Atomkonkurrenz

Estland plant den Bau eines eigenen AKW

03.01.10

In diesen Tagen wird Litauen sein veraltetes und nicht mehr den Sicherheitsanforderungen entsprechendes Kernkraftwerk Ignalina schließen. Damit kommt das Land seinen eingegangenen Verpflichtungen gegenüber der EU  nach; allerdings ist Litauen gezwungen, mehr als bisher die Sicherheit der eigenen Energieversorgung und die seiner baltischen Nachbarstaaten der russischen Übermacht auf dem Energiesektor auszusetzen.
Alternativen sind bislang nicht in Sicht. Konnte bislang noch Estland Litauen mit Strom versorgen, droht ihm in Zukunft selbst eine Versorgungslücke, weil das Land sich verpflichtet hat, die in der EU geltenden Richtlinien für umweltfreundliche Energiegewinnung einzuhalten. Der Bau eines neuen Atomkraftwerks für alle baltischen Staaten, das Ignalina ersetzen soll, wird dringender. Seit Anfang des Jahres verhandeln die Energieminister Estlands, Lettlands, Litauens und Polens über den Bau eines gemeinsamen Kernkraftwerks bis 2018, doch die Verhandlungen verliefen von Beginn an schleppend. Einig war man sich zunächst fast nur darüber, dass das neue Kraftwerk auf litauischem Territorium stehen soll, weil die Litauer bereits Erfahrung und eine entsprechende Infrastruktur mitbringen. Die Angaben über die Kosten der geplanten Anlage variieren zwischen zwei und vier Milliarden Euro.
Für Verstimmung sorgte die Nachricht, dass Estland den Bau eines eigenen AKW bis 2020 plant. Das estnische Energieministerium veranschlagt 2,1 Milliarden Euro für den Bau, der teils aus eigenen Mitteln, teils mit EU-Geldern und privaten Investitionen finanziert werden soll. Lettland und Litauen befürchten nun, dass sich angesichts der Wirtschaftskrise nicht genügend Investoren für mehrere Atomkraftwerke finden werden. Die Unabhängigkeit von russischer Energie rückt somit in immer weitere Ferne, zumal Russland keinen Zweifel daran lässt, dass sein geplantes Kernkraftwerk bei Ragnit schon bald verwirklicht werden wird.     

MRK


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