»Amerika den Amerikanern«

Kolumbien und die US-geführte NATO intensivieren kontinuierlich ihre Militärbeziehungen

17.06.19
Im Hauptquartier der für Lateinamerika zuständigen U.S. Army South in San

Die Bundeswehr muss sich darauf einstellen, zukünftig häufiger auf spanischsprachige Kameraden aus dem vermeintlichen Hinterhof der USA, Lateinamerika, zu treffen.

Am 31. Mai 2018 wurde Kolumbien in Brüssel zum ersten „globalen Partner“ der NATO in Lateinamerika und genießt seitdem den gleichen Status wie Afghanistan, Australien, der Irak, Japan, Südkorea, die Mongolei, Neuseeland und Pakistan. Das strategisch gelegene Land genießt als einziges in Südamerika Zugang zum Pazifik und zur Karibik.
Venezuela und Bolivien reagierten sofort gereizt und sprachen von einer Bedrohung für den Frieden und die regionale Stabilität beziehungsweise einer Aggression gegen ganz Lateinamerika. Gerade die Russen sehen in der Einbindung Kolumbiens in die NATO die Wiederbelebung der viel zitierten Monroe-Doktrin „Amerika den Amerikanern“. Nachdem Ende März 2019 zwei russische Militärflugzeuge mit 99 Mann und Waffen an Bord in Venezuelas Hauptstadt Caracas gelandet waren, warnte die hohe Kammer des Parlaments in Moskau vor einer möglichen Intervention dort. Bogotá bestritt solche Pläne umgehend und betonte, dass militärischer Beistand für die sozialistische Regierung in Venezuela den Übergang zur Demokratie behindere.
Letztendlich konnte sich Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos damit kurz vor Ende seiner Amtszeit von 2010 bis 2018 einen seit 2013 gehegten Wunsch erfüllen. Damals wurden zum ersten Mal Mitglieder der kolumbianischen Streitkräfte an Militärakademien in Italien und Deutschland ausgebildet. Zwei Jahre später nahm die kolumbianische Marine an einer Mission der NATO gegen Piraten am Horn von Afrika teil.
Seinem über den Erwerb von 24 russischen Kampfjets vom Typ Suchoi Su-30 und 100000 Ka-
laschnikows durch Venezuelas Präsdenten Hugo Chávez im Juni 2006 sowie den fast zeitgleichen Linksruck in Bolivien, Ecuador und Nicaragua besorgten Vorgänger Álvaro Uribe war dies nicht gelungen. Und das 2009 zwischen Uribe und Barack Obama unterzeichnete Abkommen über die Nutzung von sieben kolumbianischen Militärbasen durch die US-Armee wurde 2010 vom Verfassungsgericht Kolumbiens als ungesetzlich außer Kraft gesetzt, da die Vereinbarung ohne die Aufsicht des Kongresses zustande gekommen war. Trotz anderslautenden kursierenden Gerüchten gibt es deshalb nach wie vor weder US-amerikanische noch unter US-amerikanischem Kommando stehende Stützpunkte in Kolumbien.
Sehr wohl sind aber sehr viele Soldaten und Kontraktoren aus den Vereinigten Staaten dort präsent. Diese enge Zusammenarbeit zwischen Bogotá und Washington begann bereits 1999, als die damaligen Präsidenten Bill Clinton und Andrés Pastrana den „Plan Colombia“ beschlossen.
Die massive, nicht unumstrittene Unterstützung der kolumbianischen Regierung im Kampf gegen Drogen und kommunistische Guerillas wie die Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) ließen sich die USA bisher zehn Milliarden US-Dollar kosten, 2019 alleine 230 Millionen. Die Kolumbianer haben sich damit zum größten Empfänger von Militärhilfe in der westlichen Hemisphäre entwickelt. Laut Angaben der Weltbank investierten sie 2017 über drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung und somit bedeutend mehr als andere Länder der Region.
US-Präsident Donald Trump sagte im vergangenen März beim Besuch des brasilianischen Staatschefs Jair Bolsonaro, selbst Fallschirmjäger der Reserve, dass Brasilien ebenfalls den Status Kolumbiens erhalten könnte. Dies erscheint jedoch trotz der momentan guten bilateralen Beziehungen auf absehbare Zeit unrealistisch.
Die herausragende Teilnahme am NATO-Programm „Building Integrity“ über die Grundlagen einer korruptionsfreien und modernen Militärführung macht die als seriös und durchschlagend geltenden kolumbianischen Streitkräfte sogar zum Vorbild bei der Einführung dieses Konzepts in der Ukraine. Zusätzlich bedeutet die Partnerschaft einen enormen Prestigegewinn auf internationaler Ebene sowie mehr Transparenz, weniger Korruption und eine bessere Personalverwaltung. Der im jahrzehntelangen Bürgerkrieg erworbene ausgezeichnete Ruf der Spezialkräfte für Minenräumung und nächtliche Hubschraubereinsätze sowie die Tatsache, dass man sich nie auf gesellschaftspolitische Experimente einließ, haben zweifelsohne dazu beigetragen, dass die NATO nun ein Standbein am Amazonas hat. Es wird zwar auch zukünftig keine kolumbianische Teilnahme an weltweiten Militäroperationen geben, denn humanitäre Hilfe, Rettungseinsätze, Krisenmanagement, Cybersicherheit, Terrorismusbekämpfung und die Zerschlagung transnationaler Verbrecherorganisationen stehen im Vordergrund.    Markus Matthes


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Kommentare

sitra achra:
17.06.2019, 21:28 Uhr

Schon wieder ein Land, das mit den amerikanischen Wölfen heult.
Jeder Vasall muss aber wissen, dass er für seine Fehler einst bezahlen wird.


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