Alles über Friedrich II.

30.11.11

Wenn sich im kommenden Jahr Historiker und Freunde der Geschichte des 18. Jahrhunderts auf das Thema
Friedrich der Große stürzen, dann wird viel Sinniges, aber auch Unsinniges geschrieben werden. Der große Preußenkönig, dessen 300. Geburtstages gedacht wird, stand seit eh und je im Fokus des Interesses. Die einen sehen in ihm den bedeutenden Feldherrn, die anderen den Inbegriff des Militarismus. Wie er wirklich war, das wird man am Ende des Jahres vielleicht eher erkennen können, zieht man ein Fazit aus all den bedeutenden und unbedeutenden Veröffentlichungen des Jahre 2012 über dieses Thema zusammen.
Ein Mann, der sich seit langem mit Friedrich dem Großen intensiv beschäftigt hat, ist Prof. Dr. Jürgen Ziechmann, lange Jahre Autor der PAZ. Ziechmann hat sich bis ins kleinste Detail mit dem Leben und Wirken Friedrichs befasst. Entstanden ist nach beachtenswerter Kleinarbeit ein Lexikon, das sich ausschließlich Friedrich widmet. Von „Abdecker“ bis „Zweiter Schlesischer Krieg“ reichen die Stichworte und geben einen Eindruck von der Vielseitigkeit des Lexikons. Der Autor hat eine Fülle von Daten und Fakten zusammengetragen, da kann es schon einmal zu einer Flüchtigkeit kommen, etwa wenn ausgerechnet bei der Kurzbiografie des Preußenkönigs das Todesjahr fehlt (Seite 221).
Die Texte sind kurz, wie es sich für ein Lexikon gehört, und allgemeinverständlich geschrieben, so dass auch der Laie seine Freude daran haben dürfte. Die weiterführenden Literaturhinweise werden den Leser erfreuen, der gern noch mehr wissen möchte. Für den Anfang aber macht es einfach auch Vergnügen, in dem Lexikon zu schmökern, das weitaus mehr ist als ein reines Nachschlagewerk. Welch eine Freude, nicht nur über den Regenten und Feldherrn, sondern auch über den Menschen Friedrich zu lesen. Der König war ein Anhänger der „Humoralpathologie“, des Aderlasses. Eine Prozedur, der er sich zweimal im Jahr unterzog. Dass Friedrich ein Freund der Künste, der Musik vor allem, aber auch des Theaters war, das ist dem Preußenfreund hinlänglich bekannt. Er war aber auch ein Freund und Sammler der Antike. Ziechmann: „Die Antike wurde von ihm als Kompensation der eigenen nothaften (bürgerlichen?) Existenz aufgefasst. Sich mit ihr zu beschäftigen war gleichbedeutend mit der Suche nach einem ganzheitlichen und geschlossenen, in sich ruhenden und mit sich und der Welt im Einklang befindlichen Selbstdasein … Friedrich wurde durch seine Ankäufe zu einem der führenden Antiken-Sammler des 18. Jahrhunderts. Am Ende seines Lebens hatten sich mehrere hundert Stücke angesammelt, die dann aber doch in einer von Friedrich vorgenommenen Anordnung aufgestellt wurden, und zwar in den verschiedenen Schlössern je für sich nach eigenem Schwerpunkt einerseits – und im 1768 von Carl Philipp Christian von Gontard erbauten Antikentempel andererseits.“
Neben sachlichen Informationen hat Ziechmann in die einzelnen Artikel auch so manche Anekdote eingebaut, von denen es über Friedrich II. ja bekanntermaßen viele gibt. So liest man in einem Beitrag über den Kaffeekonsum in Preußen, dass der König sich über den Verbrauch seiner Untertanen mokiert, aber auch selbst gern eine Tasse des braunen Gebräus zu sich nahm. Ein Plakat zeigte Friedrich mit einer Kaffeemühle zwischen den Knien. Als er das sah, soll er gesagt haben: „Niedriger hängen, damit es alle sehen können.“ Mit Ziechmanns „Fridericianischer Encyclopédie“ ist kein trockener Lesestoff für reine Historiker erschienen, sondern ein Lesebuch, das Lust auf mehr macht. Vorsicht: Es besteht Suchtgefahr, noch tiefer in die Geschichte um den großen König einzutauchen. Silke Osman

Jürgen Ziechmann: „Fridericianische Encyclopédie. Friedrich der Große und seine Epoche. Das Lexikon, Ereignisse, Personen, Sachverhalte“, Edition Ziechmann, H. M. Hauschild GmbH, Bremen 2011,756 Seiten, 14 farbige Karten zu den von Friedrich geschlagenen Schlachten, umfangreiches Personenregister, geb., 88 Euro

Jürgen Ziechmann


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