Bei Linken knallten die Sektkorken

Stiftungsrat der Stasi-Gedenkstätte unter Vorsitz von Klaus Lederer hat Hubertus Knabe entlassen Bild: Leh

05.10.18
Vor der Stasi-Gedenkstätte: Hubertus Knabe bei einer Veranstaltung zum Linksextremismus

Warum wurde Hubertus Knabe, der renommierte Direktor der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, entlassen? Bei seinen linken Gegnern knallten die Sektkorken. Knabes Stellvertreter Helmuth Frauendorfer – und nur ihm – wurden sexuelle Belästigungen von Mitarbeiterinnen vorgeworfen. Bezüglich Knabe hieß es, man habe „kein Vertrauen“, dass er einen „Kulturwandel“ in Sachen „Sexismus“ herbeiführe.

Die Entlassung von Knabe als Direktor der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen war ein Paukenschlag. Schon lange war er vielen Linken ein Dorn im Auge. Eines seiner vielen wichtigen Bücher trug den Titel: „Die Wahrheit über die Linke“. Die Gedenkstätte Hohenschönhausen führte er ab 2001 erfolgreich zu immer höheren Besucherzahlen. Er begnügte sich nicht mit einem nur musealen Erinnern an die Stasi-Vergangenheit. Als eine der wenigen Institutionen in Deutschland befass-te sich die Gedenkstätte unter seiner Leitung auch mit dem Linksextremismus. Knabe meldete sich in tagesaktuellen Fragen zu Wort, wie etwa bei der Aufstellung einer gigantischen Karl-Marx-Statue in Trier. Auch als der frühere hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter Andrej Holm von der Bausenatorin Katrin Lompscher (Die Linke, früher SED) zum Staatssekretär gemacht werden sollte, meldete sich Knabe zu Wort.
Schon als 2016 der rot-dunkelrot-grüne Senat gebildet wurde, warnte Knabe aufgrund früherer Erfahrungen in einem Beitrag im „Tagesspiegel“ davor, erneut einen Politiker der „Linken“ zum Kultursenator zu machen. Ein solcher ist qua Amt Stiftungsratsvorsitzender der Gedenkstätte Hohenschönhausen. Klaus Lederer (Die Linke) wurde trotzdem Kultursenator und damit quasi Knabes Chef.
2006 hatte Lederer als damaliger Berliner PDS-Landesvorsitzender mit der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (PDS, heute Die Linke) folgende Traueranzeige für den früheren Stellvertreter von Stasi-Chef Erich Mielke, Markus Wolf, unterzeichnet: „Wir trauern um einen Freund und Genossen, einen streitbaren Kämpfer, der aufrecht durch sein Leben ging.“
Am 25. September 2018 hieß es in einer Pressemitteilung der Kulturbehörde Lederers: „Der Stiftungsrat der Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen hat sich in seiner heutigen Sondersitzung mit den Vorwürfen zu sexueller Belästigung und strukturellem Sexismus in der Gedenkstätte Hohenschönhausen befasst. Im Ergebnis der Stiftungsratssitzung wurden einstimmig folgende Beschlüsse gefasst: Das Anstellungsverhältnis mit dem stellvertretenden Leiter der Gedenkstätte, Helmuth Frauendorfer, wird schnellstmöglich und zum nächstzulässigen Termin ordentlich gekündigt. Dem Direktor der Gedenkstätte, Dr. Hubertus Knabe, wird ordentlich gekündigt. Mit Blick auf die internen Ermittlungen wird Herr Dr. Knabe vorläufig von seinen Dienstpflichten freigestellt. Der Stiftungsrat hat kein Vertrauen, dass Herr Dr. Knabe den dringend notwendigen Kulturwandel in der Stiftung einleiten wird, geschweige denn einen solchen glaubhaft vertreten kann.“
Ein Journalist der linken „Taz“ hatte schon vor der Stiftungsratssitzung getwittert: „Sollte Hubertus Knabe heute gefeuert werden, habe ich den Kollegen eine Flasche Rotkäppchen versprochen.“ Die Sektkorken knallten in der „Taz“ nicht wegen der Frage sexueller Belästigungen. Knabe war politisch unliebsam.
Dem nur fünfköpfigen Stiftungsrat gehören neben Lederer an: Martina Gerlach, Staatssekretärin beim grünen Berliner Justizsenator Dirk Behrendt; Maria Bering, seit 2017 Leiterin der „Gruppe Geschichte, Erinnerung“ bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU); Birgit Neumann-Becker, Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, und Dieter Dombrowski (CDU), Vizepräsident des Brandenburger Landtags und Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft. Im August hatte sich Dombrowski in einem Interview mit der „Lausitzer Rundschau“ offen für eine Koalition von CDU und „Linke“ gezeigt und erklärt, man müsse sich „mit den politischen Realitäten arrangieren“.
Die frühere Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) twitterte nach der Entscheidung des Stiftungsrats, sie sei „überrascht und entsetzt“ über die Entlassung Knabes: „Das, was ich an Vorwürfen lese, scheint mir Entlassung nicht zu rechtfertigen. Vor allem nicht in Anbetracht der großartigen Leistung Knabes.“
Der Berliner CDU-Abgeordnete Kai Wegner erklärte in einem Interview, er kenne keine „belastbaren“ Vorwürfe gegen Knabe: „Es hieß lediglich, man habe kein Vertrauen mehr in seine Arbeit. Das ist ein bisschen dünn für einen Gedenkstellenleiter, der 17 Jahre lang tolle Arbeit geleistet hat.“
Im Berliner Abgeordnetenhaus erklärte Lederer, dass die Vorwürfe bezüglich sexueller Belästigungen nur den Stellvertreter Knabes beträfen. Zugleich sagte er, es stimme nicht, dass in der Gedenkstätte „massenhaft Übergriffigkeiten stattgefunden hätten. Das ist Quatsch.“ Es fragt sich dann, wieso – gerade wenn Frauendorfer entlassen wird – noch ein großartiger „Kulturwandel“ in der Gedenkstätte nötig sein soll, der als Entlassungsgrund für Knabe strapaziert wird. Dieser hatte unter anderem bereits eine Antidiskriminierungsbeauftragte ernannt.
Knabe twitterte: „Ich bin erschüttert, dass ich jetzt nach 17 Jahren auf die Straße gesetzt werde. Ich würde die Aufgabe gerne fortführen, denn ich fühle mich der Aufarbeitung der SED-Diktatur weiterhin tief verbunden.“ Lederer kündigte jedoch schon eine neue Ausschreibung der beiden Leitungspositionen an. Zuvor wurden sofort schon von linker Seite mögliche Nachfolger ins Gespräch gebracht.    Michael Leh


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