Bekenntnis zur Entwicklungshilfe

Neue Strategie − Peking will nicht bloß Rohstoffe aus Afrika importieren und Produkte dorthin exportieren

22.12.15
Der südafrikanische Präsident begrüßt seinen chinesischen Gast und Amtskollegen bei der Eröffnungszeremonie des Chinesisch-Afrikanischen Kooperationsforums (FOCAC) in Johannesburg: Jacob Zuma (rechts) und Xi Jinping Bild: pa

Bislang beschränkte sich das chinesische Engagement in Afrika vor allem auf die Ausbeutung der dortigen Rohstoffvorkommen und große Infrastrukturprojekte, die dem Abbau der chinesischen Überkapazitäten in der Baubranche dienten, aber kaum Arbeitsplätze für Einheimische schufen. Außerdem überschwemmte China den afrikanischen Markt mit Billigwaren aus eigener Produktion, was der Wirtschaft vor Ort schadete. Das soll nun anders werden.


In dem nun zu Ende gehenden Jahr stieg der Handelsbilanzüberschuss Chinas gegenüber Afrika auf 40 Milliarden US-Dollar. Die chinesischen Importe aus Afrika schrumpften in den letzten zwölf Monaten um 31 Prozent. Das lag vor allem an Chinas sinkender Nachfrage nach Rohstoffen, was einige Rohstoffe exportierende Länder wie Angola, Kongo und Sambia in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten stürzte.
Das hinderte den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping allerdings nicht daran, ein überaus optimistisches Bild von der Zukunft zu zeichnen, als ihn Anfang dieses Monats eine ausgedehnte Reise durch den Süden des Schwarzen Kontinents führte. So verkündete er im Verlaufe des Gipfeltreffens des Chinesisch-Afrikanischen Kooperationsforums (FOCAC) in Johannesburg vor 49 afrikanischen Staatsoberhäuptern und deren Entourage, dass zwischen China und Afrika eine historisch bedingte „Schicksalsgemeinschaft“ bestehe und die „Süd-Süd-Kooperation“ zwischen der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt und dem dynamischsten Kontinent der Erde für beide Seiten zu einer „Win-win-Situation“ führen werde.
Dem folgte das Versprechen, die eigenständige wirtschaftliche Entwicklung Afrikas in den kommenden drei Jahren mit 60 Milliarden Dollar zu unterstützen – sei es in Form von zinslosen oder zinsgünstigen Krediten oder durch direkte Entwicklungshilfeleistungen. Zu den letzteren zählen der Aufbau einer militärischen Krisentruppe der Afrikanischen Union, die Finanzierung von Umweltschutz- und Gesundheitsmaßnahmen, die Förderung von Projekten zum Studentenaustausch sowie Lebensmittellieferungen in die Dürre-Regionen des Kontinents. Außerdem ließ der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang im Vorfeld der Reise von Xi wissen, dass die Investitionen in Afrika bis zum Jahr 2020 um 100 Milliarden Dollar wachsen sollen.
Diese Ankündigungen sind Teil einer neuen Strategie Chinas gegenüber den afrikanischen Staaten. Nunmehr signalisiert das Reich der Mitte seinen Willen zu einer echten Kooperation, welche die Hemmnisse beseitigen soll, die die Entwicklung Afrikas bremsen: Armut und Hunger, islamischer Terror, Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, zu geringe Finanzmittel und ungenügende Industrialisierung. Das heißt, Peking plant jetzt offenbar tatsächlich auch die Förderung des Aufbaus einer eigenständigen afrikanischen Industrie, die konkurrenzfähige Produkte herstellen kann. Das würde zwar dem chinesischen Export schaden, aber die politischen Bindungen zwischen den beiden ungleichen Partnern vertiefen.
Und tatsächlich bedankten sich die in Johannesburg versammelten Staatschefs für Xis Beteuerungen, China wolle nun seine „Industrialisierungserfahrungen mit den afrikanischen Ländern teilen“, sogleich mit allerlei Artigkeiten. So meinte der stellvertretende Handels- und Industrieminister Südafrikas, Mzwandile Masina: „China ist die Hoffnung des afrikanischen Kontinents.“ Und Namibias neuer Präsident Hage Geingob fügte hinzu, wenn Afrika noch enger mit China kooperiere, mache es „das beste Geschäft“, das denkbar sei – damit nämlich würde der „Großverkauf-Export unserer Ressourcen ... durch den Fokus auf Wertsteigerung, Wissensentwicklung und Technologietransfer abgelöst“. Anschließend verteilte Geingob noch Seitenhiebe gegen „gewisse Nationen, die uns belehren und vor der sogenannten chinesischen Kolonialisierung von Afrika warnen“. Diese sollten sich daran gewöhnen, dass „unsere Investitionstüren“ vor allem jenen offenstehen, „die uns respektieren und gleichwertig behandeln“.
Starke Worte aus dem Munde eines Mannes, der ein Land regiert, welches seit Anbeginn seiner Existenz vor 25 Jahren am Tropf der westlichen beziehungsweise deutschen Entwicklungshilfe hängt. Aber andererseits sind sie auch typisch für all die Potentaten südlich der Sahara, die nur zu gern registrieren, mit welchem Aufwand China die Wirtschaft in Schwarzafrika aufpäppeln will, ohne zugleich die Reizthemen Menschenrechte und Demokratie zur Sprache zu bringen.    
    Wolfgang Kaufmann


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Kommentare

peter 789:
26.12.2015, 11:32 Uhr

So linke Kampfbegriffe wie "Ausbeutung" oder "Märkte überschwemmen" kennt man normalerweise nur von linken Waschblättern, aber nicht von der PAZ. Bin enttäuscht!


Helmut Josef Weber:
22.12.2015, 10:00 Uhr

Und nun gebe ich zu raten, in welchen Gebieten Afrikas nun plötzlich die Gruppierungen mit Waffen versorgt werden, die man in den westlichen Ländern als Opposition bezeichnen würde.
Wer die Rede von Friedman gehört hat, mit der er der Welt erklärt hat, warum die USA weltweit Unruhen und Kriege schüren, sollte es begriffen haben.
Unsere Bundeskanzlerin nennt solche Kriegstreiber unsere Freunde.
Nette Freunde(!?)

Viele Grüße aus Andalusien
H. J. Weber


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