Azubis versagen

Schlechtes Zeugnis für das Bildungssystem in der Hauptstadt

12.02.19

Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) hat den jüngsten Ausbildungslehrgang statistisch ausgewertet und größere Probleme bei der Motivation und in der Schulbildung festgestellt. IHK-Mitgliedsbetriebe der Hauptstadt, die im Sommer 2018 befragt wurden, berichteten am häufigsten über einen Mangel an Leistungsbereitschaft und Motivation (65,5 Prozent). Fast genauso viele sahen Mängel bei der Belastbarkeit der Bewerber.
Für viele Betriebe mittlerweile ein Dauerthema ist die Klage über die Schulbildung in Berlin. Fast jedes zweite befragte Unternehmen (48,4 Prozent) gab an, die Bewerber würden elementare Rechenfertigkeiten nicht genügend beherrschen.
Noch höher lag mit 59,5 Prozent der Anteil der Unternehmen, die über Probleme beim mündlichen und schriftlichen Aus­drucks­vermögen von Auszubildenden berichteten. Fast jeder dritte Ausbildungsbetrieb in Berlin versucht mittlerweile sogar, die mangelhafte Schulbildung in Deutsch und Mathematik durch eigenen Nachhilfeunterricht auszugleichen.
Die Ausbilder müssen allerdings auch bei der sozialen Kompetenz häufig Defizite feststellen. Denn gut jeder zweite Betrieb sah Disziplinprobleme, und jeder dritte Ausbildungsbetrieb beklagte bei den Jugendlichen mangelndes Interesse und Aufgeschlossenheit. Auffallend hoch war mit 40,5 Prozent auch der Anteil der Befragten, die schlechte Umgangsformen bei den Jugendlichen festgestellt haben.
Bereits im vergangenen Jahr hatte die ungewöhnlich hohe Quote von abgebrochenen Ausbildungen für Aufsehen gesorgt. Für das Jahr 2017 wurde die Abbrecher-Quote in der Hauptstadt mit 33,6 Prozent angegeben. Jeder Dritte löste damit vorzeitig seinen Ausbildungsvertrag auf. Berlin schnitt dabei so schlecht ab wie kein anderes Bundesland.
Laut dem Berufsbildungsbericht 2018 beendete deutschlandweit im Schnitt jeder vierte Azubi die Lehre nicht. Besonders hoch ist der Anteil der Abbrecher bei der Ausbildung von Köchen, Restaurantfachkräften, Friseuren und Sicherheitsfachkräften. Fast jeder zweite Auszubildende hört bei diesen Berufen vor der Ab­schluss­prüfung auf. Unter fünf Prozent lag dagegen die Abbrecherquote bei denjenigen, die eine Ausbildung zum Fachangestellten in der Verwaltung angefangen hatten.
Die Berliner Unternehmen bemühen sich mittlerweile auch verstärkt um Studienabbrecher, damit sie Nachwuchs in hochqualifizierten Berufen finden. Schon jetzt ist der Anteil von Abiturienten (40,2 Prozent) unter den Auszubildenden bemerkenswert hoch. Trotz aller Bemühungen fällt es der Wirtschaft in der deutschen Hauptstadt aber offenbar schwer, alle offenen Ausbildungsplätze überhaupt zu besetzen. Im vergangenen Jahr blieben fast
elf Prozent der Plätze unbesetzt.
    Norman Hanert


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