Zukunft gestaltet. Denn wenn es Deutschland (außer natürlich unter Hitler) sowieso kaum je gegeben hat, können wir es leichten Herzens sausen lassen. Wer das anders sieht, bekommt keine Parteienfinanzierung mehr.
Sachen und Leute, die noch irgendwie an „Deutschland“ erinnern, gehören versteckt oder angegiftet. So beschwert sich ein junger Bundeswehroffizier darüber, ständig von anderen Leuten auf der Straße diskriminiert zu werden. Nicht wegen seiner Hautfarbe, er sagt, er sei „halb schwarz“, sondern wegen seiner Uniform.
Er versteht das nicht. So habe die Bundeswehr mit „der faschistischen Wehrmacht“ doch gar nichts mehr zu tun; beim „kleinsten Nazi-Verdacht“ würde eine Kaserne auf den Kopf gestellt, beteuert er in der „Zeit“. Er meint wohl, die eher linken Leser des Blattes damit milde zu stimmen und ahnt gar nicht, dass er ihnen mit folgenden Worten erst recht Munition für ihren Hass liefert: „Und wer glaubt, dass es nach einer gemeinsam durchgestandenen Gefechtsübung noch ,Ausländer‘ gibt, hat keine Ahnung von der zusammenschweißenden Wirkung unseres Berufs.“
Wie bitte? „Zusammenschweißende Kraft“? Keine „Ausländer“ mehr, sondern nur noch Deutsche also?
Junger Mann: Das ist es doch gerade, was Ihren Laden so abscheulich macht. Wenn die „Ausländer“ nicht wenigstens brav „Migranten“ bleiben, sondern Deutsche werden, die sogar, wie Sie schreiben, schwören, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ und sich wie Sie als „Schutzschilde Deutschlands“ betrachten, dann wird es mit der Auflösung dieses Volkes nie etwas! Ihr rückwärtsgewandtes Gefasel vom „Volk“, von „Deutschland“ und von „Tapferkeit“ hat im Reich nördlich der Alpen nichts mehr verloren.


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Kommentare

W. Scholz:
5.02.2015, 00:44 Uhr

Die Grünen haben ja viele Marxisten in ihren Reihen (Trittin,Fischer etc.) Da ist schon die Richtung vorgegeben. Sie können aus den Erfahrungen der DDR schöpfen. Da wurden die Kleinen auch ausgehorcht über die Gesinnung der Eltern. Willkommen Fr. Radvan beim ex-Innenminister und seiner Stasi 2.0. Sie hätten sich sicher bei Stasi 1.0 auch schon wohlgefühlt beim spitzeln im Leben der Anderen. Jetzt bei Stasi 2.0 für die Neue Weltordnung und nicht mehr für den Realsozialismus, obwohl ich da keinen Unterschied sehe.


Michael Kempe:
3.12.2013, 11:20 Uhr

"Nicht wegen seiner Hautfarbe, er sagt, er sei „halb schwarz“, sondern wegen seiner Uniform." Zitat Ende

Ich vertrete die Ansicht, das ein "Halbneger" in der heutigen "Bundeswehr", nur ein ganz normaler Söldner ist. Deutscher, im Sinne des Wortes, wird der niemals.


Hermann Meier:
2.12.2013, 00:15 Uhr

@ Andreas: Der Nationalsozialismus, an und in dem durchaus nicht alles lecker war, ist m.W. nicht gescheitert - er wurde militärisch niedergemacht.


Bonner Schleife:
1.12.2013, 13:58 Uhr

LASSET EUCH NICHT VERKASPERN!

Es gibt gar kein EU-Geld; denn das sogenannte EU-Geld ist gestohlenes Deutsches Geld. Wenn also irgendwo das Verarschungsschild steht: Hier baut die BRDDR-Stadt mit EU-Geldern, so ist das eine glatte Lüge. Die EU stehlt dem BRDDR-Steuerzahler sein ehrlich erarbeitetes Geld, behält sich 10 % davon als Verwaltungsgebühr ein, gibt den Rest an den BRDDR-Steuerzahler zurück und läßt sich beweihräuchern!


Missis Sippi:
30.11.2013, 22:35 Uhr

Oh, was ist das schräg! (heimlich denken tu ich aber, dass das krank ist, - sag ich nur nicht)

Das gab es in der Tat vor Jahren als Comedy im Radio, da machte sich jemand um die Kinder Sorgen, die mit ihrem Vater Schach spielten und in unbedruckten T-Shirts zur Schule kamen. :-) Auch 3SAT und ARTE hielt man für bedenklich, wenn Kinder statt Spongebob eine Tier-Natur-Doku sehen.
(Stenkelfeld "bei der Schülerhilfe") Den Kindern muss geholfen werden.
Echt, das da oben kann man nicht ernst nehmen.
Forget it!


Michael Namenlos:
30.11.2013, 20:29 Uhr

Sorry
Aber wo bleibt unsere Kultur?
Und der Stolz auf unser Land?
Bzw. Das wir deutsche sind?
Wenn man heute was in der Öffentlichkeit sagt, was nur einen leichte kritische Meinung über Migranten hat. Wird man sofort von den linken Gutmenschen als rechts abgestempelt.

Man sieht ja heute nur zu oft, was diese antiautoritäre Erziehung gebracht hat.
Kinder bekommen Kinder.
Keine Bock auf Schule.
Kein Respekt vor dem Alter.
Komasaufen & Ballerspiele.

Wir hatten zur unserer Zeit noch Soziale Kontakte. Und wenn wir Misst gebaut haben & vom Nachbar dafür zu Recht eine Ohrfeige erhalten haben. Trauten wir uns das nicht zu Hause zu sagen. Dann hätte es noch eine gegeben.

Beispiel
Nachbarskinder spielen morgens in der Gasse Fußball, als Tor mus die Garagen Eingangstür herhalten.
Denen wurde paarmal von meiner Frau gesagt, dass ich schlafe wegen meiner Nachtschicht. Und das in der Tür eine Glasscheibe ist.
Kids sich erst mal nicht daran gestört.
Als meine Frau dann lauter wurde, weil die Glasscheibe kaputt ging, wurden die noch frech & ausfallende mit Schimpfwörtern die ich hier jetzt nicht weiter ausführen möchte.

Wir sind Nachmittags zur Alleinerziehenden Mutter.
Die nur meine machen sowas nicht, wir würden dieses ja nur behaupten weil sie Türken seien.

Ende vom Lied, wir mussten die Scheibe selber zahlen, weil wir keine Zeugen dafür hatten.

Das hätte es früher nicht gegeben.


Hein ten Hof:
30.11.2013, 11:36 Uhr

„das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“

An dieser Formulierung wird schon kräftig geknabbert, insbesondere von Leuten "die nicht ganz grün hinter den Ohren" sind, in Nordrhein Westfalen. Soll in Zukunft heissen: "Zum Wohle der Bevölkerung."

http://www.verena-schaeffer.de/2012/05/personliche-erklarung-zur-verpflichtigungserklarung/

>>Verena Schäffer (GRÜNE): Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte eine persönliche Erklärung zur Abstimmung über die vorläufige Geschäftsordnung des Landtags NRW abgeben und dabei auch betonen, dass sie die Meinung meiner Fraktion widerspiegelt.

Vor zwei Jahren stand bereits mein Kollege Arif Ünal genau an dieser Stelle und hat darauf hingewiesen, dass die Verpflichtungserklärung nach § 2 Abs. 1 der Geschäftsordnung, wonach wir uns dem Wohle des deutschen Volkes widmen, aus unserer Sicht nicht der Lebensrealität in Nordrhein-Westfa­len entspricht.

Meine Fraktion hat sich bereits in den letzten beiden Jahren dafür eingesetzt, dass wir den Wortlaut dahin gehend verändern, dass die Abgeordneten zukünftig in der Verpflichtung deutlich machen, dass sie sich dem Wohle der gesamten Bevölkerung, allen Menschen in Nordrhein-Westfalen widmen. Dafür möchten wir auch in dieser Legislaturperiode bei der Arbeitsgruppe, die einen Entwurf für eine überarbeitete Geschäftsordnung vorlegen soll, werben.<<


Schievelbeiner Röthke:
29.11.2013, 21:00 Uhr

Heike Radvan hat gut beobachtet.

Und wenn das Umfeld noch nicht vollständig aufgeklärt ist, dann wird "Vati und Mutti"gespielt... Ali verhaut seine Mutti, Dagmar und Knut spielen: "Was die Alten gesungen, plappern die Jungen!" und schon ist der vollständige "Backround" vorhanden, um sich ein Urteil über die "rechte Einstellung" dieser Erziehungsberechtigten zu bilden.

Knut und Dagmar mussten sehr bald die "Vorschule" verlassen, weil eine Unterordnung unter Ali nicht möglich war und es ständig zu Meinungsverschiedenheiten gekommen ist. Seltsamerweise haben beide eine gute Abiturnote hingelegt... über Ali wollen wir lieber schweigen.


Andreas Müller:
29.11.2013, 12:05 Uhr

Wenn das, was diese "Gendertypen-politisch korräkt" tun, nicht so ernst und reell wäre, könnte man das für eine gelungene Realsatire halten.
Ich frag mich immer wieder, wie diese Leute, trotz wohl vorhandener Intelligenz, ihre eigene Identität mit einen schon kranken Fatalismus zerstören müssen. Die sind in ihren Tun auf der selben Ebene, die sie angeblich immer bekämpfen vor geben.
Der Hitlerfaschismus, der Stalinismus, der Maoismus und jetzt die Ideologie der NWO sind alle an diesen gleichmachenden totalitären Menschenbild gescheitert.
Insofern gibt es noch Hoffnung.


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